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BluesmanBGM

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Thursday, August 25th 2011, 11:31am

Mein Serienkonzept "Bruchbach Serenade"

Wenn ich schon gerade dabei bin, das Forum zu belästigen, kann ich auch noch schnell mein eigenes Projekt zu einer fiktiven TV-Serie (animierte Satire) vorstellen. Ich schreibe da schon eine ganze Weile dran, es sind mittlerweile 173 Folgenideen in 9 Staffeln, sowie mehrere Drehbuchskripte fertig und seit einiger Zeit auch bereits drei Printcomics und ein ziemlicher dicker "Serienguide" auf dem Markt.

Mehr zur Serie findet ihr hier (Vorsicht, viel Gefasel, besonders im trockenen Konzept):

http://www.bruchbach.de/

Ein IMO recht gutes Folgenskript gibt es hier:

http://www.bruchbach.de/index.php?con=neustory

Eine gute Beispielstaffel (Staffel Acht) findet sich hier:

http://www.bruchbach.de/index.php?con=staffel8

Im Verlauf der Serie werden die Handlungen ziemlich verschachtelt mit vielen Querverweisen, später sogar auch mit etwas timey-whimey und mehreren Realitätsebenen in Stories. Vielleicht spricht das ja hier jemanden an. Am Besten das trockene Konzept auf der Webseite ignorieren und bei Interesse mit Skripten oder Folgenguide einsteigen.

Die Webseite ist zugegeben nicht ganz up-to-date und es hakelt an ein paar Stellen. Man kann sie problemlos mit Windows 3.11 pflegen (um der Frage vorzubeugen), nur sollte ich das auch mal wieder tun ;-).

Hier noch drei Bilder, einmal das aktuelle Buch mit Hardcover, ein älteres Comic-Cover und eine Comicseite:







Chris

Solus

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Sunday, September 4th 2011, 9:27am

Ich muss gestehen, ich bin nicht so die große Leseratte, nicht mal die Kleine, deshalb hab ich jetzt nur mal ein paar Zeilen gelesen, und möchte nun eher aus Mitleid, weil hier sonst keiner etwas sagt, mal erwähnen, dass mir das, was ich laß, gut gefiel. Nicht so versponnen, wie ich bei dem merkwürdigen und auch nichtssagenden Titel erst befürchtete.

Und da wären wir beim Thema - also, ich mach jetzt den Mainstream-Herausgeber-Chef, der Dir verklickert, dass Dein Werk in der Form weder Zukunft noch Gegenwart hat. Der Titel also - geht gar nicht ! Kann sich niemand etwas drunter vorstellen, aber das auf eine recht uncoole Weise. Klingt so, als müsste man Abitur haben, um den Comic lesen zu können - und damit sind alle, die keine Abitur haben, schon mal aus dem Haufen möglicher Leser raus. Das schöne Geld, was da verschenkt wird ! Den Titel müssen wir also ändern ! Personalities sind IN, Namen also - House, Stromberg, Frasier, Richterin Barbara Salesch ! Oder Seinfeld - das waren eigentlich vier Leute, aber die Sendung hieß nur "Seinfeld" - und war ein riesen Hit. Also nehmen wir einen Charakternamen - Rick z.B. ! Und speziell in Deutschland reicht das aber nicht; was der Deutsche nicht kennt, frisst er nicht. Der will immer vorher wissen, was er vorgesetzt bekommt. Also noch irgendeine Info dazu, selbst wenn die gar nicht stimmt. Egal. Sagen wir mal "Rick - Pechvogel der Nation" - die Leute lieben Losertypen, und ihre Nation. Hätten wir das ! Und dann noch das Konzept: "Will der Gesellschaft den satirischen Spiegel vorhalten...blablabla...Welt respektieren" - mit solchen Infos kriegst Du vielleicht einen Waldorf-Lehrer dazu, Dein Zeug zu lesen, aber doch keinen normalen Menschen ! Streich das, ALLES ! Außer das "echte Geschichten", das ist gut - Leute mögen echte Geschichten, selbst wenn die gar nicht echt sind. Aber der Rest - WEG ! Hat der Macher von Desperate Housewives wohl mal erzählt; solange er allen Sendern gesagt hat, seine Serie wäre eine Persiflage auf die Gesellschaft, wollte die keiner kaufen. Dann hat er gesagt "Ist 'ne Soap-Opera !" und ZACK gekauft und ein Hit ! Also neue Konzeptbeschreibung: ">Rick - Pechvogel der Nation< erzählt echte Geschichten aus dem Alltag (anm. GANZ WICHTIG, dieses >Alltag<, das geht immer !) eines leicht trotteligen, aber gewitzten Jungen, der von einem Fettnäppchen ins Nächste steigt. Die Comic-Komödien-Sensation des neuen Jahrtausends !" So, reicht schon. Und dann schreibst Du noch zwei neue Auftaktfolgen, ganz seicht, viel Blödelei drin, z.B. dass Rick onanieren will und dabei von seinen Eltern überrascht wird. Solche Geschichten kennt jeder, sowas kommt gut an. Und dann ab Folge 3 kannst Du anfangen, so langsam auf das umzustellen, was Du eigentlich erzählen möchtest. So wird das heute gemacht. Denk mal an House - wenn der schon in der ersten Folge Visionen gehabt hätte, kein Schwein in Deutschland hätte die Serie weiter geschaut. Eben von den Großen lernen - House, Seinfeld, Desperate Housewives; dort oben kann auch bald "Rick - Pechvogel der Nation" sein. Mach das einfach so, wie ich Dir das gesagt habe, und das Ding ist ganz schnell gekauft und es regnet Euros ! Und zwar Scheine ! Pinke Scheine, um genau zu sein, also für den Verleger, für Dich immerhin noch Hellblaue. Oder so.

So, Mainstream-Herausgeber-Chef-Modus beendet. Nun fühle ich mich schmutzig.

BluesmanBGM

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Monday, September 5th 2011, 11:47am

Danke für deine Antwort, auch wenn dein Mainstream-Herausgeber-Chef-Modus sehr gruselig ist ;). Da freue ich mich doch wieder, bei den Comics keinen Mainstream-Chef zu haben. Und bei der anderen Sache (fiktive Serie) mache ich ja sowieso nur das, was mir gefällt für eine kleine Gruppe treuer Mitleser. Wenn mich ein Herausgeber mit aktuellen Serientiteln bewerfen würde, bringt das auch wenig, weil ich die Serien sowieso nicht kenne. Also lieber keinen Scheineregen.

Hier noch ein paar Grafiken und Seiten:













Chris

Herr Duck

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Monday, September 5th 2011, 12:13pm

Ich glaube, ich werde mir die Comics bestellen. Sind die alle noch lieferbar?

BluesmanBGM

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Monday, September 5th 2011, 1:09pm

Die Comics sind alle noch lieferbar. Die Webshop-URL für eine Bestellung aller 3 Ausgaben für zusammen 11 Euro ist:

http://www.thenextart.com/dum-dum/shop/f…erenadeno12.php

Das Buch mit dem Episodenguide gibt es hier:

http://www.thenextart.com/dum-dum/shop/a…9ede0d10e11.php

Vielen Dank für dein Interesse :) .

Chris

BluesmanBGM

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Thursday, September 22nd 2011, 1:27pm

Um euch mal zu zeigen, wie die Stories im Folgenguide so aussehen, hier mal drei Ideen aus Staffel 7 und der aktuellen Staffel 9. Das sind jetzt für sich stehende Stories, die auch ohne Kenntnis des story arcs verständlich sind. Die Folge 126 hat sogar einen gewissen Who-Bezug. Ist jetzt relativ viel Text, aber nur mal als Querschnitt.

126. Professor Ovni und die Galaktoids

Alex ist etwas erstaunt, als Klaus nur sie allein zu einem Videoabend bei sich einlädt. Er zeigt ihr einige Folgen einer klassischen, tschechischen SF-"Kinderserie" aus den frühen 70ern namens "Professor Ovni und die Galaktoids". Darin geht es um einen alten, exzentrischen Wissenschaftler, der eine Jules-Verne-artige Welt gegen Bedrohungen aus dem Weltall verteidigt - das Ganze mit ziemlich schrägen Spezialeffekten und deutlich geringem Budget. Alex stellt jedoch fest, daß die Stories erstaunlich komplex sind und offenbar kritische Allegorien darstellen. So ist eine Rede des Professors vor dem "Galaktischen Konzil" ein kaum verkapptes Pladoyer für Frieden, Freiheit, Individualität und das Überwinden des Eisernen Vorhangs. Bevor der Professor jedoch seine Rede beenden und zum wichtigsten Punkt kommen kann, wird das Konzil von Mechanotron-Robotern überfallen und die Folge endet.

