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The Botch

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Sunday, April 3rd 2011, 3:37pm

Beobachtungen bezüglich der 5. Staffel

Ich schreibe hier einfach mal ein paar Theorien und Beobachtungen bezüglich „Moffat-Whos“ hin, die ich im Laufe der Zeit so gemacht habe:
Ich glaube ungefähr verstanden zu haben, was Moffat mit den meisten seiner Storys und im speziellen mit Staffel 5 versucht hat. Es ging im darum zu zeigen, wie sich eine Geschichte bildet/ eine Geschichte entsteht bzw. wie jemand/etwas auf eine bereits bestehende Geschichte Einfluss nimmt. Außerdem wollte er zeigen, welche Wirkungen bzw. welche Wichtigkeit/welchen Stellenwert Geschichten und Momente für jemanden haben können. Ich versuche mal zu erklären, was ich damit meine. Mir sind einige Stilmittel/Gegenstände aufgefallen, die Moffat immer wieder in Storys unterbringt:

1. Da hätten wir zuerst mal etwas, was ich jetzt einfach mal stark vereinfacht als den „Beobachter“ bezeichne:
- in „The Girl in the Fireplace“ hätten wir die Raumstation im 50. Jahrhundert, von der aus die Clockwork-Robots Einfluss auf das Leben von Madame Pompadour ausüben. Außerdem können Doctor und Co. Durch die Zeitfenster zu verschiedenen Lebensabschnitten der Madame gelangen.
- in Blink greift der Doctor gewissermaßen von außen auf die eigentliche Handlung ein (die Easter-Eggs auf den DVDs, der Polizist Billy).
- im „Silence in the Library“-Zweiteiler hätten wir Charlotte, die von ihrer eigenen Welt aus den Doctor beobachten und ihm helfen kann.
-in „The Eleventh Hour“ hätten wir die Atraxi (die passender Weise auch schon wie Augen aussehen), die die meiste Zeit über von einem entfernten Standpunkt aus Einfluss auf die Handlung ausüben.
- in „The Pandorica Opens“ und „The Big Bang“ und generell der 5. Staffel gibt es einen Unbekannten, der für die Cracks und die Explosion der Tardis zuständig war.
- in „A Christmas Carol“ beobachtet der alte Kazran mittels Filmprojektor, wie der Doctor sein Leben verändert. Dem jungen Kazran wird ein Blick auf sein altes, verbittertes Ich gewährt.

2. Der Doctor als (Kindheits-)Held: Der Doctor taucht im Leben von jemandem auf und verändert es irgendwie. Diese Menschen erinnern sich an ihn. Sie werden, um es mal übertrieben (und dem Kontext gemäß) auszudrücken, zu Fans des Doctors:
- in „The Girl in the Fireplace“ begegnet der Doctor zuerst Klein-Reinette. Er beschützt sie und wird zu ihrem Held. Den Rest kennt man.
- In Blink hätten wir Sally und besonders Lawrence. Lawrence ist durch die Easter-Eggs ganz begeistert vom Doctor.
- in „The Eleventh Hour“ macht sich der frisch regenerierte Doctor zu Amelias/Amys Kindheitsheld (Amys Erinnerungen an den Doctor sind ja, wie man weiß, im Staffelkontext sehr wichtig).
- in „A Christmas Carol“ sorgt der Doctor dafür, dass Kazran viele schöne Weihnachtsfeste hat.

In jedem dieser Fälle hat der Doctor also irgendeinen Eindruck auf das Leben eines Menschen hinterlassen bzw. er war ein zentraler Punkt in ihrem Leben.

3. Prologe: Viele Folgen der 5. Staffel haben eine Art Einleitung:
- The Eleventh Hour: Der Doctor trifft erst einmal auf die kleine Amelia.
- Am Ende von „The Beast Below“ wird der Doctor von Churchill angerufen( dient als Einleitung für „Victory of the Daleks“). Er entscheidet nicht von selbst, zu den Cabinet War Rooms zu reisen.
- The Time of Angels: Der Doctor und Amy machen einen Abstecher in ein Museum und entdecken dort eine Nachricht von River Song.
- Vincent and the Doctor: Die Szene am Anfang im Museum. In einem von Van Goghs Bildern entdeckt der Doctor eine Unstimmigkeit und reist deshalb mit Amy zu eben diesem Maler.
- The Pandorica Opens: Vincents Bild / River Song schickt dem Doctor eine Nachricht.

