David Lynch - sein Gesamtwerk

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • David Lynch - sein Gesamtwerk

      Nachdem ich ein klein wenig die Angelo Badalamenti-Soundtracks in meinem Regal wiederentdeckt habe war es nur noch eine Frage der Zeit dass ich zum Entschluss kam mir auch die ganzen Lynch-Filme nochmals vorzunehmen. ;) Ein paar von denen hatte ich eh bereits zwischen DVDs stehen... und die restlichen trudeln zur Zeit nach und nach per Post ein. Die meisten bekommt man eh bereits für ein Appel und ein Ei, also hauen sie nicht sonderlich auf den Geldbeutel. Zumindest wenn man von der Twin Peaks-Komplettbox mal absieht. ;)

      Begonnen habe ich meinen kleinen Marathon jedenfalls mit "Blue Velvet". Gesehen hatte ich ihn schon mal als 14-jähriger, konnte damals aber nicht viel mit ihm anfangen... was mich aus heutiger Sicht jedoch nicht sonderlich wundert. Für 14-jährige Teenager ist das einfach nichts. ;) Jetzt beim zweiten Sehen mag ich ihn jedoch sehr... auch wenn ich es immer noch recht schwer finde ihn in irgendeiner Weise einzuordnen. Aber beeindruckend ist er in jedem Fall.

      Und während ich diese Zeilen schreibe quäle ich mich grad durch "Inland Empire". Im Kino war ich damals wenig von ihm begeistert... und habe gedacht/gehofft, dass sich wie bei "Blue Velvet" beim zweiten Sehen das Blatt eventuell ändert. Nur ist das genaue Gegenteil eingetroffen, ich finde ihn nun eine ganze Ecke noch unerträglicher. :pinch:

      Meine Meinungen zu diesen Filmen könnte ich in diesem Posting zwar noch weiter ausführen... aber das mache ich lieber im Laufe einer Diskussion. Vorausgesetzt sie kommt überhaupt zu Stande. ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pascal ()

    • Mein erster Kontakt mit Lynch hatte ich vor gut 5 Jahren mit Lost Highway. Ich war zwar sehr begeistert gebe aber zu eigentlich gar nichts verstanden zu haben. Also habe ich das auch nicht weiterverfolgt. Allerdings taucht der Name David Lynch unweigerlich in meinem Studium immer wieder auf. Und im Whocast wurde Twin Peaks von Kolja öfters erwähnt. Also habe ich mir dieses Jahr einen Ruck gegeben und mir vorgenommen mich ein wenig mehr mit Lynch beschäftigt. Twin Peaks habe ich mittlerweile gesehen und Blue Vevet, der vor ein paar Wochen auf Arte lief, liegt hier bereit auf meiner Festplatte. Sobald die Vorlesungen wieder anfangen, werde ich mich in unserer Bibliothek auf Sekundärliteratur stürzen. Heute war ich dann noch im Max Ernst Museum in Brühl, wo zurzeit eine David Lynch Ausstellung gastiert. Gezeigt werden Installationen, Fotografien und Zeichnungen/Malerei von ihm. Und diese Ausstellung kann ich nur jedem empfehlen. Die Bilder verschrecken einen zwar, da sie vor Gewalt und Sex strotzen, gleichzeitig beeindrucken sie einen halt genau durch diese Thematik. Sehr gut ist dem Museum dabei gelungen in ihren Räumen mit Hilfe einer Soundinstallation die beunruhigende Wirkung der Bilder zu verstärken. Mit tiefen Baßtönen, lauten Sirenen und plötzlichen Knalleffekten wird in der ganzen Ausstellung ein Unbehagen erzeugt. Ich persönlich habe erst beim Verlassen der Räume gemerkt, wie angespannt meine Schultern die ganze Zeit waren. Mein Körper stand die ganze Zeit im Fluchtmodus, die Muskeln angespannt, jeder Zeit bereit sich zu verteidigen.
      Die Ausstellung geht noch bis zum 18. April, also wer noch keine Zeit gefunden hat sollte sich beeilen.

    • Liynka schrieb:

      Mein erster Kontakt mit Lynch hatte ich vor gut 5 Jahren mit Lost Highway. Ich war zwar sehr begeistert gebe aber zu eigentlich gar nichts verstanden zu haben. Also habe ich das auch nicht weiterverfolgt. Allerdings taucht der Name David Lynch unweigerlich in meinem Studium immer wieder auf. Und im Whocast wurde Twin Peaks von Kolja öfters erwähnt. Also habe ich mir dieses Jahr einen Ruck gegeben und mir vorgenommen mich ein wenig mehr mit Lynch beschäftigt. Twin Peaks habe ich mittlerweile gesehen und Blue Vevet, der vor ein paar Wochen auf Arte lief, liegt hier bereit auf meiner Festplatte. Sobald die Vorlesungen wieder anfangen, werde ich mich in unserer Bibliothek auf Sekundärliteratur stürzen. Heute war ich dann noch im Max Ernst Museum in Brühl, wo zurzeit eine David Lynch Ausstellung gastiert. Gezeigt werden Installationen, Fotografien und Zeichnungen/Malerei von ihm. Und diese Ausstellung kann ich nur jedem empfehlen. Die Bilder verschrecken einen zwar, da sie vor Gewalt und Sex strotzen, gleichzeitig beeindrucken sie einen halt genau durch diese Thematik. Sehr gut ist dem Museum dabei gelungen in ihren Räumen mit Hilfe einer Soundinstallation die beunruhigende Wirkung der Bilder zu verstärken. Mit tiefen Baßtönen, lauten Sirenen und plötzlichen Knalleffekten wird in der ganzen Ausstellung ein Unbehagen erzeugt. Ich persönlich habe erst beim Verlassen der Räume gemerkt, wie angespannt meine Schultern die ganze Zeit waren. Mein Körper stand die ganze Zeit im Fluchtmodus, die Muskeln angespannt, jeder Zeit bereit sich zu verteidigen.
      Die Ausstellung geht noch bis zum 18. April, also wer noch keine Zeit gefunden hat sollte sich beeilen.


