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Zaphod B.

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Wednesday, March 31st 2010, 9:54pm

Hat Science Fiction eine schlechten Ruf? Wenn ja, warum? Und ist es generell massentauglich?

Es ist ja im Grunde schon verdächtig, dass ausgerechnet RTL2 sich als Sci-Fi-Sender hervortut. Offenbar ist das Genre dermaßen verrufen, dass es zum Profil dieses Senders (Trödeltrupp, Big Brother, Mädchengang, Frauentausch, exclusiv: Deutschland im Atzenrausch und immer so weiter :bad: ) passt.

Warum ist das so? Ich weigere mich, als irgendwie völlig abartiger Nerd zu gelten nur weil ich Science-Fiction mag. Ich gehöre auch nicht zu den Typen, die sich albern verkleiden, wenn sie mal zu einem Con gehen. Ich weiß auch, dass es erfunden ist. Was ist in diesem Land los?
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2

Wednesday, March 31st 2010, 11:15pm

Es ist ja im Grunde schon verdächtig, dass ausgerechnet RTL2 sich als Sci-Fi-Sender hervortut.


Ehhh ich bin der Ansicht, dass das noch aus jener Zeit stammt als Sat1 "DER" Star Trek Sender der Republik war und noch Werbung dafür gemacht hat, dass er es sein wollte ^_^ Da brauchte die RTL-Gruppe ein entsprechendes Gegenfeuer das eben die Zielgruppe der verschrobenen Scifi-Möger auch mal 1 oder 2 Tage die Woche zu sich holte und hat den Scifi Mittwoch geschaffen, der IMO bald den zehnten Geburtstag feiern dürfte...

Andere Sender haben zwar ähnlich viel Scifi im Portfolio, legen aber wohl keinen Wert drauf damit Werbung zu machen, seit die paar ST Sachen und was sonst noch als phantastisch bezeichnet werden könnte von Sat1 zu Kabel 1 weitergereicht wurde, gibt es ja auch die werbung mit dem ST Sender nicht mehr in der Form.
Pro7 bringt aber gelegentlich vergleichbare Serien ohne wirklich darauf hinzuweisen "He du, das ist Fantasy/Scifi!", vermutlich weil es den heutigen stromlinienförmigen Senderprofilen direkt aus dem Beratungskatalog der Imageschmieden nicht reinpassen mag. Gefühle, "Realismus", Menschennähe... nennt es wie ihr wollt, das alles reisst in der heutigen Zeit ggf noch ein paar Promille Zuseher von der Konkurrenz los... Scifi als Argument bzw Label? Leider nicht mehr.

Kann ich mir auch nicht so ganz erklären, außer dadurch dass viele Themen der Science Fiction ähnlich ansetzen wie jene politischen und gesellschaftlichen Gruppen für die sogar noch halbwegs vernünftige Menschen Worte prägen wie "linke Spinner" oder "Okofuzzis". Positive Utopie, Realitätsflucht, Visionen sind bei uns einfach nicht gefragt, das ist im Unterbewusstsein der Massen alles so ziemlich ehrenrührig.
Rosebud

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Thursday, April 1st 2010, 12:21pm

@Zaphod B.
Man kann es so sehen. BigBrother ist die Realität von 1984, also passt das Profil das RTL II ein Science Fiction Sender ist schon. ;) Neee, Spass beiseite. Ich meine das nicht ernst. RTL II ist ein Sender, den man indizieren sollte. Den Müll (BigBrother, Frauentausch u.s.w.), Quatsch und Pseudo-SF (Stargate), denn sie... ok, das ist eine andere Geschichte.

1. 4thdoc 2. 3rddoc 3. 2nddoc 4. 11thdoc 5. 9thdoc 6. 8thdoc 7. 6thdoc 8. 1stdoc 9. 7thdoc 10. 5thdoc 11. 10thdoc

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Thursday, April 1st 2010, 2:24pm

Ja im grossen und ganzen kann man RTL2 ja auch einfach nur Verblödungs-TV nennen

clockwork

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Thursday, April 1st 2010, 9:53pm

Scifi als Argument bzw Label? Leider nicht mehr.

Kann ich mir auch nicht so ganz erklären, außer dadurch dass viele Themen der Science Fiction ähnlich ansetzen wie jene politischen und gesellschaftlichen Gruppen für die sogar noch halbwegs vernünftige Menschen Worte prägen wie "linke Spinner" oder "Okofuzzis". Positive Utopie, Realitätsflucht, Visionen sind bei uns einfach nicht gefragt, das ist im Unterbewusstsein der Massen alles so ziemlich ehrenrührig.
Eine interessante Theorie, die ich nie in Erwägung gezogen hätte (einfach weil sie mir nicht eingefallen wäre ;)). Allerdings glaube ich eher, dass man gar nicht so viel interpretieren muss, da die Scifi-Fans dem Genre meiner Meinung nach mehr geschadet haben als irgendetwas andere.

