The Man in the High Castle

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    • Gestern die letzte Folge geguckt. Die Serie hätte insgesamt spannender sein können, aber die letzte Folge bietet bei genauerem Nachdenken interessante Ansätze zu Spekulationen, die mich auf Staffel 2 gespannt machen. Auch gerade wegen der Abweichungen zum Buch. Genaueres im Spoiler-Tag (auch mit Dingen, die schon von anderen erwähnt wurden, aber der Vollständigkeit halber nochmal aufgeführt werden):
      Spoiler anzeigen
      Die Auflösung im Buch (wenn mich meine Erinnerungen ans letzte Lesen vor Jahren und den letzte Woche gelesenen Wikipedia-Artikel nicht trügen) war, das "The Man in the High Castle" dieser Abendsen war, der mit Hilfe des I-Gings die "wahre" Realität aufgeschrieben und verbreitet hat. Diese "wahre" Realität aus dem Grasshopper-Buch hat zwar mit unserer Realität gemein, das die Nazis verloren haben, unterscheidet sich aber ansonsten stark. Unsere und die Realität des Buches sind damit "unwahr", aber nicht im SF-Matrix-Sinne sondern eher philosophisch/sprituell nicht fassbar.
      Die Serie geht schon eine ganze andere Richtung damit, dass "Grasshopper" kein Buch, also kein rein geistig erfahrbares Medium ist sondern eine Reihe von Filmen, die also irgendwo physisch herkommen. (Ich komme darauf zurück.) Ausserdem sammelt der "Man in the High Castle" (Wird der Name "Abendsen" eigentlich irgendwo genannt? Würde mich nicht wundern, wenn nicht.) die Filme, statt sie zu verbreiten.
      Hier kommt aber ein (möglicher) grosser Klopper: Mir ist das erst beim Lesen der Besprechung der Folge beim AVClub (bzw. den Kommentaren) aufgegangen, aber es kann sein, dass der "Man in the High Castle" in der letzten Folge auftritt:
      Der "Man in the High Castle" sammelt wie gesagt die Filme. Wen sehen wir, der diese Filme sammelt und in einer Burg auf einem Berg wohnt? Hitler!
      Also... Ist der Führer jetzt auch Chef des Widerstandes?! Hätte was für sich: Dieser Widerstand scheint ja nicht viel mehr zu machen, als diese Filme herumzukutschieren. So wären die unliebsamen Elemente weitgehend harmlos beschäftigt und wären gleichzeitig für Hitlers Hobby hilfreich.

      Weiterer Punkt: Die Filme zeigen nicht eine andere, "wahre" Realität, sondern mehrere Verschiedene! Juliana sieht eine, in der die Nazis verloren haben, der Film am Ende der vorletzten Folge aber ein zerbombtes San Francisco mit Full-on-Nazi-Joe.

      Dann ist da noch der Handelsminister, der am Ende der letzten Folge in einer anderen Realität landet, die unserer zumindest ähnlich ist. (Jemand in den AVClub-Kommenaren hat eine Abweichung in irgendwelchen Baseball-Sachen bemerkt, aber das könnte auch ein Fehler sein.)
      So eine Szene gibt es auch im Buch. Da dürfte es bedeuten, dass der "Schleier" kurz gelüftet wird und der Handelsminister die "wahre" Realität sieht. Ob dies eine Vision oder er physisch dort landet, bleibt offen, eine Vision würde zur spirituellen Erfassung Abendsens der "wahren" Realität passen.
      In der Serie würde ein physischer Transport Sinn ergeben, da die Filme ja auch physische Objekte sind und irgendwie in die Nazi-Realität gelangt sind.
      Die Methode des Transportes ist aber wiederum spirituell: Er hielt Julianas Kette in der Hand, die von Frank gemacht wurde. Frank hat ja auch dieses Fake-Indianer-Amulett gemacht, das laut der einen Japanerin "Wu" hat. Man kann also vermuten, dass auch die Kette "Wu" hat und somit spirituelle Menschen (wie der Handelsminister) mit Objekten, die "Wu" haben, in der Lage sind, zwischen Realitäten zu wechseln und die Filmrollen mitbringen.