      Ist das die Ausstellung, wo auch u.a. Kurzfilme von David Lynch aus seiner Jugend- und Studienzeit gezeigt werden? Davon hab ich neulich in der Uni einen Flyer entdeckt.
    • Dune - war der erste Film von David Lynch, den ich gesehen habe. War ich damals noch ganz jung und an sauberes, straight-forward StarTrek-ScienceFiction gewöhnt, sodaß ich das alles nur ziemlich befremdlich, aber auch langweilig fand. Inzwischen mag ich ihn natürlich sehr. (Wie auch das dazugehörige Computerspiel. Ein bißchen versponnen ist er natürlich teilweise, aber das kommt dem Szenario ja durchaus entgegen.

      Mulholland Drive - der erste Film, den ich bewußt als LynchFilm angeschaut habe. Ich wußte zwar nicht, von was meine Mitkinogänger im Vorfeld redeten, sie selbst glaube ich auch nicht, aber ich bin mit der Erwartung etwas ganz Großes und Tolles zu sehen ins Kino gegangen und wurde nicht enttäuscht. Sich 2-3 Stunden ins Kino setzen, das Gehirn auf volle Leistung stellen und dann versuchen zu verstehen - das ist genau meine Welt. Und Lynch packt das alles in diesem Film ja auch noch in diese wunderbare, ganz spezielle Atmosphäre, die nur er drauf hat. Und diese ganzen tollen Szenen; der Gruselpenner hinter dem Diner, bei dem es mir im Kino ganz ähnlich erging wie dem Mann im Film, oder später Rebekah del Rio - alles ganz toll. Besser war und wird Lynch nie sein.

      Lost Highway - habe ich mir kurz darauf angeschaut, was etwas schade war, denn wenn man erst MD anschaut und danach LH, wirkt selbiger gar nicht sooo kompliziert und verwirrend, wie man es sonst vielleicht empfunden hätte. Ist aber trotzdem ein sehr guter Film und die Sexszene hat mich persönlich völlig umgehauen, weil ich zufälligerweise erst zwei Tage davor auf die Musikkapelle "The Czars" und deren "Song to the Siren" gestoßen war, und von da auf die Version von This Mortal Coil, die an der Stelle im Film zu hören ist. Es gibt Milliarden Lieder auf der Welt und Lynch nimmt genau das, was bei mir an dem Tag gerade hoch und runterläuft. Der Schlingel !

      Der Elefantenmensch - weil LH in dem kleinen Indi-Kino gut lief, hatten sie damals 1-2 Monate später The Elephant Man nachgeschoben. Geht natürlich in eine ganz andere Richtung, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich war richtig enttäuscht, als sich nach den ersten zwei Minuten heraustellte, daß die Darsteller gar nicht mit gruselig-verzerrten Stimmen sprachen, weil Lynch die Zuschauer damit verwirren wollte, sondern daß einfach der Filmprojektor eine Meise hatte. Die wurde schnell behoben und dann war Film ja recht normal. Aber trotzdem gut und unterhaltsam bis zum Schluß, und dadurch verließ ich dann doch noch zufrieden das Kino.

      Blue Velvet - habe ich mir dann kurz darauf mal angeguckt, aber hat mich gar nicht der erreicht, der Film. Vielleicht war ich nicht in der richtigen Stimmung, aber irgendwie ging der Streifen bei mir in ein Auge rein und zum Anderen wieder raus. Ich weiß auch fast gar nichts mehr. Steht deshalb ganz oben bei mir auf der Liste "Muß ich nochmal angucken".

      Twin Peaks - muß ich gestehen, daß nachdem raus war, wer Laura Palmer umgebracht hat, ich in meinem jugendlichen Leichtsinn die Serie nicht mehr weitergeschaut habe. Ganz schön mies von mir ! Und den Film dazu hab ich auch noch nicht gesehen. Dabei fand ich das eigentlich gut. Ein bißchen zu seifenoperisch teilweise, und ein paar Storyelementen in Staffel 2 merkt man zu sehr an, daß sie erst für die zweite Staffel dazuerfunden wurden, aber ansonsten geht das schon in Ordnung. Muß ich auch irgendwann nochmal angucken, vorallem mal alles.

      The Straight Story - der Film will eigentlich schon ganz unverholen die Zuschauer langweilen, und deshalb darf man den auch ganz unverholen langweilig finden. Die Story um den Opa auf seinem Traktor hat natürlich durchaus ihre sympathischen Züge, aber ersthaft konsumieren kann man den Film trotzdem nur wie ein Album von "Bohren & der Club of Gore" - auf fünffacher Geschwindigkeit.

      Inland Empire - um mich nochmal selbst zu quoten: Sich 2-3 Stunden ins Kino setzen, das Gehirn auf volle Leistung stellen und dann versuchen zu verstehen - das ist genau meine Welt. Entsprechend hat Inland Empire für mich alles richtig gemacht. War erneut ein tolles Kinoerlebnis für mich, wenngleich der Film natürlich etwas rustikaler daherkommt und deshalb nicht ganz an seine Vorgänger heranreicht, und vielleicht deshalb auch nicht Jeden mitnimmt. Aber der Inhalt stimmt, das ist die Hauptsache.

      Eraserhead - Da hatte ich im Vorfeld ja eher Negatives gelesen, vorallem daß der Film keinen Sinn machen würde. Aber er hat mir dann doch erstaunlich gut gefallen und ich denke, ich habe sogar verstanden, was dieser Film soll. Und nicht nur das - ich möchte außerdem behaupten, daß es ohne Eraserhead Spielbergs E.T. nie gegeben hätte. Auf jeden Fall ein unterschätzer Film.
    • Skeletor schrieb:

      Ist das die Ausstellung, wo auch u.a. Kurzfilme von David Lynch aus seiner Jugend- und Studienzeit gezeigt werden? Davon hab ich neulich in der Uni einen Flyer entdeckt.
      Ja, genau. Gestern war der Saal leider anderweitig gebraucht worden, daher keine Filmvorführung. Aber wenn man so einen Tag erwischt darf man mit seiner Eintrittskarte ein andermal wiederkommen um die Filme zu sehen.
      Hier ist der Link zum Museum.