Wenn der "normale" Mensch an Scifi-Fans denkt, dann stellt er sich so etwas wie den alleinstehenden, jungfräulichen Mittdreißiger vor, der noch bei seinen Eltern lebt und von einer Karriere als Scifi-Autor träumt, während er an Feiertagen seine Spockohren zum Ausgehen trägt... Ob an diesem Klischee nun etwas dran ist oder nicht, sei mal dahingestellt (obwohl ich persönlich es nicht ganz von der Hand weisen würde), doch es wirkt sicher abschreckend.

Davon mal abgesehen dürfte den meisten Zuschauern bewusst sein, dass man eine Scifi-Serie regelmäßig verfolgen sollte, während ich bei vielen anderen Formaten auch dann noch Spaß habe wenn ich sie mir nicht wöchentlich zu Gemüte führe. Und dann sieht sich der unbescholtene Zuschauer eben schon mit dem Klingonisch-Wörterbuch unterm Arm... ;)

Und auch wenn einige Scifi-Serien sicher anspruchs- sowie phantasievoll sind, bleiben sie für die meisten Leute schlichtweg pure Unterhaltung, mit der man sich nicht übermäßig auseinandersetzen kann. Man kann die eigenen Probleme und Krisen nur schwer hineinprojizieren (funktioniert bei den verschiedenen Dokus für viele Leute vermutlich besser...) und komplexe Thematiken wie z.B. Religion oder Politik (wie sie wohl beispielweise in BSG geschildert werden sollen) können zwar als Diskussionsgrundlage dienen, sind jedoch meistens in einen derart realitätsfernen Kontext eingebettet, dass die Auseinandersetzung mit ihnen nicht wirklich nutzbringend für unser tägliches Leben ist.

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6

Thursday, April 1st 2010, 10:11pm

Aloa,


alles in allem geb ich Dir Recht, wobei sich das tatsächliche Bild der Science Fiction Fans gerade in den letzten Jahre schon ein wenig gewandelt hat..
SciFi ist alles in allem salonfähiger geworden als noch noch vor einigen Jahren war...
bleiben sie für die meisten Leute schlichtweg pure Unterhaltung, mit der man sich nicht übermäßig auseinandersetzen kann.
"kann" richtig... oder nicht will. Beides wäre ein wenig traurig. Das ist nämlich genau die Art von "klientel", die in den Schulen immer jammert, wenn man deutsche Klassiker liest...
"Die sind scheisse, weil die viel zu schwer zu lesen sind"....

können zwar als Diskussionsgrundlage dienen, sind jedoch meistens in einen derart realitätsfernen Kontext eingebettet, dass die Auseinandersetzung mit ihnen nicht wirklich nutzbringend für unser tägliches Leben ist.
Und auch hier sprichst Du glaub ich auf eine spezielle Gruppe, sehr dummer Menschen an, die das tatsächlich nicht aus einem "alltäglichen" Kontext extrahieren können... Schade, vor allem weil das keine kleine Gruppe ist,
die diese Geistesleistung nicht aufbringen kann - und damit auch wieder einer der Gründe, warum SciFi nicht als Massenmagnet dienen kann - Die Massen sind zu dumm :)

r:



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Thursday, April 1st 2010, 10:31pm

Schade, eigentlich ist doch das genau das große Plus von SF, dass hier Themen mit gerade so viel Verfremdung aufgegriffen werden können, dass sich keiner auf den Schlips getreten fühlt und trotzdem weiß was gemeint ist. Denkt nur mal an die Bajoraner / Cardassianer- Problematik. Also wie geht man heute mit den Kriegsverbrechern von gestern um? Die haben ihre eigenen Motive, die aus einem gewissen Blickwinkel fast schon verständlich sind. Brillant!

Salonfähig, naja, man ist eben toleranter heute. Sado-Maso ist auch nicht mehr sooo schlimm wie früher, aber trotzdem nicht wirklich akzeptiert.

Ansonsten, Engelchen, weiß ich genau was du meinst. Wo sind denn die Klassiker schwer zu lesen? Heine zum Beispiel, der spricht doch jedem einigermaßen empfindungsfähigen Menschen aus der Seele, oder? Fontane? Goethe? Novalis? (Schiller nicht, der alte Schwätzer). Los gebt mir recht!! X(
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8

Thursday, April 1st 2010, 10:37pm

Aloa,
Salonfähig, naja, man ist eben toleranter heute.
Naja, ich denke es liegt nicht nur ander tolerantere Geselschaft. Wenn man sich mal umschaut, wer vor 15-20 Jahren Science Fiction Fan war und wer das heute ist..
Allein die Anzahl junger Frauen (mögen sich z.T. auch geekiger sein als es die Jungs jemals waren) ist ein positives zeichen... Nerds könne sich endlich Fortpflanzen ;)

Wo sind denn die Klassiker schwer zu lesen?
N aja, dass sie nicht so einfach "runtergehen", wie Comics, die man sich auf dem Klo zu Gemüte führt sollte jedem klar sein. Aber genau das ist doch das schöne dran, oder?

R:



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9

Thursday, April 1st 2010, 10:51pm

Ich war vor 15 - 20 Jahren und schon davor SF-Fan und habe noch nie auf dem Klo gelesen. Noch nie! Es gab doch schon vor 30-25 Jahren einen SF-Fantasy-Boom, den ich als Student in Berlin erlebt habe. Einschließlich RPG und allem drum und dran.