      Fragt sich: Wozu zur Hölle eigentlich?! Für Hitlers Hobby ist der Weg zu diesem zu kompliziert, auch wenn man vermuten kann, das diese Filme irgendwie Hitler geholfen haben könnten, den Krieg zu gewinnen und/oder dem Attentat zu entgehen. (Vielleicht wurde er auch von John Smith gewarnt, aber dann hatte er doch viel Vertrauen in seine Menschenkenntnis, dass der Attentäter sich selbst wegpustet.) Gibt es vielleicht neben Hitlers Arbeitsbeschaffungsmassnahme noch einen echten Widerstand?

      Da kann man nur raten, für ernsthafte Spekulationen gibt es ebenso wenig Anhaltspunkte wie für die Identität der anderen Person auf dem letzten Film, die Frank bekannt vorkam.
      THEY SAY CHANGE IS GOD

      P.S.: Sollten Sie Dr. Allen sehen, erschießen Sie ihn und lösen
      Sie den Körper in Säure auf. Verbrennen Sie ihn auf keinen Fall.
    • So ähnliche Gedanken habe ich mir auch gedacht. Jetzt nicht mit Addi, aber wozu das Ganze? So wie es sich darstellt ist das Ganze eine große AB-Maßnahme. Wenn Addi Sammler ist, wieso gibt man dem Widerstand freiwillig die Filme? Wenn der Mann im hohen Schloss diese Filme herstellt/verbreitet, wieso begeben sich Leute in Lebensgefahr, um ihm diese zu bringen?
      Spoiler anzeigen
      Dass die drei gezeigten Filme unterschiedlich sind, ist klar: der von Juliana zeigt den alliierten Sieg mit Churchill in V-Pose, der von Joe irgendwas zu Stalin. Und der dritte Film zeigt Joe bei einer Massenexekution, obwohl er bei Kriegsende noch ein Kind war. Und wer weiß, was das für eine Realität ist, in der Takomi auftaucht. Mit dem I Ging kann das wenig zu tun haben, die Filme sind ja physisch vorhanden.
      Um auf die Sache mit Addi zurück zu kommen: der spielt ja eine ganz entscheidende Rolle. Erstens ist er der Garant dafür, dass der wacklige Frieden hält, obwohl Heydrich und Goebbels schon mit den Hufen scharren. Außerdem schafft er es, Wegeners Mord an ihm zu verhindern und damit Heydrich aus dem Weg zu räumen. Und er zeigt Interesse an den Filmen, deren Besitz Hochverrat ist. Warum? Ich denke mal, dass er gar nicht so krank ist, wie alle glauben und dass er in diesem Ränkespielchen mit seinen potentiellen Nachfolgern sein ganz eigenes Süppchen kocht. Aber wenn er tatsächlich der Mann im hohen Schloss ist und die ganzen Gruppierungen gegeneinander ausspielt, wozu? Einen Widerstand bilden, um seine ärgsten Widersacher aus dem Weg zu räumen? Irgendwie ergibt das alles recht wenig Sinn.

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    • @Koyeronti & Nikioko,
      "umständlich geschrieben", so wirkte das "Orakel vom Berge" sicherlich auch 1962, als es veröffentlicht wurde, auf die meisten SF-Fans. Aber es entsprach dem Trend der New Wave in der Science Fiction, der damals dem Bedürfnis von Autoren und Fandom entsprach und der sich schließlich durchsetzte. Weg von der dumpfen Space Opera mit ständig neuen galaktischen Imperien, die doch immer wieder nur die gleichen Kriege gegeneinander führten, hin zu tiefgründigeren Themen. Statt um Technologie ging es jetzt mehr um Psychologie und, während erstmals die Visionen der SF Realität wurden und echte Raketen den Weltraum erkundeten, hatte die kein Interesse mehr daran und wendete sich stattdessen der Erkundung des Inner Space zu.

      Das "Orakel vom Berge" kannte ich in den 60ern noch nicht, aber andere Romane von Philip K. Dick hatte ich genauso verschlungen, wie alle anderen Formen von SF. Das wurde damals ohne Unterschied in den berühmten Groschenheften veröffentlicht und so kam man als Fan gleichermaßen mit Space Opera, Invasionsgeschichten, Dystopien und den teilweise sehr experimentellen Literaturformen der New Wave in Berührung. Wer Probleme mit dem "Orakel vom Berge" hat, sollte sich zum Vergleich mal "Report über Propabilität A" von Brian Aldiss reinziehen. Hat bei mir das Interesse für die Präraffaeliten geweckt.

