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Teylen

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Sunday, August 28th 2011, 2:04am

Oh, Coden oder Programmieren war damals viel einfacher. Da gab es bei weitem nicht so viel an das man sich halten musste und Unschönheiten und Schlampereien vielen nicht so ins Gewicht, es interessierte sich aber zugegebenermaßen auch niemand dafür.
Ich kenne es nur bei Web-Applikationen aber die müssen heute alle objektorientiert, barrierefrei und zu CSS und (x)html valide sein.

Also prozeduale Programmierweise ist nicht einfacher als objektorientiere.
Eher ist die Speicheraddressierung, etwas das etwas komplizierter ist und das man heute relativ weitesgehend ignorieren kann.

Nun und dann erweitere mal nicht objektorientierten Code.
Der vielleicht noch, weil der Entwickler zu faul war ordentlich zu arbeiten, stark mit GoTos arbeitet. (Also Spaghetti Code)
Es gibt schöneres ^^ (und einfacheres)
"Fahren wir mit dem Zweisitzer oder dem Combi?"
"Ach Schatz, nehmen wir doch das General Utility Non-Discontinuity Augmented Maneuvering System."

.. Virtuelle Ameisen züchten ..

BluesmanBGM

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Tuesday, August 30th 2011, 2:13pm

Außerdem noch: Du kannst gerne soviel Video schauen wie du willst, DVDs haben trotzdem NUR (jaha, nur) unbestreitbare Vorteile gegenüber ;)


Zum Rest kann ich aus zeitlichen Gründen jetzt leider nichts sagen. Ganz kurz zu dem "DVD hat NUR Vorteile" folgendes:

wenn auf einer DVD ein Kratzer ist, weiß man nie, wieviel Zeit der Film durch die Störung überspringt. Ich hatte schon Fälle von zerkratzten DVDs aus der Stadtbücherei, bei denen durch einen dicken Kratzer 20 Minuten übersprungen wurden. Bei einer VHS mit Bandknitter betrifft der Schaden nur einen "Echtzeitbereich" im Film, d.h. 15 Sekunden Bildstörung = 15 Sekunden Film. Sie sind also transparenter. Generell ist ein analoges Medium auch fehlertoleranter, als digitale Medien. Auch aus einer beschädigten Analogspur bekommt man meist Bild und Ton, eine beschädigte 01010101-Abfolge hat u.U. weit mehr Folgen.

Es gäbe sicher noch mehr Argumente, aber die würden dann wieder in den subjektiven und idealistischen Bereich gehen und gehören wohl nicht hierher (die "Reduktion auf das Wesentliche" wäre noch ein solches Argument).

Ansonsten fällt mir zu dem Thema übrigens noch ein Zitat von Kurt Tucholsky ein, der da einst sagte "Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!" Der gute Mann mag zwar nun nicht an einen digitalen Lebensstil gedacht haben, den man gefälligst zu haben hat, aber eventuell läßt es sich auch darauf anwenden. Oder nicht? Ich stelle das Zitat einfach mal zur Diskussion.

Chris

P.S. Neue Classic-Who-Kritiken schreibe ich demnächst. Ich komme im Moment nicht dazu.

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Tuesday, August 30th 2011, 2:25pm

Quoted

Es gäbe sicher noch mehr Argumente, aber die würden dann wieder in den subjektiven und idealistischen Bereich gehen und gehören wohl nicht hierher (die "Reduktion auf das Wesentliche" wäre noch ein solches Argument).
Oh, die würde ich gern hören... und was genau ist denn hierbei "das wesentliche"?

R:



Kaoru

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Tuesday, August 30th 2011, 8:57pm


wenn auf einer DVD ein Kratzer ist, weiß man nie, wieviel Zeit der Film durch die Störung überspringt. Ich hatte schon Fälle von zerkratzten DVDs aus der Stadtbücherei, bei denen durch einen dicken Kratzer 20 Minuten übersprungen wurden. Bei einer VHS mit Bandknitter betrifft der Schaden nur einen "Echtzeitbereich" im Film, d.h. 15 Sekunden Bildstörung = 15 Sekunden Film.

Naja, ich weiß ja nicht. Hmhmhm.

Bei einem kleinen Bandknitter ist die Bildstörung nur kurz. Bei einem kleinen Kratzer auf der DVD ist der Sprung ebenfalls kurz.

Bei viel Geknitter ist die Bildstörung wesentlich länger. Bei einem großen Kratzer ist der Sprung ebenfalls größer.

Ich fühle mich ein bisschen an diverse CD vs Schallplatte-Diskussionen erinnert in dem mit ähnlichen Pro und Contras argumentiert wird. Großer Kratzer auf der CD: Ganze Lieder sind futsch! Großer Kratzer auf der LP: Man kann sich die Platte nicht mehr anhören ohne Wahnsinnig zu werden!

Man kann sicherlich darüber diskutieren welche "Variante" nun anfälliger ist, aber das Ding ist doch folgendes: Ein kaputtes Medium ist ein kaputtes Medium ist ein kaputtes Medium. Von daher: Am besten einfach mit ihnen gut umgehen, dann gehen sie auch nicht kaputt...

Utopia

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Wednesday, August 31st 2011, 9:42am

Also ich weiß ja auch nicht. Damit zu argumentieren, dass ein kaputter Gegenstand nicht verwendet werden kann halte ich nicht für ein Argument. Denn mehr als genug VHS Kassetten sind auch schon durch unsachten Gebruach kaputt gegangen. Nagut, VHS kann man auch ohne Hülle gut lagern, aber dann wird es mit den Vorteilen schon arg eng.

@Teylen: Jo, Methoden sind wesentlich einfacher zu erweitern, als Prozeduren.



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BluesmanBGM

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Tuesday, September 13th 2011, 11:37am

Hier habe ich noch einen älteren Text (ca. 4 - 5 Jahre alt) zu dem Thema gefunden, in dem ich mal eine stichwortartige Auflistung zu einem zeitgeistkritischen Buch zusammengestellt habe. Schreiben sollte man ein solches Buch besser nicht, wenn man bedenkt, wieviel Aggression eine Kritik am herrschenden Zeitgeist bei manchen Menschen auslöst. Auf der anderen Seite könnte man ein solches Buch sicher sowohl als Denkanregung, als auch als Leitfaden für einen aktiven Widerstand gegen das 21. Jahrhundert verwenden. Die folgenden Stichpunkte sind holprig ausformuliert und laden daher sicher zu Widerspruch ein.

