23x01 - Das Urteil - Der rätselhafte Planet (The Trial Of A Timelord - The Mysterious Planet)

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    Zu oft hat sich der sechste Doctor eingemischt – und damit gegen das Erste Gesetz der Timelords verstoßen. Ein Prozess ist die Folge, und der mysteriöse Valeyard als Vertreter der Anklage tut sein Möglichstes, um eine Verurteilung zu erreichen. Beweisstück A: Das zu risikofreudige Verhalten des Doctors auf dem seltsam erdähnlichen Planeten Ravolox, das das ganze Universum in Gefahr gebracht hat. Das Argument des Angeklagten, wonach er vielmehr die Rettung gewesen wäre, wird so nicht akzeptiert, der Doctor muss erkennen, dass es in dieser Verhandlung um sein Leben geht. Und wo ist Peri?

    Nach 18 Monaten Abwesenheit kehrte der Doctor Herbst 1986 auf den britischen Bildschirmen zurück. Statt 13 45-Minuten Episoden gabe es jetzt nur 13 25-Minuten Episoden. Die Sendung blieb jedoch "auf Bewährung", was sich in der Handlung der 14-teilige, Staffel-langen Folge The Trial of a Time Lord wiederspiegelte.


    Der erste Teil, aus der Vergangenheit des Doctors, wurde von Robert Holmes geschrieben und wurde das letzte Drehbuch, das er für Doctor Who schrieb.


    Die ersten vier Episoden, denen hinterher der Titel "The Mysterious Planet" gegeben wurde, wurden Samstag abends zwischen dem 6. und 27. September, 1986, ausgestrahlt. 4,9 Mio. Zuschauer schalteten die ersten zwei Teilen ein, 3,9 und 3,7 die nächsten zwei.


    Sonst zu dieser Zeit: Dennis Tutu wird zum ersten schwarzen Bischof in Südafrika. Nummer Eins in Deutschland waren MC Miker G & Deejay Sven mit dem Holiday Rap; für die Briten gab es The Communards mit Don't Leave Me This Way.

  • Absolut nicht das, was ich mir erwartet habe. Aber sehr spaßig. :)


    Die Geschehnisse auf dem Planeten Ravalox, der tatsächlich die mysteriöserweise um Lichtjahre verschobene Erde ist, haben eine ganz nette Grundidee: Vor 500 Jahren wurde der Planet durch einen solaren Feuerball verwüstet. Nur wenige Menschen haben überlebt, und zwar im - leicht umgerüstete - U-Bahnnetz von London. Kontrolliert wird das alles von einem herrlich trashigen Roboter, dessen Programmierung strikt darauf bedacht ist, niemanden an die Oberfläche zu lassen, damit alles seine schöne Ordnung hat. Aber natürlich haben es einige doch geschafft und verbringen als "Tribe of the Free" ein mittelalterliches Leben auf der Oberfläche. Verehren dabei einen "Black Light Converter" (was immer das auch ist) als Totem und halten den Roboter für den "Immortal". Über die frühere Erdgeschichte ist wenig übrig geblieben, nur "Moby Dick", "The Water Babies" und ein Handuch über Fauna und Flora in England vermitteln den geknechteten unterirdischen Menschlingen noch ein wenig fragwürdiges Wissen.


    Aus diesem Setting wird allerdings nix dramatisches oder ernsthaftes gemacht. Ganz im Gegenteil betreibt die Folge Trashcomedy pur und gefällt sich darin, die ganzen Gastcharaktere auf die Schaufel zu nehmen. Katryca, die Königin der Wilden, liefert eine herrlich überzogene Darbietung ab, selbst ihr Tod durch Mr. Roboter ist noch witzig. Und den fand ich allein schon vom Design her genial: Fast schon süß mit den netten kleinen Greifzangenhändchen und einem Riesenkopf, der mich etwas an einen modernen Bürostuhl erinnert. :P Und er gibt ja so herrlichen Unsinn von sich. Vor allem am Ende, als er schrecklich beleidigt wird, als ihm der Doctor einreden will, dass "Organics" mehr wert sein sollen als Roboter. Das betrübt den armen Metallkerl so, dass er schmollend beschließt, dass das ganze Universum mit ihm draufgehen soll. :)


    Aber wo der Doctor mit seinen hehren Worten versagt, setzt sich Schlitzohr und Paradegauner Mr. Gibss durch. Dieser absolut sympathische und egoistische Schurke kann den armen kleinen Blechheini glatt weismachen, dass er ihm in seinem Raumschiff mit schwarzem Licht füttern wird. Sein etwas schwerfälliger Kompanion Dibber steigt da nicht immer gleich mit. ("We have black light on board? *Erleuchtung* "Of course! We have lots of it." :D )


    Alles, was sich so auf Ravalox (also unserer Erde) abspielt, ist durchgehend witzig. Das Schurkenpaar Gibbs/Dibber ist einfach großartig, obwohl sie durch und durch fiese Kerle sind, muss man sie einfach mögen. Auch das ständig streitende Gehilfenpaar (Tandroll/Hunker), der völlige Naivling und "Bücherwurm" Balazar sowie der noble Retter Merdeen haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.