      Bei Philip K. Dick kommt als Besonderheit sein subkultureller Kontext hinzu. In seinen späteren Romanen hat er sehr stark die Themen der Hippiebewegung verarbeitet, Drogen, Esoterik und Verschwörungstheorien. Beim "Orakel vom Berge" besteht ein entsprechender Bezug zu der Anfang der 60er verbreiteten Hinwendung der Beatniks zum Buddhismus. Es gab damals also immerhin einige Leute, die verstehen konnten, was Philip K. Dick da geschrieben hatte, weil sie sich mit Zen und Tao auskannten oder gar das chinesische I Ging selber praktizierten. Heute ist das vermutlich wesentlich schwieriger, weil eine vereinzelte Lisa Simpson kaum ausreicht, einen genügenden Background zu schaffen.

      Herkömmliche Science Fiction beruht auf der Annahme, dass z.B. Antischwerkraft und Überlichtflug funktionieren. Das "Orakel vom Berge" beruht auf der Annahme, dass das I Ging funktioniert. Der Punkt, mit dem SF-Fans vermutlich die meisten Schwierigkeiten haben, ist die konsequente Anwendung des Prinzips von Yin und Yang. Das eine ist stets auch im anderen enthalten. Es gibt deshalb bei den Figuren kein gut oder böse.

      "Erscheint Mr. Childan anfangs als der Sympathieträger des Buches, so wird er mit fortlaufender Handlung immer unsympathischer; erscheint Mr. Tagomi anfangs als überheblicher, starren Strukturen verhafteter Vertreter der japanischen Siegermacht, so entwickelt er sich mit fortlaufender Handlung zu einer wahrhaft tragischen Gestalt, der das volle Mitgefühl der Leser zukommt." (Nachwort von Uwe Anton)

      In unserer Realität hatte die Bevölkerung in den Teilen Deutschlands, BRD und DDR, und im neutralen Österreich die politischen und kulturellen Werte der Siegermächte übernommen. Das ist auch die Grundlage für die gespiegelte Realität im "Orakel vom Berge". Die US-Amerikaner haben sich mit den Verhältnissen arrangiert und es gibt keine Widerstandsbewegung. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu der Serie. Philip K. Dick geht es darum, wie Menschen sich unter widrigen Bedingungen Formen von Menschlichkeit bewahren. Und das geschieht durch eine extreme Anpassungsfähigkeit.

      Im "Orakel vom Berge" gibt es keinen Widerstand und auch keine Helden, die als Einzelkämpfer gegen das System rebellieren oder es auch nur versuchen würden. Selbst der Autor des Buches "Plage der Heuschrecke" hat keinerlei subversive Absichten und erweist sich als ziemlich unbedeutend. Er lebt nicht einmal in einem "Castle", sondern nur in einer einfachen Vorstadtwohnung.

      Das "Orakel vom Berge" verzichtet völlig auf die üblichen Handlungsmuster und Erfolgsrezepte der SF. Es handelt sich eben nicht um eine in eine Parallelwelt verlagerte Variante von "1984". Bei Philip K. Dick haben wir stattdessen eine Auseinandersetzung mit der Frage nach der Realität.

      Die Figuren im "Orakel vom Berge" benehmen sich oft so, als ob sie sich wie durch einen Traum bewegen. Sie verlieren den Faden und müssen sich in Erinnerung rufen, wo sie sich gerade befinden und was sie eigentlich gerade tun. Diese Atmosphäre von Unwirklichkeit hat die Serie sehr gut getroffen. Einigen Zuschauern erscheint die Handlung dadurch eventuell als zähflüssig - wie "Kaugummi".