The 21st Century Delusion

Nun überlege ich ja schon seit einer Weile an einem größeren Projekt zu einem zeitgeistkritischen Buch herum. Bisher läuft das Ganze unter dem wenig einfallsreichen Arbeitstitel "The 21st Century Delusion". Hier einige eher unsortierte Gedanken zu der Form eines solchen Buches. Sorry, etwas längere Gedankensammlung.

Als einleitenden Satz würde ich vielleicht gerne ein Star-Wars-Zitat verwenden, daß die Eigenschaften des modernen Zeitgeistes und seine Gefahren IMO irgendwie treffend beschreibt - nämlich Yodas "Hast einmal du beschritten diesen Weg, für immer wird davon bestimmt dein Leben..." Das Ganze dann als Überleitung zu einem einleitenden Kapitel, in dem beschrieben wird, warum man das 21. Jahrhundert nicht "zur Tür reinlassen" muß, wenn man nicht will. Warum indoktrinierter Zeitgeist der Moderne nicht gleich Fortschritt ist, daß ein alternativer Lebensstil zur digitalen Revolution und der vermeintlichen Perfektion möglich ist etc etc.

Das nächste Kapitel sollte eine generelle Zielsetzung jenes Lebensstils beschreiben. Ein wichtiger Punkt wäre hier das Festhalten und Definieren von drei Grundsätzen:

- das Recht jedes Einzelnen auf wahre Individualität
- das Recht auf unbeschränkte Imperfektion
- das Recht auf Mittelmaß der äußeren Form

Wobei das Recht auf Mittelmaß so zu definieren wäre, daß damit nicht die Substanz, sondern eben die äußere Form gemeint ist. Beispiel: Staffel 2 der Simpsons ist animationstechnisch "schlecht" , übertrifft aber inhaltlich alle anderen Cartoons. Das Blicken hinter die technische Fassade und das Sehen der Substanz ist zu definieren. Als (eine) Begründung für analoge Medien, für alte Computer, für technischen "Sperrmüllschrott" ist das persönliche Recht auf Imperfektion und äußeres Mittelmaß zu nennen.

Im Folgenden ein Kapitel über "Den Tropfen im digitalen Ozean" - also Thema Beliebigkeit. Verschwinden von medialen Schätzen und greifbarer (analoger) Materie im gleichförmigen Ozean der allgemeinen Verfügbarkeit. Warum allgemeine Verfügbarkeit die Freude am Suchen und Finden nimmt. Warum auch eine VHS-Kassette ein größerer Schatz sein kann, als Hunderte von medialen Gigabyte. Warum man gerade durch analoge Medien/alte Rechner etc. nötigen Respekt vor der Information als individuellem Gut (neu) erlernen kann. "Think Kilobyte" als alte-neue/neue-alte Denkrichtung.

Ein philosophischer Sprung hin zur Entstofflichung und Entmenschlichung durch den formlosen Datenozean.

Nach diesen eher theoretischen Kapiteln dann mehr Praxis:

"Von Brechreiz-Pixeln, analogen Mottenkisten, Augenkrebs und Stereo-Opas" - ein Kapitel über negative Schlagwörter und Indoktrination durch die Medien, Werbung, Konsum etc. Wie man die Argumente durchschaut, wie sie sich oft disqualifizieren. Letztlich ein Leitfaden, um Konsum und Werbetechnik des 21. Jahrhunderts kritisch zu betrachten. "Sowas muß ich mir heute technisch nicht mehr bieten lassen. Wir haben schließlich [aktuelles Jahr einfügen]" - die Ursprünge dieser Mentalität.

Weiterführend als nächstes Kapitel "Der anachronistische PC-Report" - eine praktische Betrachtung der großen, bunten, weiten und lehrreichen Welt der Rechner und PCs unterhalb der Pentiumschwelle. Workshop: wir besorgen uns einen 386er/486er und machen was daraus. Betrachtung des Slogans "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit" im Computerbereich. PC-Computing 1994 im kritischen Vergleich zur Moderne. Vertiefung des Themas "Think Kilobyte" mit weiteren praktischen Beispielen. Kilobyte or Terabyte are just words - what matters, is what you do.

Als eigenes Kapitel oder Unterkapitel zu obigem eine Betrachtung des modernen Webs. Verlust von Individualität im Web zugunsten homogener Einfachkeiten. Niedergang des Usenet. Webzwonull = Heilsbringer = Webdemokratie? Wie kann es Webdemokratie sein, wenn der Zugang abhängig ist von aktuellster Software, vom Aufrüsten und von neuer Technik? Ein Plädoyer für das Web 1.0.

Das Film- und Audiomedienkapitel. Warum man den wahren Filmkenner (nicht) an seiner DVD-Sammlung erkennen muß. Ein paar Kritiken aktuellen Filmschaffens. Klassische/unbekannte Schätze. VHS-Kollektionen, die die Werbung gerne verschweigt. Philosophische Betrachtung: was macht ein mediales Werk zur Kunst? Warum und wie berührt es uns? Was hat das letztendlich mit der Technik der äußeren Form zu tun? Spezial: Buster Keaton und Jacques Tati - die großen Zeitgeistkritiker ihrer Dekaden und was sie uns noch heute sagen können. Spotlight auf "The Navigator", "Mon Oncle" und "Playtime".

In vielen Bereichen sollte obiges ein Kapitel sein, daß von einer praktischen Warte aus wieder auf das obige Thema vom Tropfen im digitalen Ozean (und der Rettung dieses Tropfens) zurückgreifen sollte.

Als eigenes Kapitel oder Unterkapitel: "Radio Days". Persönliche Ode an das Röhrenradio Philips Saturn 563 (mit Überleitung zu einer philosophisch-historischen Betrachtung des Mediums.) "The Sound of Silence" - vom Tag, wenn alle Sender digital geworden sind und die Radios von Generationen in die Leere lauschen.

Der Retro-Konsum. Ein kleines Kapitel darüber, wie mit vermeintlicher Nostalgie Konsum gemacht wird und wo der Unterschied zur ernsthaften Betrachtung des Themas liegt. Nicht wehmütiger und vermarktbarer "Rückblick", sondern Erkenntnis einer Philosophie als Devise.

Zum Ende hin eine Betrachtung der Frage: warum diese Ablehnung des aktuellen Jahrzehnts bzw. Jahrtausends? Gab es nicht immer Leute, die über Fortschritt und Veränderung genörgelt haben? Waren es nicht stets die ewig Gestrigen, die die Welt aufgehalten haben? Warum sollte man Kritik an der aktuellen Zeit überhaupt ernst nehmen? Was ist mit dem Fortschritt in Wissenschaft, in Medizin, in der Technik etc., der Menschen hilft? Betrachtung der Fragen und Diskurs.

