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Eine Zusammenfassung mit ein paar neuen Aspekten für alle, die sich noch in diesen Thread verirren.
Nehmen wir an, Spiderman springt aus einem Hubschrauber, merkt unterwegs, dass seine Spinnenflüssigkeit grade mal wieder alle ist, kracht durch ein Glasdach und landet sichtlich lädiert auf dem Boden einer Halle. Niemand würde sich wundern, dass er das überlebt hat. Er ist eben Spiderman.
Und der Doctor ist der Doctor. Bis End of Time glaubten wir sicher zu wissen, dass er so einen Sturz nicht überstehen könnte, ohne regenerieren zu müssen. Denn normalerweise gibt es einen Serienkanon, der durch die über Jahre gewachsene Art der Darstellung bei den Zuschauern feste Erwartungen an die Fähigkeiten der Hauptfiguren und die technischen Möglichkeiten der verwendeten Science Fiction Gerätschaften herausgebildet hat.
Der Impact Suit würde beispielsweise in Star Trek als völlig ungewöhnlich bis serienfremd erscheinen, weil dort die Leute gebeamt werden und Raumanzüge normalerweise überhaupt nicht vorkommen. Bei Perry Rhodan hingegen gibt es eine Vielzahl von Raum- Kampf- und Überlebensanzügen. Man hat aus unzähligen Beschreibungen anschauliche Vorstellungen von ihren Eigenschaften, man kann unterschiedliche Typen unterscheiden und man kennt aus Risszeichnungen ihren inneren Aufbau und die Lage der Aggregate für Schutzschirme, Deflektor und Antigrav. Ein Impact Suit würde in dieser Vielfalt nicht weiter auffallen.
Wenn ich Supersprünge sehen will, schaue ich mir Superheldenfilme an. Und wenn ich sehen will, wie Wünsche in Erfüllung gehen, schaue ich mir Märchenfilme an. So in etwa lauteten die Vorwürfe. Doch die Fans äußerten auch, dass sie die Abstecher in andere Genres durchaus akzeptieren könnten, wenn es doch nur ein paar klitzekleine Erklärungen gäbe, die das Märchenthema mit der Science Fiction von Doctor Who in Einklang bringen. Aber, wenn man genauer hinsieht, dann gibt es diese Erklärungen durchaus.
Intelligente Bäume, denen foretold wurde, was geschehen wird, die also bereits im voraus wissen, wer erscheinen wird, um sie zu retten, können nicht nur einen hölzernen Turm mit (elektrisch?) leuchtender Laterne wachsen lassen, sondern selbstverständlich als kulturellen Willkommensgruß auch Kugeln, die für uns wie Weihnachtsbaumschmuck aussehen.
Für Madge und ihre Kinder wohnen die Seelen der Bäume jetzt bei den Sternen. Alle, die es genauer wissen wollen, erfahren vom Doctor, dass sich die Lebenskraft der Bäume in ein Subäther-Wellenband umgewandelt hat.
Für Madge scheint es so, als sei ein Engel vom Himmel gefallen. Vom Doctor erfahren wir, dass es sich um einen Impact Suit handelt.
Aus der Sicht von Madge hat ihr Wunsch beim Zerbrechen des Wishbone den Doctor herbeigerufen. Aus Sicht des Doctors erschien für ihn eine Nachricht auf dem Psychic Paper. Um uns nicht zu langweilen, hat man darauf verzichtet, uns diese Szene zu zeigen, schließlich haben wir das gerade erst in Night Terrors gesehen, also sollten wir noch wissen, wie es geht.
Und wie der Doctor im Sturzflug den Raumanzug anlegen konnte, kennen wir im Prinzip aus Closing Time. Dort hat sich der Cyberhelm (übrigens auch jenseits des bisherigen Serienkanons) nahtlos um den Kopf von Craig geschmiegt. In gleicher Weise wird der Raumanzug eine Öffnung gebildet und den Doctor in sich aufgenommen haben. Da die telepathischen Angaben des Doctors über seinen Körperbau "in a hurry" kamen, hat der Anzug den Helm verkehrt herum fixiert.
Meine Idee war, dass der Anzug über irgendwelche Energiefelder verfügen muss, die die Wucht des Aufpralls abfangen. Das war zu sehr im Sinne von Perry Rhodan gedacht. Nach der bei Doctor Who üblichen Art der Science Fiction ist es viel wahrscheinlicher, dass der Anzug den Aufprall ohne Schramme übersteht, weil er, ähnlich wie Daleks und Cybermen, aus einem besonders robusten Material gefertigt ist. Und der beim Aufprall zusammengestauchte Doctor wird durch Nanobots repariert. Genau so, wie es gesagt wurde.
Das widerspricht natürlich jeder realen Physik. Der Doctor wäre beim Flug durch Reibungshitze gegrillt und beim Aufprall atomisiert worden. Als Science Fiction ist es jedoch durchaus innovativ und es ist 100% Doctor Who, also weder Perry Rhodan, noch Star Trek, sondern eine absolut eigene und völlig originelle Art von Science Fiction, die wir gerade deshalb so lieben. Und wir können sicher sein: wir sehen, dass etwas funktioniert, also hat es auch die nötigen Eigenschaften, damit es funktioniert, unabhängig davon ob ein als ausreichend empfundenes Scifi Techno Babble mitgeliefert wird.
Allerdings hat Moffat uns den Einschlag des Impact Suit nicht direkt gezeigt. Was logisch zu problematisch wäre und allzu unglaubwürdig erscheinen müsste, hat er schlauerweise weggelassen. Die Landung des Doctors soll bombastisch wirken, deshalb wird uns ein metertiefer Einschlagskrater gezeigt, aber den Doctor nahezu unverletzt mit einem Impact Suit ohne irgendwelche Schmauchspuren unmittelbar aus dem Blitz der Explosion auftauchen zu lassen, darauf hat Moffat wohlweislich verzichtet.
