11x04 - Spinnefeind (Arachnids in the UK)

  • Das sind aber eher humorige Anspielungen, keine direkte Kritik an Trump, die, so sehr sie verdient ist, eben in dieser Episode versucht wurde mit der Holzhammer-Methode einzubringen. Und dann war es noch nicht einmal Kritik an Trumps Politik oder ähnlichen, es war einfach eine Kritik an seinem Auftreten und nicht nur gibt es diese Art der Kritik an ihm zu genüge, es gibt sie auch besser.

  • Das sind aber eher humorige Anspielungen, keine direkte Kritik an Trump, die, so sehr sie verdient ist, eben in dieser Episode versucht wurde mit der Holzhammer-Methode einzubringen. Und dann war es noch nicht einmal Kritik an Trumps Politik oder ähnlichen, es war einfach eine Kritik an seinem Auftreten und nicht nur gibt es diese Art der Kritik an ihm zu genüge, es gibt sie auch besser.

    Also ich behaupte mal, dass die Anspielungen in Staffel 10 deutlich direktere Kritik an Trump sind.


    Arachnids hat zwei deutliche Brüche zur Trumpkritk eingebaucht:


    Erstens: auch Trumps politische Gegner (unser Pseudo-Trump) sind mitunter megalomanische Witzfiguren.


    Zweitens: der Pseudotrump ist im Endeffekt/ Finale so etwas wie der Held der Epsiode, als er die Riesenspinne killt. Die Aussage von 13 vorher, dass sie jämmerlich verenden müsste, ist sicher kein Versehen des Drehbuchs. Und lädt seinen Gnadenschuss ja wohl objektiv betrachtet eindeutig mit zumindest Ambivalenz auf. Das offene Ende danach ist auch ein klares Statement des Skripts. (Der Vibe erinnert mir irgendwie deutlich an den großartigen Computerspiel-Klassiker Shadow of the Colossus, wo man auch riesige Wesen, die die letzten ihrer Art sind, umbringen muss, und wo sie dann zu melancholischer Musik in Zeitlupe fallen.)


    Der Witz ist ja die Zirkelargumentation der Leute, die sich an der Pseudo-Trump-Sache aufhängen: Es sei unmöglich, dass Pseudo-Trump am Ende absichtlich ambivalent gezeichnet worden wäre, denn das Skript sei für solche "Feinheiten" zu schlecht. Und das wird daran festgemach, dass das Skript ja deshalb so schlecht sei, weil Trump so eine eindimensionale Karikatur wäre.


    Ändert natürlich nichts daran, dass die Folge bei euch durchgefallen ist. Ich finde sie okay, aber auch nicht wirklich top.

  • Frau Doctor ist in Wirklichkeit die Böse, jetzt macht die Staffel plötzlich Sinn!

    P.S.: Sollten Sie Dr. Allen sehen, erschießen Sie ihn und lösen

    Sie den Körper in Säure auf. Verbrennen Sie ihn auf keinen Fall.

  • Frau Doctor ist in Wirklichkeit die Böse, jetzt macht die Staffel plötzlich Sinn!

    Also Ambivalenz in der Zeichnung des Doctors gab es wohl in nuWho durchgehen.


    Von 9 als "good Dalek", über 10 als "Time Lord Victorious" oder wie er im Davros-Monolog dargestellt wird, 11 z.B. als er die alte Amy in "The Girl Who Waited" zurücklässt und 12 sowieso. Als Beispiel nur: "I am not a good man!".


    Chibnall muss echt kein Genie sein um dieses Serien-Element beizubehalten.


    "Böse" habe ich natürlich nicht gesagt.

