Doctor Who - Der Film (Doctor Who - The TV Movie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Es ist bereits einige Jahre her, dass ich den Film gesehen habe, und da er in der ersten Revisitation Box enthalten war, habe ich ihn mir nun eben noch einmal angesehen. Das war ein Fehler. Ich habe hier eine Liste von positiven Punkten, und das sind nicht viele:

      -Das Budget ist definitiv hoch und verhilft dem Film zu wirklich guten Effekten und einem guten Produktionsdesign.
      -Auch an der Regie ist wenig auszusetzen und es kommt tatsächlich Spannung auf, auch wenn man hier mitte/späte 90er ansieht.
      -Der Score ist gut, wenn auch an manchen Stellen zu überdramatisch.
      -Das Titelthema ist eines der besten Interpretationen des Doctor Who Themes überhaupt.
      -Das Innere der TARDIS ist noch immer der tollste Kontrollraum von allen.
      -Eric Roberts hat seinen Job gut gemacht, dazu aber später mehr.
      -Es war schön den siebten Doctor noch einmal zu sehen.
      -Die Regenerationsszene ist immer noch die beste der Serie.
      -Paul McGann ist herausragend als achter Doctor und hat auch ein paar tolle Szenen.
      -Grace war weniger nervig als ich sie in Erinnerung hatte.

      Also was haben: Eine gute Regie, tolle Effekte, ein okayer Companion, der Schauspieler des Bösewichts macht einen guten Job und der Doctor ist hervorragend. Was kann also noch schief gehen? Nun ja, so einiges würde ich sagen.

      Der Film beginnt bereits mit einem riesigen Problem/Plothole: Warum wird der Master auf Sakro von den Daleks hingerichtet? Und warum übergeben die den Leichnam so mir nichts dir nichts dem Doctor, ihrem größten Feind? Die Geschichte dahinter wäre viel spannender als das, was im Film geboten wird. Und damit zusammen hängend: Die Daleks hören sich an wie Schlümpfe. Wer hat diese Entscheidung getroffen?

      Und weiter geht es mit dem Master: Warum ist er auf einmal eine flüssige, durchsichtige Schlange? Und warum leuchten seine Augen grün? Und wieso ätzt sein Speichel? Und warum kann er damit später Grace kontrollieren? Was soll dieser Blödsinn? Und nicht nur das - der Master übernimmt also einen menschlichen Körper. Hat er das nicht auch schon in The Keeper of Traken getan? Warum ist das der Körper von Nyssas Vater nicht auch zerfallen, sondern eher das Gegenteil passiert, er ist sogar verjüngt? Hatte das etwas mit der Source zu tun? Wenn ich mich nämlich richtig erinnere, war die Verbindung vom Master zu eben dieser längst getrennt worden. Aber auch hier, es ist Jahre her, dass ich die Folge gesehen habe und das Verlangen mir irgendeine Folge mit Adric noch einmal anzusehen, geht gen null.
      Aber zurück zum Film. Während der Master hier definitiv seine beste Motivation bekommt, er will überleben, erkenne ich in der Figur nicht viel vom eigentlichen Master wieder. Gleichzeitig muss ich aber Eric Roberts hier in Schutz nehmen, genauso wie John Simm in The End of Time - die beiden spielen zwar nicht den Master, aber was auch immer für eine Rolle die Autoren ihnen da hingeschrieben haben, die spielen sie wirklich gut.

      Chang Lee ist einfach nur nervig. Muss ich dazu mehr sagen? Diese kleine Nervensäge ist für mich auf einem Leve mit Adric. Also noch nicht ganz Donna-Niveau, aber dicht dran. Zu dicht um ihn für längere Zeit zu ertragen. Dass er dann also eine tragende Rolle im Film hat hilft da kein Stück. Daher kann ich auch nicht verstehen, warum die TARDIS ihn angeblich mag. Bei der Szene frage ich mich im Übrigen auch wie der Master überhaupt in die TARDIS gekommen ist, er hatte ja keinen Schlüssel. Aber es wurde auch nie geklärt wie er die TARDIS am Anfang überhaupt zur Notlandung gezwungen hat und selber ausgebrochen ist.

