Seriously? Seriously?? Oh my.
Ich fand das als Staffelabschluss ehrlich gesagt fast schon schockierend schlecht. Das Ende war hanebüchen, und die Auflösung um das Blessing, die Familien und die Hintergründe des Miracles, wenn man es überhaupt Auflösung nennen kann, fand ich einfach nur schlampig. Heißt, weder zufriedenstellend noch sinnvoll noch überzeugend zusammengeführt.
Bezeichnend dafür war meiner Meinung nach die Szene, als Gwen Jack fragt, ob er weiß, was das Blessing ist und er anfängt, über die Racnoss usw. zu schwadronieren und sie dann grinsend feststellen, dass sie keine Ahnung haben. Das hat mich sehr daran erinnert, wie man die Dinge in den Anfangszeiten von Torchwood angegangen ist. Man hat sich einfach nicht so furchtbar ernst genommen, und das hat zur Serie gepasst, wie sie damals war. Das Problem ist nur, Miracle Day ist ja -genau wie CoE- dafür gedacht, ernstgenommen zu werden. Das führt man mit sowas ad absurdum. Und vom Zuschauer erwartet man trotzdem, dass er Miracle Day ernstnimmt, wie die (mit dem in dieser Staffel vielbedienten Stilmittel IN YOUR FACE) vermittelte Sozialkritik zeigt.
Ich finde einfach, dass das alles zu inkonsistent, inkonsequent und teilweise an wichtigen Stellen nicht genug ausgearbeitet war, um überzeugend zu sein, während man auf anderen Sachen völlig ohne Not herumgekaut hat, bis es einem zu den Ohren rauskam. Das betrifft sowohl Charaktere als auch Handlungsstränge.
Nehmen wir nur mal Oswald als Beispiel. Der war für mich einer der wenigen nicht flachen Charaktere, und gut gespielt auch. Letztendlich hat er aber nur insofern eine Rolle gespielt, dass er das Team durch die Verbindung zu Jilly auf die Spur Shanghai gebracht hat, und dass er am Ende das Shanghaier Blessing begraben hat. Letzteres war sicher wichtig für die Story, aber warum er sich geopfert hat, ist doch überhaupt nicht vermittelt worden. Die Figur Oswald ist von Anfang an getreu dem Motto 'Watch it mates! He's important!' aufgebaut worden, aber eben weder glaubwürdig noch konsequent, wie ich finde. Zum Beispiel ist nie vermittelt worden, warum Jack Oswald so obsessiv verfolgt und überwacht hat. Das war halt einfach so. Und da hätte meiner Meinung nach einiges Potential auch hinsichtlich Jack als Charakter dringesteckt. Ich dachte auch, in die Richtung gehen sie, als sie anfangs mal den Faden 'gemeinsamer Nenner Kindstötung' in die Hand genommen haben. Aber das war anscheinend nur der Aufhänger, damit Jack Oswald eine Todessehnsucht unterstellen kann, was letztendlich wohl die Basis für seine Selbstopferung sein sollte. Nur fand ich diesen Bogen schon damals absolut nicht überzeugend, weil der lediglich darin bestand, dass Jack sagt 'Komm schon, Oswald, ich weiß doch, dass du sterben willst'. Das wurde in keinster Weise ausgearbeitet. Stattdessen wurde ein Haufen screentime darauf ver(sch)wendet zu zeigen, wie Oswald zum Messias aufsteigt, was nicht glaubwürdig war und verständlicherweise irgendwann genervt hat, weil man dem Zuschauer ja auch nichts an die Hand gegeben hat, was ihn an den Charakter gefesselt hätte bzw. die Art seiner Relevanz für die Story hätte vermuten lassen. Stattdessen hat man die Figur dazu benutzt, sich einmal mehr in endlosen Versuchen zu ergehen, seine sozialkritischen Anmerkungen -hier bezgl. der Rolle der Medien und der Beeinflussbarkeit der Menschen- loszuwerden. An sich ist das ja auch ein hehres Ziel, nur hätte es für mich vielleicht besser funktioniert, wenn es nicht so Karikatur-like verfolgt worden wäre, dass ich es nicht ernstnehmen konnte. Und nun soll es also glaubwürdig erscheinen, dass Oswald sich einfach so in die Luft sprengt, um seinen Beitrag zur Rettung der Welt zu leisten und sich selbst zu erlösen. Wenn das letztendlich die Bedeutung der Figur war, hätte man die Zeit nicht lieber darin investiert zu zeigen, wie er an diesen Punkt kommt?