    Mein Highlight (neben Katrycas "Be silent, fat one" und Balazars "People get very excited at these stonings.")


    Gibbs: "Don´t I look like a philantropist?"
    Dibber: "I don´t know, I´ve never seen one. What´s a philantropist?"
    Gibbs: "A guy who gives away things out of the goodness of his heart."
    Dibber: "Oh, you mean, he´s stupid. Then you do look like one."


    Auch den Doctor selbst fand ich hier lang nicht mehr so unerträglich wie in den bisherigen Folgen. Das bösartige Gezänk mit Peri ist verschwunden, teilweise verhält er sich sogar schon - fast - recht sensibel ihr gegenüber. ("Nothing can be eternal, Peri.")


    Ich würde der Folge ja wegen des hohen Spaßfaktors fast ein "Super" geben. Aber - und es ist ein großes - Aber: Die Folge heißt "Trial of a Timelord". Schon den Titel fand ich immer gut, man stellt sich ein großes emotionales Epos mit vielen geistreichen, interessanten Diskussionen über Moral, Mut und Regeln und deren Sinnhaftigkeit vor. Dieser Eindruck kam genau in der ersten halben Minute rüber, als die TARDIS in einer optisch äußerst ansprechenden Kamerafahrt, untermalt von guter dramatisch-düsterer Musik, in das Raumschiff der Timelords geholt wird.


    Dann aber fällt diese Verhandlung völlig auseinander. Wie der Doctor selbst richtig sagt. "This is not a trial, this is a farce." Der Ankläger weiß nix besseres als eine Geschichte vorzustellen, in der der Doctor das ganze UNIVERSUM rettet?!? Puh, ein brutales Verbrechen. ;) Der Valeyard und die Richterin sind zwar gut gespielt, aber die Rahmenhandlung wirkt einfach künstlich draufgepappt, ohne dass es irgend einen Sinn ergibt. Und das wird auch nicht dadurch besser gemacht, indem die Richterin dauernd fragt. "What´s the point of this evidence.?" Abgesehen davon sieht auch der Gerichtssaal selbst extrem billig aus, bei einem staffelübergreifenden Set hätte schon etwas mehr drin sein sollen.


    Bin mal gespannt, ob die Verhandlung selbst noch besser wird, hier hat´s jedenfalls überhaupt nicht funktioniert. Trotzdem hat mich die eigentliche Handlung wunderbar unterhalten. Ergibt also ein "Gut". Und das ist für eine Colin Baker-Geschichte überraschend positiv. ;)

    "It's more than that! I'm not that man, Klein. The man you want me to be. You can say what you like, even re-write my past, but it doesn't change who I am. If I can save them, I will. I'm the Doctor. That's what I do."


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    2 Mal editiert, zuletzt von michael_who ()

  • Obwohl diese eigentlich nicht so gut ist wie die folgende Geschichte ist, der ich ein glattes GUT gebe, habe ich wg. Bob Holmes herrlichem Dialog und insbesondere Dibber & Glitz dennoch mit GUT gestimmt.
    Wenn ich Doctor Who schaue, will ich in erster Linie unterhalten werden und das wurde ich, trotz des bereits erwähnten billigen Gerichtssaals.



    PS:
    @michael
    Deine Artikel sind immer so ausführlich, das bringt wohl der Beruf so mit sich.
    Da kann man oft nichts weiter sagen als "AOL!!!"


    "One has no wish to be devoured by some alien monstrosity, Kalik. Even in the cause of political progress." Orum --> Kalik in 'Carnival Of Monsters'

  • Jaja, eine leidige Berufskrankheit von uns blöden Juristen, ich weiß. :P


    Und auf die Gefahr hin, mich zu blamieren: "AOL"? :?:

    "It's more than that! I'm not that man, Klein. The man you want me to be. You can say what you like, even re-write my past, but it doesn't change who I am. If I can save them, I will. I'm the Doctor. That's what I do."


