Ich finde hier grad im relativ ruhigen Bereitschaftsdienst Zeit für ne längere Antwort... bzw nehme mir die Zeit ganz einfach.
Mir persönlich erscheint die Welt im 21. Jahrhundert außerhalb meiner temporalen "Blase" halt nicht erstrebenswert,
Öff... naja, das 21te Jahrhundert ist gerade mal 11 bis 12 Jahre jung. Worauf es sich letzten Endes zubewegt wissen wir ja noch nicht. Vor genau 100 Jahren hatte man auch noch nicht die geringste Ahnung daß man zwei Weltkriege, nen kalten Krieg, Mondlandungen, Computer, Fernsehen und was weiß ich noch alles vor sich hatte. 1912 war das 20 Jahrhundert ebensowenig bewertbar wie heute das 21te. Bisher kann man höchstens sagen, daß die 00er etwas unoptimal waren.
weil mir in einer Zeit von digitaler Wegwerftechnik, Massenspeichern, "Perfektion", Update-Pflicht und beliebiger Verfügbarkeit etc. etc. eben ein sehr wichtiges Faszinosum an der Welt abgehen würde. Und das hat bei weitem nicht nur mit Technik zu tun.
Nuuur hast du hier zumindest bisher fast ausschließlich über Technik gesprochen! Und mir ist es auch noch nicht ganz klar geworden ob es dir um neue Technik
an sich geht, um ihre Nutzung oder beides.
Aber... yep, es gibt so einiges von diesen oben genannten Dingen die auch mir sauer aufstossen und mich tierisch nerven. Handys sind da z. B. so ein Fall. Die Teile nerven mich seit Tag 1 ihrer Einführung. Und nun haben sie sich diesen so genannten Smartphones evolutioniert über denen manche Menschen pausenlos hängen und unentwegt neue Nachrichten checken oder rausschicken müssen. Manche Zugfahrten sind teilweise gar nicht zu ertragen weil ganz garantiert bei dir mindestens ein Sitz weiter die ganze Reise über telefonieren muß. Und ist es wirklich notwendig daß man auf der Arbeit immerzu das Handy an seinem Platz liegen hat und in jeder freien Minute nach Facebook Updates Ausschau hält?
Es gibt da auch noch einige Sachen mehr die mich erschröcklich stressen... aber Handys stehen bei mir ganz oben auf der Liste und sind deswegen auch die die mir immer als erstes einfallen.
Aber die Computer... hm... darüber habe ich mir noch nie zuvor Gedanken gemacht. In der Zeit VOR diesem Thread nicht... und jetzt auch weiterhin nicht, da mich gar nichts an den neueren Geräten stört. Und ich denke auch weswegen DICH die neuen Teile so sehr stören liegt darin begründet daß DU sehr computerinteressiert bist und deswegen dann auch "ganz andere Sorgen" hast. Oder so.
Ich jedenfalls bin eher an Filmen und Musik interessiert und habe dementsprechend dort meine Bezugspunkte. Und was letzteres angeht fand ich die letzten 10 Jahren ziemlich ernüchternd. Während bis hin zu den 90ern jede Dekade neue Stile, Innovationen, Richtungen und etc hervorbrachten tat sich in den 00ern erschreckend wenig und die Jahre plätscherten belanglos vor sich hin ohne auf irgendwas nennenswertes hinauszulaufen. Hinzu kam noch der Schindluder der mit der CD gemacht wurde. Der so genannte "Loudness War" existierte zwar schon vorher, aber so richtig schlimm wurde er erst in den 00ern. Es gibt praktisch kaum noch eine Veröffentlichung die nicht völlig übersteuert abgemischt und gepresst wurde so daß man sie über Kopfhörer eigentlich gar nicht mehr anhören kann. Besonders ärgerlich ist es wenn ältere Alben neu aufgelegt werden und sie "remastered" versprochen werden, aber offenbar nichts weiter gemacht wurde als einfach nur den Lautpegel aufzudrehen. Ziemlich schade... und eine verpasste Chance wenn die erste CD-Veröffentlichung des Albums in den 80ern schon nicht super klang weil man damals einfach nur ein Vinyl Master benutzt hat, ohne darüber nachzudenken ob es für einen anderen Tonträger überhaut brauchbar ist. Und noch schlimmer: Vielen scheint das noch nicht mal aufzufallen oder empfinden das als störend weil sie schon auf den Normalfall "Überlaut" konditioniert sind und gar nicht mehr merken (können), daß im Klangbild überhaupt keine Nuancen mehr vorhanden sind. Es ist sogar andersrum, wenn unübersteuerte Musik aufgelegt wird, kommt der Kommentar "Irgendwie klingt das komisch." und die ganzen Ecken und Kanten des Sounds werden als störend empfunden. "Dauerbeschallung" dagegen ist der neue und als gut empfundene Standard. Seltsam.