Und das ist eben nur ein Beispiel dafür, wie man meiner Meinung nach schon die ganze Staffel oft völlig sinnfrei an die Dinge herangegangen ist, und das macht es natürlich schwierig, ein funktionierendes Ende hinzubekommen.
Was es mit dem Blessing nun genau auf sich hat, wissen wir also nach wie vor nicht so wirklich. Nun gut.
Was es mit den Familien nun genau auf sich hat, leider auch nicht. Die sind eine Art Geheimbund, eine Sekte, oder was? Die eine neue Weltordnung schaffen will, in der nur die Starken bestehen (was natürlich im Prinzip schon vorher so war, wie Jilly nicht versäumt uns zu sagen; hab ich schonmal erwähnt, IN YOUR FACE...?). Wobei das Miracle nur Phase 1 war. Also erfreut man sich vorerst daran, dass man Regierungen, Medien und Wirtschaft unterlaufen hat und macht sich locker flockig an Plan B, was auch immer das heißt. Na dann ist ja alles klar.
Und das Blessing haben sie gefunden, weil sie rausgefunden haben (Google machts möglich wahrscheinlich), dass an den beiden Punkten der Erde die Leute genau mit Ablauf der durchscnittlichen Lebenserwartung sterben? Und dann dachten sie, buddeln wir da mal, wir haben doch noch Jacks Blut im Kühlschrank, da geht bestimmt was? Seriously?
Und die 2 halbherzigen Versuche, Jack zuvor zu töten, waren wirklich alles, was die allmächtigen Familien mit den unendlichen Ressourcen aufbieten konnten, wo er der einzige war, der das Miracle beenden konnte und sie das doch unbedingt verhindern wollten?
Esther nimmt mal eben einen Blutaustausch bei Rex vor in der ollen Lagerhalle in Buenos Aires. SERIOUSLY?
Rex loggt sich nach der Beerdigung mal kurz mit seinem Smartphone auf dem CIA-Server ein. Yup. Gibts bestimmt auch bald eine App für.
Die Sprengung der Blutbanken wurde natürlich nicht erklärt. Aber gut, dass man Gwen nochmal hat darauf hinweisen lassen: 'This MUST be important!'. Das war dann also einzig und allein dafür da, Buenos Aires ins Spiel zu bringen. Und da hätte es wirklich keine weniger Deus ex machina-ige Möglichkeit gegeben......?
Von Rex Unsterblichkeit will ich gar nicht anfangen. Und überhaupt, die Sache mit Jacks Blut. Fixer Punkt und so?
Und so weiter, und so fort.
Dass von den Torchies jemand gestorben ist, fand ich insofern gut, als dass es unpassend gewesen wäre, wenn alle überlebt hätten. Auch wenn ich das Gefühl habe, es wird so langsam zum running gag á la RTD, dass auch nur die kleinste Aussicht auf ein sich erfüllendes Liebesglück das Todesurteil für die Figur ist.

Und da Jack und Gwen eh sicher sind, waren die Möglichkeiten natürlich auch gering.
Den Verweis auf den Doctor fand ich nett. Aber 'I'm sorry, I'm so sorry' und 'What? What?! What?!?' kann der einfach besser.
Gefallen hat mir auch die Darstellung von Gwens und Jacks Reaktion, als sie vor dem Blessing standen. Gwen, RTDs herzensguter Liebling, dann wohl doch nicht so eine reine Seele. Und für Jack, bei dem -wie beim Doctor- Schuld ein großes Thema ist, weil er halt immer in der Position ist, die beschissenen Entscheidungen zu treffen um die Welt zu retten, wird das etwas relativiert.
(Ist jedenfalls meine Interpretation.

)
Ansonsten, tja, was soll ich sagen. Mei, was für ein Mist.