Aufstellung einer Theorie zum realen Fortschritt (der oft auf subtiler Ebene stattfindet) im Vergleich zu einer bunten "Realität" und dem Zeitgeist dieses 21. Jahrhunderts bisher. Können "nostalgische" Ideen sogar eine bessere Grundlage sein, subtile Nuancen des realen Fortschritts zu erkennen und zu schätzen? Rückgriff zum PC-Kapitel als Beispiel: warum jeder Prozessor Respekt verdient.

Ein Abschlußkapitel: wohin von hier aus? Ein leicht dystopischer Ausblick auf eine Zukunft, in der die drei obigen Grundsätze einer digitalen Perfektion und Beliebigkeit untergeordnet worden sind. Als Gegenentwurf eine alternative Zukunft mit Fortschritt, aber auch mit Respekt für die Ursprünge, mit Respekt für Daten, Medien, Imperfektion. Wohin nun? Schlußphilosophie. Ende.

Chris

Utopia

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Tuesday, September 13th 2011, 2:20pm

ALso das ist so unglaublich theatralisch. Etwas zu verwenden, bedeutet nicht, davon abhängig zu sein. Und kritisch bedeutet nicht nur meckern, sondern auch Vorteile nennen und das wirst du nie machen, da du alles "Neue" kategorisch ablehnst, ohne darüber nachzudenken. Demnach würde das Ding eher Propaganda werden.

Und die drei Punkte finde ich nicht gerade sehr differenziert oder überhaupt gut gewählt:

Was soll das denn heißen, wahrer Individualismus? Du bist eine der ersten Personen, die ich treffe, die ihre komplette Persönlichkeit der Technik abhängig machen, also ich finde das ist ein gefährlicher (und ja, dummer) Weg sein Leben zu gestalten. Ob man sich jetzt abhängig von alter oder neuer Technik abhängig macht, das ist für mich kein Unterschied.
Zudem hört sich das auch weniger nach Recht auf an, sondern eher nach Dogma.

Also ganz ehrlich, ich finde, du machst dir viel zu viele Gedanken über deinen Lebensstil. Leb doch einfach wie du es für richtig hälst, versuch aber nicht ständig andere dafür zu bekehren, damit gehen einen Zeugen Jehovas schon auf die Nerven.

Und moderne Technik HAT Vorteile, genau wie altes - daraus sich einen Lebensstil basteln, dass finde ich ziemlich daneben, könnte aber mit leben, ist ja jedem selbst überlassen - aber dann versuchen andere davon zu überzeugen, dass sein Weg der einzig richtige ist - das finde abwegig!

Und ja, ich will auch das meine Programme - ob selbst erstellt oder die ich benutze - möglichst schön aussehen. Warum denn auch nicht? Ich seh da nichts schlimmes oder verwerfliches dran.

Und zu DVD und Video: Das Medium ist SCHEIßEGAL. Es ist und es wird immer auf den Film selbst ankommen. Und genauso wird es und war immer so sein, dass wirklich große (vom Inhalt) Filme es schwer haben - da sie nicht massenmarkttauglich sind. Schreib darüber und ich les es gerne - pures Genörgel über DVD - langweilig. Und auch hier, ich würde niemals davon ausgehen, dass du wirklich kritisch dran gehst, da du hier doktrinieren willst und nicht recherchieren.
Im Prinzip tust du nämlich genau das, was du anprangerst. Anderen ihren Lebensweg aberkennen und deinen aufzwingen.



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BluesmanBGM

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Wednesday, September 14th 2011, 9:45am

Im Prinzip tust du nämlich genau das, was du anprangerst. Anderen ihren Lebensweg aberkennen und deinen aufzwingen.


Wieso ist eine Argumentation für etwas ein "Aufzwingen" eines Lebensweges? Jeder kann sich doch selbst Gedanken dazu machen und fundierte Gegenargumente sind immer gut. Nur ist für mich z.B. ein 08/15-Argument wie "Schmeiß bloß weg. Mit so altem Zeug kann man doch kaum etwas machen..." kein fundiertes Gegenargument.

Natürlich ist das Thema etwas techniklastig betrachtet. Technik ist nur eine Facette von zeitgeistigen Entwicklungen, aber gerade in der heutigen Zeit eben eine immens wichtige, da die Weltsicht von Menschen in allen Bereichen IMO stark davon beeinflußt wird und weltsichtformende Aspekte wie Werbung etc. sehr stark auf Technologie, "Leistung" und "Fortschritt" fokussiert sind.

Chris

69

Wednesday, September 14th 2011, 11:29am

Das Problem ist auch, dass diese Art der Kritik am jeweilig aktuellen Zeitgeist so unglaublich redundant ist und vorhersehbar ist. Es ist sicher interessant über den jeweiligen Zeitgeist nachzudenken und Kritik zu üben. Aber es muss auch klar sein, dass der "Zeitgeist" eher eine Illusion ist, die jeder Mensch selbst aus den Bruchstücken seiner Wahrnehmung zusammensetzt. Du konstruierst dir daraus dann ein ziemlich verklärtes Feindbild welches du attakieren willst. Letztendlich kann das aber nicht der Realität entsprechen.

Wenn es deine Intention ist eine Art "Leitfaden zum aktiven Widerstand gegen das 21. Jahrhundert" zu erstellen, dann musst du dir auch den Vorwurf gefallen lassen, dass du damit indoktrinieren willst. Deine Argumentation ist dann von Anfang an sehr einseitig und dient augenscheinlich nicht zur Aufklärung, sondern zur Rekrutierung für deinen Lebensstil.

Du hast ja ein paar interessante Ansätze für kleinere Projekte, aber insgesamt sehe ich nur, dass du eine bestimmte vergangene kulturindustrielle Epoche (80er/Anfang90er) über eine Aktuellere (2000er) stellen willst. Warum? Weil du wahrscheinlich in der von dir bevorzugten Epoche aufgewachsen bist. Das wirkt ziemlich willkürlich, da du aus welchem Grund auch immer eine bestimmte Epoche glorifizieren willst, die, als diese damals selbst modern war, wahrscheinlich von der Vorgängergeneration sogar mit ähnlichen Argumenten auf die selbe Art und Weise kritisiert worden ist.

Wenn du dich von diesem wertenden Vergleich verabschieden würdest, dann könnte man daraus auch durchaus eine gute Argumentation machen. Aber wenn dein Urteil schon von Beginn an klar ist, dann ist es auch kein Wunder, wenn man das dann nicht ernst nimmt.