Was Filme angeht kommen mir die Entwicklungen jedoch nur entgegen, jedenfalls was die Vertriebsformate angeht. Es mag zwar sein, daß dir VHS am liebsten ist (auch wenn du immer noch nicht genau mit den Gründen herausgerückt bist), aber für mich symbolisieren diese Kassetten auch ein bisschen das Mittelalter der Homevideozeit. Ich meine damit noch nicht mal die verwaschene Bildqualität... denn die war verglichen mit Betamax nun wirklich alles andere als dolle. Ich weiß auch noch wie mein Opa mit den Videokameras ankam und sie stolz präsentierte. Und von Anfang an waren meine Gedanken immer gewesen, daß die Farben verglichen mit den Super 8-Aufnahmen die er davor gemacht hatte nicht so schön aussahen (Von Schärfe und Kontrast will ich gar nicht erst anfangen). So richtig Stil hatten die irgendwie nie. Ausserdem wurde mit denen auch der Grundbaustein für das "Vieldrehen". Endlos wird und wurde einfach auf das Geschehen draufgehalten... und es wurde gefilmt und gefilmt und gefilmt. Angesehen hat man sich das höchstens ein einziges mal, wenn überhaupt. Die meiste Zeit hat dann nur den Finger auf der Schnellvorlauftaste gelassen. So ähnlich läuft das ja immer noch - erst recht dank der Digitalfotografie. Die Foto-Anschausessions die Freunde und Familienmitglieder organisiert haben wenn sie aus dem Urlaub zurückkehrten waren ja schon in der Nassentwicklungszeit teils unerträglich lang und weilig... und jetzt wo man 900 GB oder wasweißich an Fotos verschießen kann hören diese nun erst recht nicht mehr auf. Selbst vom ödesten Müll werden Fotos gemacht, und das in mehrfacher Ausführung. Argh!
...aber um zu den Filmen und den Mittelalter der Homevideozeit zurückzukommen... mich hat es damals tierisch geärgert mit da mit Filmen noch umgegangen wurde. 16:9-Bilder wurden links und rechts beschnitten um ein 4:3-Bild zu erreichen, auf Kosten von Bildkomposition und -Information. Besonders schlimm war das bei Filmen die im Cinemascope-Format gedreht waren, da blieb kaum noch etwas von dem was es zu sehen gab übrig. Und wenn jemand bei der 4:3-Beschneidung gepennt hat kamen dabei Stilblüten heraus in denen die Figuren die eigentlich auf dem Bild Dialog austauschten überhaupt nicht zu sehen waren. Ich kann mich da an einen Western (dessen Namen ich nicht mehr weiß) erinnern in dem man ungefähr eine halbe Minute lang einfach nur ein Standbild einer Prairie gesehen hat während zwei Leute geredet hatten. Erst ein paar Jahre später als ich beim Rumschalten nochmal über den Film stieß und er dort annähernderweise in seinem ursprünglichen Format gezeigt wurde, erschloß sich mir das die beiden Leute jeweils links und rechts im Bild standen und es keine eigentümliche Landschaftsaufnahme war! Eine sehr ähnliche Erfahrung hatte ich mit einer Fernsehfassung von "Dune". Da standen sich zwei Leute gegenüber und man hörte gesprochenen Dialog... aber keiner von denen machte den Mund auf. Und ja... wie sich irgendwann mal rausstellen sollte standen die eigentlichen Dialogführer links und rechts am Bildrand.
