Hier noch ein bißchen plumpe Werbung zu meinem Serienkonzept. Ich habe das Thema in den letzten Monaten ein wenig hängen lassen bzw. auch seit längerem nichts mehr dazu geschrieben. Als guten Vorsatz zum neuen Jahr sollte ich das mal wieder ändern und hole das Thema daher einfach wieder etwas nach vorne.
Mit dem vierten Comic ist es leider bisher noch nichts geworden. Ich habe zwar noch immer eine Zeichnerin, die Interesse hat, aber leider ist sie bisher aus Zeitmangel und Studium noch nicht dazu gekommen. Ich hoffe, es klappt noch irgendwann demnächst. Hat von den Lesern hier zufällig jemand einen der älteren Comics gekauft oder gar das dicke Buch mit dem Serienguide? Naja, wohl eher nicht

.
Wie gesagt, viele Einzelfolgen sind eher Satire und Comedy, in einer übergreifenden Story-Mythologie gibt es in der ganzen Sache aber auch ein ziemliches timey-wimey, einen gewissen Fatalismus und dezent "esoterische" Zusammenhänge. Ich habe sogar selbst ein wenig den Faden verloren, wie sich alle Anspielungen und Zusammenhänge auflösen lassen. Das dürfte auch das Problem zum Ende von Staffel 9 werden, denn in einem epischen Zweiteiler mit den Titeln "Smoke on the Water" und "Fire in The Sky" sollte die übergreifende Handlung zu einem Ende kommen. Den Schluß habe ich sogar schon geschrieben, aber wie komme ich dorthin? Falls jemand im Episodenguide mitgelesen hat: einige Fragen des story arcs sollten im verzwickten Staffel-9-Zweiteiler "Paradise Lost & Found" schon geklärt worden sein. Oder aber außerhalb von meinem Kopf versteht sowieso niemand, was eigentlich vor sich geht

. In jedem Fall könnte es für Who-Fans, die komplexe Verflechtungen mögen, nicht ohne Reiz sein.
Hier noch zwei IMO hübsche, ältere Storyideen aus Staffel 8 (aktuell ist Staffel 9, Folge 174):
146. Flub und Mona fahren Boot
Beim Warten auf Mike stößt Alex in dessen Zimmer auf einen großen Stapel handbeschriebener Blätter. Darauf angesprochen, gibt Mike etwas widerwillig zu, daß es sich um ein Kinderbuch handelt, daß er selbst geschrieben hat. Nachdem er sich vor ein paar Monaten von all seinen Kinderbüchern getrennt hat, wollte er deren Abwesenheit durch eigenes Schreiben einer Geschichte kompensieren - und die Blätter sind das Resultat. Alex nimmt die Blätter mit nach Hause und liest sie durch. Zu ihrem Erstaunen entfaltet sich eine sehr komplexe Geschichte. Das Buch handelt von zwei pelzigen Fabelwesen namens Flub und Mona, die auf einem Floß zu einer großen Reise einen Fluß hinab aufbrechen. Dabei erleben sie allerlei Abenteuer mit fiktiven Wesen - alles beschrieben in vielen Details, eigenen Begriffen und Sprachen, erfundenen Völkern und Ländern, sogar handgemalten Karten.
Wir sehen einen kurzen Abschnitt der fantastischen Abenteuer von Flub und Mona in einer kunstvoll animierten Fantasieszene. Alex überredet Mike am nächsten Tag, dieses Buch unbedingt einem Verleger zu zeigen und drucken zu lassen - worauf dieser noch widerwilliger zustimmt. Das Buch wird aber tatsächlich ein Erfolg und anfangs scheint alles gut zu gehen. Mike erfreut sich unter den Kindern der Stadt einer neuen Beliebtheit und beantwortet gerne alle Fragen zur großen Flußwelt von Flub und Mona. Probleme ziehen auf, als der Neffe des Bürgermeisters im Auftrag des Verlages die Vermarktung der Story übernimmt. Speziell das bisher letzte Kapitel des Buches bereitet seiner Ansicht nach Probleme, da es ohne wirklichen Schlußstrich endet.
