Adventure Time

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    • Adventure Time

      Es wird Zeit, dass hier mal über die interessanteste und ambitionierteste Zeichentrickserie der letzten Jahre geredet wird: Adventure Time !



      Nachdem ich mir die erste Folge von Adventure Time angeschaut hatte, lautete meine spontane Reaktion "Nee, die Serie ist nichts für mich !". Da war so eine verdächtig pink-farbene Prinzessin und ein seltsamer Junge mit einer Bärenmütze, und Zombies, und ein formwandelnder Hund, der mal kurzzeitig
      mit einem Koreanisch sprechenden regenbogen-einhornartigen Wesen zum Knutschen im Wandschrank verschwunden war. Und am Ende tauchten zwei riesige Kaugummiautomaten auf, es ging mal kurzzeitig um Mathematik, aber dann war das doch alles ziemlich albern. Und hässlich gezeichnet !
      Aber da sich die Serie innerhalb von 4 Jahren einen inzwischen ziemlich großen und sehr euphorischen Fankreis aufgebaut hat, schaute ich mal noch weiter,
      und Folge 4 (Elefantenoma geht zum Apfelpflücken in einen Gruselwald) ließ dann tatsächlich das Potential der Serie erahnen. Adventure Time regelt die Dinge nämlich anders als andere Serien und möchte Konventionen brechen. Da werden z.B. Koreanisch sprechende Charaktere eben einfach nicht untertitelt, und die eben erwähnte Princess Bubblegum sieht vielleicht aus, als wäre sie aus einer doofen Pony-Serie entsprungen, entpuppt sich aber als rationale Herrscherin und Wissenschaftlerin mit fragwürdiger Ethik.
      Was die Serie außerdem tut, ist ihre lockerleicht-comichafte Fasade nach und nach gehörig gegen den Strich zu bürsten. Spätestens wenn in Folge 16 die Protagonisten Finn (Der Mensch) und sein zum U-Boot geformwandelter bester Freund und Stiefbruder Jake (Der Hund) durch den Ozean reisen
      und man als Zuschauer plötzlich mit Autowracks und Häuserruinen samt skelettierter Bewohner konfrontiert wird, dann wird ganz schnell klar, dass es da innerhalb der Serie eine Düsternis gibt, die sich ganz subtil heranschleicht. Das "Land of Ooo", in dem Adventure Time spielt, ist nämlich -soviel sei verraten- keine Fantasiewelt, sondern die Erde - nach der Apokalypse !


      Der Tooooood ! Lässt sich gern zu einem Musikduell herausfordern...

      Adventure Time basiert auf einer 2007 veröffentlichten 7minütigen Kurzanimation von Pendleton Ward. 3 Jahre später wurde sie als reguläre Serie von Cartoon Network aufgenommen und läuft dort seitdem fast ohne Unterbrechung - zwischen den Staffeln war bisher maximal ein Monat Pause. Dafür dauert eine Folge auch nur 11 Minuten, ist aber synchontechnisch hochwertig besetzt. John DiMaggio (Futuramas Bender) spricht Hund Jake, der reguläre Bösewicht Iceking wird von Tom Kenny (Spongebob) vertont. Und von diversen Star Trek Mimen (z.B. George Takei und Jonathan Frakes) über Weird Al Yankovic bis hin zu Neil Patrick Harris fanden auch schon so einige bekannte Gaststars ihren Weg ins Tonstudio. Dort sprechen die Sprecher in der Regel alle gemeinsam die Folge ein, damit die Dialoge organischer klingen.

      Eine weitere Bemerkswertheit ist, dass sich die Serie inhaltlich stets weiterentwickelt hat. Staffel 1 kommt mit seinen dezent-wirren Geschichten noch ziemlich wild und rustikal daher. Verfilmtes kreatives Schreiben sozusagen. Ab Staffel 2 sieht Adventure Time nicht nur besser aus, die Episoden sind auch weitaus stringenter erzählt. Irgendwann beginnt sich dann auch der Background der Figuren zu entblättern und so manche bis dahin eher comichaft wirkende Figur wird plötzlich zum ernstzunehmenden, wenn nicht gar tragischen Charakter. Und auch Finn verändert sich. Während der Menschenjunge als 12jähriger noch einem sehr simplen Imperativ folgt und einfach nur Gutes tun möchte, trifft der 14jährige Finn in späteren Staffeln nicht immer sympathische Entscheidungen, und hat verstärkt mit den Irrungen und Wirrungen der Pubertät zu kämpfen. Und so, wie sich die Serie entwickelt, verändert sich auch das Verhältnis, das man als Zuschauer zu ihr hat. Anfangs schaut man tatsächlich nur der Andersartigkeit wegen. Nach ein paar Folgen möchte man
      dann doch auch gern noch wissen, was es nun mit dem Weltuntergang aufsich hat, und irgendwann schaut man die Serie hauptsächlich, weil einem die Charaktere inzwischen ans Herz gewachsen sind und man noch viel mehr über sie und ihre Verstrickungen untereinander erfahren möchte.

      (Fanart) So manche Figur darf erst ein einmal nur im Hintergrund herumlaufen, um Staffeln später dann eine prominente Nebenrolle zu spielen.