      Und zum Doctor. Er hat ja wirklich ein paar erinnerungswürdige Szenen. Da wäre die mit den Schuhen, von der McGann ja anscheinend inzwischen die Nase voll hat immer darauf angesprochen zu werden, oder mein persönlicher Favorit, die Szene in der er sich die Waffe des Polizisten an den Kopf hält und droht sich selbst zu erschießen. Das ist der Doctor. Für mich ist diese eine Szene so definierend für den Charakter wie die in An Unearthly Child in der Hartnell Ian und Barbara versucht die TARDIS zu erklären oder der vierte Doctor am Anfang von Pyramid of Mars Sarah Jane warum er eben nicht zurück zur Erde will. Matthew Jacobs hat zwar anscheinend keinerlei Plan davon gehabt was den Master ausmacht, aber er scheint den Doctor verstanden zu haben. Anders als ein gewisser Russel T Davis, möchte hier mal einwerfen.
      Aber es gibt eine Szene mit dem Doctor, die mich wirklich stört. Während der ansonsten wirklich guten Regenerations-Sequenz kommt der Doctor, nackt, nur in einem Tuch gewickelt, aus seiner Kühlkammer, mit langen lockigen Haar. Hätte man die Jesus-Bildsprache noch mehr übertreiben können? Besonders da er am Ende der Sequenz mit seinen Armen wie am Kreuz hängend ausgebreitet auf dem Boden kniet. Das war schon ziemlich übertrieben, wenn auch nicht so hahnebüchend wie in Last of the Time Lords wenn derzehnte Doctor wie in Darstellungen von Christi Himmelfahrt in einer blauen Aura umhüllt umherschwebt. Gott war das schlecht.
      Das einzige, was ich nicht gebraucht hätte wäre das Rumgeknutsche mit Grace. Zum einen war das ein ziemlich übertriebener Sprung in der Beziehung der beiden zueinander - am Ende hätte ich es vielleicht noch abgekauft aber nicht in der Mitte des Films. Zum anderen hat es ja die Unsitte hervorgebracht, dass seitdem fast, wenn nicht sogar alle weiblichen Companions den Doctor küssen mussten.

      Die Handlung basiert natürlich auf einem Widerspruch innerhalb der Serie, der dann von Journey to the Centre of the TARDIS legitimiert wurde - dass das Eye of Harmoney sich in der TARDIS befindet. Da kann ich nur den Kopf schütteln, besonders da alle Regeln, die bezüglich des Auges in The Deadly Assassin aufgestellt wurden mal eben ignoriert wurden.

      Der Master will sich mit der Hilfe des Auges, wie in The Deadly Assassin zuvor, einen neuen Regenerationszyklus aneignen will. Diesmal allerdings will er nicht die Energie des Auges dafür verwenden um den Regenerationszyklus eines anderen Time Lords auf sich zu übertragen, sondern einfach um den Doctor zu finden und dessen Körper einfach so zu übernehmen. Okay, brauchte man dafür wirklich die Referenz zum Eye of Harmony? Welches im Übrigen hier in etwa so funktioniert wie in der ersten Staffel von New Who das Herz der TARDIS? Das ist mal etwas, was RTD richtig gemacht hat: Sich etwas Neues auszudenken für diese Funktion, was nicht mit der klassischen Serie bricht.

      Und der Teil der Handlung ist ja noch okay, dass wir aber die Hälfte des Films brauchten, um überhaupt erst einmal da anzukommen hatte was von der Colin Baker Ära, wenn auch die erste halbe Stunde darauf verschwendet wurde, dass der Doctor überhaupt erstmal dort ankommt wo die Story stattfindet. Der Film ist nur 85 Minuten lang, könnte aber locker nur 70 bis 75 Minuten lang sein, das Ding hat mehr Filler als so manches Serial - und die waren meistens knapp 100 Minuten lang, wenn nicht sogar noch länger.