Alex will unbedingt den Schluß der Story sehen, aber Klaus erklärt ihr, daß einige Folgen dieser Serie verschollen sind, wozu leider auch die 17. und letzte Folge gehört. Er hat jedoch bei Recherchen herausgefunden, daß es irgendwo im tschechischen Hinterland noch ein erhaltenes Band jener letzten Folge geben soll. Um dorthin zu kommen, benötigt er nun die Hilfe von jemandem mit einem funktionierenden Auto. So brechen Alex und Klaus auf, um das Band zu suchen, müssen aber schnell feststellen, daß noch jemand Interesse an dem "Schatz" hat - sie werden verfolgt. Die Reise wird u.A. auch zu einer (Meta-)Reflektion darüber, warum wir uns Serien ansehen und was sie für uns bedeuten, aber auch über "mediale Archäologie": die Vergänglichkeit von Medien und die hohe Zahl an Filmen und Serien, die für die moderne Welt für immer verloren gegangen sind - oder ihrer Entdeckung harren.

Am Zielort angekommen (und nach einer Verfolgungsjagd um das Band mit der letzten Folge) stellt sich heraus, daß es sich bei der zweiten Fraktion um Alf Rudmann und Colonel Henchman handelt. Diese scheinen zwar zuerst den Sieg davonzutragen, zurück in Bruchbach müssen sie aber erkennen, daß nur Klaus das geeignete Abspielgerät für das Bandformat hat. Nach einem "Deal" mit Alf Rudmann - der dabei ein erstaunliches Bekenntnis über die Gründe seines Interesses am Band ablegt - können sich Klaus und Alex die letzte Folge der Serie doch noch ansehen. Und Alex erkennt beeindruckt, daß der Grund für das Verschwinden gerade dieser freigeistigen Folge wohl doch kein Zufall, sondern wahrscheinlich politisch motiviert war. Die Folge endet mit dem Satz von Professor Ovni, daß seine vor dem "Galaktischen Konzil" gesprochenen Worte in dieser Welt niemals verblassen sollten.

=> Mediensatire, Allegorie

164. The Quarkmaker

Die Folge beginnt mit Alex, die hustend mit einer schweren Grippe im Bett liegt. Martin meint besorgt, daß sie sich in den letzten Wochen einfach zuviel zugemutet hat und sich jetzt erholen muß. Alex ist unruhig und erklärt, daß es jetzt zuviel zu tun gäbe und sie nicht untätig herumliegen kann. "Die Zeit..." wäre ein kritischer Faktor. Da Martin nur wenig Vertrauen in die Pharmazie hat, greift er lieber zu einem altbewährten selbstgebrauten Hustensaft nach Dahlschem Familienrezept bzw. zu einer alten Flasche, in der sicher noch ein brauchbarer Rest davon sein dürfte. Alex verzerrt das Gesicht und meint, daß sie eine solche Bitterkeit lange nicht mehr geschmeckt hat, aber Martin entgegnet, daß es dann sicher helfen wird.

Er schließt die Tür sanft von außen und stellt die Flasche mit dem Hustensaft zurück in ein Bücherregal - kurioserweise neben eine Ausgabe von Aldous Huxleys "Die Pforten der Wahrnehmung". Zurück im Zimmer dämmert Alex mit trägen Augenlidern langsam in einen Halbschlaf hinüber und seltsame Dinge scheinen sich im Zimmer abzuspielen. Ein Marienkäfer steht in extremer Zeitlupe still in der Luft. Wir hören eine Stimme, die zu sich selbst meint, was für ein seltsames Universum hier wäre. Während die Stimme eine Zwiesprache mit einem imaginären Gegenüber hält, entsteht die Erkenntnis, daß eventuell der "Quarkmaker" - der Schöpfer der kleinsten Dinge - die Antwort wüsste. Und eigentlich müsste der hier irgendwo im Raum auch zu finden sein. Alex beschließt, sich auf die Suche zu begeben. Schließlich kenne sie ihr eigenes Zimmer - wie schwierig kann die Suche dann sein?

Als erstes folgt die Kamera wieder dem fliegenden Marienkäfer. Als er auf den zottigen Haaren des Flokati-Bettvorlegers landet, wechselt die Animation hin zu klassischer Stop Motion. Wir hören die Stimme von Alex quasi als Erzähler, während der Käfer mit lautem Rumoren durch den dichten "Dschungel" im Teppich stampft. Alex bemerkt außerdem, daß sich das Insekt krabbelnd auf verschiedene Gefahren im Zimmer zubewegt - z.B. ein klebriges Glas Orangensaft, eine fleischfressende Pflanze im Regal, ein Streifen Fliegenpapier unter dem Schrank etc etc. Das beste Ziel wäre eine Pflanze mit Blattläusen, die am entfernten Rand des Schreibtisches steht. Aber wie soll sie den ziellosen Käfer dorthin bugsieren, wenn sie nur reiner Beobachter der Szene ist?

Alex will bereits entmutigt aufgeben, nachdem der Käfer an einem der "Baumstämme" des Teppichs umgefallen ist, aber durch Zufall bemerkt sie, daß sie als beobachtendes Bewußtsein scheinbar die Fähigkeit hat, willentlich die Schwerkraft auf Ebene der Käfergröße nach oben oder nach unten zu verändern. Was als Eigenschaft im Makrokosmos nicht auffallen würde, wird plötzlich zu einer Möglichkeit, das Insekt auf den richtigen Weg zu bringen. Nach einigen kleinen Abenteuern mit einer Stubenfliege, einer wackligen Brücke aus Staubflocken und einer Glasmurmel erreicht der Käfer mit Alex´ physikalischer Mithilfe schließlich doch noch die glatte Oberfläche des Schreibtisches - und bleibt hier kurz vor dem Ziel mit einem Bein in einer Holzspalte stecken. Alex versetzt einem halbvollen Wasserglas einen mentalen Tritt und dieses schwingt auf kleinster Ebene mit. Zuerst passiert gar nichts, aber dann löst sich ein Tropfen am Glasrand und "spült" den Käfer frei. Dieser fliegt auf und landet direkt auf der Pflanze.

Glitzernd fliegen kleinste Wassertröpfchen durch die Luft. Die Szenerie läuft ein Stückchen rückwärts und wir folgen dem Tropfen wieder zurück zum Ursprung - dem halbvollen Glas. Der Blickwinkel zoomt in das Wasser des Glases und wir sehen ein digital animiertes 3D-CGI-Segment aus dem Leben der kleinen, transparenten Einzeller dort. Alles scheint in dieser Zivilisation seinen geregelten Gang zu gehen, wobei sich gerade ein kleiner Einzeller vom Rest des Schwarms absondert und an den geradlinigen Rand seiner Welt schwimmt - wo eine Barriere jedoch ein Weiterkommen verhindert. Hinter dieser Barriere schimmert verzerrt ein wunderschönes Objekt - eine Art von diffuser Wolke aus unzähligen farbigen Lichtern und bunten "Nebeln" dazwischen.

Der Einzeller wundert sich laut darüber, was es ist und ob dieses Wunder schon immer dort war oder erschaffen wurde. Ein alter Einsiedler-Einzeller kommt hinzu (inklusive langem Bart) und erklärt weise, daß das Wunder schon immer dort war - also sein ganzes Leben lang und das Leben seiner Vorväter. Und wenn etwas so unverrückbar und zeitlos ist, dann ist es sicher ein Werk jenseits der Welt und somit der Götter. Er erzählt dem Jungen eine komplexe (und illustrierte Geschichte) über die Natur und das Räderwerk der großen Barriere und der Sphären jenseits davon. So ist das Gebilde aus Licht und Farben in der Ferne das Resultat einer großen Schlacht am Anfang der Welt, als der erste geschaffene Einzeller gegen seinen Gegenspieler, den Schattenzeller, antreten musste - und das Universum dabei in dieser Barriere eingeschlossen und mit Wasser gefüllt wurde. Alle Lichter und Farben, die man außerhalb sieht, müssen daher Reflektionen dieser Schöpfung und unverrückbare Wahrheiten sein.