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  • Für die große Rückkehr nach 18-monatiger Abwesenheit taugt die erste Szene von The Trial of a Time Lord allemal. Hier wird ein klares Zeichen gesetzt: Das hier ist keine billige Lachnummer mehr, dieses Mal meinen wir es ernst!


    Für die große Rückkehr nach 18-monatiger Abwesenheit taugt das erste Teil von The Trial of a Time Lord überhaupt nicht. Hier wird es dem Zuschauer schnell klar: Witziges Dialog können wir nach wie vor, beeindruckende, packende Abenteuer genauso wenig. Das „Abenteuer“, das man „The Mysterious Planet“ nennt, ist uninteressant, flach und langweilig. Dazu leidet die Produktion unter dem gleichen Problem wie fast alle der 80er Jahren: Alles wird viel zu hell beleuchtet. Dadurch wirkt jede Kulisse künstlich und billig.


    Es gibt zwar positiven Aspekten: die entspannter Beziehung zwischen dem Doctor und Peri, der man endlich abkaufen kann, dass sie gerne mit ihm unterwegs ist, zum Beispiel. Oder Glitz und Dibber, ein klassisches Robert Holmes Double-Act dessen Szenen ausnahmslos ein Genuss sind. Doch die Handlung selber scheitert kläglich: Weder die unterirdischen Forscher noch die Freiluft-Primitiven können einen Hauch von Sympathie beim Zuschauer erzeugen, während die „Mysterie“ kein großes Neugier weckt – und sowieso nicht gelöst wird! Dadurch lässt sich einfach keine Spannung aufkommen. Die gelöschte Wörte von Glitz, sowie die Natür seiner gesuchte Beute, würden heutzutage als „Story-Arc“ gelten, aber damals waren sie einfach nervig – und wurden erst neun Wochen später aufgelöst, nachdem sie völlig in Vergessenheit geraten waren.


    Die Prozess-Szenen dienen am Anfang einen sehr nutzvollen Zweck, in dem sie genau die Fragen stellen, die den Zuschauern auch einfallen würden: „Wie können wir Szenen verfolgen, in denen der Doctor gar nicht dabei ist?“, zum Beispiel, oder „Was ist der Relevanz dieser Szenen?“ Aber wenn wir zu Unterbrechungen wie „Müssen wir diesen belanglosen Geschehnissen wirklich weiter verfolgen?“ kommen, dann ist die Grenze zum selbstzerstörerischen überschritten worden. Die Konfrontationen zwischen dem Doctor und dem Valeyard sind stark gespielt, rauben allerdings dem „Abenteuer“ seinen Schwung.

  • --> bezieht sich auf Mysterious Planet und Season 23 generell


    Die Eröffnungssequenz ist wirklich phantastisch. Ich habe erst gedacht das wäre eine erweiterte CGI-Szene, was aber nicht der Fall ist.
    Die Musik ist schlichtweg grandios. Auf der DVD ist das Theme noch in 5.1 (und länger) einzeln bei den Specials auswählbar.


    Das diese Sequenz die damals für Who-Verhältnisse astronomische Summe von 5.000 Pfund gekostet hat sieht man.


    "Trial"-Folgen werden in vielen Serien oft als Sparepisoden eingesetzt, wo man dann eine Clip-Show aus älteren Episoden hat.
    Solche Folgen hab ich noch nie gemocht.


    Der Rahmen des Trials bei Doctor Who dürfte dementsprechend auch für günstigere Produktionskosten gesorgt haben.
    Zwar wurden hier extra die Storys produziert - aber man spart doch deutlich, da oft zur "Verhandlung" übergeblendet wird.


    Das Konzept des "Trials" bei Doctor Who wirkt über 14 Episoden stark ermüdent und überflüssig -
    man hätte besser reguläre oder die eigentlich geplanten Storys für Season 23 umsetzen sollen.


    Da ziehe ich persönlich die "Key to Time"- Season 16 mit Tom Baker vor.


    Eric Saward kaufe ich auch nicht so ganz die Aussage ab: die Serie steht unter Trial - also machen wir einen Trial-Storyarc.
    Ein gekapptes Budget dürfte da eher das Hauptmotiv gewesen sein (siehe oben Sparepisoden).


    Mysterious Planet hat mir nicht ganz so gut gefallen, wie die 2 darauffolgenden Storys.


    Gewöhnungsbedürftig erstmal das ab hier auch Aussenaufnahmen auf Video gedreht wurden
    (wenn man wie ich alle Folgen in Originalreihenfolge ab Story #1 geschaut hat/noch schaut).