Und okay... das ist nichts wofür die VHS nun etwas kann... aber es ist halt etwas das VHS für mich symbolisiert weil man solche Sachen zuhauf auf den Kassetten vorfand. Auf DVDs und BluRays ist das alles kein Thema mehr... und würde man immer noch solch ein Bildbeschneidungsverfahren anwenden würde es einen lauten Aufschrei geben. Mit solchen Filmverstümmelungen gibt man sich nicht mehr ab... und will sich auch nicht mehr abgeben. Das ist auch ein Grund warum Filmstudios immer mehr dazu übergehen ihre alten Streifen zu restaurieren. Negative werden gesäubert, die ausgewaschenen Farben werden wieder gestärkt... Eine Sache die ich NUR positiv sehen kann... und da hat sogar ein Wertewandel zum besseren stattgefunden.
Und um einen Bezug zu "Doctor Who" herzustellen: Bis Ende der 90er hat die BBC bei den VHS-Veröffentlichungen noch nicht mal darauf geachtet ob sie überhaupt die bestmöglichen Master verwendeten. Es wurde einfach nach dem gegriffen was da war ohne um zu gucken ob da nicht vielleicht besser erhaltene Filmrollen im Archiv lagerten. Erst seitdem das Restoration Team sich der Sache angenommen hat und die Folgen zurück auf die Ursprungsqualität die sie noch bei der ersten Ausstrahlung hatten bringen sind z. B. große Teile der Hartnells erst anschaubar geworden. Und wenn sich noch jemand an die Zeit der 90er erinnern kann: Da standen die Hartnell-Geschichten nicht hoch im Kurs und wurden nicht viel gemocht. Aber seitdem die DVDs herauskommen kann man beobachten wie das Ansehen der Hartnell-Zeit Jahr für Jahr wächst. Und daß die BBC sehr häufig minderwertiges Band für die VHS-Kassetten benutzt hat sollte man auch nochmal erwähnen. Frisch hergestellte Kassetten hatten gern mal Bildflackern oder mittendrin Schnee...
Jedenfalls bin ich froh, daß die Herangehensweise an Filme sich so gewandelt hat und sie mit viel mehr Respekt behandelt werden. Viele Filme bekommt man erst jetzt wieder in ihrer ursprünglich erdachten Fassung zu sehen, teils zum ersten mal seit den 50ern - wenn nicht sogar noch früher. Und das auch in der Detailfülle wie sie damals auf der Leinwand im Kino zu sehen waren und seitdem abgesehen von wenigen Wiederaufführungen weniger Filme auch nie mehr wieder sehen konnte. DVDs waren da schon eine gute Heranführung... aber dank HD und BluRay kann man es jetzt erst so
richtig. Und das sehe ich als Filmfan absolut positiv und begrüssenswert! (Selbst wenn damals im VHS-Zeitalter die Filme nicht so arg zerstückelt worden wären, so können sie in Bild und Ton da ganz einfach nicht mithalten.) Und wenn dieser neue Respekt gegenüber Filmen eine Errungenschaft des 21ten Jahrhunderts sein sollte, so hoffe ich doch daß es bleibt.

Denn dies ist eine Entwicklung die ich absolut nicht müllig finde...