    • Solus schrieb:

      Dune - war der erste Film von David Lynch, den ich gesehen habe. War ich damals noch ganz jung und an sauberes, straight-forward StarTrek-ScienceFiction gewöhnt, sodaß ich das alles nur ziemlich befremdlich, aber auch langweilig fand.

      Bei mir ist es nun auch schon weit über 10 Jahre her, dass ich ihn zuletzt gesehen habe. Fand den damals etwas zäh. Müsste mir den aber auch nochmal geben...

      Mulholland Drive - der erste Film, den ich bewußt als LynchFilm angeschaut habe. Ich wußte zwar nicht, von was meine Mitkinogänger im Vorfeld redeten, sie selbst glaube ich auch nicht, aber ich bin mit der Erwartung etwas ganz Großes und Tolles zu sehen ins Kino gegangen und wurde nicht enttäuscht. Sich 2-3 Stunden ins Kino setzen, das Gehirn auf volle Leistung stellen und dann versuchen zu verstehen - das ist genau meine Welt. Und Lynch packt das alles in diesem Film ja auch noch in diese wunderbare, ganz spezielle Atmosphäre, die nur er drauf hat. Und diese ganzen tollen Szenen; der Gruselpenner hinter dem Diner, bei dem es mir im Kino ganz ähnlich erging wie dem Mann im Film, oder später Rebekah del Rio - alles ganz toll. Besser war und wird Lynch nie sein.

      Hmm, ich weiss nicht. Dass er sein bester Film sein soll habe ich in den letzten paar Jahren zunehmend häufiger gelesen... aber ich kann diese Meinung ganz und gar nicht teilen. Für mich ist er einfach nur das was er ist, und zwar ein Pilotfilm zu einer nicht realisierten Serie (die eventuell sogar besser als Twin Peaks hätte werden können) an dem dann noch ca 40 Minuten an Material rangepappt wurden denen man auch irgendwie ansieht, dass sie ursprünglich nicht dazugehörten. Es wirkt halt ein bisschen wie "Hauptsache ein Ende, egal wie!" und erinnert mich allein schon in seiner Entstehung ein bisschen an den International Cut vom Twin Peaks-Piloten. Da wäre es mir persönlich wirklich lieber gewesen wenn man den Piloten so wie er war herausgebracht hätte, um zu zeigen was hätte sein können. So wie's jetzt ist, sind es 90 Minuten mit lauter im Nachhinein überflüssig wirkenden Handlungssträngen die ins Nichts laufen... und dann stellen die sich alle nur als Traum raus, ein bisschen Abschlussgeplänkel folgt und ferrdich iss. Also nee...

      Nicht dass ich dem Streifen absprechen möchte, dass er voll von richtig tollen Szenen ist. Aber zu einem wirklichen Film fügen die sich (zumindest in dieser Form) nicht zusammen.

      Lost Highway - habe ich mir kurz darauf angeschaut, was etwas schade war, denn wenn man erst MD anschaut und danach LH, wirkt selbiger gar nicht sooo kompliziert und verwirrend, wie man es sonst vielleicht empfunden hätte.

      ...was auch wohl daran liegt, dass der Streifen aus einem Guss entstanden ist und allein schon deswegen weitaus in sich geschlossener wirkt als Mulholland Drive. :D So abgedreht viele Szenen auch sein mögen, in ihrer Abfolge steckt eine gewisse Logik und Kohärenz. Manches davon ergibt sogar erstaunlich viel Sinn. :D Ausserdem ist der Film streckenweise irrsinnig gruselig und hat nen tollen Soundtrack. Ist für mich ein dickes Plus!

      Der Elefantenmensch - weil LH in dem kleinen Indi-Kino gut lief, hatten sie damals 1-2 Monate später The Elephant Man nachgeschoben. Geht natürlich in eine ganz andere Richtung, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich war richtig enttäuscht, als sich nach den ersten zwei Minuten heraustellte, daß die Darsteller gar nicht mit gruselig-verzerrten Stimmen sprachen, weil Lynch die Zuschauer damit verwirren wollte, sondern daß einfach der Filmprojektor eine Meise hatte. Die wurde schnell behoben und dann war Film ja recht normal. Aber trotzdem gut und unterhaltsam bis zum Schluß, und dadurch verließ ich dann doch noch zufrieden das Kino.

      Hah! Hat der Vorführer sich wenigstens entschuldigt? :D Und ich habe den Film irgendwann mal vor einem Jahrzehnt im Nachprogramm von Kabel 1 oder so gesehen und war ein bisschen von dem ständigen Geweine und Geheule genervt. Müsste den auch nochmal sehen...

      Twin Peaks - muß ich gestehen, daß nachdem raus war, wer Laura Palmer umgebracht hat, ich in meinem jugendlichen Leichtsinn die Serie nicht mehr weitergeschaut habe. Ganz schön mies von mir !

      In der Tat ein grosser Fehler den viele begehen. ;) Zugegeben... nach der grossen Aufklärung dümpelt die Serie für ca drei, vier Folgen etwas vor sich hin... aber sobald die Storyline mit Windom Earle und der Schwarzen Hütte richtig losgeht, gewinnt alles wieder an Fahrt. Allein schon für die allerletzte Folge lohnt sich es "durchzuhalten". ;)

      The Straight Story - der Film will eigentlich schon ganz unverholen die Zuschauer langweilen, und deshalb darf man den auch ganz unverholen langweilig finden. Die Story um den Opa auf seinem Traktor hat natürlich durchaus ihre sympathischen Züge, aber ersthaft konsumieren kann man den Film trotzdem nur wie ein Album von "Bohren & der Club of Gore" - auf fünffacher Geschwindigkeit.