    Bei Mindwarp & Terror of the Vervoids fällt es ja nicht so auf.


    Colin Baker sieht man leider die lange Pause an. Der hat nämlich seit Season 22 ordentlich ein paar Kilo zugelegt.


    Sehr positiv fand ich Brian Blessed. Dachte die ganze Zeit: der sieht aus wie der eine aus Flash Gordon.
    Und war er dann tatsächlich. Auch Tony Selby ist klasse.


    Mysterious Planet ist ein solider Einstieg in in die Trial Season - bei mir auf Platz 3 nach Mindwarp.
    Terror of the Vervoids ist mein Favourit aus Season 23. Trotz Fitness-Wahn & Scream-Queen Bonnie Langford... *ohrenzuhalt* :P


    Schlusslicht leider das von Pip und Jane Baker in wenigen Tagen zusammengeschusterte Finale.


    :D quater

  • Habe mit "durchschnittlich" abgestimmt. Die Sache mit der Rahmenhandlung stört. Man guckt sich in die Story rein, und plötzlich - cut - wird man dran erinnert, ist bloß eine Rückblende. Colin Baker sagt, wenn ich mich recht erinnere, im Making-of auch, dass das dramaturgisch nicht der gedachte große Kunstgriff war, im Nachhinein betrachtet. Positiv machen sich die energische Tante aus den "Carry On"-Filmen (Joan Sims) und die beiden gewissenlosen Strolche Glitz und Dibber als Gaststars bemerkbar. Der Roboter war originell designed, der Kopf ließ ihn gefährlich aussehen, nicht dieses typische Eimerding. Peri und der Doktor reden freundlicher miteinander als in der vorigen Season. Nun ja, es ist nicht schlecht, aber um eine Wiederbelebung der Show in Gang zu bringen, haben der 8. und 9. Doktor bessere Karten auf die Hand bekommen.

  • Hab am Wochenende die gesamte Box bekommen.


    Zur ersten DVD.


    Dieser Roboter war einfach schräg, typisch 80er.


    Aber die Unterbrechungen der Geschichte zwischendurch passen. Da sieht man mal, dass sich die Autoren beim Mangel von Effekten mehr Gedanken um die Story machen musste.


    Insgesamt eine solide und schöne Folge.

  • Gibbs: "Don´t I look like a philantropist?"
    Dibber: "I don´t know, I´ve never seen one. What´s a philantropist?"
    Gibbs: "A guy who gives away things out of the goodness of his heart."
    Dibber: "Oh, you mean, he´s stupid. Then you do look like one."


    Ja, eines der vielen wundervollen Zitate der Folge (erinnert mich an die zwei Söldner aus der Cybermen Folge... die waren ähnlich drauf :D), aber ich habe Ewigkeiten gebraucht um drauf zu kommen WEN du überhaupt meinst.


    Immerhin heisst der gute Mann Sabalom Glitz, während Gibbs zB bei Fluch der Karibik eine bekannte Rolle hatte oder bei NCIS federführend spielt...


    Beim Rest der Folge (besonders den nervigen "Gerichtssaal-Szenen") schliesse ich mich dem Tenor des Threads einfach an. An und für sich vielleicht eine ganz brauchbare bzw ansehnliche DW Folge, aber durch die Einbettung in die vollkommen sinnfreie Rahmenhandlung leider unter dem Durchschnitt gelandet.

  • Wenn sich die Wege des Doctors mit denen seiner eigenen Leuten kreuzen, dann bedeutet das oft genug nichts Gutes für den Doctor: Mal soll er für sie eine Drecksarbeit erledigen, weil sie sich zu fein sind, gegen die eigenen Regeln zu verstoßen. Oder sie veranstalten ein Tribunal gegen ihn, weil er gegen ihre Regeln verstößt. Oder sie wollen ihn ganz einfach so töten, weil es ihnen jetzt gerade gut in den Kram passt. Und wenn es wirklich ganz schlimm kommt, wird er zum Präsidenten von Gallifrey. Hier kommt es wieder mal zu einem Prozess...


    Die Anklage lautet, dass er gegen das erste Gesetz der Timelords verstoßen hat, und das wieder und wieder. Zur Beweisführung wird vom Valeyard eine Geschichte aufgerollt, die sich auf dem Planeten Ravolox abspielt. Da hat der Doctor doch tatsächlich die Dreistigkeit besessen und das Universum gerettet (Michael_Who hat dies bereits erwähnt.) Dass ohne den Doctor das Universum mit einiger Sicherheit hopps gegangen wäre und sich der Valeyard dann sein schönes Timelordgesetz sonstwohin hätten stecken können, wenn es denn noch das Gesetz oder den Valeyard gegeben hätte, vom Sonstwohin mal ganz zu schweigen... Also... Jetzt bin ich gerade steckengeblieben... Was ich sagen möchte ist, dass dies ein absurder Vorwurf ist, und dass der Valeyard schon ein ziemlicher Papiertiger sein muss, wenn ihm das nicht sofort einleuchtet.