Nachdem er seine Geschichte erzählt hat, drängt er den Jungen jedoch dazu, mit zurück zum Schwarm zu kommen. Dieser hat auf der anderen Seite des Universums ein noch helleres Licht gesehen, auf daß nun alle zuschwimmen werden. Der Junge kann sich nur schwer vom Anblick trennen, aber der Alte entgegnet, daß sie vielleicht zurückkehren werden - auch wenn sich das Wasser im Universum als unendlich herausstellen sollte. Traurig trennt sich der Junge von seinem Wunder. Die Kamera zoomt wieder heraus durch die Barriere des gekrümmten und verzerrenden Glases und wir sehen, daß die Wolke aus Lichtern und Farben eigentlich nur ein kleines und ziemlich ramponiertes Weihnachtsbäumchen ist, daß am anderen Ende des Schreibtisches steht.

Die Kamera fährt auf die Lämpchen am Plastikbaum zu und endet im Inneren eines der Glühwendeln in der subatomaren Welt der Elekronen. Der Zeichenstil wechselt zu einem expressionistischen 2D-Stil mit Schraffuren und starken Kontrasten. Wir sehen drei Elektronen (die charakterlich sehr stark an Alex, Rick und Mike erinnern) die vor einem dunklen Gerichtstribunal stehen, weil sie die ketzerische Behauptung aufgestellt haben, daß man seine Bahn im Leben verlassen könnte und ein Teil seiner Selbst dann zu Licht wird. Ein agressiver Ankläger bzw. Großinquisitor versucht alles, um mit der Akzeptanz dieser Behauptung das Ende der Zivilisation in Zusammenhang zu bringen - verzettelt sich aber selbst in Widersprüche. Als sie am Ende des Prozesses dennoch der Ketzerei schuldig gesprochen werden sollen, wechselt das ganze Gericht die "Bahn" und alle werden zu Licht, auch der Ankläger.

Als das helle Licht wieder schwächer wird, sind wir zurück in normaler Animation und sehen Alex, die halb durchscheinend auf einer weiten und leeren Ebene steht. Eine staubige Visitenkarte liegt auf dem Boden, laut der hier der Quarkmaker (Hobbies: Sterne) leben soll. Alex läuft über die Ebene und findet niemanden. Zurück am Ausgangspunkt steht ein wunderschönes und kompliziert verpacktes Geschenkpaket mit bunter Schleife. Als Alex das Paket zögernd aufreißt und hineinblickt, ist es leer.

Die Szene wechselt zurück in die Realität zu Alex, die im Bett aufwacht. Sie betrachtet für eine Weile die Decke mit dem Muster aus Rissen. Dann steht sie auf und zieht einen Morgenmantel an. Husten und Fieber sind verschwunden. Alex wirft einen kurzen Blick auf die Pflanze am Schreibtisch, aber dort ist kein Marienkäfer zu sehen. Sie geht nach unten und erklärt dem erleichterten Martin, daß es ihr schon besser geht. Martin führt dies allein auf den guten alten Familienhustensaft zurück. Alex kocht sich einen Kräutertee in der Küche, muß aber dann feststellen, daß in der Zuckerdose nichts mehr drin ist. Martin möchte gleich einkaufen gehen, aber Alex entgegnet achselzuckend, daß es für den Quarkmaker vielleicht kein Nichts gibt. Sie dreht die Zuckerdose um und ein paar in der Luft glitzernde Zuckerkristalle fallen heraus.

=> surreale Folge, Experimentalfolge

174. Oh Badger, Where Art Thou?

Die Folge beginnt mit Klaus, Rick und Mike vor den Toren der großen Comicmesse in der Großstadt rechts von Bruchbach. Rick erklärt Mike leise, daß er nicht sehr begeistert darüber ist, daß sie Klaus (der als einziger ein funktionierendes Auto hatte) mit auf die Messe nehmen müssen. Er zeigt demonstrativ ein paar Fotos von diversen anderen "modernen" Messen vor, auf die sie Klaus mitgenommen hatten - die Fotos zeigen in obskuren Szenen, wie alle drei vom Sicherheitsdienst vom jeweiligen Messegelände geworfen werden. Mike winkt ab und meint, daß nicht mal Klaus auf einer harmlosen Comicmesse etwas zu nörgeln finden wird. Rick ist nicht überzeugt und erklärt, daß das Hausverbot auf der Messe seit den Ereignissen von Folge 16 nun endlich abgelaufen ist, und er keine Zwischenfälle erleben möchte.

In der Messehalle zeigt sich schnell, daß er recht behält. Klaus ist ständig nur am Nörgeln über zuwenige alte Comics und zuviel neumodischen Kram. Er ist erstaunt darüber, daß in Deutschland jetzt Comics aus Japan verkauft werden, bei denen die Seiten durch einen "Druckfehler" auch noch falschherum montiert sind. Rick startet einen halbherzigen Versuch, Klaus zu erklären, daß auch moderne Comics sehr gute Ideen und sogar "Bildungsauftrag" haben. Er zeigt Klaus eine Heftreihe im Manga-Format über das Leben von Johann Wolfgang von Goethe (wir sehen ein paar illustrierte Szenen mit Manga-Goethe). Es geht in den Heften u.A. um die Jugendjahre in Weimar, die Italienreise und um Goethes Abenteuer mit seinen beiden sexy Nichten Matoko und Yusumi im Kampf gegen den Phantomlord. Klaus ist nicht sehr angesprochen von den Stories

Rick und Mike "parken" Klaus leicht genervt bei einem nostalgisch wirkenden Stand zu einer alten deutsche Comicreihe über die Abenteuer von Dietbert Dachs. Die kennt Klaus noch von früher und er verspricht, sich dort aufzuhalten. Es handelt sich dabei um bunte Hefte über einen schlauen Comic-Dachs in gelben Latzhosen, der zusammen mit seinem tolpatschigen Freund Dinkelhund im Auftrag von Waldkommisar Rübe viele, relativ harmlose Kriminalfälle in einer betulich-deutschen Waldlandschaft löst. Wobei sich der Stil der Comics in den letzten 30 Jahren aber deutlich geändert hat und Dietbert Dachs von einem ernsthaften Detektiv zu einer schlanken Spaßfigur wurde, deren Running Gag daraus besteht, anderen Figuren Sahnetorten in das Gesicht zu klatschen.

Klaus wird am Stand schnell verwickelt in die gar hitzigen Streitereien zwischen zwei Fraktionen von Dachs-Fans: eine Fraktion lobt die klassischen Episoden der Reihe und bezeichnet die neuen Comics als hyperaktiven Kaschperl-Kram, die andere Fraktion lobt die neuen Comics als globale und zeitgerechte Satire und nennt die alten Ausgaben kleinbürgerlich und verstaubt. Überhaupt wäre die neue Figur näher an den Wurzeln des Charakters, der am Anfang auch nur anarchischer Spaßmacher war und erst in den konservativen Jahren zur "Spaßbremse" wurde. Eine Filmrolle von 1947 mit der Aufschrift "D. Dachs in Drei Dampfschiff-Dödel" wird hochgehalten. Die beiden Fraktionen bewerfen sich dann verbal gegenseitig mit Storytiteln, um festzuhalten, welche alte Story jede neue Story schlägt und umgekehrt. Ein kurzer Blick in ein neues Heft entsetzt Klaus.

Schnell fällt er wieder Rick und Mike auf die Nerven. Wir sehen seine Worte illustriert mit ein paar bunten Comicszenen in animierten Panelen aus dem Dachs-Universum. Im alten Heft ist Dietbert auf der Suche nach Geldfälschern im Wald, verfolgt relativ behäbig einige Spuren, sagt einem frechen Eichhörnchen mit langen Haaren, daß es immer hilfreich sein muß, wenn ein Onkel Polizist es braucht und löst am Ende mit einer Moral seinen Fall. Ein animierter Blick in den allerneuesten Comic zeigt eine hochglanzpolierte Waldwelt, in der Dietbert durch ein Dimensionstor in die Welt der Osterhasen gerät und dort dem dunklen Oberhasen eine Sahnetorte ins Gesicht klatschen möchte. Die Story ist beladen mit Piraten, Transformern, Matrix-Szenen und powervollen Tortensammelkarten, die Dietbert braucht, um seine Feinde in einem Battle Pie Match zu besiegen.