In der Tat schließt das Buch damit, daß Flub und Mona mit ihrem Floß an eine Flußbiegung kommen (wir sehen die Szene wieder animiert.) Dahinter erwartet sie laut letztem Satz ein neuer Ort voller Wunder, an dem sie viele Abenteuer erleben werden. Mike ist der Meinung, daß seine Geschichte eben so endet und sich jeder Leser eigene Gedanken machen oder selbst weiterschreiben sollte. Dies widerspricht jedoch jedem Copyright-Konzept: Geschichten brauchen entweder sichere Fortsetzungen oder aber einen definitiven Schlußstrich, um erfolgreich vermarktet werden zu können. Mike entgegnet, daß er nur ein "unschuldiges Kinderbuch" für sich schreiben wollte, aber der Neffe meint, daß jedes Kinderbuch seine Unschuld verliert, wenn es um die Markthoheit geht.
Da Mike zu seinem letzten Kapitel aber definitiv nichts einfällt, wendet er sich mit der Bitte um Ideen an Alex und Rick. Alex hat auch gleich eine ganze Menge Vorschläge: die Zeiten des Eskapismus sollten auch für Kinder vorbei sein, daher sollte das Kapitel reale Bezüge zu den Problemen der Welt haben. Anhand ihrer Vorschläge sehen wir eine Fantasieszene: Flub und Mona kommen hinter der Flußbiegung in einen Wald, der von ruchlosen Tieren und "Finanzwieseln" bewohnt wird, die durch ihr Treiben die kleine, beschauliche Welt in eine "Waldwirtschaftskrise" stürzen. Die Geschichte wird nach ihren Ideen jedoch immer theoretischer und trockener und bricht schließlich ziellos ab. Mike wendet sich fragend an Rick.
Dieser meint wiederum, daß die Geschichte unbedingt viele Popkultur-Referenzen und etliche Filmzitate auf Blockbuster braucht, sowie Charaktere, die problemlos in einer Verfilmung von Comedians und MTV-Moderatoren gesprochen werden können. In der neuen Fantasieszene erreichen Flub und Mona daher ein popkulturelles "Wunderland" voll mit Wald-Pepsi und transformierenden Baum-O-Bots - in der Tat mit den Stimmen diverser deutscher Comedians. Auch davon ist Mike nur wenig begeistert. Inzwischen haben sich neue Probleme ergeben: ein Anwalt der Rudmann Animation Factory erklärt, daß Mikes Buch ein eindeutiges Plagiat von Teilen eines nie verwendeten Skriptes für einen Toffy-Toob-Bären-Film sei - und verlangt die Konfiszierung aller Exemplare.
Genervt ergreift Mike die Flucht vor allen - und läßt sich spontan in einem alten Kahn den Fluß Bruch hinuntertreiben. Am Morgen hat er beim Sonnenaufgang über dem Fluß plötzlich eine Inspiration - und beginnt, auf Blätter zu kritzeln. Zurück bei den besorgten Alex und Rick erklärt er, daß er das letzte Kapitel nun selbst geschrieben habe - nur für sich. Das Kapitel wurde von ihm bei einer Bank in einem Schließfach hinterlegt. Wir sehen, wie ein Mann im Anzug einen Stoß zerknittertes Papier mit der Aufschrift "Von der neuen Welt hinter der Flußbiegung" in eine kleine Metallbox legt und diese verplompt. Rick fragt achselzuckend, was denn der Sinn einer Geschichte ist, wenn sie nicht von den Menschen gelesen wird. Mike meint, daß er vielleicht irgendwann eine Antwort darauf haben wird. Dann würde das Kapitel auf ihn warten. Bis dahin werden Flub und Mona einfach weiter auf dem Fluß leben.