  • Erneut, die Kritik an Trump in dieser Folge wird dadurch geliefert, dass wir einen Pseudo-Trump vorgesetzt bekommen, der sich genauso verhält wie eben dieser und das macht ihn zum Arschloch. Es wird an keiner Stelle über seine wirkliche politischen Positionen gesprochen und wie er sich eigentlich von Trump unterscheidet. Nichts, wirklich gar nichts, ist daran in irgendeiner Art und Weise gelungene Gesellschaftskritik oder auch nur Kritik an Trump selbst. Eine Trump-Kritik auf diesem Level zu bringen ist das einfachste was man machen kann, darin besteht keine Kunst. Nur weil man Noths Charakter einen Character-Arc durchlaufen lässt, der dazu führt, dass man eine menschlichere Seite an ihm sieht und er am Ende die humanere Lösung hat, die aber auch eher auf seiner eigenen Arschigkeit basiert als auf einer echten humanen Ader, macht ihn nicht wirklich drei dimensional oder sympathisch. Im Endeffekt schießt man sich damit ja auch in den Fuß, weil die Trump Allagorie dann ja besagt, dass er gar nicht schlecht bzw. böse sein kann. Und entweder wollte man das, was für mich der klinische Tod der Folge wäre, denn Trump is nichts weiter als ein Monster, oder Chibnall hat mal wieder bewiesen, dass kein großartiger Autor ist. Er kann solide Geschichten schreiben, aber zumeist verwendet er einfach nur Bausteine, die jeder ansatzweise vernünftige Autor weiß wie man sie benutzt. Und genau das hat er hier getan. Basic Character-Arc, basic Trump-Kritik, basic moralisches Dilemma, alles ist einfach nur "basic".

  • Natürlich ist die Pseudo-Trump-Karikatur simpel gestrickt. Aber simple Karikaturen gab es unter Moffat oder RTD genauso.


    Nun sagen aber einige: "Diese Karikatur hier ist zu holzhammerartig, weil die Kritik nicht holzhammerartig genug ist." Diese Argumentation finde ich schwach.


    Für manche mag das Dissonanz sein. Ich finde aber, dass man jenen, die sagen, dass es stattdessen dadurch in der Schwebe bleibt, nicht ernsthaft widersprechen kann.


    Ich persönlich bin skeptisch, wenn Leute nach klarem Gut-Böse-Schema schreien und sich das auf dem Silbertablett serviert wünschen. Mir ist das zu einfach.


    Die Kritik an dieser Folge lautet halt oft: "Das ist alles so einfach präsentiert, deshalb finde ich es schlecht, dass die Auflösung nicht einfach ist."


    Meine fiese Interpretation dieser Kritik wäre: "Ich will spätestens am Ende mein erwartetes Gut-Böse-Schema wieder hergestellt haben, weil wenn das nicht passiert, fühle ich mich danach unwohl." Mir persönlich hat der Doctor immer am besten gefallen, wenn er eben nicht der klare (Super-)Held war.

  • Bis zur Mitte der Episode war ich zuversichtlich, dies würde die erste in dieser Staffel werden, für die ich reinen Gewissens mit "gut" abstimmen könnte. Es fing so subtil an, lediglich ein paar Spinnweben in der Ecke hin und wieder deuteten (neben dem Titel) an, dass etwas Gruseliges auf uns zukommt. Die menschliche Seite hatte Zeit, sich zu entwickeln und war recht witzig; die Doktorin nach Hause mitzunehmen und den Eltern vorzustellen, hat gewiß seine Tücken. Lediglich der klischeehafte Hotelmanager, der sicherlich jede Woche drei Mal "Sie sind gefeuert" sagt, bevor es Dienstag ist, war ein bißchen deplatziert, hätte in eine satirischere Story gehört, wie weiter oben schon jemand feststellte. Doch in der zweiten Hälfte wurde es dann immer schlimmer, wild wuselten Spinnen in allen Größen und Farben durch die Gegend, um für Action zu sorgen, Trump wurde im Dialog tatsächlich namentlich genannt, falls das doofe Publikum die (schlechten) Anspielungen nicht verstehen sollte, und die Lösung mit dem Einsperren im Panic Room wurde an dieser Stelle schon genug kritisiert. So kann ich für die Abstimmung leider wieder nicht zu den oberen Noten greifen, werde aber tapfer weitergucken...