Rick schnappt Klaus die beiden Hefte weg und meint, daß man die Sache auch aus einem anderen Blickwinkel sehen sollte. Die animierten Panele aus Ricks Sicht zeigen Szenen aus dem alten Heft, in denen Dietbert seiner kleinen Freundin hinter dem Herd sagt, daß sie sein Essen kochen sollte, solange er den Fall löst. Als Dietbert die Geldfälscher im Wald schnappt, stellen sich diese als lispelnde und gelbe Chinesen-Stereotype heraus, die von Kommisar Rübe ganz schnell aus "seinem" Wald gejagt werden. Am Ende sitzen die Charaktere biertrinkend am Stammtisch, prosten synchron einem Bild von Bundeskanzler Ludwig Erhardt zu, und wünschen sich weiterhin Beständigkeit und Gemütlichkeit. Im neuen Comic flitzen die Szenen schnell vorbei. Wir sehen, daß aus Dietberts Freundin nun eine gleichberechtigte Figur geworden ist, die geistreiche Dialoge hat. Der Oberhasenschurke stellt sich als Kopf einer ominösen Zensurbehörde heraus, die die Freiheit im Internet einschränken möchte. Das Schlußbild ist eine detaillierte Satire gegen Kommerzialisierung von Ostern und Feiertagen.

Zufrieden stellt Rick fest, daß es doch gerade das neue Heft ist, daß seine jungen Leser zum kritischen Nachdenken über Kommerz anregt. Wobei sein Argument dadurch etwas verliert, daß beim Blättern durch das Heft ein riesiger Haufen gestylter und zielgruppenorientierter Werbung herausrieselt, inklusive der Prospekte für die Dachs-Sammelkarten (Mike sagt freudig "Hey, eine seltene Level-12-Schwarzwälder-Kirsch mit mystischer Fallenoption..." und beginnt in seinem Geldbeutel zu wühlen. Er zieht gleich ein paar Scheine heraus.) Das Gimmick im Heft ist ein Furzkissen für üble Dachs-Furze. Klaus ist absolut nicht überzeugt. Mike fragt ihn achselzuckend, ob er das neue Heft denn richtig gelesen hätte, worauf Klaus erklärt, daß er auf Seite 2 aufgehört hatte zu lesen, weil Dinkelhund dort ein sogenanntes "Handy" benutzt hatte. Rick und Mike gehen achselzuckend.

Klaus zieht sich schmollend in einen Ruhebereich der Messe zurück und schläft dort auf einem Sofa kurz ein. In einem seltsamen Traum begegnet er dem Geist des klassischen Dietbert Dachs, der ihm in einer Hamlet-artigen Szene erklärt, daß er vom neuen Dietbert Dachs umgebracht worden ist, und gerächt werden muß. Die Szene wechselt zu einer surrealen Gerichtsverhandlung im Panelstil. Im Publikum sehen wir leicht veränderte Karikaturen, in denen sich diverse urdeutsche Comicfiguren wie z.B. Fix und Foxi, Mecki, Lurchi, Nick Knatterton, Jimmy das Gummipferd und andere erkennen lassen. Einige davon werden dezent parodiert - so behaupten die beiden Fix und Foxi-Figuren, daß sie noch immer "cool" wären und es der Welt beweisen werden. Schon wieder. Die Umsitzenden lächeln eher mitleidig. Die Verhandlung endet im Chaos, als Goethe und seine Nichten den Gerichtssaal stürmen und gegen die cybertronischen Horden des Phantomlords verbarrikadieren. Klaus wacht auf.

Er hat nun einen Plan: man muß die Presse mit einer Aktion auf das Schicksal von Dietbert Dachs aufmerksam machen (und auf das Schicksal vieler alter Comicfiguren und ihrer Geschichten). Am Stand des Verlages ist ein Auftritt des Erfinders von Dietbert Dachs geplant, bei dem Klaus auf die Probleme aufmerksam machen will. Ein Streitgespräch zwischen Klaus und dem Erfinder läuft schnell aus dem Ruder, weil Klaus auf Stunk aus ist, und auch der alte Mann letztlich zugibt, daß eine Comicfigur immer den Charakter hat, der die Verkaufszahlen am besten beflügelt. Letztlich endet die Aktion damit, daß Klaus dem Erfinder eine dicke Sahnetorte in sein Gesicht klatscht. Dummerweise ist der alte Mann auf Sahne allergisch und landet im Krankenwagen. Beide Fraktionen von Fans schütteln über Klaus den Kopf und erklären, daß es doch nur um einen Comic geht und man alles übertreiben kann. Klaus ist verdutzt und wird vom Sicherheitsdienst in einen abgesperrten Bereich für kleine "Troublemaker" gebracht.

Dort schmollt er in einer Gruppe schräger Kinder weiter vor sich hin und erklärt den Anwesenden, daß er doch nur wollte, daß sie auch die gleichen Chancen auf ernsthafte Charaktere und Comics haben, wie er in seiner Jugend. Die Kinder hören ihm nicht zu, sondern blicken allesamt traurig drein, im Hintergrund ist ein leises Schluchzen zu hören. Als den Kindern jedoch ein Stoß Comics hingeworfen wird, stürzen sich diese darauf. Der ganze Stoß besteht aus aktuellen Dietbert-Dachs-Comics und schnell hört man Gelächter und Freude bei den Anwesenden. Klaus schüttelt irritiert den Kopf und erklärt laut, daß das keine guten Comics wären. Er beginnt schließlich ebenfalls in den Stories zu blättern und nach und nach wandern seine Mundwinkel mehr und mehr nach oben, bis er schließlich (über sich selbst erstaunt) auch zu lachen beginnt. Er blickt sich nachdenklich in der fröhlichen Gruppe um.

Als Mike Klaus auslöst ("Ich nehme den Großen dahinten mit...") steht ein einzelner Reporter vor der Tür und möchte von Klaus wissen, was die Botschaft hinter seiner Aktion war, aber Klaus meint, daß vielleicht auch das Lachen eine wichtige Botschaft ist. Mike sagt, daß sie Rick am Besten nichts von dem Trouble erzählen, denn er hatte ja Wert darauf gelegt, einen normalen Tag zu verbringen. Rick rennt an ihnen vorbei. Er trägt eine rosa Perücke und ein ebensolches Ballkleid, sowie einen großen Karton voll mit Schuhen und Socken. Ein ganzer Trupp wütender Sicherheitsleute ist barfuß hinter ihm her. Klaus und Mike rennen ebenfalls mit. Die Kamera schwenkt zur Seite zu einem Stand, an dem junge Nachwuchszeichner und Talente ihre Werke ausstellen. Dort sehen wir ein Poster, daß sowohl den klassischen Dietbert, als auch den neuen Dietbert Dachs zeigt. Beide Figuren sitzen friedlich zusammen an einem Tisch, trinken Tee und essen Sahnetorte.

=> Spaßfolge, Mediensatire

Chris

Utopia

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Thursday, September 22nd 2011, 9:13pm

@Solus: Wer Untertitel unter Namen setzt, der frisst auch kleine Kinder ;)
Nee, das ist wirklich eine deutsche Unart, die verboten werden sollte. Ausnahme: Sequels/Prequels. Denn deine Begründung dürfte im Marketing womöglich unterrichtet werden, aber ich denke, die meisten Menschen interessiert es absolut nicht, ob da was druntersteht oder nicht.

EDIT: Vollkommen vergessen. Der Titel ist trotzdem nicht gerade gut gewählt. Den würde ich schon ändern, denn ehrlich gesagt, der ist ziemlich nutzlos und hört isch nicht gut an.



Die haben noch 3 Jahre Zeit, um ein Hoverboard zu bauen!

This post has been edited 1 times, last edit by "Utopia" (Sep 23rd 2011, 3:40pm)


Kaoru

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Friday, September 23rd 2011, 8:46am

Ach, das ist doch nur wieder Solus talking the albern. :snoozer05: Mein Vorschlag im ähnlichen Stil: "Drei glorreiche Spitzbuben räumen ordentlich auf" :20:

Aaaaber mit der Kernaussage hatter Recht: Der Titel ist wirklich nicht gut weil nichtssagend... nichts vermittelnd... und viel zu kompliziert klingend. Die zwei Wörter wirken so als wären sie der kleine Teil eines langen Zungenbrechersatzes. "Die brüchige Bruchbach Serenade bricht gerade Bachmarmelade am Bach der Krachbrigade" oder sowas. Die beiden Wörter sind niiiiiicht griffig!