Die Szene wechselt zum letzten Mal in eine Fantasie. Flub und Mona stehen mit dem Rücken zu uns Hand in Hand auf dem Floß, während dieses auf die Flußbiegung zutreibt. Helles Licht strahlt um die Biegung herum und Lachen und Musik sind zu hören. Als die Sonne aufgeht, wird die Szene blasser und blendet aus. Wir sehen Rick, der achselzuckend meint, daß er seine Version mit den Blockbuster-Filmzitaten auch gerne gesehen hätte. Andererseits sind solche Filmzitate wohl ein Zeichen einfallsloser Autoren. Die Szene wechselt zu der Metallbox mit dem letzten Buchkapitel. Diese wird in eine Holzkiste gelegt und die Holzkiste dann verstaut. Als die Kamera mit düsterer Musik nach oben fährt, sehen wir eine riesige Lagerhalle, die labyrinthisch mit Holzkisten gefüllt ist.
=> Charakterfolge, philosophische Folge, Sozialsatire
150. Time in A Bottle
Ein (zu) versucht lockerer Nachmittag im Park endet zwischen Alex, Rick und Mike mit einem Streit. Erschrocken stellt Alex fest, daß sich die drei in letzter Zeit immer mehr auseinanderleben und kaum noch sehen. Rick kontert, daß er eben viel zu tun hat und langsam auch an die Karriere denken muß - so plant er gerade, die Arbeit im Reisebüro aufzugeben und einen lukrativen Sales-Manager-Job in einem Spieleladen für "strategische Taktikspiele" in der neuen Bruchbach Arcade Mall anzunehmen. Wie Mike hinzufügt, hat aber auch Alex kaum noch Zeit, seit sie ständig irgendwelche Treffen in einem obskuren "Club" besucht. Darüber möchte nun wiederum Alex nicht mit ihnen sprechen und die drei trennen sich in einvernehmlicher Einsilbigkeit.
Einige Tage später hat Alex eine Idee, die die drei Freunde wieder näher zusammenbringen soll: simple und plumpe Nostalgie beim Durchsuchen der alten "Relikte" aus der gemeinsamen Schulzeit. Tatsächlich entwickelt sich eine gute Stimmung mit zahlreichen Anekdoten. Schließlich fällt Alex aus einem Schrank ein Klassenfoto vom Abschlußjahr in die Hände. Seltsamerweise entdeckt sie erst jetzt zwei unscheinbare Jugendliche auf dem Foto, die ihr völlig unbekannt sind: ein blasser, blonder Junge und ein recht kleines schwarzhaariges Mädchen mit Brille, die beide eng zusammen am Bildrand stehen und lächeln. Als Alex Rick nach der Identität der beiden fragt, erfindet dieser zuerst ein paar obskure Namen und fiktiven Klatsch, muß dann aber zugeben, daß er die Leute auch nicht kennt. Wie er sagt, gehen in eine Schulklasse halt immer irgendwelche unscheinbaren Personen, die man nicht kennt, obwohl man für Jahre zusammen im gleichen Raum gesessen hat.
Amüsiert fügt er hinzu, daß es Dreiviertel der alten Klasse so mit Mike gegangen ist (Mike ist weniger amüsiert). Alex will sich mit der Erklärung jedoch nicht zufrieden geben und beharrt darauf, daß sie doch niemals jemanden übersehen würde. Sie möchte aber wissen, was diese beiden völlig Fremden auf ihrem Klassenfoto zu suchen haben. Der Nachmittag endet weniger fröhlich, da Rick ihre "fixe Idee" schnell auf die Nerven geht. Am nächsten Tag besucht Alex ehemalige Klassenkameraden, aber jeder verneint, die beiden Personen auf dem Foto zu erkennen. Alex geht zum alten Stadtfotografen, der das Bild damals gemacht hat. Dieser meint mit einem amüsierten Lächeln kryptisch "Da sind sie ja wieder..." und holt dann von hinten zwei ältere Fotos aus dem Lager: eines ist ein vergilbtes, schwarz-weißes Klassenfoto von 1956 und eines in Farbe von 1974 - zwei Abschlußjahrgänge und in beiden Fällen sind zwei Personen zu sehen, die frapante Ähnlichkeit mit den Gesuchten haben.