      Natürlich kommt bei der Serie auch der "Doctor Who"-Effekt zum tragen; man weiß nie, was von der jeweiligen Folge zu erwarten ist. Es kann eine abenteuerliche Geburtstagfeier in einem mörderischen Zug sein, oder eine "Being John Malkovich"-artige Traumepisode. Vielleicht kommt auch Nightosphere-Herrscher Hunson Abadeer vorbei und sorgt für Bilder, mit denen man kleine Kinder herrlich traumatisieren kann, oder vielleicht ist es auch einfach nur eine wunderbar-alberne Geschichte über Jake und Finn, die auf die Möbel klettern, weil sie sich zum Zeitvertreib (draußen regnet es gerade Messer) vorstellen, dass (für den Zuschauer unsichtbare) Lava das Haus überfluten würde. (Fast) Alles ist möglich.

      Also los, Adventure Time gucken ! Da die Folgendauer nur 11 Minuten beträgt, ist die Serie selbst etwas für Leute, die keine Zeit haben. Perfekt für die Flucht aus dem Alltag für Zwischendurch.

      Folgen zum Reinschnuppern ? Vielleicht die hier...

      Finn
      S05E16 Puhoy - die fast perfekte Folge; "Das zweite Leben", im Kissenland

      Jake
      S02E12 Her Parents - wie man den Eltern seiner Freundin weismacht, dass man einer anderen Spezies angehört

      Maceline
      S02E01 It Came from the Nightosphere - der Dämonenfürst-Papa kommt zu Besuch. Ihm dürstet nach SEEEELEN !

      Ice King
      S03E07 Still - Ice King ist irre, und möchte eigentlich nur geliebt werden
    • Ich hab nur die erste Staffel gesehen. Aber da fand ich die Folge richtig gut, wo die beiden bei Regen im Haus gegen ihre eigene Fantasie kämpfen. Da haben die Macher so wunderbar verstanden, dass Gemüt von spielenden Kindern mit allen Höhen und Tiefen einzufangen und aufzuarbeiten. Es soll ja sogar Masaaki Yuasa eine Folge geschrieben, sowie Regie geführt haben [Food Chain]. Kannst du da was zu sagen Solus?
    • Ja. Es gab bisher drei Gastkünstler; erstmal Disney-Zeichner James Baxter, der in der wunderbaren Folge "James Baxter the Horse" das besagte Pferd gezeichnet hat, und dann gibt es noch zwei Episoden, die komplett von anderen Künstlern erstellt wurden und nicht zum Kanon gehören. Zum einen "A Glitch is a Glitch" von CGi-Künstler David O'Reilly - die mit Abstand schlechteste Folge der Serie. Und in der aktuellen Staffel kam noch "Food Chain" dazu, gezeichnet von Masaaki Yuasa. Es ist zwar nicht die Über-Folge geworden, aber er hat im Gegensatz zu O'Reilly immerhin ein paar Fehler umgangen. So gibt es einen Übergang zu seinem Zeichenstil, und innerhalb der Handlung wird auch eine Erklärung geliefert (Stichwort "Magic Man"). Inhaltlich geht es halt darum, wie Finn und Jake den Nahrungskreislauf durchleben, in dem sie sich in die einzelnen Lebensformen verwandeln. Nette Idee, aber man merkt leider, dass da sicherlich aus Budgetgründen nicht ein ganzes Animationsteam ewig daran arbeiten konnte. Ist leider alles recht simpel gezeichnet und etwas ruckelig animiert, und die Synchronarbeit ist auch schlechter. Einen wirklichen Mehrwert für die Serie liefert dieser Gastbeitrag also eigentlich nicht.
      Naja...der Song am Ende ist immerhin ganz hübsch...
    • Ein kleiner Hinweis für die ja offensichtlich tausende Adventure Time Fans hier im Forum: Die Serie läuft inzwischen im Free-TV. Nickelodeon zeigt jeden Tag um 14:20 Uhr zwei Folgen. Da ist man inzwischen auch schon in Staffel 3 angelangt - da Staffel 3 und 4 ja durchgängig toll sind einerseits eine gute Stelle einzusteigen, aber man wird dann vielleicht nicht alles kapieren...
    • Ich habe jetzt nen gewaltigen Adventure Time-Kurs hinter mir. Begonnen habe ich den zaghaft irgendwann im Juni(?) als ich die frühen Folgen auf Netflix fand und "Naja, schauen wir endlich mal was es damit auf sich hat." dachte. Die ersten einzwei Staffeln habe ich noch in kleinen Stücken mit großen Pausen zwischen den Episoden geschaut, aber je mehr die Charakterisierungen ausgefeilter und die Mythologie tiefer wurde umso mehr kurbelte ich mein Verfahren an - und mit Staffel 4 war ich im "Ich muß dazu alle Wikipedia-Artikel die ich finden kann lesen"-artigen Rausch. Darüber habe ich dann auch feststellen müssen dass in wenigen Tagen bereits die letzte Folge ausgestrahlt werden sollte, also habe ich in meiner Geschwindkeit nochmal oben einen draufgelegt.

      Und jau, die Serie ist wirklich Kunst. So ca wie George Herriman's "Krazy Kat" Kunst war. Dadaistisch, poetisch, surreal, krude gezeichnet, teils gruselig, und auf völlig verdrehte Weise emotional resonant. Es gab Folgen bei denen ich wirklich ein wenig Wasser in den Augen hatte, himmelherrjott.

      Einerseits ärgere ich mich ein wenig dass ich den Adventure Time-Zug acht Jahre lang an mir vorbeifahren lassen habe und ihn sozusagen nicht live miterleben konnte, aber immerhin bekomme ich noch das Finale mit. Und die Serie hat mir diesen ekelhaften Hitzesommer beinahe erträglich gemacht. Ich habe diese 278 Episoden sehr genossen! (Und es gab beängstigend wenig Ausfälle. Heilige Wurst, wie haben die nur diesen Qualitätslevel bis zum Schluß halten können?)