Nicht daß ich jetzt einen besseren Titel als Vorschlag parat hätte... ;) ...dafür kenne ich die "Serie" nicht, bzw ist nicht aus meinem Hirn entsprungen um von all ihren Wirrungen und Irrungen Bescheid zu wissen um sagen zu können was eher den Kern trifft. Den ganzen Dostojewskij-Text von Dave Sim'schen Ausmaßen auf der Webseite will ich jedoch auch nicht lesen (so ausführlich wird KEIN Pitch da draußen geschrieben, erst recht mit diesen uneinladenden Abschreckungsformulierungen die Solus anspricht), aber vielleicht zieh ich mir mal die Hefte zu Gemüte wenn ich nen Schein übrig habe. Auch wenn mir der Zeichenstil so gar nicht zusagt. :(

BluesmanBGM

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Friday, September 23rd 2011, 2:07pm

Den ganzen Dostojewskij-Text von Dave Sim'schen Ausmaßen auf der Webseite will ich jedoch auch nicht lesen


Das Konzept kann man gerne ignorieren, das steht auch nur der Vollständigkeit halber dort. Das ist halt theoretisierendes Usenet-Material, da sah das faselmäßig immer so aus. Einen echten Bezug zur "Serie" hat das auch nicht mehr wirklich, da das Konzept mit Bezug auf 13 kurze Storyideen geschrieben wurde, wir mittlerweile aber bei 174 Ideen und etlichen Skripten sind. Aus dem engen Rahmen der Theorie ist es also irgendwie auch "rausgewachsen". Der Episodenguide ist da eigentlich das Herz der Sache.

Viel Lesen kann ich aber leider keinem Interessierten ersparen und so manches muß man sich dazu auch selbst ausmalen. Am vierten Comic bin ich momentan dran, vermutlich auch mit neuem Zeichner.

Chris

BluesmanBGM

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Friday, October 14th 2011, 11:23am

Hier mal wieder zwei Zeichnungen aus dem Bruchbach-Universum (nicht von mir, dafür fehlt mir das Talent):





Die Seite ist eine Beispielseite aus dem vierten Comic, wobei das letzte Panel noch nicht fertig ist. Die Story wird dieses Skript hier.

Chris

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Wednesday, January 4th 2012, 10:47am

Hier noch ein bißchen plumpe Werbung zu meinem Serienkonzept. Ich habe das Thema in den letzten Monaten ein wenig hängen lassen bzw. auch seit längerem nichts mehr dazu geschrieben. Als guten Vorsatz zum neuen Jahr sollte ich das mal wieder ändern und hole das Thema daher einfach wieder etwas nach vorne.

Mit dem vierten Comic ist es leider bisher noch nichts geworden. Ich habe zwar noch immer eine Zeichnerin, die Interesse hat, aber leider ist sie bisher aus Zeitmangel und Studium noch nicht dazu gekommen. Ich hoffe, es klappt noch irgendwann demnächst. Hat von den Lesern hier zufällig jemand einen der älteren Comics gekauft oder gar das dicke Buch mit dem Serienguide? Naja, wohl eher nicht ;).

Wie gesagt, viele Einzelfolgen sind eher Satire und Comedy, in einer übergreifenden Story-Mythologie gibt es in der ganzen Sache aber auch ein ziemliches timey-wimey, einen gewissen Fatalismus und dezent "esoterische" Zusammenhänge. Ich habe sogar selbst ein wenig den Faden verloren, wie sich alle Anspielungen und Zusammenhänge auflösen lassen. Das dürfte auch das Problem zum Ende von Staffel 9 werden, denn in einem epischen Zweiteiler mit den Titeln "Smoke on the Water" und "Fire in The Sky" sollte die übergreifende Handlung zu einem Ende kommen. Den Schluß habe ich sogar schon geschrieben, aber wie komme ich dorthin? Falls jemand im Episodenguide mitgelesen hat: einige Fragen des story arcs sollten im verzwickten Staffel-9-Zweiteiler "Paradise Lost & Found" schon geklärt worden sein. Oder aber außerhalb von meinem Kopf versteht sowieso niemand, was eigentlich vor sich geht ;). In jedem Fall könnte es für Who-Fans, die komplexe Verflechtungen mögen, nicht ohne Reiz sein.



Hier noch zwei IMO hübsche, ältere Storyideen aus Staffel 8 (aktuell ist Staffel 9, Folge 174):

146. Flub und Mona fahren Boot

Beim Warten auf Mike stößt Alex in dessen Zimmer auf einen großen Stapel handbeschriebener Blätter. Darauf angesprochen, gibt Mike etwas widerwillig zu, daß es sich um ein Kinderbuch handelt, daß er selbst geschrieben hat. Nachdem er sich vor ein paar Monaten von all seinen Kinderbüchern getrennt hat, wollte er deren Abwesenheit durch eigenes Schreiben einer Geschichte kompensieren - und die Blätter sind das Resultat. Alex nimmt die Blätter mit nach Hause und liest sie durch. Zu ihrem Erstaunen entfaltet sich eine sehr komplexe Geschichte. Das Buch handelt von zwei pelzigen Fabelwesen namens Flub und Mona, die auf einem Floß zu einer großen Reise einen Fluß hinab aufbrechen. Dabei erleben sie allerlei Abenteuer mit fiktiven Wesen - alles beschrieben in vielen Details, eigenen Begriffen und Sprachen, erfundenen Völkern und Ländern, sogar handgemalten Karten.

Wir sehen einen kurzen Abschnitt der fantastischen Abenteuer von Flub und Mona in einer kunstvoll animierten Fantasieszene. Alex überredet Mike am nächsten Tag, dieses Buch unbedingt einem Verleger zu zeigen und drucken zu lassen - worauf dieser noch widerwilliger zustimmt. Das Buch wird aber tatsächlich ein Erfolg und anfangs scheint alles gut zu gehen. Mike erfreut sich unter den Kindern der Stadt einer neuen Beliebtheit und beantwortet gerne alle Fragen zur großen Flußwelt von Flub und Mona. Probleme ziehen auf, als der Neffe des Bürgermeisters im Auftrag des Verlages die Vermarktung der Story übernimmt. Speziell das bisher letzte Kapitel des Buches bereitet seiner Ansicht nach Probleme, da es ohne wirklichen Schlußstrich endet.

In der Tat schließt das Buch damit, daß Flub und Mona mit ihrem Floß an eine Flußbiegung kommen (wir sehen die Szene wieder animiert.) Dahinter erwartet sie laut letztem Satz ein neuer Ort voller Wunder, an dem sie viele Abenteuer erleben werden. Mike ist der Meinung, daß seine Geschichte eben so endet und sich jeder Leser eigene Gedanken machen oder selbst weiterschreiben sollte. Dies widerspricht jedoch jedem Copyright-Konzept: Geschichten brauchen entweder sichere Fortsetzungen oder aber einen definitiven Schlußstrich, um erfolgreich vermarktet werden zu können. Mike entgegnet, daß er nur ein "unschuldiges Kinderbuch" für sich schreiben wollte, aber der Neffe meint, daß jedes Kinderbuch seine Unschuld verliert, wenn es um die Markthoheit geht.

Da Mike zu seinem letzten Kapitel aber definitiv nichts einfällt, wendet er sich mit der Bitte um Ideen an Alex und Rick. Alex hat auch gleich eine ganze Menge Vorschläge: die Zeiten des Eskapismus sollten auch für Kinder vorbei sein, daher sollte das Kapitel reale Bezüge zu den Problemen der Welt haben. Anhand ihrer Vorschläge sehen wir eine Fantasieszene: Flub und Mona kommen hinter der Flußbiegung in einen Wald, der von ruchlosen Tieren und "Finanzwieseln" bewohnt wird, die durch ihr Treiben die kleine, beschauliche Welt in eine "Waldwirtschaftskrise" stürzen. Die Geschichte wird nach ihren Ideen jedoch immer theoretischer und trockener und bricht schließlich ziellos ab. Mike wendet sich fragend an Rick.