Alex ist verwirrt und der Fotograf erklärt achselzuckend, daß es sich wohl um eine Art vom "kosmischem Scherz" auf Kosten der Fotografen-Innung handelt. Er schenkt Alex zwei Abzüge der Fotos. Am Abend sitzt Alex grübelnd und mit sich selbst über die Logik diskutierend vor den Fotos. Auf dem Plattenspieler läuft "Time in a bottle". Als sie nach draußen geht, um noch frische Luft zu schnappen, fällt ihr in einer bisher unbekannten Seitenstraße ein pittoreskes Haus auf. Aus einem Buntglasfenster schaut das unbekannte Mädchen vom Foto und winkt ihr zu. Irritiert betritt Alex das Haus, in dem surreale Gesetze und Koinzidenzen zu gelten scheinen. Sie trifft in der Tat auf die beiden Personen auf dem Foto, die sich als Edgar und Zoe vorstellen und behaupten, Zwillingsgeschwister zu sein, obwohl sie sich nicht ähnlich sehen, und mit jeweils entweder stark französischem oder englischem Akzept sprechen - und dies häufig untereinander abwechselnd.
Wie Alex aus den seltsamen Aussagen herauszuhören meint, sind die beiden "Reisende", die immer nur einmal pro Jahrzehnt auftauchen, um am letzten Schultag einer Generation teilzunehmen, da sie diesem Ereignis zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort offenbar immense Bedeutung für die Menschheit beimessen. Und was könnte man mit der begrenzten Zeit eines Individuums Besseres tun, als sie auf wichtige Momente zu verteilen? Bei einer Führung durch das Haus entdeckt Alex eine Tür, die sie nach Durchschreiten zurück in ihre alte Schule führt - zum Zeitpunkt, an dem die Handlung von Folge 60 spielt. Beinahe läuft sich Alex selbst über den Weg und kann sich nur durch das Werfen eines Regenschirms in eine andere Ecke und davonlaufen "retten" - und muß erkennen, daß die Person, die damals einen Schirm nach ihr geworfen hat, scheinbar sie selbst war.
Als sie den Physikraum betreten will (hellblaues Licht tritt heraus) findet sie sich stattdessen in ihrer alten Klasse wieder und wird gerade von allen ausgelacht. Auf der Tafel stehen mit Kreide die Worte "Speculum Mundi" neben einer cartoonigen Karikatur von Alex, die alle zu amüsieren scheint. Lehrer und Mitschüler bombardieren sie mit trivialen und/oder bedeutsamen Fragen, aber Alex weigert sich, Antworten zu geben. Der Hausmeister repariert einen Lichtschalter und philosophiert über Zufälle und die kleinen Zeichen, mit denen die Zukunft in der Gegenwart zu uns spricht. Plötzlich sind nur noch Edgar und Zoe anwesend und erklären Alex, daß sie gerade sehr viel gelernt hätten, und es der Tag wert gewesen war, benutzt zu werden. Zoe fügt mysteriös hinzu, daß der "Andere" recht hatte. Der Raum zerfällt zu Asche und metallene Finger wachsen aus der Landschaft nach oben.
Alex fragt die beiden, ob sie wissen, was mit Bruchbach geschehen wird. Wir sehen eine Nahaufnahme von Edgars bisher stets lächelndem Gesicht. Eine Träne läuft seine Wange hinunter und er erklärt kryptisch seine Traurigkeit. Zoe fügt aber lächelnd hinzu, daß nichts geschrieben steht. In einem Slow-Motion-Wimpernschlag von Alex verschwinden die beiden. Für einen kurzen Moment sehen wir ein Bild von zwei bunt schillernden Kugeln wie große Seifenblasen im Raum. Dann steht Alex auf der Straße vor ihrem Haus und holt nach einem irritierten Achselzucken die Post aus dem Briefkasten. Es ist Werbung für Handytarife.