Medienkritik ist immer angebracht, und heutzutage werden Medien auch massiv kritisiert. Primär natürlich nicht in den betroffenen Medien selbst.

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BluesmanBGM

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Wednesday, September 14th 2011, 11:59am

Wenn du dich von diesem wertenden Vergleich verabschieden würdest, dann könnte man daraus auch durchaus eine gute Argumentation machen. Aber wenn dein Urteil schon von Beginn an klar ist, dann ist es auch kein Wunder, wenn man das dann nicht ernst nimmt.


Prinzipiell nicht falsch, aber warum sollte man einen Standpunkt nicht wertend vertreten? Ein Richard Dawkins vertritt ja z.B. seinen atheistischen Standpunkt auch sehr wertend und betrachtet es trotzdem als gute Argumentation. Ob es eine ist, sei dahingestellt.

Es ist halt nun mal so, daß die Wertung zur Zeit extrem deutlich in die Richtung geht, daß früher alles Mist war (um es mal salopp zu sagen) und endlich in den letzten Jahren dank digitaler Revolution etc. alles so großartig geworden ist. Das ist eine Meinung, die man aus allen Richtungen "reingedrückt" bekommt und die oft mit falschen Ideen und Informationen untermauert wird. Und es gab IMO keine Dekade zuvor, die so herablassend und amüsiert auf die Vergangenheit geblickt hat, wie das 21. Jahrhundert. Warum also sollte es keine Argumentation geben, die in eine andere Richtung geht?

Glorifizieren möchte ich die 90er auch nicht, dafür interessierten mich die 90er zuwenig. Mein Lieblingsjahrzehnt sind die 70er, auch wenn ich diese aktiv kaum erlebt habe. Aber es gibt soviele geniale Ideen, Medien, Gedanken etc. aus den 70ern, die ich sehr hoch schätze.

Chris

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Wednesday, September 14th 2011, 12:14pm


Es ist halt nun mal so, daß die Wertung zur Zeit extrem deutlich in die Richtung geht, daß früher alles Mist war (um es mal salopp zu sagen) und endlich in den letzten Jahren dank digitaler Revolution etc. alles so großartig geworden ist. Das ist eine Meinung, die man aus allen Richtungen "reingedrückt" bekommt und die oft mit falschen Ideen und Informationen untermauert wird. Und es gab IMO keine Dekade zuvor, die so herablassend und amüsiert auf die Vergangenheit geblickt hat, wie das 21. Jahrhundert.

Nur... woher hast du diesen Eindruck? Wer macht denn das? Ich sehe heute jedenfalls keinen Unterschied wie die Leute noch vor 10 oder auch 20 Jahren über die Vergangenheit gesprochen haben. Vielleicht passiert das ganze einfach nur in deinem Kopf weil du dich mittlerweile so sehr auf "Anti 21tes Jahrhundert!" eingeschossen hast, daß du Aussagen welcher Art auch immer von anderen Leuten überinterpretierst und herablassend auffasst? Ich frage mich ohnehin warum du immer wieder erwähnst, daß "dieses Thema Aggressionen hervorruft". Ich sehe eigentlich niemanden der hier aggressiv drauf reagiert... und ich verstehe auch nicht warum man darauf aggressiv darauf reagieren müsste.

Utopia

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Wednesday, September 14th 2011, 1:33pm


Glorifizieren möchte ich die 90er auch nicht, dafür interessierten mich die 90er zuwenig. Mein Lieblingsjahrzehnt sind die 70er, auch wenn ich diese aktiv kaum erlebt habe. Aber es gibt soviele geniale Ideen, Medien, Gedanken etc. aus den 70ern, die ich sehr hoch schätze.

Chris
Richtig. Die 70er waren ein prägendes Jahrzehnt. Vor allem in der Musik wurden viele Genres erfunden, bzw. neu definiert. Nur der Umkehrschluss ist eben nicht, dass dadurch heute alles scheiße ist. Es ist immer leicht mit Dingen, die noch nicht ausprobiert wurden, zu experimentieren. Aber was bringt denn das Experemimentieren, wenn es zu nichts führt? Ja, in Sachen Computern wurde in den 70ern Pionierarbeit geleistet. Nur was würde es bringen, heute genau das selbe zu machen? Die Architekturen von Systemen sind im Großen Ganzen nunmal analysiert. Heute geht es um Verbesserungen im Detail - da das andere schon existiert. Einfach zu sagen damals wäre die Philosophie anders gewesen ist natürlich enifach, aber die Rahmenbedingungen waren schlichtweg vollkommen anders. Fortschritt (ja, technischer) basiert nunmal darauf, dass alte zu nehmen, zu verändern und womöglich damit zu verbessern, nicht das gleiche immer und immer wieder zu wiederholen. Das ist schlichtweg langweilig.

Und fundierte Beweise gibt es, auch in dem Thread, sehr sehr viele. Zum Beispiel die Sache mit der DVD. Da wurde soviel Pro gesagt - und belegt - und trotzdem kam als Gegenargument einfach ein: "Ja, aber mir gefällts besser." Das nenne ich nunmal keine fundierte Analyse. Wie gesagt, gesellschaftskritik ist immer gut und ich glaube auch, dass es viele technischen Dinge gibt, von denen man viel zu sehr abhänging ist (zB. Facebook). Aber ich denke auch, dass das ein menschliches Problem ist, kein technisches. Und genauso denke ich, dass du dich genau darauf beschränken wirst. Die Verteufelung deines Feindbildes und glorifizierung deiner Weltsicht. Absolut einseitige Propaganda. Ich seh zB BluRay und 3D als kompletten Bullshit an, heißt das etwa, dass es keine positiven Dinge darüber zu sagen gibt?? Nein. Fundiertes Fachwissen, okay, aber kritisch bedeutet eben nicht, dass man über das meckert, was einem nicht passt, sondern Contra UND Pro zu vertreten. Hört sich jetzt vielleicht nach Schule 7. Klasse an, aber das ist eben wichtig. Einfach nur zu sagen: Das ist scheiße, weil... , dann musst du dir auch die Propaganda Kritik gefallen lassen. Man kann lebend gerne eine Seite bevorzugen, aber das heißt nicht, dass die andere automatisch im Unrecht ist.