    So läuft dann auch diese Verhandlung ab: Der Valeyard keift den Doctor an, der Doctor (hier von seiner schlimmsten Seite) keift zurück, die Richterin (unter dem ganzen Makeup hätte ich sie beinahe nicht erkannt: Lynda Bellingham, Helen Nummer 2 aus All Creatures...) fragt, was das ganze eigentlich soll.


    Dieser ganze Prozes ist also ein ziemlicher Unfug. Nun gibt es im Booklet zur DVD den Hinweis, dass man dies alles auch auf einer Metaebene verstehen kann. Doctor Who als solches stand auf dem Prüfstand, und die Macher haben diese Ungewissheit in dieser Prozessidee zum Ausdruck gebracht. Nun, Meta hin oder her, darum muss man doch noch lange nicht so einen Unfug zusammenschreiben. Und so ein Prozess gibt ja grundsätzlich für eine Geschichte einen schönen Rahmen ab. Vorbilder sind ja genug da in der Filmgeschichte, Zeugin der Anklage zum Beispiel, oder Hokus Pokus, ein herrlich absurder Film aus den 50igern mit Curt Goetz. Hier wurde wirklich eine Gelegenheit vertan.


    Immerhin hat der ganze Prozessteil durchaus einen praktischen Nutzen: Man kann während dieser Szenen zum Kühlschrank gehen und muss nicht vorher den DVD-Player auf Pause stellen. Und ansonsten konzentriert man sich auf den schönen Teil, der nämlich wirklich sehr anständigen Geschichte auf Ravalox. Und da haben die Macher eben nicht viel anbrennen lassen.


    Es gibt viele Endzeitszenarien, aber witzige Endzeitszenarien sind eine wahre Seltenheit. Und hier bekommt man mal eins geboten. Wie es bei Holmes so oft ist, wird hier mit Gegensätzen gearbeitet. Da ist zum einen der unterirdische Teil der Bevölkerung, der unter der Knute eines megalomanischen Roboter steht. Der sorgt zwar für ihr Überleben, aber gleichzeitig bleiben sie eben auch völlig unmündig. Mich hat der Roboter übrigens eher an den Minotauros erinnert.


    Und auf der Oberfläche leben dann die, die diesem Protektorat entfliehen konnten. Sie leben unter denkbar primitiven Bedingungen, aber immerhin sind sie frei. Und so nennen sie sich denn auch: The Tribe of the Free.


    Beiden Seiten hatten ihre wunderbaren Momente. Was die Unterirdischen angeht, so fand ich es einfach wundervoll, wie Balazar aufzählt, was von der ganzen menschlichen Literatur übriggeblieben ist. Und es ist ein sehr effektiver Kniff, weil mir als Zuschauerin und als Kind meiner Kultur natürlich sofort auffällt, was alles nicht überlebt hat: Homer, Shakespeare, Walter Moers, Robert Gernhardt... Und da geht es mir dann genau wie Peri am Anfang, als sie das U-Bahn-Schild findet. Ich bin da schon sehr untröstlich.


    Der Stamm, und ganz besonders die Anführerin Katryca, überzeugten mich mit ihrer Mischung aus Aberglauben, Bauernschläue, gesundem Menschenverstand, Intelligenz und Blutrünstigkeit: Als Glizz bei Katryca vorspricht und sagt, dass das Totem unbedingt enthüllt werden muss, dann informiert Katryca in ihrer liebenswürdigen Art Glizz:


    Solche Sternfahrer wie er sind schon öfter dagewesen, immer wollten sie an das Totem ran, immer hatten sie Waffen dabei gehabt , ihre Gründe sind stets anders. Und außerdem mögen die Götter Sternfahrer nicht, und sie, Katryca, mag die auch nicht. Und darum wird Glizz am Abend öffentlich verbrannt. Und sie freut sich schon mächtig drauf. Gegen Ende fiel Katryca einfach sehr ab. Ich fand es sehr schade, dass diese offenbar gewitzte Person wie eine Barbarin auf Koks in die U-Bahn stürmt, einfach nur um zu plündern.


