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  • "the next doctor" is male

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61

Saturday, August 22nd 2009, 7:55am

Hi,

es sind natürlich zwei Aspekte - die moralische Komponente, nämlich die bleibende Schuld, und der entstandene Schaden. Ich habe mich auf den letzten Aspekt konzentriert und die Moralkeule am Ende gezogen. Beides sollte imho betrachtet und bewertet werden.

s/tnd

Infinity

Alter Mann

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62

Saturday, August 22nd 2009, 10:24pm

Hi,

es sind natürlich zwei Aspekte - die moralische Komponente, nämlich die bleibende Schuld, und der entstandene Schaden. Ich habe mich auf den letzten Aspekt konzentriert und die Moralkeule am Ende gezogen. Beides sollte imho betrachtet und bewertet werden.

s/tnd


Naja "entstandener Schaden"... das ist schon wieder so eine unpersönliche Einordnung, klingt ein wenig nach Sachbeschädigung. Dass beides betrachtet werden muss, sehe ich auch so, ich fürchte nur, dass wir in der Beurteilung der Folgen unterschiedlich denken.

Das Problem das ich sehe ist, dass du der Moralkeule - dem grundsätzlichen Bewusstsein, dass da etwas furchtbar falsch gelaufen ist und die Handelnden zu dem Zeitpunkt nicht so hätten handeln "dürfen" - eher die Wirkung zuschreibst, die ich bei der anderen Sorte Schuld sehen würde, dem direkten emotionalen Trauma, der persönlichen, leibhaftigen Betroffenheit der Hinterbliebenen, z.B. all jener Kinder die in CoE geopfert werden sollen.

Um es in Relation zu setzen: es gibt die Fälle wo "klar" ist, wer die Schuld an etwas hat... Herodes bei den zitierten vorgeblichen Kinderschlächtereien im Palästina der Zeitenwende, aber wo niemand mehr ernsthaft die "Schuldigen" haftbar machen wollen kann. Niemand wird den heutigen Ministerpräsidenten von Israel anklagen, dass seine Regierung durch die Nachfolgerschaft für frühere jüdische Regierungen die Finger in dieser Sache drin gehabt hat (oder gar Herrn Berlusconi, der so gesehen als Augustus indirekter Amtsnachfolger ebenfalls "verantwortlich" sein könnte). Die wenigsten Menschen werden nachts schreiend aufwachen, weil ihr Herz blutet ob der armen Kinderlein, die da getötet wurden. Der Erinnerung steht keine emotionale Komponente in gleichem Umfang gegenüber. Und dann gibt es da die Fälle, wo die Schuld noch frisch genug ist, um "umsetzbar" zu sein. Menschen können aufgrund der Dinge, derer sich da jemand schuldig gemacht hat, noch hassen, verzweifeln, leiden, Menschen können sich noch der Dinge, die sie getan haben schuldig fühlen. Erinnerung und Emotion stehen hier Hand in Hand und schaukeln sich u.U. gegenseitig hoch.

Wenn du von schlimmen Narben und langfristigen Schäden sprichst, meinst du die erste Sorte (unpersönlich, generalisierend), die eher akademisch zurückblickt oder das Geschehen als moralische Botschaft und Leitbild verwendet. Du verbindest sie aber mit den viel stärkeren Effekten oder Auswirkungen der zweiten Sorte von Schuld (personifiziert).

Wo ich diese Zeile schreibe, fällt mir dazu diese eine Szene aus "Galaxy Quest" ein, in der sie begreifen dass die Außerirdischen JEDE Fernsehsendung für etwas wirklich geschehenes halten und bei ALLEM mitleiden, was sie da berichtet sehen und hören. "Ohhh Diese armen Leute", als Erwiderung auf die Erwähnung von "Gilligans Island". Das ist aber nur so ein auffälliger Moment in der Filmhandlung, weil wirkliche Menschen eben nicht so funktionieren. Am meisten leiden sie unter Dingen, die ihrem nächsten Umfeld passiert sind. Je weiter die Beziehung zu einer Begebenheit sind, umso weniger wird die eigene Person davon berührt. (nein, das schliesst "Die Welt trauert um 'Janto'!" nicht aus. Da hat eine stärkere Identifizierung mit virtuellen Figuren stattgefunden, als üblich ist... Tränen um Film- oder Buchtote versiegen meist, wenn der Abspann durchflimmert.)
Rosebud

Alles nur Staub und Phantasie

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63

Sunday, August 23rd 2009, 7:25pm

Dass beides betrachtet werden muss, sehe ich auch so, ich fürchte nur, dass wir in der Beurteilung der Folgen unterschiedlich denken.

Was ich erstmal per se nicht schlimm finden würde.

Wenn du von schlimmen Narben und langfristigen Schäden sprichst, meinst du die erste Sorte (unpersönlich, generalisierend), die eher akademisch zurückblickt oder das Geschehen als moralische Botschaft und Leitbild verwendet. Du verbindest sie aber mit den viel stärkeren Effekten oder Auswirkungen der zweiten Sorte von Schuld (personifiziert).

Wie kommst Du zu diesem Schluss?

Das Problem das ich sehe ist, dass du der Moralkeule - dem grundsätzlichen Bewusstsein, dass da etwas furchtbar falsch gelaufen ist und die Handelnden zu dem Zeitpunkt nicht so hätten handeln "dürfen" - eher die Wirkung zuschreibst, die ich bei der anderen Sorte Schuld sehen würde, dem direkten emotionalen Trauma, der persönlichen, leibhaftigen Betroffenheit der Hinterbliebenen, z.B. all jener Kinder die in CoE geopfert werden sollen.


Da habe ich mich vielleicht nicht deutlich genug ausgedrückt. Sicherlich ist die persöniche Erinnerung unmittelbarer und stärker, aber sie wird über Generationen weitergetragen und zwar sowohl bewusst und als auch unbewusst, weil die Eltern ihre Traumata auf die Kinder übertragen. Aus diesem Grund verwachsen sich erlebter Hass und Greuel nicht innerhalb von einigen Jahrzehnten sondern innerhalb mehrerer bis vieler Generationen. Aber irgendwann ist das ausgewachsen.

Der Begriff der Schuld bleibt grundsätzlich. Klar kann es relativierende Geschichtsschreibung geben, die die Schuld im Laufe der Zeit (oder auch sehr schnell) verwischen. Aber es gibt genug beispiele, bei denen Greueltaten die lange zurückliegen unmittelbar mit den damals handelnden Personen verbunden sind und dies auch bleiben. Daß dies wie im von Dir beschriebenen Beispiel keine unmittelbare Auswirkung auf heutige Politik haben kann / darf / soll / muss, ist auch klar. Ändert aber nichts an der Verwerflichkeit des damaligen Handelns.

s/tnd