      Nanana! :17: Den Film an sich finde ich jedenfalls charmant und niedlich. Witzigerweise vergesse ich ihn jedoch jedes Mal wenn um die Lynch-Chronologie geht. Aus irgendeinem Grund denke ich immer, dass "Mulholland Drive" der nächste Film nach "Lost Highway" war. So wirklich in die Erinnerung beissen kann "The Straight Story" sich tatsächlich nicht... Aber ich mag ihn trotzdem.

      Inland Empire - um mich nochmal selbst zu quoten: Sich 2-3 Stunden ins Kino setzen, das Gehirn auf volle Leistung stellen und dann versuchen zu verstehen - das ist genau meine Welt. Entsprechend hat Inland Empire für mich alles richtig gemacht. War erneut ein tolles Kinoerlebnis für mich, wenngleich der Film natürlich etwas rustikaler daherkommt und deshalb nicht ganz an seine Vorgänger heranreicht, und vielleicht deshalb auch nicht Jeden mitnimmt. Aber der Inhalt stimmt, das ist die Hauptsache.

      Hmmmmmmmmm. Kommt ganz drauf an ob man es unterhaltend findet jemandem dabei zuzuschauen wie er über ein paar Jahre hinweg einfach das filmt was ihm gerade so in den Sinn kommt und das Material dann halt irgendwie zusammenschneidet und bei Gelegenheit auch noch ein paar Sachen aus seinem Online-Archiv verwurstet. Ausserdem weiss ich nicht ob der Film deswegen drei Stunden dauert weil Lynch soviel vom Rohmaterial verwendet hat... oder weil alle Schauspieler knapp 10 Minuten brauchen um einen einzigen Satz fertigzusprechen und danach nochmal 10 Minuten brauchen um den nächsten anzufangen.

      Eraserhead - Da hatte ich im Vorfeld ja eher Negatives gelesen, vorallem daß der Film keinen Sinn machen würde. Aber er hat mir dann doch erstaunlich gut gefallen und ich denke, ich habe sogar verstanden, was dieser Film soll. Und nicht nur das - ich möchte außerdem behaupten, daß es ohne Eraserhead Spielbergs E.T. nie gegeben hätte. Auf jeden Fall ein unterschätzer Film.

      Hmm, wer unterschätzt den denn? Gehört der nicht eigentlich sogar zu den grossen Kultfilmen der 70er? ?( Ich jedenfalls mag den Film auch sehr... aber man muss dazu auch in der Stimmung sein. Ergo: ihn in einer Kinovorstellung nachts um 2 Uhr sehen wenn man sich gar nicht sicher sein kann ob das was man auf der Leinwand sieht wirklich projeziert wurde... oder man es eventuell doch nicht etwa träumt. :D Ausserdem habe ich das Filmplakat als Poster über meinem Sofa hängen. Dort macht es sich tierisch gut. :)
    • Ah, endlich mal ein Thread zu meinem liebsten Filmemacher... und dann habe ich zurzeit so wenig, nun ja, Zeit... aber kurz zu "Mulholland Drive":

      Kaoru schrieb:

      Hmm, ich weiss nicht. Dass er sein bester Film sein soll habe ich in den letzten paar Jahren zunehmend häufiger gelesen... aber ich kann diese Meinung ganz und gar nicht teilen. Für mich ist er einfach nur das was er ist, und zwar ein Pilotfilm zu einer nicht realisierten Serie (die eventuell sogar besser als Twin Peaks hätte werden können) an dem dann noch ca 40 Minuten an Material rangepappt wurden denen man auch irgendwie ansieht, dass sie ursprünglich nicht dazugehörten. Es wirkt halt ein bisschen wie "Hauptsache ein Ende, egal wie!" und erinnert mich allein schon in seiner Entstehung ein bisschen an den International Cut vom Twin Peaks-Piloten. Da wäre es mir persönlich wirklich lieber gewesen wenn man den Piloten so wie er war herausgebracht hätte, um zu zeigen was hätte sein können. So wie's jetzt ist, sind es 90 Minuten mit lauter im Nachhinein überflüssig wirkenden Handlungssträngen die ins Nichts laufen... und dann stellen die sich alle nur als Traum raus, ein bisschen Abschlussgeplänkel folgt und ferrdich iss. Also nee...
      Na, so "einfach" ist es nun aber nicht. Sicherlich sollte der Großteil des Films der Pilot zu einer neuen Fernsehserie werden, die es leider nie geben wird - jedoch, des Fernsehns Verlust ist des Filmfreunds Gewinn, denn ansonsten hätten wir nie dieses Meisterwerk von David Lynch in dieser Form zu sehen bekommen. Im direkten Vergleich mit "Lost Highway" fallen natürlich direkt einige Parallelen auf, jedoch wirkt der frühere Film nun nur noch wie ein früher Versuch das zu produzieren, was wir dann mit "Mulholland Drive" in Perfektion bekamen... und dies nur, weil Lynch die Handlung ein "klitzekleinwenig" abwandeln mußte.

      Die ersten zwei drittel des Films sind jedoch eben kein "Traum" des Hauptcharakters, sondern vielmehr ihre eigene verquere Version der vorausgegangenen Ereignisse. Alles spielte sich, sicherlich wie bei einem Traum, in ihrem Kopf ab, jedoch aktiv durch sie mitbestimmt und geformt. Ganz im Gegensatz zu einem Traum nahm sie die Ereignisse, welche zu ihrem jetzigen (nachträglich gedrehten) jämmerlichen Leben führten und stülpt diesen ihre eigene Erklärung über. Sie "durchlebt" erneut ihr eigenes Leben, jedoch aus der Sichtweise "ich konnte es gar nicht schaffen, sie waren gegen mich" bzw. war eben sie nicht diejenige, welche auserwählt war, den großen Durchbruch zu erleben, sondern eben Camilla Rhodes.

