Neues vom Sensenmann

  • Mein Ehegatte musste leider von mir lernen, dass es mitnichten "Im Namen der Rose" heißt.
    Bedauerlicherweise eine sehr verbreitete Verfälschung des Titels, auf die ich außerordentlich allergisch reagiere. Schmerzvoll für alle Beteiligten. ;)

    Ich dachte, der Titel des Buches sei spätestens seit dem sehr guten Film mit Sean Connery jedem bekannt gewesen.


    Ich muss mich aber anschließen: Umberto Eco war einer der wenigen zeitgenössischen Schriftsteller, der Bücher schreiben konnte, die anspruchvolle "Schullektüre" und unterhaltsame Belletristik zugleich waren. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit Ken Follett.

  • Ich muss mich aber anschließen: Umberto Eco war einer der wenigen zeitgenössischen Schriftsteller, der Bücher schreiben konnte, die anspruchvolle "Schullektüre" und unterhaltsame Belletristik zugleich waren. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit Ken Follett.

    Ich bin eigentlich auf gewisse Weise ganz froh, dass wir Eco nicht im Deutschunterricht gelesen haben. Schullektüre im Deutschunterricht hatte bei mir eigentlich meist nur den Effekt, mir den Spaß an dem jeweiligen Buch zu vermiesen (und das, obwohl wir zT. sehr gute Deutschlehrer hatten.) Dass ich den Namen der Rose erst später für mich selbst entdeckt habe, war gewissermaßen für mich ein Glücksfall, denn sonst hätte ich das Buch bestimmt nie ganz gelesen. Allein über die anstrengenderen Passagen (wie z.B. die ganzen endlosen Listen und Aufzählungen, auf die Eco so versessen war) wäre ich bei einer Schullektüre nie weg gekommen.

  • Ich persönlich glaube auch nicht, dass sich Ecos Romane als Schullektüre eignen. Allenfalls in einem sehr leistungsstarken Deutschkurs der Oberstufe könnte ich mir es vorstellen - allerdings widerspricht dem die Tatsache, dass Eco kein deutschsprachiger Autor ist.

  • Jetzt wird es traurig: Peter Lustig ist gestorben. Einer der Helden meiner Kindheit - und sicher nicht nur meiner. Ich denke, der Mann im Bauwagen hat Generationen von Kindern sozialisiert.
    Und jetzt heißt es: abschalten. Leider für immer.

  • Ich hab's auch gerade erst erfahren. Macht mich echt traurig. Da geht ein ganz großes Stück Kindheit.
    Wir hatten damals auch Hörspielkassetten, die von Peter Lustig produziert worden waren: Käpt'n Kux & Co. Eine ziemlich alberne Kinder-Sciencefiction-Serie, aber wir standen total drauf (wahrscheinlich weil sie so albern war.)
    Wichtiger Teil der Besatzung des Raumschiffs (und heute noch in unserer Familie ein Begriff) war: Yrx Ywwel, das Intergalaktische Meerschwein, genannt Der Muff. Riecht Strahlung, spricht Weltraum-Esperanto und steht auf Bismarkheringe.


    ...irgendwie auch nur leicht alberner als so manches Monster-of-the week. ;) :D

  • Es gibt so viele Dinge worüber man über Löwenzahn erzählen könnte, aber Löwenzahn ist und bleibt wirklich gutes Kinderfernsehen. Vielleicht wissen das manche nicht, aber ursprünglich hieß die Sendung Pusteblume, die auch von Peter Lustig moderiert wurde. Und Mittendrin, ein Ableger, wurde ebenfalls von ihm geführt.

  • Tja, wieder einer ... :( wo soll das dieses Jahr noch hinführen?


    Er hat bei uns immer Eltern und Kinder vor den Bildschirm gelockt. Außerdem gabs Löwenzahn-Computerspiele, die wie seine Sendung kindgerecht auf Augenhöhe und spaßig waren.


    Jetzt singen wir ihm zu Ehren alle im Geiste seinen Gummi-Song: Gummi Gummi Gummi Gummi Gummi ist fantastisch ...

    "Grundgütiger! Ein weiblicher Doctor! Was für Zeiten das doch sind!" (Barnabas Collins)

  • Danke, 'Solus' für den Link! Ein sehr guter Artikel, der endlich mal klar stellt, was es mit diesem unschönen Gerücht auf sich hat.