Mein erstes Exemplar vom Herrn der Ringe hat mir meine Oma zum Geburtstag geschenkt, da war ich glaube ich 16 oder 17, die grünen Bände von Klett-Cotta im Schuber. Es gab einen riesigen Markt auf dem Heftchen-Sektor: Perry Rhodan in drei Auflagen, Atlan, Terra Astra, Orion, Mythor, Ren Dhark, Arn Borul und was weiß ich noch alles. Das war auch die große Zeit der "Alten Herren" von heute wie Robert Asprin, Piers Anthony, Michael Moorcock, Alan Dean Foster, Philip Jose Farmer und wie sie alle heißen.

Da blitzte kurz sogar mal Anerkennung als ernsthaftes Genre auf quasi als spätes Nachwirken der 68er-Toleranz und dem Beuys'schen Credo "Alles ist Kunst".
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Thursday, April 1st 2010, 10:53pm

Aloa zurück,

im Grunde kann ich dir da nur zustimmen; lediglich in diesem einen Punkt bin ich anderer Meinung:
können zwar als Diskussionsgrundlage dienen, sind jedoch meistens in einen derart realitätsfernen Kontext eingebettet, dass die Auseinandersetzung mit ihnen nicht wirklich nutzbringend für unser tägliches Leben ist.
Und auch hier sprichst Du glaub ich auf eine spezielle Gruppe, sehr dummer Menschen an, die das tatsächlich nicht aus einem "alltäglichen" Kontext extrahieren können... Schade, vor allem weil das keine kleine Gruppe ist,
die diese Geistesleistung nicht aufbringen kann - und damit auch wieder einer der Gründe, warum SciFi nicht als Massenmagnet dienen kann - Die Massen sind zu dumm :)

r:
Da ich mich im Großen und Ganzen auch zu dieser speziellen Gruppe sehr dummer Menschen zähle, möchte ich natürlich widersprechen. ;) Vielleicht sollte ich klarstellen, dass ich von Fernsehserien im Allgemeinen spreche (und natürlich Werke von Orwell, Bradbury etc. ausklammere), doch das "Extrahieren" fällt mir tatsächlich meistens schwer. Dies liegt jedoch nicht daran, dass ich es problematisch finde eine dort dargestellte Situation auf meinen Alltag zu übertragen, doch ich weigere mich einfach, wirklich wichtige Aspekte meines Lebens von einer Serie beeinflussen zu lassen, in der die Leute Pyjamas bei der Arbeit tragen und diverse Monster bzw. Aliens durch's Bild laufen (auch wenn ich jetzt als unverständiger Snob gelte ;)). Denkanstöße kann bzw. soll man sicher aus allem (meinetwegen auch aus einer Dailysoap) ziehen, einen "ernsthaften" Einfluss von Scifi-Serien habe ich weder in Bezug auf mich noch in Hinsicht auf irgendeine gesellschaftliche Gruppe je gespürt. Letztlich ist dieser Punkt aber wohl wieder eine reine Typfrage und sollte auch lediglich verdeutlichen warum viele Zuschauer nur mäßiges Interesse an Scifi-Serien haben...

Atlan

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Thursday, April 1st 2010, 10:53pm

N aja, dass sie nicht so einfach "runtergehen", wie Comics, die man sich auf dem Klo zu Gemüte führt sollte jedem klar sein. Aber genau das ist doch das schöne dran, oder?

Das war jetzt eine Herabsetzung von Comics. Ich fand zum Beispiel Romeo und Julia wesentlich leichter runtergehender als From Hell, um mal ein Extrembeispiel zu nennen.
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Friday, April 2nd 2010, 12:28am

Aloagain
doch das "Extrahieren" fällt mir tatsächlich meistens schwer. Dies liegt jedoch nicht daran, dass ich es problematisch finde eine dort dargestellte Situation auf meinen Alltag zu übertragen, doch ich weigere mich einfach, wirklich wichtige Aspekte meines Lebens von einer Serie beeinflussen zu lassen,
Was denn nun? Fällt es Dir schwer, oder kannst Du es und willst es nur nicht?
Und ich denke wenn es um ethisch/moralische Fragen geht, dann ist es ganz egal, wer oder was Dir eine Problematik aufzeigt (mehrtun sie ja nun nicht) bzw. woraus Du Deinen Denkanstoß ziehst.
Es sind ja auch genug Leute nicht bereit, so etwas aus einem Buch zu extrahieren, dass die Abstammungsgeschichte der Menscheit zu einer Kette von Inzucht macht und deren Held im Zweiten Teil nur in Sandalen rumläuft. Aber das ändert ja nichts dran dass e serh wohl möglich wäre. Wobei ScienceFiction durchaus die möglichkeit besitzt das ganze in einem sehr unterhaltsamen Rahme zu tun.

Wobei das natürlich lange nicht für alle Serien gilt...

Aber es gib und gab auch genug Leute die Orwell und CO's Schriften als "utopischen Unsinn" abgetan haben und abtun, von dem sie sich nicht "zum Denken anregen lassen wollten/wollen" und wenn man dann mal schaut wie sehr wir uns manch einer dieser Utopien (oder besser Dystopien...) schon genähert haben und deren Auswirkungen wir heute in der Realtität beklagen... naja...