Dieser meint wiederum, daß die Geschichte unbedingt viele Popkultur-Referenzen und etliche Filmzitate auf Blockbuster braucht, sowie Charaktere, die problemlos in einer Verfilmung von Comedians und MTV-Moderatoren gesprochen werden können. In der neuen Fantasieszene erreichen Flub und Mona daher ein popkulturelles "Wunderland" voll mit Wald-Pepsi und transformierenden Baum-O-Bots - in der Tat mit den Stimmen diverser deutscher Comedians. Auch davon ist Mike nur wenig begeistert. Inzwischen haben sich neue Probleme ergeben: ein Anwalt der Rudmann Animation Factory erklärt, daß Mikes Buch ein eindeutiges Plagiat von Teilen eines nie verwendeten Skriptes für einen Toffy-Toob-Bären-Film sei - und verlangt die Konfiszierung aller Exemplare.

Genervt ergreift Mike die Flucht vor allen - und läßt sich spontan in einem alten Kahn den Fluß Bruch hinuntertreiben. Am Morgen hat er beim Sonnenaufgang über dem Fluß plötzlich eine Inspiration - und beginnt, auf Blätter zu kritzeln. Zurück bei den besorgten Alex und Rick erklärt er, daß er das letzte Kapitel nun selbst geschrieben habe - nur für sich. Das Kapitel wurde von ihm bei einer Bank in einem Schließfach hinterlegt. Wir sehen, wie ein Mann im Anzug einen Stoß zerknittertes Papier mit der Aufschrift "Von der neuen Welt hinter der Flußbiegung" in eine kleine Metallbox legt und diese verplompt. Rick fragt achselzuckend, was denn der Sinn einer Geschichte ist, wenn sie nicht von den Menschen gelesen wird. Mike meint, daß er vielleicht irgendwann eine Antwort darauf haben wird. Dann würde das Kapitel auf ihn warten. Bis dahin werden Flub und Mona einfach weiter auf dem Fluß leben.

Die Szene wechselt zum letzten Mal in eine Fantasie. Flub und Mona stehen mit dem Rücken zu uns Hand in Hand auf dem Floß, während dieses auf die Flußbiegung zutreibt. Helles Licht strahlt um die Biegung herum und Lachen und Musik sind zu hören. Als die Sonne aufgeht, wird die Szene blasser und blendet aus. Wir sehen Rick, der achselzuckend meint, daß er seine Version mit den Blockbuster-Filmzitaten auch gerne gesehen hätte. Andererseits sind solche Filmzitate wohl ein Zeichen einfallsloser Autoren. Die Szene wechselt zu der Metallbox mit dem letzten Buchkapitel. Diese wird in eine Holzkiste gelegt und die Holzkiste dann verstaut. Als die Kamera mit düsterer Musik nach oben fährt, sehen wir eine riesige Lagerhalle, die labyrinthisch mit Holzkisten gefüllt ist.

=> Charakterfolge, philosophische Folge, Sozialsatire

150. Time in A Bottle

Ein (zu) versucht lockerer Nachmittag im Park endet zwischen Alex, Rick und Mike mit einem Streit. Erschrocken stellt Alex fest, daß sich die drei in letzter Zeit immer mehr auseinanderleben und kaum noch sehen. Rick kontert, daß er eben viel zu tun hat und langsam auch an die Karriere denken muß - so plant er gerade, die Arbeit im Reisebüro aufzugeben und einen lukrativen Sales-Manager-Job in einem Spieleladen für "strategische Taktikspiele" in der neuen Bruchbach Arcade Mall anzunehmen. Wie Mike hinzufügt, hat aber auch Alex kaum noch Zeit, seit sie ständig irgendwelche Treffen in einem obskuren "Club" besucht. Darüber möchte nun wiederum Alex nicht mit ihnen sprechen und die drei trennen sich in einvernehmlicher Einsilbigkeit.

Einige Tage später hat Alex eine Idee, die die drei Freunde wieder näher zusammenbringen soll: simple und plumpe Nostalgie beim Durchsuchen der alten "Relikte" aus der gemeinsamen Schulzeit. Tatsächlich entwickelt sich eine gute Stimmung mit zahlreichen Anekdoten. Schließlich fällt Alex aus einem Schrank ein Klassenfoto vom Abschlußjahr in die Hände. Seltsamerweise entdeckt sie erst jetzt zwei unscheinbare Jugendliche auf dem Foto, die ihr völlig unbekannt sind: ein blasser, blonder Junge und ein recht kleines schwarzhaariges Mädchen mit Brille, die beide eng zusammen am Bildrand stehen und lächeln. Als Alex Rick nach der Identität der beiden fragt, erfindet dieser zuerst ein paar obskure Namen und fiktiven Klatsch, muß dann aber zugeben, daß er die Leute auch nicht kennt. Wie er sagt, gehen in eine Schulklasse halt immer irgendwelche unscheinbaren Personen, die man nicht kennt, obwohl man für Jahre zusammen im gleichen Raum gesessen hat.

Amüsiert fügt er hinzu, daß es Dreiviertel der alten Klasse so mit Mike gegangen ist (Mike ist weniger amüsiert). Alex will sich mit der Erklärung jedoch nicht zufrieden geben und beharrt darauf, daß sie doch niemals jemanden übersehen würde. Sie möchte aber wissen, was diese beiden völlig Fremden auf ihrem Klassenfoto zu suchen haben. Der Nachmittag endet weniger fröhlich, da Rick ihre "fixe Idee" schnell auf die Nerven geht. Am nächsten Tag besucht Alex ehemalige Klassenkameraden, aber jeder verneint, die beiden Personen auf dem Foto zu erkennen. Alex geht zum alten Stadtfotografen, der das Bild damals gemacht hat. Dieser meint mit einem amüsierten Lächeln kryptisch "Da sind sie ja wieder..." und holt dann von hinten zwei ältere Fotos aus dem Lager: eines ist ein vergilbtes, schwarz-weißes Klassenfoto von 1956 und eines in Farbe von 1974 - zwei Abschlußjahrgänge und in beiden Fällen sind zwei Personen zu sehen, die frapante Ähnlichkeit mit den Gesuchten haben.

Alex ist verwirrt und der Fotograf erklärt achselzuckend, daß es sich wohl um eine Art vom "kosmischem Scherz" auf Kosten der Fotografen-Innung handelt. Er schenkt Alex zwei Abzüge der Fotos. Am Abend sitzt Alex grübelnd und mit sich selbst über die Logik diskutierend vor den Fotos. Auf dem Plattenspieler läuft "Time in a bottle". Als sie nach draußen geht, um noch frische Luft zu schnappen, fällt ihr in einer bisher unbekannten Seitenstraße ein pittoreskes Haus auf. Aus einem Buntglasfenster schaut das unbekannte Mädchen vom Foto und winkt ihr zu. Irritiert betritt Alex das Haus, in dem surreale Gesetze und Koinzidenzen zu gelten scheinen. Sie trifft in der Tat auf die beiden Personen auf dem Foto, die sich als Edgar und Zoe vorstellen und behaupten, Zwillingsgeschwister zu sein, obwohl sie sich nicht ähnlich sehen, und mit jeweils entweder stark französischem oder englischem Akzept sprechen - und dies häufig untereinander abwechselnd.

Wie Alex aus den seltsamen Aussagen herauszuhören meint, sind die beiden "Reisende", die immer nur einmal pro Jahrzehnt auftauchen, um am letzten Schultag einer Generation teilzunehmen, da sie diesem Ereignis zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort offenbar immense Bedeutung für die Menschheit beimessen. Und was könnte man mit der begrenzten Zeit eines Individuums Besseres tun, als sie auf wichtige Momente zu verteilen? Bei einer Führung durch das Haus entdeckt Alex eine Tür, die sie nach Durchschreiten zurück in ihre alte Schule führt - zum Zeitpunkt, an dem die Handlung von Folge 60 spielt. Beinahe läuft sich Alex selbst über den Weg und kann sich nur durch das Werfen eines Regenschirms in eine andere Ecke und davonlaufen "retten" - und muß erkennen, daß die Person, die damals einen Schirm nach ihr geworfen hat, scheinbar sie selbst war.