    Ich hatte schon immer eher die Vermutung, dass sich Peter Lustigs angebliche Aussage, dass er Kinder nicht mag, eher auf Fernsehdreharbeiten bezieht. Die sind mit Kindern zusammen wirklich anstrengend, idR für beide Seiten, für die Kinder wie für die Erwachsenen. Dass er das nicht gerne gemacht hat, habe ich ihm nie verdenken können.


    Zitat

    Außerdem beschrieb er, dass er es nicht mochte, mit Kindern zu drehen, mit ihnen am Set von Löwenzahn zu arbeiten. Weil er fand, die Zwänge einer Filmproduktion, das ewige Warten, das dauernde Wiederholen der immer gleichen Sätze für die Kamera seien nichts für Kinder. Kinder seien spontan, beim Fernsehdreh würde ihnen geradezu Gewalt angetan. In dem Protokoll stand unter anderem der Satz: "Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer."


    Eine andere Bemerkung von Peter Lustig über Kinder (auf der sich das Gerücht mit aufgebaut hat), war ironisch gemeint, und kam, wie so oft, geschrieben nicht mehr so rüber. Lest dazu ruhig mal den ganzen Artikel, er ist nicht sehr lang, und ich finde, er ist wirklich empfehlenswert.



    In der Hinsicht "Ironie" ist in dem Artikel eine Lehre enthalten, die nicht nur Journalisten, sondern eigentlich alle für sich mitnehmen können - zumindest alle, die im Internet (in Foren, Diskussionsgruppen etc.) schon mal mit ironisch gemeinten Bemerkungen so richtig angeeckt sind... und das sind wir doch alle schon mal, jeder von uns hat diese Erfahrung bestimmt schon das ein oder andere mal gemacht:


    Zitat

    Jeder Journalist lernt irgendwann, dass geschriebene Ironie nicht funktioniert. Wir brauchen den Tonfall, den Gesichtsausdruck, um ironische Bemerkungen richtig interpretieren zu können. Die Worte genügen im Zweifel nicht.

    So offensichtlich und selbstverständlich das eigentlich klingt, aber wenn man gerade selber am Schreiben ist, ist einem das in den meisten Fällen nicht klar - bis es zu spät ist.

  • Ich denke mal, die Wenigsten werden mit diesem Namen etwas anfangen können, aber ich verbinde mit ihm mehr meine Kindheit als mit Peter Lustig. Am Freitag verstarb Stefan Lisewski, Brechtdarsteller und (natürlich) Darsteller in Kult-Kinderserien der DDR (Spuk unterm Riesenrad usw.)

  • Ich denke mal, die Wenigsten werden mit diesem Namen etwas anfangen können, aber ich verbinde mit ihm mehr meine Kindheit als mit Peter Lustig.

    In diesem Fall merkt man einmal mehr, wie sehr es manchmal immer noch darauf ankommt, in welchem Teil der Republik man aufgewachsen ist. Mir sagte der Name in der Tat nichts. Aber diese Grenzen verschwimmen mit der Bim-Bam-Bino-Generation ja zum Glück zunehmends (wobei ich jetzt nicht auf die Qualität des Kinderfernsehens ansprechen möchte). Ich kann es nicht beurteilen, aber wenn er in der DDR für die Kinder einen ähnlichen Stellenwert hatte wie im Westen Peter Lustig, dann ist die Erwähnung hier durchaus angebracht.

  • Peter Lustig war ohne jede Frage eine Klasse für sich und ich bin mit ihm und "Abschalten" (mein Vater sagte das immer "Peter Lustig hat abschalten geagt") aufgewachsen. Genauso wie mit der Sesamstraße. Ich bin noch die Generation die vor 9 am Fernseher beim gemeinsamen(!) Vormittagsprogramm von ARD und ZDF hing und auf das Standbild mit Samson und Tiffy und der Sprechblase "Wir kommen gleich" guckte. Aber "Spuk unterm Riesenrad" ist für mich persönlich eben wirklich mit meiner Kindheit verbunden. 40 Meter von unserem Wohnhaus gab es ein Kino in das ich jedes(!) Wochenede in die Kindermatinee für 25 Pfennig ging. Und dort habe ich neben unzähligen DEFA-Märchenfilmen, Asterix und sonstigen Kinderfilmen eben immer auch die Kinofassung von SuR gesehen. Sonnabends Teil1, Sonntags Teil 2.