    Glizz macht zwar Spaß, aber so richtig konsistent ist er nicht. Zuerst wird er eingeführt als ein Verbrecher, der seine psychischen Probleme löst, indem er seine Psychiater umbringt. Und am Ende ist er einfach nur ein Schlitzohr. Es macht aber insoweit nichts aus, weil er sehr witzig gespielt wurde von Tony Selby, und er wunderbare Dialoge hatte. Aber Robert Holmes konnte das schon mal besser.


    Während der Ravalox-Geschichte konnte ich den sechsten Doctor auch von seiner besten Seite erleben. zunächst einmal haben er und Peri ein wirklich warmes und freundschaftliches Verhältnis. Es ist schön, wie er sie tröstet, als sie erkennt, dass die Menschheit wie sie kennt, nicht mehr existiert. Der Doctor aus Twin Dillemma hätte sie einfach nur angeschnauzt: "Stell dich nicht so an!"


    Und der schöne Spaziergang durch den verregneten Wald, das macht alles einen innigen und nahe Eindruck. Und doch er hier ganz der sechste Doctor wie man ihn kennt und liebt: Als Peri vorschlägt, schnell wieder vom Planeten zu verschwinden sagt er: "You're absolutely right. We must find out what's going on here" Und es ist eben auch typisch sechster Doctor; wenn er kompromisslos versucht, die Unterirdischen zu retten und jeden Einwand schlicht ignoriert. Die Sorge und Fürsorge für Peri drückte der Doctor übrigens in der einzigen interessanten Frage im Prozessgeschehen aus: Wo steckt Peri eigentlich?


    Und all das kann auch darüber hinwegströsten, dass diese Geschichte definitiv ihre Schwächen hat und am Ende etwas zusammenfällt. Die Auflösung ist für mich etwas hektisch: Das Totem wird gesprengt (ja haben die beim Stamm denn nicht aufgepasst?), was eine Art Weltuntergang auslöst. Der Roboter will alle mit über die Klinge springen lassen, und wenn das ganze Universum draufgeht, ist ihm das auch egal. Dies wird verhindert, indem man den Roboter einfach vorher umbringt. Und alles mit viel Hin- und Hergerenne - es ist eben Doctor Who.


    Ein Teil der Auflösung hat mir aber dennoch sehr gut gefallen: Als der Roboter getötet wird, wird auch gleichzeitig sein Wissen (das er vorher Dibber und Glizz verkauft hat) vernichtet. Das ist nun wahrscheinlich das geistige Erbe der Menschheit gewesen. Und das ist nun weg. Die Leute auf Ravalox werden also wirklich ganz und gar neu und von vorne anfangen müssen und stellen auch selbst etwas Neues dar. Und natürlich drücke ich Balazar die Daumen, dass er vielleicht irgendwann mal tatsächlich kanadische Wildgänse sieht. Der wird dann aber Augen machen...


    Wie bei Holmes üblich, ist die ganze Folge ein Zitatenschatz. Mein Lieblingszitat stammt von Dibber: "We've got so much (black light) sometimes, we can hardly see."


    Wie soll man das ganze jetzt bewerten: Die Ravalox-Geschichte läuft trotz ihrer Schwächen für mich auf ein Gut raus. Der Prozess zieht das Ganze natürlcih runter. Aber während der Prozessteile war ich ja immer beim Kühlschrank, also hat mir das nichts ausgemacht. Also gebe ich hier gerne und mit Überzeugung ein Gut.

  • Oder sie wollen ihn ganz einfach so töten, weil es ihnen jetzt gerade gut in den Kram passt.


    Jetzt blamiere ich mich wahrscheinlich ... aber in welcher Folge wollen sie ihn denn töten?


    Was ich sagen möchte ist, dass dies ein absurder Vorwurf ist, und dass der Valeyard schon ein ziemlicher Papiertiger sein muss, wenn ihm das nicht sofort einleuchtet.


    Wer weiß, was die wahren Motive des Valeyards sind...


    Ich! :)


    Lynda Bellingham, Helen Nummer 2 aus All Creatures...)


    Ich bin froh, dass ich sie damals noch nicht kannte, ansonsten hätte ich wohl dauernd darauf gewartet, dass sie plötzlich sagt: "So, ich muss jetzt vertagen und nach Hause, mein geliebter James braucht sein Nachtmahl." :)


    Ich fand es sehr schade, dass diese offenbar gewitzte Person wie eine Barbarin auf Koks in die U-Bahn stürmt, einfach nur um zu plündern.