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73

Wednesday, September 14th 2011, 5:56pm

Prinzipiell nicht falsch, aber warum sollte man einen Standpunkt nicht wertend vertreten? Ein Richard Dawkins vertritt ja z.B. seinen atheistischen Standpunkt auch sehr wertend und betrachtet es trotzdem als gute Argumentation. Ob es eine ist, sei dahingestellt.
Darfst du ja auch gerne selbst so finden und ich kenne Richard Dawkins nicht und kann auch nicht sagen wie er argumentiert. Aber wenn man so argumentiert, dann muss schon einiges auf dem Kasten haben um damit durchzukommen. Ich kenne dich zwar nicht, aber ich bezweifle jetzt mal, dass du die Reputation dafür besitzen würdest.
Deine Thesen stehen schon prinzipiell auf ziemlich wackeligen Beinen, da du etwas versuchst in seiner Gesamtheit zu überblicken, was du gar nicht in seiner Gesamtheit überblicken kannst und versuchst dich dann an so einen Rundumschlag. Man merkt dem Aufgezählten sofort an, dass alles sehr stark von deinem persönlichem Standpunkt abhängig ist und du im Prinzip einfach nur eine Möglichkeit suchst um dich irgendwo auszukotzen. Kann man ja machen, aber erwarte nicht, dass man das in irgendeiner Form ernst nimmst, wenn du deine "Analyse" selbst nicht ernst zu nehmen scheinst.

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Es ist halt nun mal so, daß die Wertung zur Zeit extrem deutlich in die Richtung geht, daß früher alles Mist war (um es mal salopp zu sagen) und endlich in den letzten Jahren dank digitaler Revolution etc. alles so großartig geworden ist. Das ist eine Meinung, die man aus allen Richtungen "reingedrückt" bekommt und die oft mit falschen Ideen und Informationen untermauert wird. Und es gab IMO keine Dekade zuvor, die so herablassend und amüsiert auf die Vergangenheit geblickt hat, wie das 21. Jahrhundert. Warum also sollte es keine Argumentation geben, die in eine andere Richtung geht?
Und ich sehe z.B. in der Realität das genaue Gegenteil deiner Aussage. Ich sehe eher immer nur die Kritik und das Herummäkeln an Dingen der heutigen Moderne und die Glorifizierung der vergangenen Zeiten und das obwohl diese nur subjektiv als besser empfunden werden aber es letztendlich mit Sicherheit auch nicht waren. Der Mensch kritisiert meiner Erfahrnung nach immer zuerst an der Gegenwart herum, weil er die Vergangenheit sowieso nicht mehr ändern oder zurückholen kann und ihn die Gegenwart sowieso gerade "präsenter" ist.

Entwicklung bedeutet aber auch, dass sich die Welt ständig wandelt. Und ich bezweifle mal stark, dass alles Vergangene salopp gesagt gesellschaftlich als Mist dargestellt wird. Zeiten ändern sich. Ideen überholen sich. Technologien lösen einander ab. Das ist völlig normal. Jede Technologie hat ihre Zeit. Es gibt Entwicklungs-/Aufschwungphasen, Blütezeiten und Abschwungphasen. Manche Technolgien halten sich lange und manche nur sehr kurz. Es gibt aber meistens ziemlich praktische Gründe warum eine Technik die Andere ablöst. Zuerst gab es nur Filme die 50 Sekunden Laufzeit hatten, dann wurde die Technik verbessert und irgendwann konnte man längere Filme drehen.

Schaut man sich die Mediengeschichte an, dann kann man hunderte Beispiele identifizieren. Und es läuft auch immer gleich ab bis diese Technologien in der Gesellschaft akzeotiert werden. Vergleicht man beispielsweise die gesellschaftliche Debatte um den Film um 1900 mit der aktuellen Computerspiel-Debatte, dann stellt man fest, dass heute genau die gleichen Argumentation verwendet wird als damals.

Mit Werbung kann man Menschen sicherlich beeinflussen, aber Indoktrinieren halte ich für ziemlich übertrieben. Werbung möchte zwar alles verkaufen, aber schafft das bei Weitem auch nicht. Wenn das Produkt letztendlich nichts taugt, dann setzt es sich auch nicht durch. Daher ist es auch egal, ob Werbung Produkt XY als den letzten Schrei darstellt wird oder nicht. Das kann man das sicherlich immer kritisieren, aber es ist noch nicht einmal ein Phänomen unserer Zeit. Die Pseudoglaubwürdigkeit von Werbung war in den 50ern, 60ern, 70er, 80ern, 90ern genauso ein Thema wie heute. Das Medienangebot war sicherlich kleiner, aber die Methodik dahinter im Kern identisch und genauso wenig erstrebenswert.

Im Kern bleibt daher meine Zentrale Frage: Daher frage ich mich, warum vieles deiner Meinung nach in den 70ern oder 80ern besser gewesen sein soll? Warum sollte man in diesem Punkt bei dir sein. Die 70er und 80er waren damals auch mal eine moderne Zeit in der sich viele Technologien gewandelt haben oder als veraltet eingestuft wurde. Wo hippe neue Kilobyte Computer auf den Markt kamen und in der Werbung zum letzten Schrei deklariert wurden? Warum war das damals für dich vollkommen OK, während du im Prinzip das gleiche in der heutigen Zeit komplett ablehnst?

Warum verteidigst du die VHS-Kasette, wenn diese doch auch nur eine Zwischenstufe als Speichermedium für Filme dargestellt hat? Wäre es nicht viel logischer, wenn du für den physischen Wert einer originalen Filmrolle einstehen würdest? Also dem Medium für das der Film ursprünglich gedacht gewesen ist?


Und wenn du nur die 70er und 80er glorifizieren willst, dann ist das letztendlich genauso willkürlich.

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Wednesday, September 14th 2011, 7:23pm

Nicht zu vergessen, dass Betamax das bessere der beiden Systeme damals war. Also so sehr wird hier auch nicht auf Qualität geachtet.



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Thursday, September 15th 2011, 9:03am

Zum Beispiel die Sache mit der DVD. Da wurde soviel Pro gesagt - und belegt - und trotzdem kam als Gegenargument einfach ein: "Ja, aber mir gefällts besser."


DVD hat gegenüber VHS durchaus einige Vorteile. Dem habe ich auch nicht widersprochen. Es ist ja auch ein gutes Argument, im Gegensatz zu z.B. "Mit alten Computer kann man kaum etwas anfangen" (was nicht stimmt). Was mir an der Sache aber sauer aufstößt, sind einmal mehr der absolute Überlegenheitsanspruch und die Natur der Kampagne, die dann im Zuge der digitalen Revolution die analogen Bildmedien verdrängt hat.