      Weiter im Text. Aus irgendeinem Grund hat das Auge jetzt zerstörende Wirkungen auf das Raum-Zeit-Kontinuum und der Doctor braucht aus irgendeinem Grund eine atomare Uhr um das Auge wieder zu schließen. Erneut: Was hat das bitte schön noch mit dem Great Key of Rassilon und der Sash of Rassilon zu tun? Gar nichts. Hier wird eines der besten Serials der gesamten klassischen Serie mit Füßen getreten, nichts weiter.

      Und dann wird zu guter letzt auch noch der Reset-Button geklickt, wie im bereits erwähnten Last of the Time Lords. Ob man es jetzt als positiv oder negativ bewerten will, dass dies hier nicht gleich von Anfang an dem Zuschauer entgegen geschrien wird, ist eine Frage, deren Antwort jedem selbst überlassen ist, ich fühle mich jedenfalls hier mehr verarscht. Besonders da in der Tennant-Folge ja wenigstens noch ein Paradox vorlag, dass durch die Zerstörung der Paradox-Machine aufgelöst wird. Hier, ich weiß nicht einmal wirklich was passiert. Die Zeit dreht sich zurück, weil der Master in das Eye of Harmony gefallen ist? Irgendwie sowas war das. Es ergibt irgendwie noch weniger Sinn als der Mist, den sich RTD elf Jahre später zusammengeschrieben hatte.

      FAZIT: Im Endeffekt fühle ich mich von dem Film einfach nur verarscht. Retten tut es tatsächlich der Doctor, die tolle Optik, Eric Roberts Performance (auch wenn er nicht den Master spielt), einige witzige Szenen, im Großen und Ganzen auch Grace, aber sonst ist da nicht viel. Und das schlimmste ist, wie man einfach mal eines der besten Serials überhaupt entwertet, nein, nicht entwertet, aber mit Füßen tritt. Daher gibt es gerade einmal 2 Punkte und ein ausreichend von mir.

      PS: Dass die Folge am Silvesterabend 1999 stattfindet war doch nur einfach Effekthascherei, genauso wie der Umstand, dass die Welt um Mitternacht aufhören würde.
      4thdoc 11thdoc 1stdoc 2nddoc 8thdoc 9thdoc 6thdoc 12thdoc 7thdoc 3rddoc 5thdoc Wardoc 10thdoc
    • Mario schrieb:

      Aber es gibt eine Szene mit dem Doctor, die mich wirklich stört. Während der ansonsten wirklich guten Regenerations-Sequenz kommt der Doctor, nackt, nur in einem Tuch gewickelt, aus seiner Kühlkammer, mit langen lockigen Haar. Hätte man die Jesus-Bildsprache noch mehr übertreiben können? Besonders da er am Ende der Sequenz mit seinen Armen wie am Kreuz hängend ausgebreitet auf dem Boden kniet. Das war schon ziemlich übertrieben, wenn auch nicht so hahnebüchend wie in Last of the Time Lords wenn derzehnte Doctor wie in Darstellungen von Christi Himmelfahrt in einer blauen Aura umhüllt umherschwebt. Gott war das schlecht.
      Diese "Vergöttlichung" des Doctors scheint mir allgemein eine lästige Tendenz der New Series zu sein. Immer muss er derjenige sein, um den sich alles dreht, der Mittelpunkt des Universums.
      Dabei finde ich das Bild viel schöner, dass der Doctor ein einsamer Wanderer in der Unendlichkeit des Universums ist und inmitten dieser Unendlichkeit eben keine herausragende Stellung hat, aber es trotzdem nicht aufgibt, die Idee des Guten überall dorthin zu tragen, wo er auf seiner Wanderung vorbeikommt.
      We're thirty thousand light years from galactic central point
      We go round every two hundred million years
      And our galaxy is only one of millions of billions
      In this amazing and expanding universe!