    Ich fand das sehr witzig, sie sah aus wie eine etwas ... ältere (und fülligere) Xena auf Drogen. :)


    Und doch er hier ganz der sechste Doctor wie man ihn kennt und liebt:


    Einigen wir uns auf "Wie man ihn kennt". 8)

    "It's more than that! I'm not that man, Klein. The man you want me to be. You can say what you like, even re-write my past, but it doesn't change who I am. If I can save them, I will. I'm the Doctor. That's what I do."


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  • Jetzt blamiere ich mich wahrscheinlich ... aber in welcher Folge wollen sie ihn denn töten?


    The Five Doctors - da wollen sie ihn determinieren.


    Wer weiß, was die wahren Motive des Valeyards sind...


    Ich weiß es ja auch bald...


    Ich bin froh, dass ich sie damals noch nicht kannte, ansonsten hätte ich wohl dauernd darauf gewartet, dass sie plötzlich sagt: "So, ich muss jetzt vertagen und nach Hause, mein geliebter James braucht sein Nachtmahl."


    So wie die Verhandlung bisher läuft, könnte sie kaum eine bessere Idee haben.


    Ich fand das sehr witzig, sie sah aus wie eine etwas ... ältere (und fülligere) Xena auf Drogen.


    Witzig war es auch, wie dieses keulenschwingende Weib mit "Vorwärts"-Gebrüll losstürmt. Aber leider war es auch ganz schön dämlich. Sie hätte doch ahnen können, dass der eine Roboter nicht DER Roboter sein kann. Oder einer ihrer Mitstreiter hätte es ihr sagen können. Was ich dabei einfach schade finde: Katryca machte vorher keinen dummen Eindruck. Gewiss, sie war abergläubisch und betete einen Metallpfosten an. Aber sie schien doch einen gesunden Menschenverstand gehabt zu haben. Und dann auf einmal das... Beim Xena-Vergleich stelle ich mir dann gleich vor, wie Katryca im Xena-Outfit aussehen würde. Och nee...


    Einigen wir uns auf "Wie man ihn kennt".


    Also, bisher mag ich ihn. Andere mag ich lieber, aber ich mag ihn.


    Edt: The Five Doctor ist natürlich Quatsch. Ans Leben wollten die Timelords dem Doctor in Arc of Infinity.

  • Eine wirklich sehr schöne Folge, die von mir ein starkes GUT bekommen hat.


    Sehr schöen Eröffnungs-Szene, die einen auf eine "epische" Folge einstimmte, doch diese Erwartung wurde nicht erfüllt, es wurde vielmehr sehr amüsant.


    Eine Ansammlung von Charakteren, die eigentlich Karrikaturen sind, aber dennoch "lebendig" und "glaubwürdig" rüberkommen - das ist schon eine besondere Kunst. Die Dialoge von Glizz und seinem Begleiter waren göttlich, Katryca nicht so "primitiv" wie man zunächst vermutete (so ganz nebenbei: Liebe Inazea, vielen Dank für das Bild, das du mir in den Kopf gesetzt hast, Katryca im Xena-Outfit :pinch: , alos wirklich ...) und der Roboter herrlich trashig.


    Die Folge hat auch viele schöne selbstironische Momente, zb wenn Peri meint, der Planet sehe aus wie die Erde im Winter (okay, ist ja letztendlich die Erde, aber wenn man bedenkt, wie viele Planeten im Laufe der Serie aussahen wie die Erde ...) oder ihr Einwand, dass die Korridore alle gleich aussehen.


    Der sechste Doctor selber gefällt mir immer besser, seine ironische Art bei der verhandlung machte mir großen Spaß


    Oh, zum "Verbrechen", dass ihm hier zur last gelegt wird: Gut, er hat durch sein Handeln zwr vermutlich das Leben, da Universum und den ganzen Rest gerettet - aber ohne sein Eingreifen wäre es wohl gar nicht zu dieser Zuspitzung der Ereignisse gekommen. Er betreibt eigentlich nur Schadensbegrenzung seiner eigenen Taten. Und was Valeyard ihm vorwirft ist, dass er den aufgezeichneten Ereignisablauf verändert, und das kann man ja schon nachvollziehen

  • Der Dank geht diesmal an die falsche Adresse: Ich schrieb lediglich etwas über "Barbarin auf Koks". Michael_who hat Xena ins Spiel gebracht. :)


    Edit: Ich habe noch mal nachgelesen, ich habe tatsächlich die Sache mit dem Xena-Outfit gebracht. Tut mir leid, dass ich dir das Wochenende "versüßt" habe. :)


    Und was den Valeyard angeht und die Timelords,


  • oder ihr Einwand, dass die Korridore alle gleich aussehen.