Da hieß es dann z.B. in Fachzeitschriften, daß die VHS-Filmsammlung nun endlich dank DVD zum Sondermüll geworden ist (Vorwort in der Cinema, wobei ich jetzt die genaue Ausgabe nicht sagen kann). Da wurde schnell ein Image geschaffen, daß nur Umsteigen auf digital die mediale Erfüllung bringt und bisher alles Trash war. Da machten schnell Stories die Runde, das VHS nur maximal 10 Jahre halten (kurios, ich habe funktionierende Bänder, die fast 30 Jahre alt sind). Da wurden ganze Sammlungen auf den Müll gekarrt, z.B. auch aus Bibliotheken - in der hiesigen wurden z.B. etliche Filmklassiker aller Genres verramscht und ersetzt durch DVD-Boxsets mit King of Queens und Scrubs und Anime. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, daß eine der Kassetten, die ich vor der Müllverbrennung gerettet habe, ausgerechet Truffauts "Fahrenheit 451" ist. Aber ich werde theatralisch...

Und die selben Zeitschriften, die seinerzeit über VHS abgelästert haben, sind jetzt jene, die den Leser fragen, wer sich denn noch ein matschiges DVD-Bild bieten lassen will, wo es doch endlich BluRay gibt. Wie richtig gesagt wurde: das Medium ist SCHEISSEGAL. Wenn dem aber so ist, warum gilt das nicht in beide Richtungen? Warum provoziert man sofort Irritation, wenn man nur harmlos sagt, sein persönliches Filmmedium sind analoge VHS?

Und es war eben nicht immer so. Viele beziehen doch heute ihre Ansichten über vergangene Jahrzehnte aus irgendwelchem Retro-Kram, amüsierten TV-Shows mit trashigen Nostalgie-Themen etc. Echte Einblicke in die Denkweisen und Ideen früherer Jahrzehnte bekommt man so nicht, nur Vorgekautes. Was erlaubt ist, ist Amüsement über "irgendsowas" von früher. Was nicht erlaubt ist, ist konsequente Wertschätzung. Dann gibt es schnell wieder die üblichen Sätze von Verklärung, rosaroter Brille und dem Leben in der Steinzeit.

Was liest man denn, wenn man heute in irgendwelche technischen Zeitschriften (um mal bei dem Themenrahmen zu bleiben) schaut? Begriffe wie "veraltet", "angestaubt", "Mottenkiste", "Brechreizpixel", "Matschbild", "Augenkrebs", "Stereo-Opas", "Sondermüll", "Sperrmüll" usw usw. Eine solche Herablassung in Richtung der Wurzeln und technischen Ursprünge wirst du in einem Magazin aus den 70er oder 80er Jahren nicht finden. Auch dort wollte man natürlich die neuen Sachen vorstellen und verkaufen, aber der Ton war ein gänzlich anderer. Allein schon wegen der Preise wäre ein Gerät, ein Computer, ein Medienträger niemals als Wegwerfware mit geringer Lebensdauer gesehen worden.

Heute hat sich doch die Mentalität durchgesetzt, daß Technik ihren Dienst getan hat, wenn sie nach 3 - 4 Jahren kaputt geht. Das wird als völlig normal angesehen. Warum? Wenn ich einen interessanten technischen Gegenstand kaufe, dann möchte ich Jahrzehnte etwas davon haben. Aber allein diese Idee gilt doch heute schon als so obskur, daß sie Kopfschütteln hervorruft. Den Text schreibe ich übrigens gerade am 386er, der ist Baujahr 1991, die Festplatte mit 175 MB ist nicht viel Neuer. Der macht überhaupt keine Anstalten, kaputt gehen zu wollen. Und ich persönlich finde das genial und werde den Rechner auch weiterhin in seiner "Langlebigkeit" unterstützen.

Man muß sich ja auch vor Augen halten, daß eine neue Generation in diese Mentalität nachwächst. Irgendwann gilt es dann halt als normal, daß man polierten iKram kauft, den niemand mehr aufmachen kann und möchte, der nach 2 Jahren im Müll landet und von der neuesten Version ersetzt wird, und der sowieso alles "Alte" nachbildet und emuliert, so daß die Gesamterfahrung alter Technologie obsolet und irrelevant wird. Ich beziehe das Ganze als Argument vermutlich wieder zu sehr auf Technik, aber der Gedanke ist auch im übertragenen Sinne auf andere Lebensbereiche zu sehen.

Ich persönlich mache da nicht mit. Wenn man das Argumentieren für einen anderen Lebensentwurf als dogmatische Propaganda sehen mag, dann ist dem vielleicht so, dann ist es mein Fehler. Mir ist es egal, wie andere Menschen leben. Wer mit iPod, Facebook, Google, BluRay und Co glücklich wird, kann das gerne tun. Mir persönlich gibt das nichts. Es sollte aber möglich sein, Fragen an den Zeitgeist zu stellen, auch wenn diese subjektiv gefärbt und argumentativ fehlerhaft sein mögen. Ich höre mir auch gerne Gegenargumente an, vom 21. Jahrhundert überzeugen wird mich aber niemand können, sorry. Wenn mir jemand eine TARDIS vorbeischickt (bitte mit Patrick Troughton drin) dann würde ich gerne 1970 aussteigen. Wer kommt mit? ;)

Chris

Utopia

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76

Thursday, September 15th 2011, 2:22pm

Richtig. Nur die Frage ist auch, warum sich diese Mentalität durchgesetzt hat. Das kommt nämlich nicht von ungefähr. Wir leben in fast gesättigten Märkten. Die Unternehmen müssen propagieren um überhaupt was verkaufen zu können. Das ist nichts, dass sich einfach wegwünschen lässt. Verkaufen Technikkonzerne keine neuen Geräte = pleite = Arbeitslose. Außerdem ist technik heute wesentlich bezahlbarer, da kann man eben auch öfter sich etwas neues kaufen. Ich will jetzt nicht über Sinn oder Unsinn diskutieren, aber ich seh eben keinen Unterschied zur "Klassikzeit", außer, dass heute die Rahmenbedingungen anders sind. Und dass dann als Zeitgeist zu verkaufen, dass sehe ich einfach anders. Was bringt es denn in der Forschung, wenn man etwas herausfindet, dass schon bewiesen ist? Gar nichts. Und Speicher ist heute halt so billig, dass man bei Problemen auch mal welchen verschwenden kann - das heißt aber nciht, dass es schlechtes Coden ist.