Wir sehen Rick und Mike im Zimmer von Alex. Sie hat beiden gerade das Erlebte erzählt. Rick winkt kopfschüttelnd ab und meint, daß sie den Unfug geträumt hat, als sie neben dem Plattenspieler eingeschlafen war - und führt sogar ein paar Indizien an, die dies zu untermauern scheinen. Es wäre doch völlig bizarr, wenn irgendwelche "Wesen" nur auftauchen würden, um Blech zu reden und unsere Schulfotos zu verhunzen. Alex meint, daß die Motivationen von "Bewußtsein von ganz woanders" für uns unverständlicher sein müssten, als alles, was wir (oder Gene Roddenberry) sich vorstellen könnten. Vielleicht waren die beiden aber auch mal wie wir und haben schlicht eine Tür gefunden und bleiben für die Ewigkeit zusammen - in einem immerwährenden, letzten Schultag.
Alex sieht die achselzuckenden Rick und Mike traurig an. Mike will deutlich etwas sagen, aber er zögert und auf einen kritischen Blick von Rick hin sagt er nichts. Als Alex wortlos gegangen ist, erklärt Rick, daß das doch nur wieder "wirres Gerede" aus Alex aufgeblähtem Verstand ist, daß angeblich für alle irgendetwas bedeuten soll, aber letztlich für nichts und niemanden (außer Alex) Bedeutung hat. Und Rick hat sich vorgenommen, in Zukunft etwas konkreter zu leben - außerdem muß er jetzt zum Probearbeiten zurück in den Shop in der Arcade Mall. Als ihn Mike auf die unerklärlichen Fotos anspricht, wirft Rick nochmal einen schnellen Blick darauf und meint dann, daß es doch offensichtlich schlicht "photoshopped" ist - man könne ja sogar die Schnittlinien um die Figuren sehen.
Er wirft die 3 Fotos zurück auf den Schreibtisch und beide gehen. In der letzten Szene sehen wir, daß Edgar und Zoe auf dem neuesten Klassenfoto (anders als bei früheren Blicken auf das Bild) nun beide Hände wie winkend zum Gruß erhoben haben.
=> Mysteryfolge
Und hier noch etwas eher Ungewöhnliches aus Staffel 9:
167. Der kleine Tod
Die Folge beginnt im Keller der Dahls. Wir sehen Alex, die in einer Szenenmontage mit verschiedenen Werkzeugen (u.A. einem Schweißbrenner) an einem seltsamen Objekt herumbastelt. Vor ihr liegt die Skizze der geometrischen Antenne, die sie in Folge 166 gezeichnet hatte. Zwischen der filigranen Zeichnung und dem seltsam verwinkelten Objekt aus Metallstreben und Zahnrädern vor ihr besteht allerdings noch keine große Ähnlichkeit. Nach einer Überprüfung der Skizze beginnt Alex in verschiedenen Kisten und Schränken nach etwas zu suchen, allerdings ohne Erfolg. Als sie Martin danach fragt, wo ein großer Pappkarton mit elektrischen Bauteilen hin verschwunden ist, meint dieser etwas ratlos, daß er das Zeug vermutlich beim Aufräumen weggeworfen oder einem Elektrogeschäft in der Stadt gespendet hat. Alex ist verärgert, denn in der Kiste hatten sich Teile aus einem alten Metallbaukasten befunden, inklusive des "Zylinders mit Motor", der in die Zahnräder der Hauptachse ihres "Kunstwerkes" gesteckt werden muß.