In jedem dieser Fälle entscheidet der Doctor hatte zuerst nicht vor, zum Ort des eigentlichen Geschehens zu reisen. Durch bestimmte Ereignisse bzw. Unstimmigkeiten wird er erst in die Handlung hineingezogen.
Oh, und noch etwas zu TToA und VatD: Beide starten mit einer Szene in einem Museum. Museen kann man als Orte bezeichnen, in denen Geschichte aufbewahrt und konserviert wird.

4. Schriftstücke / Aufzeichnungsgeräte:
- In Blink macht sich Sally schriftliche Aufzeichnungen von den DVD-Ansprachen des Doctors. Sie gibt diese Aufzeichnungen einem „früheren“ Doctor. Wegen dieser Aufzeichnungen sorgt der Doctor dafür, dass auf einigen DVDs seine Ansprachen erscheinen. Full Cirlce.
- In dem „Silence of the Library“-Zweiteiler hätten wir zuerst einmal das Tagebuch von River Song, in dem sie ihre Treffen mit dem Doctor notiert hat. Die gesamte Geschichte von River Song steckt in diesem Buch. Und es gibt natürlich die Bibliothek für Charlotte.

Außerdem: Man könnte man sagen, dass Bibliotheken Orte sind, in denen viele Geschichten aufbewahrt werden (die die Menschen sich dann ansehen können). In SitL/FotD geht es um Erzählungen bzw. Geschichten.
In diesem Zweiteiler hätten wir außerdem mit der Donna-in-Charlottes-Welt-Story quasi eine Geschichte in einer größeren Geschichte.
Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Eintrag auf Gallifrey Base über diese Story gelesen, der ungefähr Folgendes besagt: Durch River Songs „verschobene“ Storyline und Donnas editierter Storyline geht es in diesem Zweiteiler darum, wir das Leben und Fiktion als „Momente“ begreifen. Wir erinnern uns an diese Momente und vergessen dabei, wie wichtig die Zeiträume, wie wichtig die „Verbindungsstücke“ dazwischen sind.
- Im Angel-Zweiteiler haben wir das Aufzeichnungsgerät, dass River Song benutzt, um den Doctor eine Nachricht zu schicken.
- A Christmas Carol: Kazran hat sein Leben auf Filmrollen aufgezeichnet.

Dann noch etwas zu dem Finale der 5. Staffel, bei dem ich auch noch das Thema Erinnerungen anspreche:
- Auch hier spielen Schriftstücke eine wichtige Rolle: Sowohl das römische Heer als auch die Pandorica basieren auf Büchern, die Amy als Kind gelesen hat. Außerdem haben wir hier wieder Rivers Tagebuch.
- Mit Rory als „Lonely Centurion“, der die Pandorica mit Amy drin beschützt, haben wir eine weitere Geschichte in einer Geschichte.
- der zweite Teil des Finales spielt zum großen Teil in einem Museum (Ort in dem Geschichte aufbewahrt und konserviert wird). In dem Museum kämpfen der Doctor und Co. gegen das Ende des Universums, oder besser gesagt: gegen das Ende der Zeit. Irgendwie passend.
- Der Urknall symbolisiert im Storykontext das Ende einer Geschichte und den Beginn einer Neuen. Damit Amelia sich an den Doctor erinnert, erzählt er ihr eine Gutenachtgeschichte. Damit es weitere Geschichten mit dem Doctor geben kann, muss sich jemand an ihn erinnern.
Ich meine mal, darum geht es in TPO/TBB: Um Mythen, Geschichten und Märchen. Darum welche Bedeutung sie für ein Kind haben können. Und welche Bedeutung sie für uns haben können.