Das war jetzt eine Herabsetzung von Comics. Ich fand zum Beispiel Romeo und Julia wesentlich leichter runtergehender als From Hell, um mal ein Extrembeispiel zu nennen.
Naja ich bezog das eher auf Yps, Donald und Co... From Hell und ähnliches sind da natürlich ne ganz andere klasse. Wobei FRom Hell auch eher durch den Nicht bebilderten Teil glänzt ;)

r:



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Friday, April 2nd 2010, 12:37am

N aja, dass sie nicht so einfach "runtergehen", wie Comics, die man sich auf dem Klo zu Gemüte führt sollte jedem klar sein. Aber genau das ist doch das schöne dran, oder?

Das war jetzt eine Herabsetzung von Comics. Ich fand zum Beispiel Romeo und Julia wesentlich leichter runtergehender als From Hell, um mal ein Extrembeispiel zu nennen.


Ich weiss nicht ganz, ob es fair ist ein Liebes- und Familiendrama mit durchaus leichtem Ton in vielen Passagen mit der blutigen Geschichte einer Mörderjagd durch die Abgründe des viktorianischen Londons zu vergleichen, eventuell sollte man doch im interesse der "Waffengleichheit" in etwa die Genres/Motive einhalten.

Davon mal abgesehen stimmt dieses dein Extrembeispiel natürlich schon... allerdings fällt einigen Menschen auch nicht besonders leicht einem in Theaterstück- oder Drehbuchform niedergeschriebenen Text zu folgen, so dass Romeo und Julia SOO leicht auch nicht zu lesen sein dürfte. Jetzt mal im Vergleich zu wirklich lockerer Lektüre wie was weiss ich... den Bill Bryson Büchern über seine diversen Reisen zum Beispiel.


@Engelskrieger... ich bin mir nicht sicher, ob man es wirklich so brutal einfach auf Fähigkeiten herabbrechen kann.... die breite Masse ist nicht zwingend dumm, sie hat nur überwiegend keinen Anspruch, sich zu "verbessern", neue Dinge zu lernen oder zB außerhalb ihrer einmal erworbenen Vorlieben zu experimentieren.
Das wäre letztlich weniger die absolut Unfähigkeit zu denken als vielmehr eine gewisse imanente ... Trägheit, ein Beharrungsvermögen auf dem, was man kennt und mal mochte. So wie nicht weniger der "coolen" Kinder von der Straße durchaus fähig wären, normales Deutsch statt Pseudo-Türkdeutsch zu sprechen, sie es aber bevorzugen lieber falsch und "stylish" zu reden, statt eben das korrekte zu lernen und anzuwenden.
Und so entstehen dann eben mit Mitte 20 unsere erschreckend hohen Prozentanteile "funktioneller Analphabeten", die über das unbedingt nötige für den Alltag hinaus gar nicht mehr fähig sind Wort und Schrift zu konsumieren, bzw zu produzieren... von denen kann man wohl leider wirklich nichts anderes erwarten als Prollo-TV zu gucken, mühsam die Schlagzeilen in der BLUT/BLÖD-Zeitung zu entziffern und gelegentlich mal ins Stadium zu gehen oder ala Dittsche die Kneipe zu terrorisieren.

Und mal ehrlich... nach manchem Arbeitstag verstehe ich den Gedanken "lasst mich damit doch in Ruhe, ich will nur noch abschalten" durchaus. Wenn ich mir dann noch vorstelle, vielleicht 8 oder 12 stunden an einer der Maschinen in unserer Fertigung stehen zu dürfen, dann klingt das schon ziemlich verlockend. Für andere Bevölkerungsgruppen ist das natürlich keine Entschuldigung, aber da wird wohl auch irgendwo das leidige Thema frühkindliche Sozialisation mit rein schlagen, dass man wenn überhaupt nur mit viel Mühe und Einsatz schaffen kann über das hinauszuwachsen, was die Eltern als Vorbild geliefert haben, als man noch jung und beeindruckbar war. ;)


Quoted

Und ich denke wenn es um ethisch/moralische Fragen geht, dann ist es ganz egal, wer oder was Dir eine Problematik aufzeigt (mehrtun sie ja nun nicht) bzw. woraus Du Deinen Denkanstoß ziehst.


Das dürfte dann einer der besten und merkenswertesten Sätze des gesamten Threads gewesen sein.

Ehhh so langsam fürchte ich aber, wird es Zeit das aus der Diskussion um Staffel 3 rauszunehmen, mit Doctor Who an sich haben wir glaube ich nur noch wenig zu tun.
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Friday, April 2nd 2010, 1:50am

Aloagain
doch das "Extrahieren" fällt mir tatsächlich meistens schwer. Dies liegt jedoch nicht daran, dass ich es problematisch finde eine dort dargestellte Situation auf meinen Alltag zu übertragen, doch ich weigere mich einfach, wirklich wichtige Aspekte meines Lebens von einer Serie beeinflussen zu lassen,
Was denn nun? Fällt es Dir schwer, oder kannst Du es und willst es nur nicht?
Und ich denke wenn es um ethisch/moralische Fragen geht, dann ist es ganz egal, wer oder was Dir eine Problematik aufzeigt (mehrtun sie ja nun nicht) bzw. woraus Du Deinen Denkanstoß ziehst.
Es sind ja auch genug Leute nicht bereit, so etwas aus einem Buch zu extrahieren, dass die Abstammungsgeschichte der Menscheit zu einer Kette von Inzucht macht und deren Held im Zweiten Teil nur in Sandalen rumläuft. Aber das ändert ja nichts dran dass e serh wohl möglich wäre. Wobei ScienceFiction durchaus die möglichkeit besitzt das ganze in einem sehr unterhaltsamen Rahme zu tun.