      Alle wichtigen Figuren im "Orakel vom Berge" befragen regelmäßig das I Ging. Die Serie hat das leider auf Mr. Tagomi reduziert. Das I Ging lenkt die Handlungen aller Figuren und war letztlich auch verantwortlich für den Inhalt des Buches "Plage der Heuschrecke". Die Menschen erfahren dadurch, dass sie in einer falschen Realität leben und dass es noch eine andere, vielleicht bessere Realität gibt. Oder auch nicht. Mr. Tagomi taucht - wie in der Serie - kurz in diese andere Realität ein und empfindet sie als keineswegs besser, sondern sehr verstörend. In der Serie wird diese Sichtweise übernommen, indem gezeigt wird, dass unsere Realität wegen der Kuba-Krise knapp vor dem Atomkrieg steht.

      Im "Orakel vom Berge" stellt die Fabrik, in der Frank Frink arbeitet, nicht einfach bloß Replikate her, sondern professionelle Fälschungen, die von den Originalen nicht zu unterscheiden sind. Eine ganze Industrie lebt von dem Bedürfnis der Japaner nach "echten" Vorkriegs-Artefakten. Frank Frink ist dann jemand, der sein handwerkliches Geschick einsetzt, um erstmals wieder neue Kunstwerke zu erschaffen. Und eins dieser Schmuckstücke ist es auch, dem der Japaner Paul Kasoura Wu bescheinigt.

      Es ist ein krasser Fehler in der Serie, dass der Begriff Wu stattdessen für das Amulett von Sitting Bull, also für eine Fälschung, verwendet wird. Wu besäße im Sinne von Philip K. Dick einzig und allein das Herz-Amulett, das Frank Frink für Juliana hergestellt hat. Und nur durch das Wu verfügt dieses Amulett über die Eigenschaft, die Mr. Tagomi den Wechsel zwischen den Realitäten ermöglicht.

      Insgesamt ist die Serie jedoch wesentlich näher an Philip K. Dick als der "Blade Runner" und auch sehr gut gemacht. Sehr dankbar bin ich, dass Juliana nicht als Aikido-Kämpferin verwertet wurde, die sich durch die Reihen von SD, Kempeitai und Yakuza hindurchpflügt. Sehr gefallen hat mir der Soundtrack. Identifizieren konnte ich "Strange Fruit" von Billie Holiday, dann natürlich Sukiyaki als einzigen original-japanischen Song und japanische Versionen von "Save the Last Dance for Me" von den Drifters und "End of the World" von Skeeter Davis. Frank und Juliana sehen aus wie Gregory Peck und Ingrid Bergman. Gut ausgewählt und für 1960 sehr authentisch. Überhaupt ist die Besetzung sehr gut gelungen.

      In den 2 Kapiteln, die Philip K. Dick für eine eventuelle Fortsetzung seines Romans geschrieben hatte, verfügen die Nazis über einen Durchgang in unsere Realität und planen eine Invasion. Dadurch, dass der Putsch von Heydrich gescheitert ist, sollte sich diese Option vorerst erledigt haben. Die Gestaltung von Staffel 2 ist also prinzipiell erstmal völlig offen.

      Aber vermutlich gibt es bei den Nazis noch andere kriegslüsterne Fraktionen und der Heisenberg-Apparat wird typischerweise für eine Überlagerung der Realitäten sorgen und dadurch den Transit ermöglichen. Joe, Juliana, Mr. Tagomi, Frank und Ed werden in unsere Realität verschlagen werden und hier und in weiteren Parallelwelten dazu beitragen, die Pläne des Oberkommandos der Wehrmacht und der Kempeitai zu vereiteln. Eine derartige zweite Staffel würde sich immer weiter von Philip K. Dick entfernen, aber wenn dazu aus irgendeinem Radio dann die Musik des Crying Man läuft, dann soll es mir recht sein.

      Wu bedeutet übrigens nichts.