    Das sagt sie in jeder Folge. :)

    "It's more than that! I'm not that man, Klein. The man you want me to be. You can say what you like, even re-write my past, but it doesn't change who I am. If I can save them, I will. I'm the Doctor. That's what I do."


    5thdoc2nddoc8thdoc11thdoc9thdoc4thdoc10thdoc1stdoc6thdoc3rddoc7thdoc

  • Das ist also Colin Baker in Farbe und vor allem in bunt! Ich kannte seinen Doctor bisher nur durch die Hörspiele und jetzt habe ich dann mind. eine Geschichte von jedem Doctor gesehen.


    Aber das nur nebenbei:


    zu "The Mysterious Planet": Nette Grundidee aber letztendlich doch sehr sehr durchwachsene Episode. Die Rahmung mit der Gerichtsverhandlung fand ich zwar ganz interessant, aber insgesamt doch irgendwie kontraproduktiv und gerade die Kommentare des Doctors entlarven teilweise, dass die Geschichte um die "Feuerball-Erde" eigentlich ziemlich langweilig und vorhersehbar ist. Ich denke, dass jedem Zuschauer ziemlich schnell klar sein sollte was genau der Punkt der in der Gerichtsverhandlung gezeigten Geschichte ist und es ziemlich unnötig ist (wie der Doctor mehrmals selbst sagt), dass man die ganze Geschichte chronologisch gezeigt bekommt.


    Der Aufbau dieses Vierteilers erinnert mich eher an den Aufbau einer Clipshow (wie z.B. bei Stargate o.a. Serien) nur mit dem Unterschied, dass man dem Zuschauer eben keine Clips vorsetzt und deshalb bei Adam und Eva anfangen muss, da der Zuschauer die Ereignisse eben nicht kennt. Aber für die Aussage von "The Mysterious Planet" hätte man sich auch auf jede andere Doctor Who Episode beziehen können.


    Lächerlich fand ich auch die Platzierung der Cliffhanger: Mal davon ab, dass die Mini-Cliffhanger einfach dazu gehören, aber wären die Cliffhanger in der Gerichtsverhandlung, also dem aktuellen Geschehen, besser aufgehoben gewesen?


    Naja, irgendwie fand ich es zwar zu Beginn ganz unterhaltsam aber insgesamt doch unterdurchschnittlich. Aber ich kenne auch nicht die Colin Baker Abenteuer die davor spielen. Vielleicht würde ich diese Episode ansonsten besser bewerten.


    Ich hoffe auf Besserung bei der Fortsetzung der Gerichtsverhandlung. :thumbsup:

  • Ich hoffe auf Besserung bei der Fortsetzung der Gerichtsverhandlung. :thumbsup:


    Die Hoffnung stirbt zuletzt. :D

    "We eat Gods for breakfast!" - Egon Spengler - Ghostbusters, the Video-Game


    "People shouldn't be afraid of their government. Governments should be afraid of their people."
    — Alan Moore (V for Vendetta)

  • Zunächst was Positives: ich hab mit Schlimmerem gerechnet. ;)


    "Trial of a Time Lord" hat ja einen gewissen Ruf, und daher lag die Box, die ich mir aus Gründen des Komplettismus mal gekauft hatte, auch sehr lange unangetastet in meiner DVD-Schublade.

    Hier wird es dem Zuschauer schnell klar: Witziges Dialog können wir nach wie vor, beeindruckende, packende Abenteuer genauso wenig. Das „Abenteuer“, das man „The Mysterious Planet“ nennt, ist uninteressant, flach und langweilig. Dazu leidet die Produktion unter dem gleichen Problem wie fast alle der 80er Jahren: Alles wird viel zu hell beleuchtet. Dadurch wirkt jede Kulisse künstlich und billig.

    Das fasst es eigentlich perfekt zusammen. Die Story ist komplett für die Füsse, und die Gerichtsverhandlungs-Rahmenhandlung bisher auch; letzteres rechne ich der Folge aber nicht negativ an, da kann ja noch was kommen. Aber es sind die kleinen Elemente, die die Folge dann doch erstaunlich unterhaltsam werden lassen: die Halunken, der "Tribe of the Free", der Roboter, die dämlichen Assistenten des Roboters, die Dialoge... All das führte für mich zu einem ziemlich kurzweiligen Fernsehvergnügen, das noch dadurch gesteigert wurde, dass das Ganze so trashig ist, dass es schon wieder gut ist.


    Kein grosser Wurf, aber solide Unterhaltung. Daher 7 Punkte und ein "gut".