Wobei das natürlich lange nicht für alle Serien gilt...

Aber es gib und gab auch genug Leute die Orwell und CO's Schriften als "utopischen Unsinn" abgetan haben und abtun, von dem sie sich nicht "zum Denken anregen lassen wollten/wollen" und wenn man dann mal schaut wie sehr wir uns manch einer dieser Utopien (oder besser Dystopien...) schon genähert haben und deren Auswirkungen wir heute in der Realtität beklagen... naja...

Ich bin intellektuell dazu befähigt, ja. Und einen Denkanstoß kann ich tatsächlich auch aus Scifi-Serien ziehen, da möchte ich dir gar nicht widersprechen. Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass eine Scifi-Serie jemals maßgeblich mein Privatleben bereichert oder meine Sicht auf eine ethisch/moralische Frage beeinflusst hat (im Gegensatz beispielsweise zu bestimmten Büchern oder hin und wieder anderen TV-Serien), da hier die Diskrepanz zwischen Gegenwart und der fiktiven Welt, Charakteren, Lebensumständen etc. noch größer ist als es ohnehin der Fall ist, wenn man das, in verschiedenen Medien geschilderte, Geschehen mit der Wirklichkeit vergleicht. Theoretische Überlegungen zu verschiedenen Problematiken sind für mich daher interessant, aber nicht nutzbringend, da ich mir einfach zu viele Variablen "wegdenken" bzw. anpassen müsste, um die fiktive Situation mit der Realität vergleichen zu können. Ist ja schon schwierig wenn ich mir beispielsweise eine Krankenhausserie im Hier und Jetzt ansehe; da machen es fremde Planeten und Aliens nicht unbedingt leichter... Mag sein, dass es manchen Leuten leicht fällt, eine bestimmte Thematik aus einer Fernsehserie mit der Realität abzugleichen, doch ich behaupte einfach mal, dass in einem solchen Fall nicht gerade sehr sorgfältig verglichen wird...

Davon mal abgesehen spielt für mich auch immer die Intention des (Drehbuch-) Autors bzw. des Produktionsteams eine Rolle. Sofern hinter einer Geschichte eine gewisse Intention steckt (beispielsweise Gesellschaftskritik), ist sie meistens auch so angelegt, dass ich die Thematik auf mein eigenes Leben übertragen und möglicherweise auch umsetzen kann. Wenn ich mir allerdings eine Serie ansehe, in der mir 20 Minuten lang erklärt wird, warum das Raumschiff überhaupt fliegen kann und daraufhin die Gesellschaftskritik ins Spiel gebracht wird (beispielsweise weil hier mal ein besonders motivierter Drehbuchschreiber am Zug war), dann ist das Raumschiff eben nicht das Mittel zum Zweck, sondern die übergeordnete Thematik tatsächlich nur ein netter Bonus, der für mich zwar als Denkanstoß wirken kann, jedoch sicher nicht mein Leben verändern wird...

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15

Friday, April 2nd 2010, 2:03am

So ganz kurz nur,

denn hauptsächlich gehts hier glaub ich, tatsächlich eher um "geschmacksfragen"...
ag sein, dass es manchen Leuten leicht fällt, eine bestimmte Thematik aus einer Fernsehserie mit der Realität abzugleichen, doch ich behaupte einfach mal, dass in einem solchen Fall nicht gerade sehr sorgfältig verglichen wird...
Nur weil einem selber etwas schwerer fällt, heisst das doch noch lange nicht, dass Leute, die das besser können es nicht sorgfältig machen, oder?
Behaupten darfst du das natürlich, ich frage mich dann nur, auf welcher Grundlage?

Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass eine Scifi-Serie jemals maßgeblich mein Privatleben bereichert oder meine Sicht auf eine ethisch/moralische Frage beeinflusst hat (im Gegensatz beispielsweise zu bestimmten Büchern oder hin und wieder anderen TV-Serien),
Andere TV-Serie? Da würde ich doch mal interessiert ein "welche?" einwerfen (Bitte, Bitte, Bitte sag nicht "Nip/Tuck" ;)

, dann ist das Raumschiff eben nicht das Mittel zum Zweck, sondern die übergeordnete Thematik tatsächlich nur ein netter Bonus, der für mich zwar als Denkanstoß wirken kann, jedoch sicher nicht mein Leben verändern wird...
Bestreitet keiner, aber genau geht es doch bei allen anderen SErien auch? Ich glaub ich kenne kein Genre, in der jedes Werk den Anspruch erhebt, Probleme, Moral oder Soziales zu thematisieren.
Allerdings ist Science fiction das genre in dem das seit je her am heftigesten geschiet, ohne eine REINE Problembehandlung zu werden, eben WEIL man auf den ersten Blick natürlich nur "nur irgend einen weltfremdem Unsinn
von komischen Monstern und Menschen mit blauen Gesichtern" erzählt...