      Dieses Verneinen der eigenen Schuld hat sie gemein mit Fred Madison, dem Hauptcharakter in "Lost Highway", der es sich nicht selber eingestehen kann bzw. will, daß der elektrische Stuhl auf ihn wartet. Er flieht immer weiter in seine eigene Fantasiewelt, immer versuchend, dem finalen Ende, dem Selbsteingeständnis, zu entfliehen. Diane kann dies nicht, sie ging nach Hollywood, da sie als "Jitterbug Champion" ja schließlich auch dort erfolgreich sein mußte, dort in der Glitzermetropole, jedoch scheiterte sie. Schlußendlich, wie Madison, ist sie selber schuld an ihrem Dilemma (und selten zeigt eine Masturbationsszene so wunderbar, fast schon als Schlüsselszene, Dianes eigene Unfähigkeit Erfolg zu haben), jedoch kann sie dies nicht zugeben. Diese Unfähigkeit kostet sie schließlich den Verstand und schlußendlich das Leben.

      "Lost Highway" und "Mulholland Drive" basieren also auf dem gleichen Prinzip, jedoch ist die Ausprägung eine andere. Diane verliert den Verstand und blickt zurück auf ihr verkorkstes Leben, welches sie gar nicht mehr korrekt wahrnimmt. Statt der Realität ihres Scheiterns, baut sie eine paranoide Geschichte auf, die ihr Scheitern allen anderen aufbürdet, aber nicht sich selber. Wir bekommen hier die Geschichte zweimal erzählt. Einmal in Dianes Fantasie und einmal, stakkatoartig, die Realität. Ein Spiegelbild, welches eben nicht die eingebildete Schönheit zeigt, sondern die häßliche Fratze des eigenen Scheiterns. Dieser duale Aspekt verfolgt Lynch ja bereits seit "Twin Peaks" und findet hier seinen (bisherigen) Höhepunkt. "Lost Highway" hingegen präsentiert dem Zuschauer sehr schnell die Realität via der Videobotschaften, die Fred Madison erhält. Was folgt ist einfach nur seine Flucht vor eben diesem Wissen. Er baut sich eine Scheinwelt auf, in welche die realen Ereignisse in Form von repräsentierenden Charakteren immer wieder einbricht. Und in dem Moment, wo er zugeben müßte, was er getant hat, beginnt seine "Verwandlung" in einen neuen Charakter. Diese wunderbare Gegenüberstellung in "Mulholland Drive" findet hier leider nicht wirklich statt. Hier betrachten wir, wie ein Mann vor sich selber flieht. Wie gesagt, das gleiche Prinzip, jedoch eine andere Ausprägung.

      Fred und Diane waren beides Feiglinge, die nicht mit ihren eigenen Entscheidungen umgehen konnten. Beeindruckender in der Umsetzung ist meines Erachtens nach "Mulholland Drive". Insbesondere wenn man die Entstehungsgeschichte berücksichtigt. Berücksichtig man, in welchem Forum wir uns hier befinden, möchte man dem guten Herrn Lynch die "Shada"-Fragmente in die Hand drücken und sagen "hier, mach' was draus", denn genau so ist "Mulholland Drive" schlußendlich entstanden. Und gerade dieser Film ist zu seinem epochalen Meisterwerk geworden, welches "Fire Walk With Me" wohl endgültig als besten Lynch-Film abgelöst hat.



      Kurz noch zu einigen anderen Lynch-Filmen:

      • Dune: Damals im Kino gesehen und total fasziniert ob der Fremdartigkeit dieses Universums. Gleich sofort das Buch gekauft und sofort für immer verloren... Im Gedächtnis ist mir die Lynch-Verfilmung leider zunächst nur aufgrund seiner eher suspekten Änderungen gegenüber des Buches, aber gerade in letzter Zeit hat dieser Film bei mir wieder sehr gewonnen, da Lynch, trotz der vielen Schwächen dieses Films, es zumindest geschafft hatte, die Charaktere perfekt zu treffen. Die Geschichte wurde ja später in der SciFi-Miniserie besser und werksgetreuer umgesetzt, die Charaktere jedoch waren genau so, wie sie sein mußten. Eine hohe Meßlatte für den neuesten Versuch "Dune" zu verfilmen.
      • "Fire Walk With Me": Auch hier zunächst im Kino gesehen und dabei dann ziemlich verwirrt zurück gelassen. Ein wenig fühlte man sich auch verarscht, jedoch zeigten dann die weiteren Mal, die ich diesen Film sehen durfte, was für ein geniales Meisterwerk er doch ist. Später mehr hierzu.
      • "Lost Highway": Genial, siehe oben.
      • "Eraserhead": Ganz großes, aber verstörendes Kopfkino.
      • "Twin Peaks": Die beste Fernsehserie aller Zeiten, enough said... für heute, später auch hierzu mehr.
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von rygel ()

    • Da lese ich gerade Koljas Sichtweise auf Mulholland Drive und Lost Highway und diese unterscheidt sich doch irgendwie von meiner, die allerdings auch sehr durch die Uni gefüttert ist. Heißt also, ich bin bei beiden Filmen irgendwie mehr auf einer formalen Ebene, als auf einer figurbezogenen Ebene, wenn es um das Verständnis geht.

      Gerade bei diesen beiden Filmen passt die Theorie des Möbiusbandes sehr gut. Heißt am Ende des Filmes könnte man nahtlos den Anfang des Filmes wieder anschließen und es würde funktionieren. Was ja bei Lost Highway alleine durch die Fahrt am Anfang und am Ende sehr stark durch die "Fahrt" zu sehen ist. Bei Mulholland Drive ist die dem Film den Namen gebende Straße schon fast ein Möbisuband der realen Welt, so kurvig und kompliziert wie die Führung dieser Straße ist.