Martin versucht herauszufinden, was dieses ganze Konstrukt überhaupt bedeuten soll, aber Alex bleibt einsilbig und fährt in die Stadt, um das Originalteil oder Ersatz zu finden. Dort fragt sie in verschiedenen Geschäften herum und benutzt dabei die Worte, daß sie dringend auf der Suche nach einem zylindrischen Objekt mit Elektromotor ist, daß man an passender Stelle reinschieben kann. Dies führt schnell zu allgemeiner Belustigung unter Verkäufern und anwesenden Kunden und Klatsch macht die Runde in der Stadt. Mittels Hitradio, Presse und sozialer Netzwerke verbreitet sich so die Meldung, daß ein "heißes Babe" ihren Vibrator verloren hat und dem glücklichen Finder bestimmt so dankbar wäre, daß sich das Finden erübrigen würde. Schnell sind Hunderte von Jungs (und einige Mädchen) hilfreich zur Stelle und kippen Mülltonnen um etc. Als sich das Mißverständnis aufklärt, ist Alex sauer darüber, daß man mit solchen Gerüchten und "sexy" Stories unter der Gürtellinie offenbar mühelos die Massen mobilisieren kann, während für wirklich wichtige Dinge kaum jemand Zeit hat.
Die Menschen sind aber eher amüsiert darüber, daß Alex trotz ihres Alters von 21 Jahren offenbar (vor einer umständlichen Erklärung) gar nicht aufgefallen ist, was sie da ständig Zweideutiges gesagt hatte und das kopschüttelnde Tuscheln geht weiter. Zurück daheim beschwert sich Alex über die Natur der Menschen, aber Martin ist nicht so ganz auf ihrer Seite. Wie er sagt, haben er und Alex´ Mutter damals doch auch für die sexuelle Befreiung aller jungen Menschen gekämpft und es hat ihn immer gewundert, daß seine den Idealen sonst so verbundene Tochter diese Freiheit nicht lebt. Alex entgegnet, daß auch der Verzicht ein Teil der gewonnenen Freiheit ist. Als sie gerade persönlicher auf das Thema eingehen will, platzt Rick herein und läßt einige schräge Kommentare über den Vorfall ab. Er erklärt, daß Alex, wenn sie die Leute dieser Stadt vor irgendetwas "erretten" will, doch auch aus Erfahrung wissen sollte, was die Menschen zum Ticken bringt und ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Wir sehen einige Rückblenden zu vorherigen Folgen mit dem Thema, aus denen ersichtlich wird, daß sie sich stets mehr oder weniger vor Entscheidungen und Aussagen gedrückt hat.
Alex erklärt, daß sie nicht versteht, wie soviele Menschen glauben konnten, sie würde öffentlich über etwas so Persönliches auf diese Weise sprechen. Als Beispiel für die Offenheit, mit der die heutige Welt das Thema Sex behandelt, klickt sich Rick durch einige Webseiten, auf denen etliche Mitbürger ihre seltsamen Vorlieben offen darlegen. Wir sehen beim schnellen Durchklicken auch bekannte Gesichter, u.A. Colonel Henchman in einem violetten Fellkostüm. Auf die Frage, was denn so anders wäre, wenn sich Alex ihrer menschlichen Natur als sexuelles Wesen auch konkret stellen würde, entgegnet sie, daß die beiden dann vielleicht nicht hier sitzen und darüber sprechen würden. Wir sehen eine Was-wäre-wenn-Fantasieszene, in der sich Rick und Mike darüber streiten, wer Alex zu einem romantischen Mondschein-Date begleiten darf. Der Streit schaukelt sich kurios auf und beide treffen sich schließlich im gepuderten Rokoko-Outfit und bewaffnet mit Musketen zum Duell - wobei sie sich gegenseitig erschießen.