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rhizin

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Friday, April 2nd 2010, 3:46am

Die großen Zeiten der SciFi scheinen ja nicht nur im Fernsehen/Kino vorbei zu sein, sondern auch auf dem Buchsektor. Wie weiter oben schon jemand schrieb, konnte man sich vor 20 Jahren kaum davor retten. Da gab es praktisch alles, es wurde einem regelrecht hinterhergeworfen. Und zwar anspruchsvolle SciFi und auch Fantasy als auch Sachen, die wirklich reinen Unterhaltungswert hatten. Inzwischen ist das alles wieder in der Versenkung verschwunden, Bahnhofsbuchläden sind keine Paradise mehr für SciFi - Fans und in der Gesellschaft scheint das Thema kaum noch eine Rolle zu spielen. Solche "Wellen" gab es aber schon immer. Eine Zeit lang ist so eine Strömung in Mode, dann lässt das Interesse wieder nach. Interessanterweise war phantastische Literatur und Unterhaltung immer dann besonders beliebt, wenn es den Menschen schlecht ging, wenn es wirtschaftlich bergab ging und die Leute sich anscheinend ablenken und in eine bessere Welt versetzen wollten. Nur im momentanen Abschwung scheint man sich eher an "realen" Formaten zu orientieren - von denen eigentlich jeder wissen sollte, dass auch die kein bißchen real sind und da alles, aber auch alles, nach Drehbuch läuft. Trotzdem scheint sich die Masse heute mehr daran zu ergötzen, sich als Zuschauer über andere lustig zu machen, denen es in irgendeiner Weise noch schlechter geht als ihnen selber (Dicke, Arme, in kaputten Beziehungen lebende, Leute mit kaputtem Selbstbild und was noch alles), oder man betäubt sich mit Geschichtchen aus der B, C und D Prominenz. Das alles ist im Grunde sinnfreier als die schlechteste SciFi Geschichte der 70 bis frühen 90er Jahre (imo). Allerdings wird dieser sinnfreie Konsum und das Aufeinanderhetzen verschiedener unterer sozialer Gruppen von vor allem den privaten Sendern immer mehr betrieben - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Friday, April 2nd 2010, 7:06am

Zitat von »Atlan«
Das war jetzt eine Herabsetzung von Comics. Ich fand zum Beispiel Romeo und Julia wesentlich leichter runtergehender als From Hell, um mal ein Extrembeispiel zu nennen.

Naja ich bezog das eher auf Yps, Donald und Co... From Hell und ähnliches sind da natürlich ne ganz andere klasse. Wobei FRom Hell auch eher durch den Nicht bebilderten Teil glänzt ;)

Lies mal die DD-Geschichten von Carl Barks und Don Rosa , die sind wesentlich anspruchsvoller und hintergründiger als du vieleicht denkst!

Zum eigentlichen Thema:

Ich weiß nicht, ob SF salonfäig ist oder einen schlechten Ruf hat - und eigentlich ist es mir auch egal. Ich mag SF und was andere Leute, die ich nicht kenne, von mir denken, ist mir ziemlich schnuppe.
Ich denke aber, dass SF in den letzten Jahren eine "Aufwertung" erfahren hat, schaut man sich etwa mal die Hollywood-Blockbuster an, so sind da relativ viele Filme mit Phantastischer Thematik dabei.
Andererseits ist das Bild, das viele Leute von SF_Fans haben, dass des vielzitierten 30+jährigen, der bei seiner Mutter wohnt und verkleidet zu Conventions fährt ... wobei ich nicht verstehe, wiseo es anscheinend lächerlich ist, sich als Klingone oder Elfe zu verkleiden, aber als normal gilt, sich etwa in die Farben eies Fußballvereins zu hüllen (das war jetzt nicht gegen die Fußballfans gerichtet) ...

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Friday, April 2nd 2010, 8:13am

Insgesamt denke ich, das in Deutschland allgemein ein größeres Problem mit utopischer Literatur und bewegten Medien besteht. Und das, obwohl es schon vor dem Krieg eine deutsche SF-Szene gab (z.b Sun Koh und die Werke von Hans Dominik). Aber als nach dem Krieg die ganzen guten Romane aus Amerika kamen, wurden sie halt schnell als "Trivialliteratur" abgetan---auch so Autoren wie Asimov und Lem.

Und als in den 60ern die Serien wie ST ankamen, wurden sie sofort als Kinder- und Jugendserien einsortiert. Siehe vor allem die ST-Zeichentrickserie. Es wurde bewußt "jugendlich" synchronisiert--oder was man damals dafür hielt).

Und darunter leidet SF noch heute. Und unter der allgemeinen Fantasielosigkeit der Bevölkerungsmehrheit. Gerade Rollenspieler können ja da ein Lied davon singen (Was machst Du?-Kann ich mir überhaupt nicht wie das Spaß machen kann) :13:
Das entspricht nicht Ihrer Sicherheitsstufe, Bürger. Melden Sie sich umgehend zur Terminierung. Einen schönen Tag, der Computer ist Ihr Freund.