      Lost Highway ist als eine Art "Spielen mit den Filmkonventionen" zu sehen. Passend ist da vielleicht das Zitat des einen Wärters nach der Verwandlung, der meint "Das ist ja wie in einem Horrofilm." Der Film bricht so oft mit dem, was wir als Realität ansehen und führt uns damit vor, dass Realität im Film niemals Realität ist. So ändern sich die Stockwerke und Autos ja so oft und der Zuschauer wird kontinuierlich verwirrt.
      Es gibt übrigens eine sehr interessante Opernbearbeitung des Films für die Elfride Jelinek das Libretto verfasst hat. Sollte man auf jeden Fall mal gesehen haben.

      Mulholland Drive kann ähnlich verstanden werden. Sind doch die Räumlichkeiten immer variabel und nie gleich. Aber eine der entscheidenden Szenen bleibt ja die im Club in der beide Protagonistinnen ohne jeden Grund plötzlich in Tränen ausbrechen und sich der Gesang dann auch noch als eine Aufnahme entpuppt. Wieder so ein Spiel mit dem Zuschauer und seinen Erwartungen. Und wo man bei Lost Highway noch irgendwie eine Art von Realität und Fiktion innerhalb des Filmes festmachen kann, ist dies bei Mulholland Drive nicht mehr möglich, weil alle Stränge in eine Leere laufen.

      Noch zu den anderen (die ich kenne), Blue Velvet ist so ein schönes Spiel mit der Heldenreise nach Christopher Vogler. Diese düstere Welt in der sich unser Held begibt so wunderbar überzogen. Und im Grunde weiß man ja nach den ersten Minuten des Filmes schon was das Thema dieses Filmes ist. Kein Film den ich mir öfters anschauen werde, aber für sich selbst auf jeden Fall genial.
      Straight Story ist so wunderbar postmodern, eben weil er dieses langatmige und die Ruhe mit sich bringt. Ein alter Mann, der auf seinem kleinen langsamen Fahrzeug durch die USA fährt. Gibt es etwas Unspektakuläreres? Nein. Und gerade das macht den Reiz des Filmes doch aus. Dieser Fokus auf die Linearität.

      Die übrigen Werke sind mir bisher noch nicht vor die Linse gekommen, wobei Twin Peaks schon lange auf meiner Liste ganz oben steht. Sollte ich mich bald auch mal heran wagen.


      The Doctor is our guide.
      If he is flippant about something,
      then we know not to worry about it.
      If he's serious about something,
      then we know to care about it.

    • Komohdo schrieb:

      Heißt also, ich bin bei beiden Filmen irgendwie mehr auf einer formalen Ebene, als auf einer figurbezogenen Ebene, wenn es um das Verständnis geht.

      Damit (bzw. Deinen folgenden Ausführungen) wärst Du dann aber bei einer Begründung der Schaffung dieser beiden Filme, die sich als "etwas schaffen, um mein Publikum zu zeigen, daß ich etwas schaffen kann" beschreiben läßt. Daß dadurch die Geschichten (sorry) gänzlich falsch interpretiert werden, ist eine simple Folgerung. Sicherlich hat Lynch ein paar typische Stilelemente, jedoch passen diese sich immer der jeweils zu erzählenden Geschichte an bzw. wird eine Geschichte erzählt, die sich eben genau so erzählen läßt. Schlußendlich sind aber die beiden Geschichten über diesen rein technischen Aspekt nicht erfaßbar. Die Form ist nur zusätzlicher Informationsträger und die "This is a recording"-Szene im Club Silencio ist einer der Schlüssel, die den Übergang zwischen verklärter Vergangenheit und realem Niedergang ermöglicht. Diane/Betty wird hier schlußendlich mit dem Holzhammer klar gemacht, daß das, was sie da sieht, nicht wirklich so war bzw. eben nur ein "recording" ist, welches sich beliebig verändern läßt. Dieses Stilelement dient also eher dem Charakter Diane und nicht so sehr dem eigentlichen Zuschauer der Geschichte.

      Sicherlich beziehst Du Dich mit Deinem "Möbius-Band" mehr auf "Lost Highway", dennoch sei der (kritische) Frage erlaubt, wo denn bei "Mulholland Drive" der Anfang im Ende sein soll? Insbesondere da der Hauptcharakter schlicht und ergreifend tot ist. außer mit dem nicht wirklich erwarteten Sequel "Night of the Living Diane" gäbe es da keine Möglichkeit einer Fortsetzung geschweige denn eines Neubeginns am Anfang (der eher eine Vorausschau auf das Ende ist, ohne das dies der Zuschauer zum Zeitpunkt des ersten Sehens weiß).
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"
    • Darum habe ich ja auch das Wort "Sichtweisen" gewählt, eben weil bei deinen Erklärungen der Filme mehr die Charakterliche Ebene betont wird. Was deine Erklärungen ja deswegen nicht schmälern soll. Dass beide "Protagonisten" Feiglinge sind und darum auf ihre jeweilige Art der Realität entfliehen ist definitiv eine sehr gute Analyse und trifft den Nagel sprichwörtlich auf den Kopf. Das Ding ist halt, dass ich die Filme (leider) nur noch unter diesen formalen Aspekten sehen kann. Weil wenn ich dieses Formale außen vor lasse, dann kommen halt wieder die Fragen z.B. bei Lost Highway für mich auf... wie kann eine Person mit sich selbst telefonieren (und das ist ja noch vor der Wandlung, also vor Freds Flucht) usw.

      Was das Möbiusband betrifft... mit dem Bezug auf Mulholland Drive hatte ich selbst immer so meine Probleme. Meistens wird es damit begründet, dass "Betty" am Ende des Films trotz dem Tod wieder von den Harpien/dem alten Ehepaar abgeholt und an den Anfang des Films gesetzt wird. Aber wie gesagt, da habe ich selbst so meine Probleme mit.


      The Doctor is our guide.
      If he is flippant about something,
      then we know not to worry about it.
      If he's serious about something,
      then we know to care about it.

    • Komohdo schrieb:

      Meistens wird es damit begründet, dass "Betty" am Ende des Films trotz dem Tod wieder von den Harpien/dem alten Ehepaar abgeholt und an den Anfang des Films gesetzt wird. Aber wie gesagt, da habe ich selbst so meine Probleme mit.