Als sie den Physikraum betreten will (hellblaues Licht tritt heraus) findet sie sich stattdessen in ihrer alten Klasse wieder und wird gerade von allen ausgelacht. Auf der Tafel stehen mit Kreide die Worte "Speculum Mundi" neben einer cartoonigen Karikatur von Alex, die alle zu amüsieren scheint. Lehrer und Mitschüler bombardieren sie mit trivialen und/oder bedeutsamen Fragen, aber Alex weigert sich, Antworten zu geben. Der Hausmeister repariert einen Lichtschalter und philosophiert über Zufälle und die kleinen Zeichen, mit denen die Zukunft in der Gegenwart zu uns spricht. Plötzlich sind nur noch Edgar und Zoe anwesend und erklären Alex, daß sie gerade sehr viel gelernt hätten, und es der Tag wert gewesen war, benutzt zu werden. Zoe fügt mysteriös hinzu, daß der "Andere" recht hatte. Der Raum zerfällt zu Asche und metallene Finger wachsen aus der Landschaft nach oben.

Alex fragt die beiden, ob sie wissen, was mit Bruchbach geschehen wird. Wir sehen eine Nahaufnahme von Edgars bisher stets lächelndem Gesicht. Eine Träne läuft seine Wange hinunter und er erklärt kryptisch seine Traurigkeit. Zoe fügt aber lächelnd hinzu, daß nichts geschrieben steht. In einem Slow-Motion-Wimpernschlag von Alex verschwinden die beiden. Für einen kurzen Moment sehen wir ein Bild von zwei bunt schillernden Kugeln wie große Seifenblasen im Raum. Dann steht Alex auf der Straße vor ihrem Haus und holt nach einem irritierten Achselzucken die Post aus dem Briefkasten. Es ist Werbung für Handytarife.

Wir sehen Rick und Mike im Zimmer von Alex. Sie hat beiden gerade das Erlebte erzählt. Rick winkt kopfschüttelnd ab und meint, daß sie den Unfug geträumt hat, als sie neben dem Plattenspieler eingeschlafen war - und führt sogar ein paar Indizien an, die dies zu untermauern scheinen. Es wäre doch völlig bizarr, wenn irgendwelche "Wesen" nur auftauchen würden, um Blech zu reden und unsere Schulfotos zu verhunzen. Alex meint, daß die Motivationen von "Bewußtsein von ganz woanders" für uns unverständlicher sein müssten, als alles, was wir (oder Gene Roddenberry) sich vorstellen könnten. Vielleicht waren die beiden aber auch mal wie wir und haben schlicht eine Tür gefunden und bleiben für die Ewigkeit zusammen - in einem immerwährenden, letzten Schultag.

Alex sieht die achselzuckenden Rick und Mike traurig an. Mike will deutlich etwas sagen, aber er zögert und auf einen kritischen Blick von Rick hin sagt er nichts. Als Alex wortlos gegangen ist, erklärt Rick, daß das doch nur wieder "wirres Gerede" aus Alex aufgeblähtem Verstand ist, daß angeblich für alle irgendetwas bedeuten soll, aber letztlich für nichts und niemanden (außer Alex) Bedeutung hat. Und Rick hat sich vorgenommen, in Zukunft etwas konkreter zu leben - außerdem muß er jetzt zum Probearbeiten zurück in den Shop in der Arcade Mall. Als ihn Mike auf die unerklärlichen Fotos anspricht, wirft Rick nochmal einen schnellen Blick darauf und meint dann, daß es doch offensichtlich schlicht "photoshopped" ist - man könne ja sogar die Schnittlinien um die Figuren sehen.

Er wirft die 3 Fotos zurück auf den Schreibtisch und beide gehen. In der letzten Szene sehen wir, daß Edgar und Zoe auf dem neuesten Klassenfoto (anders als bei früheren Blicken auf das Bild) nun beide Hände wie winkend zum Gruß erhoben haben.

=> Mysteryfolge

Und hier noch etwas eher Ungewöhnliches aus Staffel 9:

167. Der kleine Tod

Die Folge beginnt im Keller der Dahls. Wir sehen Alex, die in einer Szenenmontage mit verschiedenen Werkzeugen (u.A. einem Schweißbrenner) an einem seltsamen Objekt herumbastelt. Vor ihr liegt die Skizze der geometrischen Antenne, die sie in Folge 166 gezeichnet hatte. Zwischen der filigranen Zeichnung und dem seltsam verwinkelten Objekt aus Metallstreben und Zahnrädern vor ihr besteht allerdings noch keine große Ähnlichkeit. Nach einer Überprüfung der Skizze beginnt Alex in verschiedenen Kisten und Schränken nach etwas zu suchen, allerdings ohne Erfolg. Als sie Martin danach fragt, wo ein großer Pappkarton mit elektrischen Bauteilen hin verschwunden ist, meint dieser etwas ratlos, daß er das Zeug vermutlich beim Aufräumen weggeworfen oder einem Elektrogeschäft in der Stadt gespendet hat. Alex ist verärgert, denn in der Kiste hatten sich Teile aus einem alten Metallbaukasten befunden, inklusive des "Zylinders mit Motor", der in die Zahnräder der Hauptachse ihres "Kunstwerkes" gesteckt werden muß.

Martin versucht herauszufinden, was dieses ganze Konstrukt überhaupt bedeuten soll, aber Alex bleibt einsilbig und fährt in die Stadt, um das Originalteil oder Ersatz zu finden. Dort fragt sie in verschiedenen Geschäften herum und benutzt dabei die Worte, daß sie dringend auf der Suche nach einem zylindrischen Objekt mit Elektromotor ist, daß man an passender Stelle reinschieben kann. Dies führt schnell zu allgemeiner Belustigung unter Verkäufern und anwesenden Kunden und Klatsch macht die Runde in der Stadt. Mittels Hitradio, Presse und sozialer Netzwerke verbreitet sich so die Meldung, daß ein "heißes Babe" ihren Vibrator verloren hat und dem glücklichen Finder bestimmt so dankbar wäre, daß sich das Finden erübrigen würde. Schnell sind Hunderte von Jungs (und einige Mädchen) hilfreich zur Stelle und kippen Mülltonnen um etc. Als sich das Mißverständnis aufklärt, ist Alex sauer darüber, daß man mit solchen Gerüchten und "sexy" Stories unter der Gürtellinie offenbar mühelos die Massen mobilisieren kann, während für wirklich wichtige Dinge kaum jemand Zeit hat.

Die Menschen sind aber eher amüsiert darüber, daß Alex trotz ihres Alters von 21 Jahren offenbar (vor einer umständlichen Erklärung) gar nicht aufgefallen ist, was sie da ständig Zweideutiges gesagt hatte und das kopschüttelnde Tuscheln geht weiter. Zurück daheim beschwert sich Alex über die Natur der Menschen, aber Martin ist nicht so ganz auf ihrer Seite. Wie er sagt, haben er und Alex´ Mutter damals doch auch für die sexuelle Befreiung aller jungen Menschen gekämpft und es hat ihn immer gewundert, daß seine den Idealen sonst so verbundene Tochter diese Freiheit nicht lebt. Alex entgegnet, daß auch der Verzicht ein Teil der gewonnenen Freiheit ist. Als sie gerade persönlicher auf das Thema eingehen will, platzt Rick herein und läßt einige schräge Kommentare über den Vorfall ab. Er erklärt, daß Alex, wenn sie die Leute dieser Stadt vor irgendetwas "erretten" will, doch auch aus Erfahrung wissen sollte, was die Menschen zum Ticken bringt und ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Wir sehen einige Rückblenden zu vorherigen Folgen mit dem Thema, aus denen ersichtlich wird, daß sie sich stets mehr oder weniger vor Entscheidungen und Aussagen gedrückt hat.

Alex erklärt, daß sie nicht versteht, wie soviele Menschen glauben konnten, sie würde öffentlich über etwas so Persönliches auf diese Weise sprechen. Als Beispiel für die Offenheit, mit der die heutige Welt das Thema Sex behandelt, klickt sich Rick durch einige Webseiten, auf denen etliche Mitbürger ihre seltsamen Vorlieben offen darlegen. Wir sehen beim schnellen Durchklicken auch bekannte Gesichter, u.A. Colonel Henchman in einem violetten Fellkostüm. Auf die Frage, was denn so anders wäre, wenn sich Alex ihrer menschlichen Natur als sexuelles Wesen auch konkret stellen würde, entgegnet sie, daß die beiden dann vielleicht nicht hier sitzen und darüber sprechen würden. Wir sehen eine Was-wäre-wenn-Fantasieszene, in der sich Rick und Mike darüber streiten, wer Alex zu einem romantischen Mondschein-Date begleiten darf. Der Streit schaukelt sich kurios auf und beide treffen sich schließlich im gepuderten Rokoko-Outfit und bewaffnet mit Musketen zum Duell - wobei sie sich gegenseitig erschießen.