      Radioactive Man
    • Guter Beitrag!
      Allerdings dürfte es sich beim Heisenberg-Apperat um die dort übliche Bezeichnung für eine Atombombe handeln, da Heisenberg das Nazi-Atomprogramm geleitet hat. (Wenn die Serie "Manhattan" da keinen Mist erzählt hat. ;) )
      THEY SAY CHANGE IS GOD

      P.S.: Sollten Sie Dr. Allen sehen, erschießen Sie ihn und lösen
      Sie den Körper in Säure auf. Verbrennen Sie ihn auf keinen Fall.
    • Dass Philip K. Dick keine Space Operas geschrieben hat sondern Dystopien in guter Tradition von Aldous Huxley oder George Orwell und damit andere Autoren wie William Gibson maßgeblich beeinflusst hat, ist mir durchaus bewusst.
      Dennoch hat The Man in the High Castle im Gegensatz zu The Minority Report, Total Recall, The Golden Man oder Do Androids Dream of Electric Sheep ziemlich obstrus und ohne klare Linie.

      Wegen Heisenberg: er war der beste deutsche Physiker, der sich gegen die Emigration entschieden hat, obwohl er lange damit haderte. Er spielt eine ziemlich ambivalente Rolle, indem er das deutsche Atomprogramm leitete (und anscheinend auch verzögerte), andererseits aber die ganze Rassenideologie mit der "deutschen Physik" von Philipp Lenard als völligen Quatsch ablehnte. Der Preis dafür war, dass er nach dem Krieg keinen Fuß mehr in der internationalen Spitzenforschung fassen konnte.

      Ich habe letztes Jahr anlässlich des Erscheinen von Jerôme Ferraris Roman Das Prinzip auf WDR 3 mal eine Radiobiographie gehört, die sein ganzes Dilemma beschrieb.

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    • Die Staffel 2 gibt es ab 16. Dezember,
      mit der deutschen Synchro dann ab 13. Januar. Nachdem die Buchvorlage in der ersten Staffel bereits vollständig aufgebraucht wurde, einschließlich der beiden Kapitel, die Philip K. Dick für einen eventuellen 2. Band geschrieben hatte, muss man entweder einen neuen Autoren für eine Fortsetzung gefunden haben (ich gehe davon aus, dass es in dem Fall auch als Buch erscheinen wird) oder man greift auf andere Werke von Philip K. Dick mit dem Parallelweltthema zurück. Wer sich darauf vorbereiten möchte, sollte sich "Eye in the Sky" und "Flow My Tears" durchlesen. Die deutschen Titel sind "Und die Erde steht still" und "Eine andere Welt".

      Radioactive Man
    • Seit gestern (Freitag) gibt es die neue Staffel auch auf deutsch und die ersten zwei Folgen haben wir uns gerade angesehen. Es geht spannend weiter und man erfährt Neues zum "Man in The High Castle" ... naja, nicht wirklich viel ...

      Ich finde, es lohnt sich!

      Gruß
      Roland
    • RGH55 schrieb:

      Seit gestern (Freitag) gibt es die neue Staffel auch auf deutsch und die ersten zwei Folgen haben wir uns gerade angesehen. Es geht spannend weiter und man erfährt Neues zum "Man in The High Castle" ... naja, nicht wirklich viel ...

      Ich finde, es lohnt sich!

      Gruß
      Roland
      Naja, es wird erklärt, warum die Filme für alle Leute so wichtig sind, aber nicht, woher sie kommen.
      Aber inzwischen, wo man alle Hauptfiguren kennt, gewöhnt man sich auch endlich an die ewigen Sprünge zwischen den Handlungen.

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    • Bin nun auch endlich dazu gekommen,
      die zweite Staffel entfernt sich endgültig von der Romanvorlage ... und auch wieder nicht. Im Gegenteil. Philip K. Dick hat mal sowas gesagt, dass das Schreiben eines Buches für ihn abläuft wie Kino. Wenn er seine Figuren entworfen hat, braucht er in seinem Kopf nur zuzusehen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten und es aufzuschreiben. Ein wohltuender Unterschied zu Moffat, der Dinge ständig neudefiniert und hinbiegt, wie er es gerade braucht.

      In diesem Sinne ist die zweite Staffel die konsequente Fortsetzung der ersten Staffel. Alle Personen verhalten sich genau folgerichtig entsprechend ihrem Charakter und bringen die Handlung zu einem Ergebnis, das zu 100% Philip K. Dick entspricht. "Do Androids Dream of Electric Sheep" endet damit, dass die Frau des Polizisten eine Spinne am Leben lässt, obwohl es sich sehr wahrscheinlich nur um ein Replikat handelt. Ein Akt der Menschlichkeit in einer inhumanen Welt. In TMITHC übernimmt Juliana Crain diese Rolle.