Alex erklärt, daß Sex letztlich das ultimative Werkzeug ist, daß Werbung und Marketing für sich instrumentalisieren können - ein Verhalten, bei dem der Konsument bei der Wahl der richtigen Werbereize vom eigenen Körper belohnt wird. Und Alex hat sich noch nie etwas von außerhalb ihres Verstandes sagen lassen oder die Kontrolle freiwillig an irgendwelche chemischen Reaktionen im Körper übergeben. Es klingt subtil an, daß der Kontrollverlust etwas ist, daß sie immer gefürchtet hat. In einer schraffierten und expressionistischen Zeichentricksequenz sehen wir eine Parabel: eine Gruppe von weißen Labormäusen wird für ein Experiment mit Schaltern verkabelt. Jedesmal, wenn eine Maus einen grünen Druckschalter mit der Nummer 4 drückt, werden belohnende Endorphine in ihren Körper geleitet. In einer Zeitraffersequenz entwickeln sich die Mäuse zu aufrecht gehenden und denkenden Wesen weiter (mit kurzen Hosen für die Männchen und Schleifen am Kopf für die Weibchen) und gründen eine Zivilisation.
Obwohl jetzt Philosophie und Geisteswelten Einzug halten, bleibt die alte Konditionierung aus dem Labor aber bestehen: wir sehen auf den Werbeplakaten, Zeitschriftencovern und TV-Spots der Mäuse ständig Bilder von grünen Schaltern und der Ziffer 4. Ein Cover eines Magazins mit einem großen Schalter verrät uns "44 heiße Wege, den Schalter zu drücken". In den Grünlichtvierteln der Mäuse prangt überall die blinkende Ziffer 4 und kichernde Mäuse-Teenager zeichnen Schalterdiagramme auf die Wand und werden vom ärgerlichen Lehrer verjagt. Die experimentelle Zeichentricksequenz endet damit, daß große Gruppen von Mäusen damit beschäftigt sind, weiterhin Schalter zu drücken, während sich am Horizont die Schatten gigantischer Katzen abzeichnen. Rick ist wenig überzeugt von dieser Story und meint, daß die Parabel hinkt. Die Verbundenheit zwischen zwei Menschen kann soviel reicher und vielschichtiger sein und trotzdem "den Schalter" beinhalten. Auf die sarkastische Rückfrage hin, woher genau Rick sein Expertentum zu dem Thema zu beziehen glaubt, rauscht dieser verärgert und ohne weiteren Satz ab.
Rick hat den Computer laufen lassen und ein Werbebanner erregt die Aufmerksamkeit von Alex. Dort wird über einen Verein in Bruchbach berichtet, der sich vorgenommen hat, körperliche Liebe wieder zu etwas Wunderbarem und Privatem zwischen den Seelen der Menschen zu machen, anstatt zu einem kontrollierten Kommerzprodukt. Der poetisch formulierte Text spricht Alex irgendwie an und sie macht sich am nächsten Tag zu einem Besuch des Vereins auf. "Sexual Healing" von Marvin Gaye spielt über Lautsprecher leise im Gang und wir sehen Kunstwerke mit deutlich sexuellem Unterton. Der Leiter des Instituts ist ein freundlicher älterer Herr, der in großen und weise klingenden Worten betont, daß es nur darum geht, zu befreien und zu helfen. Die Freiheit zur Entscheidung ist das größte Gut, daß der Mensch habe. Er gibt Alex einen Tablet-PC, auf dem sie eine (im Anime-Stil) animierte Cupid-Figur durch das Gebäude und die Philosophien des völlig selbstlosen Helfens dort führen soll. Als Alex gegangen ist, meint er aber zu seinem Assistenten, daß der doch für einen so schwierigen Fall wie Alex gleich den Vertrag für die Premium-Mitgliedschaft vorbereiten soll - für 49,99 Euro im Monat mit mindestens 3-jähriger Laufzeit.