Und ich sehe eben bei VHS nur einen einzigen, vernachlässigbaren Vorteil. Es bekommt nicht so schnell einen Kratzer, wenns rumliegt - aber ansonsten. Dünner, Navigationsmenü, Keine Schlieren nach ein paar Jahren. Bei BluRay sehe ich das schon anders. Die hat da schon fast gar nichts, dass besser ist.

Und wenn du dich so an Worten störst, dann kauf dir ein Videospielmagazin, les einen Retrobericht und dann wirst du nichts von Sondermüll oder Sperrmüll lesen. Sollen die sich mal trauen was schlechtes über ein SNES zu sagen.
Es kommt eben immer auf den Kunden an. Und das ein Galileo keine ernsthaften Technikexperten begeistert, dass sollte wohl klar sein. CT würde bei einem Bericht über alte Technik auch niemals über Sondermüll sprechen. Aber du kannst auch nicht erwarten, dass dann gesagt wird, das von heute kann man eigentlich alles wegschmeißen. Es gibt eben Dinge, die werden - ob mans will oder nicht - einfach überholt. Und gerade im Bereich Technik ist das eben noch stärker vertreten. Besonders Konsumtechnik. Aber das war auch schon immer so. Nur ist alles derzeit so gesättigt und günstig, dass die Austauschzyklen immer kleiner werden. Finde ich auch nicht gut - aber was soll man machen? Da kommt es eben nicht auf einen einzelnen an.

Und apropo Austauschzyklen: Ich will nicht jahrzehnte an dem selben ding sitzen, wozu denn? Ich lerne ja dann doch nichts über neue Architekturwege oder Software? Das finde ich wesentlich interessanter als einfach ein Gerät zu verwenden. Vor allem, wenn es so ist, wie bei mir gerade. Dass ich von Notebooks keine Ahnung hatte, mir ein 15,6 Zoll gekauft habe und ihn nie zur Uni mitnehmen kann, weil er zu groß ist. Was würde es mir dann bringen, noch zehn Jahre auf ein neues zu powern?
Technik wird immer dem Verwendungszweck angepasst. Wenn für das, was du machst, dein altes Teil ausreicht, in Ordnung, bei mir ist das nicht so. Da sehe ich jetzt auch keinen Interessenkonflikt oder verschiedene Lebensphilosohien drin. Sowieso mal die Frage: Warum muss eigentlich jeder heutzutage aus dem, was er tut eine Philosophie machen? Warum kann man sich nicht einfach ein gutes Gerät kaufen, ohne darüber nachzudenken, "Passt das auch zu meinem Lifestyle"? Das finde ich nämlich mittlerweile zum Kotzen.



Die haben noch 3 Jahre Zeit, um ein Hoverboard zu bauen!

77

Thursday, September 15th 2011, 11:27pm

DVD hat gegenüber VHS durchaus einige Vorteile. Dem habe ich auch nicht widersprochen. Es ist ja auch ein gutes Argument, im Gegensatz zu z.B. "Mit alten Computer kann man kaum etwas anfangen" (was nicht stimmt). Was mir an der Sache aber sauer aufstößt, sind einmal mehr der absolute Überlegenheitsanspruch und die Natur der Kampagne, die dann im Zuge der digitalen Revolution die analogen Bildmedien verdrängt hat.

Da hieß es dann z.B. in Fachzeitschriften, daß die VHS-Filmsammlung nun endlich dank DVD zum Sondermüll geworden ist (Vorwort in der Cinema, wobei ich jetzt die genaue Ausgabe nicht sagen kann). Da wurde schnell ein Image geschaffen, daß nur Umsteigen auf digital die mediale Erfüllung bringt und bisher alles Trash war. Da machten schnell Stories die Runde, das VHS nur maximal 10 Jahre halten (kurios, ich habe funktionierende Bänder, die fast 30 Jahre alt sind). Da wurden ganze Sammlungen auf den Müll gekarrt, z.B. auch aus Bibliotheken - in der hiesigen wurden z.B. etliche Filmklassiker aller Genres verramscht und ersetzt durch DVD-Boxsets mit King of Queens und Scrubs und Anime. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, daß eine der Kassetten, die ich vor der Müllverbrennung gerettet habe, ausgerechet Truffauts "Fahrenheit 451" ist. Aber ich werde theatralisch...

Und die selben Zeitschriften, die seinerzeit über VHS abgelästert haben, sind jetzt jene, die den Leser fragen, wer sich denn noch ein matschiges DVD-Bild bieten lassen will, wo es doch endlich BluRay gibt. Wie richtig gesagt wurde: das Medium ist SCHEISSEGAL. Wenn dem aber so ist, warum gilt das nicht in beide Richtungen? Warum provoziert man sofort Irritation, wenn man nur harmlos sagt, sein persönliches Filmmedium sind analoge VHS?


Du gehst in diesem Beispiel davon aus, dass das schnelle Verschwinden der VHS aufgrund der negativen Propaganda (z.B. aus der Cinema) erfolgte. Es gibt sicher Menschen, die sich von solchen Aussagen beeinflussen lassen, aber letztendlich überholt sich eine Technik nicht, weil sie als veraltet bezeichnet wird, sondern weil sie meist für alle sichtbar veraltet IST. Ich bin damals mit Sicherheit nicht auf DVD umgestiegen, weil mir das in der Werbung vorgekaut wurde oder weil die VHS in Fachzeitschriften diffamiert wurde. Ich bin gewechselt, weil mir die DVD inhaltlich wesentlich mehr bot als eine VHS-Kassette. Wichtigster Kaufentscheidung war der Mehrkanalton und das Bonusmaterial was auf den DVDs zu finden war. Das konnte mir eine VHS nicht liefern, weswegen die VHS-Kassetten nach und nach durch die entsprechenden DVDs ersetzt wurden.

Momentan besitze ich noch einen Röhrenfernseher und solange dieser noch hält, werde ich wohl der DVD die Treue halten. Auch wenn ich die Vorzüge von HD und Blu-Ray durchaus erkannt habe, da viele Filme, besonders alte bildgewaltige Filme, auf Blu-Ray enorm an Kraft gewinnen die sie auf DVD oder VHS nicht entfalten können.

Auf Blu-Ray wird erst umgesattelt, wenn ich einen entsprechenden Fernseher besitzen würde auf dem Filme in DVD-Auflösung doof aussehen würden, weil der Fernseher eben für höhere Auflösungen gebaut wurden.