      Mir gefallen natürlich besonders gut die sehr authentisch dargestellten Anti-Atom-Beatniks in unserer Welt und das ihnen entsprechende Äquivalent der Swing-Kid-Hippies in der Alternativwelt.

      In der ersten Staffel gab es für SF-Fans im Prinzip eine wesentlich spektakulärere Deutung für die Identität des Mannes vom Hohen Schloss. Auch im Heisenberg Device steckte sehr viel mehr Potential. Jetzt ist es letztlich nur irgendein Apparat, den die Japaner zum Bau der Atombombe brauchen. Vielleicht eine Zentrifuge zur Urananreicherung.

      Die Kuba-Krise und ihr Pendant sind überstanden. Die persönlichen Schicksale sind ebenfalls zu einem geeigneten Abschluss gekommen. Man hätte die Serie als absolutes Highlight der SF so belassen sollen. Stattdessen wird es eine dritte Staffel geben.

      Ich war skeptisch vor der ersten Staffel und bin dann positiv überrascht worden. Ich war skeptisch vor der zweiten Staffel und bin dann positiv überrascht worden. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass sich das beliebig fortsetzen lässt.

      Radioactive Man
    • @Thorsten Volker Junkie,
      letztes Jahr wurde das Heisenberg Device noch für eine Wasserstoffbombe gehalten. In der Serie werden die Begriffe Heisenberg-Apparat und Atombombe parallel verwendet, ohne je festzulegen, ob es dasselbe sein soll. Ich halte mich daher an eine Minimal-Definition, dass dieses Heisenberg-Dingsbums in Staffel 2 zum Bau der Atombombe gebraucht wird. Als Teil oder als Ganzes ist mir egal.

      Radioactive Man
    • Da, Philip K. Dick hat auch mal behauptet, dass die Nazis ursprünglich tatsächlich den Krieg gewonnen hätten und dass Gott dann erkannt hätte, dass das ein Fehler war und deshalb ein Reset durchgeführt hätte. Die Menschen hätten nichts davon gemerkt, nur wenige wüssten überhaupt davon, und einer von ihne ist er...
      Naja, auf jeden Fall ist wunderschön zu sehen, dass in dieser düsteren grauen Welt niemand wirklich gut oder wirklich böse ist. Der Widerstand greift zu Methoden von denen, die er bekämpft, während Kido und Smith sich anscheinend einig sind, dass die Welt nur mit dem Atompatt zu retten ist und deshalb am selben Strang ziehen, während in der Nazizentrale schon mit den Säbeln gerasselt wird. Oder ist Smith am Ende sogar ein Verräter, der seine Skrupelosigkeit verwendet, um sich im Nazi-Apparat vorzuarbeiten? Immerhin versucht er, die Euthanasie seines Sohnes zu verhindern und will ebenso die Zerstörung Savannahs nicht zulassen - also doch kein so strammer und gehorsamer Parteisoldat.
      Und im Mittelpunkt Juliana Crane, die in allen möglichen Universen die einzige ist, die immer gleich handelt.
      Und dann wären da noch der Handelsminister und sein Adjutant, die anscheinend zwischen den Welten reisen können. Während letzter seine Familie in Nagasaki verloren hat und sich in einer besseren Welt wähnt, macht ersterer in der "bunten" Parallelwelt ganz andere Erfahrungen.

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    • Um das ganze hier mal Anzustossen ;) denn ich finde die Diskussion sehr Interessant.

      Das was mir fehlt oder besser, nicht Rübergebracht wird, ist die Totale Hoffnungslosigkeit die ich jedesmal wenn ich den Roman las Gefühlt habe.
    • Hab die beiden Staffeln nun auch schon zwei Mal gesehen und bin begeistert. Großartige Serie! Ich hoffe, das wird sich in der nächsten Staffel fortsetzen lassen...

      Besonders gelungen finde ich die Liebe zum Detail bei der Gestaltung der Alternativwelt. Netter Verfremdungseffekt, wenn das Nazi-Grauen in eine spießige US-Vorstadtreihenhaussiedlung verlegt wird. :D