      Die hätte ich mit solch einer "Begründung" auch. Es ist eigentlich ziemlich klar, daß das "alte Ehepaar" Teil der "Verschwörung" sind, die Diane nunmehr in den Wahnsinn getrieben hat und die schlußendlich mit verantwortlich für ihren Selbstmord sind. Abgeholt wird da niemand. Ebenfalls wird mit ihnen der sexuelle Mißbrauchsaspekt (an der jungen Diane) angesprochen. Sie "übersetzt" dies in ihrer verqueren Weltsicht in ein nettes altes Ehepaar das sie (als Betty) noch bis zur Ankunft in LA begleitet, dann aber diabolisch lachend wegfahren, da sie ja schließlich bzgl. ihrer "reellen" Chancen "in the know" sind.

      Bzgl. "Lost Highway": Der Selbstanruf ist relativ simpel erklärt: Sein Unterbewußtsein meldet sich tatsächlich bei ihm. Wie gesagt: "Lost Highway" ist deutlich "einfacher" als "Mulholland Drive". Zweiterer ist deutlich komplexer und vielschichtiger.
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"
    • Ich sehe schon, ich muss Mulholland Drive mal wieder präsent haben. Ist schon wieder zu lange her, dass ich ihn komplett gesehen habe und irgendwie würfeln sich gerade Dinge falsch in meiner Erinnerung zusammen. Ich werde versuchen das in den nächsten Tagen zu schaffen, dann komme ich noch einmal drauf zurück.

      Mit dem "selbst telefonieren" hatte ich eigentlich den sogenannten Mysteryman gemeint, der ja wirklich zweimal vertreten zu sein scheint.


      The Doctor is our guide.
      If he is flippant about something,
      then we know not to worry about it.
      If he's serious about something,
      then we know to care about it.

    • Komohdo schrieb:

      Mit dem "selbst telefonieren" hatte ich eigentlich den sogenannten Mysteryman gemeint, der ja wirklich zweimal vertreten zu sein scheint.

      Der "Mysteryman" IST das Unterbewußtsein, welches mit Fred versucht Kontakt aufzunehmen. Er versucht ja aktiv die Erinnerung an seine Tat zu verdrängen und wird immer wieder vom "Mysteryman" daran erinnert. Da dieser Charakter nur den Aspekt des Unterbewußten repräsentiert, dürfte es auch keine interpretatorische Probleme geben, wenn dieser mehrfach auftaucht. Er existiert ja gar nicht wirklich.

      Sicherlich stimme ich mit Dir überein, daß gerade "Lost Highway" von seinen Erzählschleifen lebt, jedoch dienen die tatsächlich nur der Handlung und sind nicht zentrales Element des Films. Egal, was man gerne über Lynch sagt, wichtig sind für ihn immer Geschichten, weswegen eine rein "mechanische Herangehensweise" nicht gerechtfertigt ist.
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"
    • rygel schrieb:

      "Twin Peaks": Die beste Fernsehserie aller Zeiten, enough said... für heute, später auch hierzu mehr.

      Ja, bitte, da möchte ich wirklich gerne hören, warum Du das für die beste Serie aller Zeiten hältst. Weil... mich konnte die Serie ehrlich gesagt nur zeitweilig packen (ja, ich hab sie bis zu Ende geguckt und danach auch noch den Film) und es hat mich in meiner Haltung bestätigt, dass ich mit David Lynch nicht wirklich viel anfangen kann... (wo ist das "mit den Schultern zucken" Smiley, wenn man es mal braucht?)
      "All that is necessary for the triumph of evil is that good men do nothing." Edmund Berg
    • Ich muss uzugeben, ich war von "Twin Peaks" auch , sagen wir mal, etas enttäuscht, als ich es endlich gesehen hatte ...

      Der einzige David Lynch-Film, der mir gefallen hat, war "Der Elefantenmensch", eine wirklic hervorragende und tief bewegende (wahre) Geschichte, die glücklicherweise vermeidet, auf die Tränendrüse zu drücken.

      Snobantiker schrieb:

      (wo ist das "mit den Schultern zucken" Smiley, wenn man es mal braucht?)
      Animierte Smilies - zweite Reihe - der vierte von rechts ;)
    • Snobantiker schrieb:

      Ja, bitte, da möchte ich wirklich gerne hören, warum Du das für die beste Serie aller Zeiten hältst. Weil... mich konnte die Serie ehrlich gesagt nur zeitweilig packen (ja, ich hab sie bis zu Ende geguckt und danach auch noch den Film) und es hat mich in meiner Haltung bestätigt, dass ich mit David Lynch nicht wirklich viel anfangen kann... (wo ist das "mit den Schultern zucken" Smiley, wenn man es mal braucht?)
      Ah, so wenig Zeit, um etwas zu schreiben, nur um festzustellen, daß Warten genau das richtige war. Denn gerade blätterte ich in meinen alten "Wrapped in Plastic"-Ausgaben und stellte fest, daß Craig Miller und John Thorne genau das geschrieben haben, was ich hier mühsam hätte formulieren müssen (mühsam nur bezogen auf den zeitlichen Aspekt). Daher sieh es mir bitte nach, wenn ich die Worte zweier anderer Autoren bemühe, um Deine Aufforderung zu "beantworten".

      Dieser Abschnitt entstammt dem Artikel "Wonderful & Strange - Twin Peaks - Five Years Later", aus "Wrapped in Plastic" #16 (April 1995), geschrieben von Craig Miller und John Thorne.

      „Twin Peaks“ excels in numerous areas – a rare feat for television. The acting is first-rate; the show combines actors with established feature film careers (Kyle MacLachlan, Joan Chen, Miguel Ferrer, Piper Laurie), actors with previous notable television roles (Michael Ontkean, Peggy Lipton), excellent character actors (Ray Wise, Jack Nance, Richard Beymer, Russ Tamblyn), and exciting new talent (Sherilyn Fenn, Sheryl Lee, Mädchen Amick, Lara Flynn Boyle) into one of the finest ensembles ever to appear on a television series.