Und mein Indikator für eine Neuanschaffung eines Computers war immer die Entwicklung der Computerspiele. Ich habe früher sehr viel gespielt und meinem PC habe ich solange die Treue gehalten, bis irgendwann so gut wie keine aktuelleren Spiele mehr darauf liefen. Konsequenz: Neuer Computer, da der Alte meinen Anforderungen nicht mehr entsprach. Das hat dazu geführt, dass ich jetzt meinen vierten Desktop-PC besitze.

Ich denke, dass dies bei vielen anderen Techniknutzern auch so sein wird. Natürlich gibt es auch die "coolen" "early adopter", die im Prinzip sehr schnell jeden Techniktrend mitmachen, aber wenn das Produkt letztendlich nicht taucht, dann setzt es sich auch nicht durch. Nur erinnert sich heute kaum noch wer an die viele vielen gescheiterten Formate, weil sie sich nie durchsetzen konnten.

Wenn dir VHS nach wie vor noch alles bietet, dann hast du logischerweise auch keinen Grund zum Wechseln. Das selbe gilt für deinen Computer und genau das ist doch letztendlich der springende Punkt. Viele sind gegen dich, weil du ihnen quasi indirekt vorwirfst, dass sie sich von der Werbung oder anderer Propaganda so beeinflussen lassen, dass sie quasi jeden Quark mitmachen und zu dumm sind um es zu merken. Das hat mit der Realität nicht viel zu tun und deshalb weht dir auch so ein harter Wind entgegen. Ich glaube, dass die Menschen heutzutage wesentlich kritischer an die Medien herangehen als noch vor 20, 30 oder 40 Jahren. Das liegt aber auch daran, dass wir eine größere Medienvielfalt haben und wir quasi heute gezwungen werden uns mit den Mechanismen auseinander zu setzen.


Quoted

Und es war eben nicht immer so. Viele beziehen doch heute ihre Ansichten über vergangene Jahrzehnte aus irgendwelchem Retro-Kram, amüsierten TV-Shows mit trashigen Nostalgie-Themen etc. Echte Einblicke in die Denkweisen und Ideen früherer Jahrzehnte bekommt man so nicht, nur Vorgekautes. Was erlaubt ist, ist Amüsement über "irgendsowas" von früher. Was nicht erlaubt ist, ist konsequente Wertschätzung. Dann gibt es schnell wieder die üblichen Sätze von Verklärung, rosaroter Brille und dem Leben in der Steinzeit.
Was ist konsequente Wertschätzung?


Quoted

Aber allein diese Idee gilt doch heute schon als so obskur, daß sie Kopfschütteln hervorruft.
Diese Idee wirkt deswegen so obskur, weil sich viele Dinge einfach weiterentwickeln und vieles irgendwann überholt ist. Es ist obskur, wenn man der jetzigen Generation quasi vorwirft, dass sie Erfahrungen, die du früher gemacht hast, heute nicht mehr machen, weil sich die Technik massiv geändert hat. Ich weiß ja nicht wann du geboren wurdest, aber ich schätze einfach mal, dass das Anfang/Mitte der 70er gewesen sein muss. Wie weit hast du dich in deiner Jugend mit der Technik vor deiner Geburt auseinandergesetzt. Hast du dich nicht eher mit der vorhandenen Technik beschäftigt als mit der damals veralteten Technik sagen wir aus den 50ern, 40ern oder 30ern? Du kannst genausowenig nachvollziehen, was diese Technik damals für die Menschen bedeutet hat und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Diese Erfahrungen kannst du auch im Nachhinein nicht mehr machen, da du bereits mit der Nachfolgetechnologie groß geworden bist. Die heutige Generationen wachsen wiederum in einer anderen Zeit auf, mit anderen Rahmenbedingungen und anderen Technologien. Sie können die Erfahrungen mit analoger Technik nicht so machen wie du sie gemacht hast. Das ist praktisch unmöglich. Ihnen das jetzt vorzuwerfen erinnert mich dann tatsächlich an so mache Aussage meines Opas, der eben irgendwann auch mit aus meiner Sicht sehr veralteten und obskuren Ratschlägen ankam, die zwar irgendwann mal hilfreich gewesen wären und lieb gemeint waren, aber überhaupt nicht auf die damals aktuelle Zeit anwendbar gewesen sind.

Jeder Mensch steigt irgendwann in den gerade aktuellen Stand der Technik ein und seine Technikerfahrung wird durch die Entwicklungen geprägt, die ab diesem Zeitpunkt passieren. Das wird bei mir nicht viel anders gewesen sein als bei dir.

Ich plädiere aber auch durchaus den Umgang mit Medien bereits in der Schule zu unterrichten und vielleicht wäre dort Technikgeschichte auch ein mögliches Thema.

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Sunday, October 9th 2011, 3:22pm

Schöööööööööööön.

Meine alten Röhrenfernseher habe ich nun runtergetragen, damit er morgen auf dem Elektroschrottplatz gebracht werden kann. Danach kaufe ich mir einen schönen großen LCD-Flachfernseher mit Full HD, Virtual Dolby Surround und und und. :thumbup:

1. 4thdoc 2. 3rddoc 3. 2nddoc 4. 11thdoc 5. 9thdoc 6. 8thdoc 7. 6thdoc 8. 1stdoc 9. 7thdoc 10. 5thdoc 11. 10thdoc

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Thursday, October 13th 2011, 10:06am

Siehste mal, ich habe vor etwa 3 Wochen meinen ohnehin defekten DVD-Player zum Schrott gebracht, so daß mein Filmkonsum jetzt wieder 100% analog ist und vom treuen Videorekorder Baujahr 1991 kommt. Und daran wird sich so schnell auch nichts mehr ändern.

Ich meine, auf dem DVD-Player stand "Cyberhome" und in einem Cyberhome möchte ich doch nicht leben. Hey, das ist fast ontopic ;).

Einen Großteil meiner DVDs (inklusive der beiden New-Who-Boxsets Staffel 5 und halbe Staffel 6) habe ich jetzt der örtlichen Bücherei gespendet, die haben sich wirklich gefreut. Bevor die Dinger als digitale Relikte bei mir Staub ansetzen...

Chris

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Thursday, October 13th 2011, 12:37pm

Siehste mal, ich habe vor etwa 3 Wochen meinen ohnehin defekten DVD-Player zum Schrott gebracht, so daß mein Filmkonsum jetzt wieder 100% analog ist und vom treuen Videorekorder Baujahr 1991 kommt.

Wieso hattest du mit deiner Einstellung überhaupt einen DVD-Player, BBGM?
"sitzen ist beßer als stehen, und liegen ist beßer als sitzen; beßer als liegen ist schlafen, und beßer als schlafen ist todt seyn" - Arthur Schopenhauer

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