Ich habe außerdem noch etwas anderes entdeckt, was aber nicht nur mit dem Fairytale-Hintergrund zusammenhängt. Es gibt hier ja einen Thread, der sich mit Moffats Augentick beschäftigt:
Moffats augentick
Ich habe einen weiteren „Tick“ ausgemacht: Moffats Bodyhorror-Tick:
- „The Eleventh Hour“ hat Prisoner Zero, der sich mit Hilfe eines „Psychic Links“ die Gestalt seiner Opfer annehmen kann.
- In „The Beast Below“ haben wir Menschen die halb Smiler und halb… naja… Mensch sind.
- Im „Angel“-Zweiteiler droht Amy die Verwandlung in einen Weeping Angel.
- In „The Vampires of Venice“ werden junge Frauen per Bluttransfer in Fischaliens verwandelt.
- Im Silurian-Zweiteiler gibt’s diesen Opa mit der Silurian-Infektion.
- Im Finale haben wir Plastik-Rory.

Außerdem:
- The Empty Child/The Doctor Dances: Nanogene verwandeln Menschen in Gasmaskenzombies
- The Girl in the Fireplace: Organe werden als Ersatzteile verwendet
- Silence in the Library: Die Vashda Nerada kontrollieren die toten Körper ihrer Opfer

Vielleicht ist ja noch jemand anderem irgendetwas aufgefallen. Wenn ja, vielleicht hat er ja Lust hier etwas reinzuschreiben.

MfG

The Botch


Nachtrag, 10.04.2011:

Ich habe heute einen wirklich guten (und äußerst kritischen) Beitrag zum Thema Moffat-Who auf Gallifrey Base entdeckt. Der Beitrag ist von einem User namens udolpho. Ich habe ihn gefragt ob's ihm Recht ist wenn ich das gute Stück hier poste und er war einverstanden. Enjoy:

Quoted

The main trouble I have with S5 is this. In previous seasons of Doctor Who TIME was the ruling force in the Universe. And some TIME was fixed and some TIME wasn't but everything lived and died accoring to the laws of TIME and anyway the Doctor was a Timelord who knew about this stuff so you trust him if things got confused.

In Moffs Who TIME is nothing. It's a 'wibbly wobbly ball of stuff' that you can just ignore. It's not important. What's important in Moff's Who is 'the NARRATIVE'. And it is the NARRATIVE that rules over all Time and Space. It's the NARRATIVE that saves the day in Blink and Silence. And in small doses - when the NARRATIVE is a human construct like Sally's file or River's diary that's fine. It's only in S5 when the laws of NARRATIVE take over and replace the laws of TIME that I have a problem. "Time can be rewritten" - or forget Time - start worrying about the Narrarive.

It doesn't matter if you die in S5. The laws of NARRATIVE state that you can be bought back - either as a character from a book on Romans or as a character from the pages of RIver's diary. It doesn't matter. So long as you are written down you will survive. And so the Doctor is no longer a Timelord - he's a Narrativelord. When the Tardis explodes it doesn't rip a hole in Time and Space - it rips a hole in the Narrative. Flying the Pandorica into the explosion isn't about saving Time and Space - it about closing the gaps in the Narrative and saving the Narrative from it's most deadly foe - SILENCE! The Doctor doesn't travel through Time anymore - he travels through Narrative. He jumps through a couple of episodes and then opts to fast forward through the rest.

By the time of A Christmas Carol he's even acting like a Narrativelord - trying to change the narrative of someone's life in a way that a Timelord never would. And all this would be fine apart from one little problem. It's not Time that is a 'wibbly wobbly ball of stuff' - that's Narrative and it's not Narrative that is an unstoppable force always moving forward upon which all the wibbly wobbliness hangs - that's Time. If you reverse the two - as Moffat has done - you end up with a Universe in which anything that is written becomes reality and anything that actually really does happen can be rewritten. That's a different Universe from the one the Doctor used to habit. Hell it's a different Universe than all the characters use to habit. It's pointless River keeping a diary becuase anything she writes it in could be changed at a moments notice and she'd never even realise. It's pointless anyone doing anything actually because anything you do can be erased or rewritten with the stroke of a pen. It's a pointless Universe in which pointless people run around having pointless adventures which the Great God Narrative edits and deletes at his whim.

And being pointless makes it all a bit unengaging.


MfG

The Botch

This post has been edited 1 times, last edit by "The Botch" (Apr 10th 2011, 2:40pm)