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Friday, April 2nd 2010, 11:44am

Wenn ich darüber nachdenke: Natürlich ist SF massentauglich. Ich kenne jede Menge Leute, die Stargate, Star Trek und was weiß ich noch alles regelmäßig und gerne ansehen. Das setzt erst mal ein Angebot voraus, und RTL II gehört nunmal zu den Sendern, die SF regelmäßig im Programm haben. Natürlich ist der Rest des Programms von RTL II ansonsten zum Vergessen.

Es gibt aber einen Riesenunterschied zwischen Leuten, die sich das vielleicht gerne und auch regelmäßig anschauen und Hardcorefans, die jeden Bauplan von jedem Föderationsraumschiff sich an die Wand hängen. Es gibt sogar schon einen Riesenunterschied zwischen mir, die sich Doctor Who anschaut und dafür auch einen gewissen Zeit- und Geldaufwand investiert, und einem normalen Fernsehzuschauer, der einfach nur interessiert ist, aber eben auch nicht mehr. Und ich bin nun sicher kein Hardcorefan.

Was die Bewertung von SF angeht, speziell auch der SF-Literatur. Ich denke ich, da geschieht der SF-Literatur ein kleines Unrecht. Lem ist sicherlich hochliterarisch, und Asimov auch. Für mich gehören die schon in die Liga der wichtigen Autoren des letzten Jahrhunderts. Aber diese Anerkennung wird ihnen nur sehr sporadisch zuteil. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es als Unterhaltung wahrgenommen wird. Und wenn es unterhält, dann kann es ja unmöglich anspruchsvoll sein. Ich denke aber auch, das auch diese Grenzziehung mittlerweile nicht mehr so streng vorgenommen wird.


Hier kam ja das Gespräch auch auf die Klassiker. Ein moderner Klassiker ist sicher Franz Werfel. Und der war auch als SF-Autor unterwegs: "Stern der Ungeborenen" ist ein Roman, der in fernster Zukunft spielt. Darauf bin ich aber auch erst in einem Fanzine, der World of Cosmos, gestoßen. Der Roman erschient nach Werfels Tod und ist recht unbekannt. Vielleicht kann ich heute etwas dafür tun, um genau dies zu ändern...

Und weil gerade sowieso von Klassikern die Rede ist...

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Ms. Charcoal

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20

Friday, April 2nd 2010, 12:07pm

Quoted


Ansonsten, Engelchen, weiß ich genau was du meinst. Wo sind denn die Klassiker schwer zu lesen? Heine zum Beispiel, der spricht doch jedem einigermaßen empfindungsfähigen Menschen aus der Seele, oder? Fontane? Goethe? Novalis? (Schiller nicht, der alte Schwätzer) by Zaphod B.

Juhu, da gab ich dir 100% recht. Schiller ist nur dann gut wenn Goethe ihm geholfen hat ;-)

Quoted

Da blitzte kurz sogar mal Anerkennung als ernsthaftes Genre auf quasi als spätes Nachwirken der 68er-Toleranz und dem Beuys'schen Credo "Alles ist Kunst". by Zaphod B.

Ich reg' mich ja jetzt schon wieder auf, wenn ich nach der letzten großen Buchmesse lesen darf, wie irgendwelche Literatur-Gurus mit bedrückter Stimme verkünden, dass sich deutlich gezeigt hat, dass eine "Infantilisierung" der Literatur (also der Literatur die gekauft wird) stattgefunden hat und ausnahmslos alle (!!) Beispiele um dies zu belegen aus dem Genre Fantasy (mit klarem Fokus auf das Sub-Genre Sci-Fi) kommen. Und dem nicht genug, es wird nie gesagt was an diesen Werken denn so besonders Infantil sei, sondern allein die Zugehörigkeit zu einem vermeintlich "Infantilen" Genre reicht um dies als Beleg für die Infatilisierung abzustempeln.
Wenn ich einen herrlich hirnrissigen Plot (mit seinen sehr sehr glaubwürdigen Charakteren...*hust*) wie Kleists "Prinz von Homburg" (nicht falsch verstehen, ich finde das Werk sogar gut) mit irgend einem Roman von Lem/Pratchett/Adams/F. Herbert/... vergleiche, und das mit dem Vergleich auch wirklich ernst nehme, dann würde (obwohl ich mich hüten würde das Wort zu verwenden) meine Wahl welches Werk infantiler ist eindeutig den guten Kleist treffen. Keine Frage.
Der Maßgebliche Unterschied ist, dass man sich auf das Genre Fantasy im allgmeinen, und Sci-Fi im besonderen, wirklich einlassen muss. Viel mehr als bei den meisten Werken anderer Genres (das Postmoderne vielleicht ausgenommen). Man kann Sci-Fi praktisch immer als mehr oder weniger gute Story lesen und Punkt. Oder man kann sich damit auseinandersetzen. Allerdings ist der Schritt, sich damit auseinander zu setzten, die Geschichte wirklich zu hinterfragen, schwerer zu tun als bei bswp. Milan Kundera, der einem, bei allem Respekt, mit seinen Philosophischen Auswüchsen kräftig auf den Kopf drischt.