Kamikaze-Sprünge haben beim Doctor übrigens eine längere Tradition, als es vielen hier im Forum bewusst ist. Es gibt bereits Beispiele bei den Eighth Doctor Adventures, in Alien Bodies und in The Gallifrey Chronicles. Und in The Satan Pit lässt sich der Doctor mit vollem Risiko in die Tiefe fallen. Als er loslässt, kann er nicht wissen, dass ein Luftkissen seinen Sturz abfangen wird. Ein typisches Verhalten für den Doctor, er begibt sich in allergrößte Gefahren und vertraut darauf, dass sich immer irgendwelche Umstände ergeben werden, die ihm das Leben retten.
Das unmittelbare Vorbild für den Sprung aus End of Time stammt allerdings - warum ist uns das noch nicht eher aufgefallen - von Moffat höchstpersönlich. In End of Time hat der Doctor es sehr eilig, weil er gerade vom Erscheinen der Time Lords erfahren hat. Er steuert das Raumschiff deshalb in einem halsbrecherischen Flug über das Gebäude, öffnet eine Bodenluke und springt herab.
In Forest of the Dead hat der Doctor es sehr eilig, weil er den Data Ghost von River Song in die Library hochladen will, bevor er erlischt. Die Gravity Platform ist ihm nicht schnell genug. Er wählt deshalb den "shortcut", schließt mit seinem Sonic Screwdriver den Antigrav kurz und springt in den Schacht hinunter.
Der einzige Unterschied zwischen beiden Szenen ist, dass RTD ehrlich genug ist, uns als Konsequenz der großen Eile eine entsprechend harte Landung des Doctors zu zeigen, während Moffat die Landung einfach überspringt. Moffat findet es schick, uns einen Doctor zu präsentieren, der die Gravity Platform disabled und sich in Superman-Haltung den Schacht hinunterstürzt. Die durch Wegfall der Gravity Platform erzielte höhere Geschwindigkeit muss jedoch auch irgendwie wieder abgebremst werden und wie das geschehen soll, nachdem der Doctor die dafür zuständige Anlage gerade kurzgeschlossen hat, darauf bleibt uns Moffat die Antwort schuldig. Eben typisch Moffat.
Und wenn man unterstellt, dass der Antigravschacht über eine Sicherheitseinrichtung verfügt, die den Doctor auffängt, dann gilt das für die Bodenschleuse des Raumschiffes der Vinvocci selbstverständlich ebenso. Und auch der Impact Suit wird irgendeine Methode haben, Reibungshitze und Aufprallenergie zu überstehen. Meine erste Idee, noch bevor ich den Begriff Impact Suit mitbekommen hatte, war immer noch die beste: der Anzug verfügt über einen Aufprallschutz!
Radioactive Man
@Guy,
da haben wir sie wieder, die Ten Basher Propaganda vom 10. Doctor, der "wie eine dämliche Heulsuse in Tränen ausbricht, weil er regeneriert". Zum xten Mal: Beim 10. Doctor sieht man eine Träne im Augenwinkel, als er mit Wilf im Cafe sitzt und Donna draußen vorbeikommt. Der Grund ist, wie jetzt auch, die emotionale Bindung zu den Companions. Und wer da keine Kontinuität erkennt, sollte echt mal darüber nachdenken!
Der Begriff "Heulsuse" wurde übrigens in Bezug auf die Regeneration des 10. Doctors seinerzeit aufgebracht, weil es sinngemäß dem Begriff "wimp" aus dem Englischen entspricht. Wörtlich bedeutet es aber "Zauderer/Feigling", deshalb wirst Du bei der Regenerationsszene auch keine Tränen beim Doctor entdecken können. Gemeint war mit "Heulsuse" vielmehr sein Satz "I don't want to go", seine theatralische Abschiedsrede. Und die solltest Du dann wohl eher mit den Abschiedsreden in der Pandorica und am Bett von Amelia in The Big Bang vergleichen.
Ein Doctor, der verkündet, dass es ihm eine Ehre ist, sich für Wilf zu Opfern und ein Doctor, der vor Selbstmitleid vergeht, weil all seine hochfliegenden Pläne gescheitert sind und durch seinen Hochmut beinahe das Universum vernichtet worden wäre.
@happy,
"11. Doctor, der immer mal wieder scheitert und neu beginnt"
@Utopia,
"Smith ist für mich eine erwachsene Person, der bodenständig weiß, was er kann und danach handelt. Er weiß, dass es nach etwas schlimmen trotzdem weitergeht."
Eben, der 11. Doctor ist jemand, der mit seinen grandiosen Absichten immer wieder mal scheitert, d.h., der Menschen in Gefahr bringt und durch den immer wieder Menschen sterben. Und trotzdem beginnt immer wieder neu auf die gleiche Weise, d.h., er hat nach zwei Staffeln und 195 Jahren immer noch nichts kapiert. "Who da man?" fragt er in The Eleventh Hour. "I know" verkündet er jetzt, ohne erst unsere Zustimmung abzuwarten, und platzt dabei förmlich vor Eitelkeit.
Da wünsche ich mir sehr einen Doctor, der wieder mehr "bodenständig" agiert. Einen Doctor, der sich nicht blindlings darauf verlässt, dass es für ihn "nach etwas schlimmen trotzdem weitergeht", und der deshalb ständig alle Gefahren ignoriert, sondern der wieder mehr darauf achtet, dass es vor allem für die Menschen weitergeht, die das Pech haben, ihm zu begegnen.