Das Thema an sich sollte IMO generell mehr diskutiert werden, sprich es sollte durchaus mehr Leute von meiner obskuren Sorte geben (gerne noch obskurer). Ansonsten wird der Alleinvertretungsanspruch der digitalen Moderne schnell zu ausgeprägt und bei jeder Kritik gibt es automatisch eine breite Front, die den Kritiker in die reaktionäre "Ewig Gestrigen"-Ecke stellt, ohne auf die Kritik einzugehen. Gutes Bespiel dafür kürzlich aus der Tageszeitung: zu einem Beitrag über Mängel der Sprachkultur im Internet gab es sofort als ablehnenden Leserkommentar "Na klar, und demnächst sollen wir wieder mit Meissel auf Steinplatten schreiben, oder was?" Was überhaupt nichts mit den Argumenten zu tun hatte, aber der Hinweis auf die "Steinzeit"-Natur einer Kritik scheint mir heutzutage für (zu)viele eine gültige Retourkutsche zu sein. Und deswegen sind gute Diskussionen pro und contra Moderne IMO oft zu schnell am Ende bzw. zu einseitig.
Ah-ah-ah, aber andersrum wird da auch ein Schuh draus. Denn einseitig und "ideologieverblendet" bist du auch sehr häufig gekommen, wenn nicht sogar verbohrt. Bei vielen Beiträgen im Laufe dieser Diskussion bekommt man den Eindruck, daß du einforderst, daß man dir in allen Ansichten bedingungslos zustimmen muß - und wenn man es in einem einzigen Punkt anders sieht als du hat man in allen Fällen verloren. In deinen Formulierungen schwingt nämlich sehr häufig ein "Ich gegen EUCH!!" mit, und nicht selten rennst du damit offene Türen ein. Denn auch hier im Thread gab und gibt es ein paar die manches ähnlich wie du sehen... aber du stösst ihnen mit deiner leicht aggressiven Attitüde so sehr vor den Kopf, daß du sie irritiert zurücklässt.
Ich meine... die Reaktion auf die Screenshots die du ab und zu postest könnten auch sein: "Wow! Ich wusste gar nicht, daß das mit einem alten Computer möglich ist! Coole Sache!

" Aber du lieferst die Gebrauchsanweisung ja dummerweise gleich mit, eine andere Reaktion als Kopfschütteln kannst du dir pauschal nicht vorstellen... und man könnte glatt meinen, daß du dir auch keine andere Reaktion wünschst. (Ausserdem: Das solche Bilder auf den Computern zeigbar sind weiß ein großer Teil von uns selbst, und zwar noch von früher.

) So schaffst du im selben Posting die Atmosphäre für die müsamen "Bluesman vs Alle anderen"-Grabenkämpfe die danach folgen. Und wie ich irgendwo an anderer Stelle bereits schon mal irgendwo geschrieben habe... es sind nicht deine Ansichten die "Aggressionen" verursachen, sondern deine Attitüde und die Art wie du sie vorträgst.
Und du brauchst auch nicht versprechen dich zu diesem Thema nicht mehr zu äussern, denn erstens verlangt das keiner von dir und zweitens ist das Thema viel zu interessant als das es einschlafen sollte.

Das einzige was du höchstens versprechen müsstest die Dinge etwas gelassener anzugehen und nicht so emotional.

Locker bleiben ist die Devise! Das wäre der Human Factor an dem du arbeiten müsstest...
Ich finde es nämlich auch ein bisschen schade, daß diese Diskussion sich zu sehr an technischen Dingen aufhält obwohl es in ihr in Wirklichkeit um ganz andere Dinge geht. Ich habe erst jetzt in diesem letzten paar Beiträgen direkt über meinen das Gefühl bekommen, daß wir auf das Wesentliche in ihr gestoßen sind. Die Sache mit den Werten/Idealen hatten wir vorher zwar auch schon gehabt... aber irgendwie war das zu dem Zeitpunkt noch ziemlich... "misguided" und nicht so richtig nachvollziehbar. Und eben halt "Ich gegen EUCH!!". Aber sei's drum, dafür sind wir jetzt offenbar endlich mal am richtigen Punkt angekommen. Hoffe ich.
(Und das war jetzt ein verdammt langer Beitrag! Nennt mich Radioactive Kaoru!!! Aber ich hab auch viel zu sagen gehabt... und könnte sogar noch weiterschreiben. *lol*)