      The technical aspects are also amazing; each episode feels like a mini-film, no doubt helped by the strong filmmaking background of many of the creative personnel. Angelo Badalamenti’s score remains unequalled in television (helped at times by Julee Cruise’s wonderful vocals). The cinematography is on a completely higher level than other television work. Numerous scenes take place at night – much more difficult to do on a television budget and schedule – instead of simpler studio or daylight shooting. Not even “The X-Files” – the best photographed show right now – matches what “TP” did years ago.

      Finally, the series showcases some astounding writing – on more than one level. The dialogue is clever and memorable, attested to by the number of witty lines fans enjoy: “Damn good coffee,” “This must be where pies go when they die,” “The owls are not what they seem,” “That gum you like is going to come back in style” – we could go on and on. Heck, we could include all of Albert’s line!

      And yet the show turned out to be about more than quirky, well-acted characters delivering wonderful dialogue in beautifully-filmed settings. “Twin Peaks” could have stopped there and already been ahead of most television. But Lynch and Frost went further; they gave the series a soul. They tapped into grand themes – archetypes that have arisen out of religion, mythology, and fairy tales to form the basis for much of the greatest stories and literature of the ages. Then, to keep the show from becoming ponderous, they set these themes side by side with humor that ranged from bizarre (Gordon Cole, Nadine) to quirky (Lucy, Jerry Horne, Pete) to downright slapstick (Andy).

      The final package of formidable acting, writing, music, and cinematography became “Twin Peaks” a unique show in television history – attested to in part by the continued interest in the series and analyses written during the past several years.

      Five years after “Twin Peaks” debuted, “ER” is doing some innovative work; “Homicide” constantly astounds us; “The X-Files” (one of Tucker’s current favourites) has occasionally been extraordinary. But when we watch five-year-old episodes of “Twin Peaks”, we remain enthralled with the incredible quality of the show.

      If a show comes along, that we believe is better than “TP”, we’ll point it out. But so far, we haven’t found one.

      “Twin Peaks” is not a failed television experiment in weirdness. It is a successful example of the incredible quality that is possible – though rarely accomplished – in the ridiculed medium of television.

      Man beachte noch, daß gerade die letzten Aussagen bzgl. "keiner besseren Serie bislang" immer noch für die Autoren (und auch für mich) gilt. "Wrapped in Plastic" war imemr wieder voller Hoffnung bei einigen neuen Serien und "Lost" war hierbei die letzte, auf die man sozusagen "hoffte", aber bislang steht immer noch "Twin Peaks" unverrückbar hoch oben auf dem Podest.
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"
    • rygel schrieb:

      aber bislang steht immer noch "Twin Peaks" unverrückbar hoch oben auf dem Podest.

      Perfekter Thread für meinen Einstand.

      Bisher habe ich leider nie ein WIP Magazin in die Finger bekommen.

      Über Twin Peaks und Lost habe ich mir tatsächlich vor kurzem Gedanken gemacht. Wobei die Serien nicht wirklich vergleichbar sind, auch wenn ich selbst mich bei dem Versuch erwischt habe. Twin Peaks steht für mich nach wie vor ganz oben auf der Liste/dem Podest, da Lost auch mit der komplexen und spannenden Storyline nicht an das Gefühl rankommt,
      das mich überrollt, wenn ich Lynchs herrlich obskure Bilder und fantastische Dialoge sehe und höre. Für Dialoge und atmosphärische Bilder war Lost ja auch nie gedacht.
      Und die Handlung von Twin Peaks war zumindest für mich immer eher zweitrangig.

      Schön, einen Thread des Meisters im Forum hier zu finden.
    • Man From Another Place schrieb:

      Wobei die Serien nicht wirklich vergleichbar sind

      Oh, ich denke schon. Beide haben einen ziemlich großen Stamm an Charakteren, die alle ihre eigenen Geschichten bekommen und die machen versuchen eine komplexe Story zu erzählen, deren Ausgang über lange Zeit ungewiß bleibt - pbrigens: Lynch selber hätte am liebsten das "wer tötete Laura Palmer" nie aufgelöst.
      Dies ist kein Kuschelforum. Dies ist DrWho.de



      "Dann nehmt ihn mit, sperrt ihn ins Hinterzimmer und lasst ihn da bloß nie wieder raus!"
    • rygel schrieb:

      Oh, ich denke schon. Beide haben einen ziemlich großen Stamm an Charakteren, die alle ihre eigenen Geschichten bekommen und die machen versuchen eine komplexe Story zu erzählen, deren Ausgang über lange Zeit ungewiß bleibt - pbrigens: Lynch selber hätte am liebsten das "wer tötete Laura Palmer" nie aufgelöst.
      Damit hast Du Recht. In beiden Serien sind die Geschichten sehr detailliert und liebevoll erzählt und die Charaktere werden aufgebaut wie ich es selten in anderen Serien gefunden habe. Das ist sicher eine Gemeinsamkeit. Auch dass das "Haupträtsel" so lange auf Auflösung warten muss und jede Folge eigentlich mehr neue Rätsel aufgibt als alte zu lösen haben imo beide Serien gemeinsam.

      Meine Vergleichbarkeitsschwierigkeiten bezog ich auf die Art wie erzählt wird.
      Wie Du sagst, Lynch selbst hätte das Rätsel um den Mord am liebsten nie gelöst. Ich habe oft das Gefühl, Lynch legt generell weniger wert auf Story als auf Bilder und Atmosphäre (Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Lynch bei Mulholland Driveseinen eigenen Schauspielern nicht sagen wollte, worum es in dem Film eigentlich ging, den sie da grad drehten).
      Der Focus liegt für mich in Lost eher auf der Story (wobei ich auch die Bilder und die Atmosphäre der Serie gut finde) und ich selbst tue mir schwer, zwei Serien zu vergleichen, die zwar viele Ähnlichkeiten haben, aber dann doch wieder so unterschiedliche Erzählweisen fokussieren.