Es wurde oft gesagt und ich sage es erneut: Sci-Fi ist die Literaturform, die sich am ehesten mit konkreter Utopie gleichsetzen lässt.

Quoted

Davon mal abgesehen spielt für mich auch immer die Intention des (Drehbuch-) Autors bzw. des Produktionsteams eine Rolle. Sofern hinter einer Geschichte eine gewisse Intention steckt (beispielsweise Gesellschaftskritik), ist sie meistens auch so angelegt, dass ich die Thematik auf mein eigenes Leben übertragen und möglicherweise auch umsetzen kann. by clockwork


Hier kann ich wirklich nur das Interview mit Gene Roddenberry empfehlen. Ist ausgesprochen interessant zu lesen: http://67.104.146.36/english/STAR_TREK/h…w/humanist.html

Desweiteren würde ich jedem, der sich viel mit Sci-Fi auseinandersetzt, diesen Artikel auf io9 zu lesen. Für die meisten ist wahrscheinlich nichts neues dabei (ausser vielleicht der youtube-Rede von Whedon) aber es ist ganz nett und hat mich mal wieder dazu animiert mich mehr mit der Meta-Ebene des Genres auseinanderzusetzen.
http://io9.com/5478829/is-science-fictio…iction-in-terms

Und ja, ich habe neulich einen kleinen Sieg für Sci-Fi errungen. Ich habe, trotz anfänglicher Ablehnung, die von Christian Tramnitz gelesene Fassung von #ifdefDEBUG + "WORLD/ENOUGH" + "TIME" einer Gruppe vorgespielt, die normal ihre Zeit mit Kant und Sarte verbringt (sogar nen Prof dabei^^). Und es war ein voller Erfolg*g*. Ich habe es selten gesehen, dass sie alle (!!) derart an einer Diskussion beteiligen wie an der anschließend entbrannten.


Ich ist allerdings so, dass Sci-Fi mehr und mehr akzeptiert werden wird und immer populärer wird. Hierfür gibt es diverse Gründe, viele wurden ja auch schon genannt, angefangen bei mehr Toleranz bis dahin, dass die "Sci-Fi-Kids" von damals Erwachsene von heute sind.
Aber auf einen Punkt möchte ich die Aufmerksamkeit trotzdem gezielt richten: Sci-Fi ist immer immer näher an uns dran. Denken wir bspw. an die oft gesehene Idee, dass Menschen nach und nach von Maschinen ersetzt werden. (Dieses Motiv wurde sogar aufgegriffen in dem nicht Sci-Fi Comic Fables (Band 7 glaube ich) in welchem Gepetto (der Dad von Pinoccio) einen durchgeknallten König durch eine Holzpuppe ersetzt, die super regiert. Aber als Folge davon mehr und mehr Leute ersetzten muss die eben nicht "gut" regieren usw. usw.) Vor nicht allzulanger Zeit haben sich wirklich nur die Die-Hard-Sci-Fi-Fans über solchen Robotergeschichten den Kopf zerbrochen. Aber heute liest man sogar im Spiegel Artikel über die Gefahr, dass die Maschinen den Menschen ersetzen könnten, und auch die FAZ schrieb vor kurzem einen Artikel über die Macht der Maschinen über unsere Zukunft. Die Sci-Fi-Problematik wird immer akuter, ob es um die Grenze von Realem und Virtuellen geht oder whatever(in einem Sci-Fi-Forum braucht man das ja nicht noch weiter auszuführen), und immer mehr Menschen merken, dass Sci-Fi doch kein reiner Eskapismus ist.

Genau so, wie es in guter Horrorliteratur nicht um den Horror an sich, sondern um die Überwindung des Horrors geht, geht es bei Sci-Fi nicht darum, in eine andere Welt zu fliehen, sonder sich in einer anderen Welt zu spiegeln. Nirgends lassen sich so wertvolle Gedankenexpterimente machen wie in der Fantasy/Sci-Fi-Literatur. Das ist ja praktisch die Definition davon. Man muss nicht davon ausgehen wie die Dinge sind, sonder kann auch davon ausgehen wie die Dinge nicht sind. Das ist eine radikalisierung des Hume'schen Gesetz'.
Vielleicht zum Verdeutlichung noch ein nettes Pratchett-Zitat:

Quoted

[...] Sie [die Phantaise] bringt einen ebenso wenig zu fernen Orten wie die Trainingsräder in einer Sporthalle, aber sie kräftigt jene Muskeln, die dazu in der Lage sind. Das Träumen mit offenen Augen hat uns dorthin geführt, wo wir heute sind: Während einer frühen Phase unserer Evolution haben wir so gut gelernt, die Gedanken schweifen zu lassen, dass diese mit Souvenirs zurückkehren.

Und wären wir nicht in der Lage, uns gelegentlich von der Realität zu verabschieden, so säßen wir noch immer am Ufer jenes uralten Flusses und fürchteten das Platschen.


In diesem Sinne,
Charcoal
"WE ARE THE DALEKS! DO YOU WANT TO PLAY WITH US?"