Alex erklärt, daß Sex letztlich das ultimative Werkzeug ist, daß Werbung und Marketing für sich instrumentalisieren können - ein Verhalten, bei dem der Konsument bei der Wahl der richtigen Werbereize vom eigenen Körper belohnt wird. Und Alex hat sich noch nie etwas von außerhalb ihres Verstandes sagen lassen oder die Kontrolle freiwillig an irgendwelche chemischen Reaktionen im Körper übergeben. Es klingt subtil an, daß der Kontrollverlust etwas ist, daß sie immer gefürchtet hat. In einer schraffierten und expressionistischen Zeichentricksequenz sehen wir eine Parabel: eine Gruppe von weißen Labormäusen wird für ein Experiment mit Schaltern verkabelt. Jedesmal, wenn eine Maus einen grünen Druckschalter mit der Nummer 4 drückt, werden belohnende Endorphine in ihren Körper geleitet. In einer Zeitraffersequenz entwickeln sich die Mäuse zu aufrecht gehenden und denkenden Wesen weiter (mit kurzen Hosen für die Männchen und Schleifen am Kopf für die Weibchen) und gründen eine Zivilisation.

Obwohl jetzt Philosophie und Geisteswelten Einzug halten, bleibt die alte Konditionierung aus dem Labor aber bestehen: wir sehen auf den Werbeplakaten, Zeitschriftencovern und TV-Spots der Mäuse ständig Bilder von grünen Schaltern und der Ziffer 4. Ein Cover eines Magazins mit einem großen Schalter verrät uns "44 heiße Wege, den Schalter zu drücken". In den Grünlichtvierteln der Mäuse prangt überall die blinkende Ziffer 4 und kichernde Mäuse-Teenager zeichnen Schalterdiagramme auf die Wand und werden vom ärgerlichen Lehrer verjagt. Die experimentelle Zeichentricksequenz endet damit, daß große Gruppen von Mäusen damit beschäftigt sind, weiterhin Schalter zu drücken, während sich am Horizont die Schatten gigantischer Katzen abzeichnen. Rick ist wenig überzeugt von dieser Story und meint, daß die Parabel hinkt. Die Verbundenheit zwischen zwei Menschen kann soviel reicher und vielschichtiger sein und trotzdem "den Schalter" beinhalten. Auf die sarkastische Rückfrage hin, woher genau Rick sein Expertentum zu dem Thema zu beziehen glaubt, rauscht dieser verärgert und ohne weiteren Satz ab.

Rick hat den Computer laufen lassen und ein Werbebanner erregt die Aufmerksamkeit von Alex. Dort wird über einen Verein in Bruchbach berichtet, der sich vorgenommen hat, körperliche Liebe wieder zu etwas Wunderbarem und Privatem zwischen den Seelen der Menschen zu machen, anstatt zu einem kontrollierten Kommerzprodukt. Der poetisch formulierte Text spricht Alex irgendwie an und sie macht sich am nächsten Tag zu einem Besuch des Vereins auf. "Sexual Healing" von Marvin Gaye spielt über Lautsprecher leise im Gang und wir sehen Kunstwerke mit deutlich sexuellem Unterton. Der Leiter des Instituts ist ein freundlicher älterer Herr, der in großen und weise klingenden Worten betont, daß es nur darum geht, zu befreien und zu helfen. Die Freiheit zur Entscheidung ist das größte Gut, daß der Mensch habe. Er gibt Alex einen Tablet-PC, auf dem sie eine (im Anime-Stil) animierte Cupid-Figur durch das Gebäude und die Philosophien des völlig selbstlosen Helfens dort führen soll. Als Alex gegangen ist, meint er aber zu seinem Assistenten, daß der doch für einen so schwierigen Fall wie Alex gleich den Vertrag für die Premium-Mitgliedschaft vorbereiten soll - für 49,99 Euro im Monat mit mindestens 3-jähriger Laufzeit.

Das interaktive Programm der animierten Figur scheint ziemlich mißlungen zu sein, da es von den Antworten her oftmals nicht auf unkonforme Aussagen vorbereitet ist und ein kurioses Zwiegespräch entsteht. Wie die Figur aber betont, muß der Mensch ab und zu durch den "kleinen Tod" gehen, um intensiver leben zu können. Das Ende der Tour ist ein plüschig-kitschiger Raum mit zwei bunten Türen. Die Cupid-Figur erklärt, daß dies der Ort der Entscheidung für Neumitglieder sei (und fügt kryptisch hinzu, daß anhand vorhandener Daten bereits ein Programm für Alex zusammengestellt wurde). Aus der rechten Tür tritt ein junger Mann im intellektuellen Outfit und gibt der perplexen Alex einen kurzen Handkuss. Aus der linken Tür jedoch tritt ein junges Mädchen mit Brille in einem recht ähnlichem Outfit und gibt Alex einen langen und leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. Der Junge und das Mädchen erklären, daß sie heute um Punkt vier Uhr für Alex hier sein werden. Diese muß dann nur noch den Klingelschalter an einer der beiden Türen drücken, um ihren Austritt aus der selbstverschuldeten sexuellen Unmündigkeit zu beginnen.

Die Szene wechselt zu einer Ansicht der Stadt von oben. Die Kirchturmuhr schlägt gerade vier. Die Kamera schwenkt langsam über die Szene und endet bei der Parkbank vor dem Observatorium. Alex sitzt auf der Parkbank und betrachtet einen Käfer auf einem Grashalm. Mike kommt mit dem Fahrrad vorbei und fragt erstaunt, was sie hier oben macht - worauf Alex entgegnet, daß sie gerade eine Entscheidung getroffen hat. Der Käfer fliegt davon. Mike setzt sich dazu und sie nehmen das Gespräch aus Folge 134 vom selben Ort wieder auf. Alex erklärt, daß sie sich vermutlich geirrt hat, als sie Mike sagte, daß sich an einem besonderen Verhältnis zweier Personen zueinander niemals etwas ändern kann und muss. Dieses Privileg haben vielleicht nur die Kinder. Sie schweigen eine ganze Weile, bis Mike anfängt, in seiner Hosentasche zu wühlen. Er erklärt, daß ihm gerade noch eingefallen ist, daß er Alex doch genau das geben kann, wonach sie schon die ganze Zeit gesucht hat. Alex springt erschrocken kopfschüttelnd auf, aber Mike zieht nur einen kleinen Metallzylinder aus der Hosentasche und gibt ihn Alex.

Es ist in der Tat genau das Objekt, daß sie die ganze Zeit gesucht hatte - der kleine Motor aus dem Metallbaukasten, den sie für ihr seltsames Antennenprojekt unbedingt benötigt. Wie drei kleine Kerben zeigen, ist es auch genau das originale Stück, daß früher im Keller in der Pappkiste lag. Als sie Mike nebenbei fragt, wo er es gefunden habe, meint dieser mit einem Achselzucken, daß er es in einem Wald im fernen Rumänien gefunden hat, wo es jemand aus den Büschen in seine Richtung geworfen hatte (siehe Folge 140). Alex meint irritiert, daß das doch völlig unmöglich sei. Als sie aufbricht, um endlich weiter an ihrem Projekt zu arbeiten, ruft ihr Mike hinterher, daß er an sie glaubt. Schließlich ist es auch in den schönen Geschichten so, daß bei der Rettung einer Welt immer die Jungfrauen mit dabei sind. "Aber nur als Preis für den siegreichen Helden, Mikey. Nur als Preis für den Helden..." entgegnet Alex kritisch und geht. Mike zuckt mit den Achseln und blickt durch das Besucherteleskop.

Die Szene wechselt zum Zimmer von Alex später am Abend. Sie kritzelt auf dem Bett liegend an einer ihrer vielen Skizzen mit Zahnrädern und Antennen und ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Sie zerknüllt das Papier und wirft es frustriert in den Eimer. Ihr Blick wandert nach drüben zu ihrem Nachtkästchen. Sie blickt lange auf die Schublade und das Bild blendet langsam aus.

=> Charakterfolge

Kommentare und Storyideen sind jederzeit willkommen.

Chris

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