Das interaktive Programm der animierten Figur scheint ziemlich mißlungen zu sein, da es von den Antworten her oftmals nicht auf unkonforme Aussagen vorbereitet ist und ein kurioses Zwiegespräch entsteht. Wie die Figur aber betont, muß der Mensch ab und zu durch den "kleinen Tod" gehen, um intensiver leben zu können. Das Ende der Tour ist ein plüschig-kitschiger Raum mit zwei bunten Türen. Die Cupid-Figur erklärt, daß dies der Ort der Entscheidung für Neumitglieder sei (und fügt kryptisch hinzu, daß anhand vorhandener Daten bereits ein Programm für Alex zusammengestellt wurde). Aus der rechten Tür tritt ein junger Mann im intellektuellen Outfit und gibt der perplexen Alex einen kurzen Handkuss. Aus der linken Tür jedoch tritt ein junges Mädchen mit Brille in einem recht ähnlichem Outfit und gibt Alex einen langen und leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. Der Junge und das Mädchen erklären, daß sie heute um Punkt vier Uhr für Alex hier sein werden. Diese muß dann nur noch den Klingelschalter an einer der beiden Türen drücken, um ihren Austritt aus der selbstverschuldeten sexuellen Unmündigkeit zu beginnen.
Die Szene wechselt zu einer Ansicht der Stadt von oben. Die Kirchturmuhr schlägt gerade vier. Die Kamera schwenkt langsam über die Szene und endet bei der Parkbank vor dem Observatorium. Alex sitzt auf der Parkbank und betrachtet einen Käfer auf einem Grashalm. Mike kommt mit dem Fahrrad vorbei und fragt erstaunt, was sie hier oben macht - worauf Alex entgegnet, daß sie gerade eine Entscheidung getroffen hat. Der Käfer fliegt davon. Mike setzt sich dazu und sie nehmen das Gespräch aus Folge 134 vom selben Ort wieder auf. Alex erklärt, daß sie sich vermutlich geirrt hat, als sie Mike sagte, daß sich an einem besonderen Verhältnis zweier Personen zueinander niemals etwas ändern kann und muss. Dieses Privileg haben vielleicht nur die Kinder. Sie schweigen eine ganze Weile, bis Mike anfängt, in seiner Hosentasche zu wühlen. Er erklärt, daß ihm gerade noch eingefallen ist, daß er Alex doch genau das geben kann, wonach sie schon die ganze Zeit gesucht hat. Alex springt erschrocken kopfschüttelnd auf, aber Mike zieht nur einen kleinen Metallzylinder aus der Hosentasche und gibt ihn Alex.
Es ist in der Tat genau das Objekt, daß sie die ganze Zeit gesucht hatte - der kleine Motor aus dem Metallbaukasten, den sie für ihr seltsames Antennenprojekt unbedingt benötigt. Wie drei kleine Kerben zeigen, ist es auch genau das originale Stück, daß früher im Keller in der Pappkiste lag. Als sie Mike nebenbei fragt, wo er es gefunden habe, meint dieser mit einem Achselzucken, daß er es in einem Wald im fernen Rumänien gefunden hat, wo es jemand aus den Büschen in seine Richtung geworfen hatte (siehe Folge 140). Alex meint irritiert, daß das doch völlig unmöglich sei. Als sie aufbricht, um endlich weiter an ihrem Projekt zu arbeiten, ruft ihr Mike hinterher, daß er an sie glaubt. Schließlich ist es auch in den schönen Geschichten so, daß bei der Rettung einer Welt immer die Jungfrauen mit dabei sind. "Aber nur als Preis für den siegreichen Helden, Mikey. Nur als Preis für den Helden..." entgegnet Alex kritisch und geht. Mike zuckt mit den Achseln und blickt durch das Besucherteleskop.
Die Szene wechselt zum Zimmer von Alex später am Abend. Sie kritzelt auf dem Bett liegend an einer ihrer vielen Skizzen mit Zahnrädern und Antennen und ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Sie zerknüllt das Papier und wirft es frustriert in den Eimer. Ihr Blick wandert nach drüben zu ihrem Nachtkästchen. Sie blickt lange auf die Schublade und das Bild blendet langsam aus.
=> Charakterfolge
Kommentare und Storyideen sind jederzeit willkommen.
Chris