Beiträge von Mario

    Was eher ablenkt ist, dass manchmal Waititi mit Akzent spricht, manchmal nicht. Es gibt ein oder zwei Szenen, in denen Rockwell ebenfalls mit Akzent spricht, aber zumeist spricht er normal Englisch. Die Jungschauspieler sprechen die ganze Zeit ohne Akzent und die einzige, die durchgängig mit deutschem Akzent spricht ist Scarlett Johanson. Aber es gibt so ein paar Witze, die würden im Deutschen glaube ich nicht funktionieren.

    Ich reaktiviere den Thread hier mal.


    Habe gestern Jojo Rabbit gesehen und muss sagen: Tatsächlich der beste Film von 2019 für mich (muss aber noch 1917 und Parasite gucken und habe The Lighthouse leider verpasst). Taika Waitit hat wirklich großartige Arbeit geleistet, sowohl als Regiesseur und Autor sowie als Adolf Hitler. Die Ballance zwischen Humor und Drama war genau richtig getroffen, sein Hitler war, da er ein imaginärer Freund eines Zehnjährigen ist, natürlich überzeichnet, aber er wurde nicht wirklich positiv dargestellt - naja, nicht durchgängig. Dies ist auch wichtig für den Verlauf des Filmes und der Charakterentwicklung von Jojo selbst, der anfangs noch ein ziemlich fantaisches Mitglied der Hiterjugend ist und durch seine Freundschaft mit Elsa die Nazi-Ideologe lernt abzulegen und von dieser am Ende komplett lossagt. Anfangs sind er und "sein" Hitler noch im Synch, aber über den Verlauf des Filmes entfernen sie sich immer weiter von einander.


    Die Message von Toleranz ist im Film auch sehr gut umgesetzt und nicht mit dem Holzhammer forciert, sondern etwas, was sich natürlich entwickelt. Natürlich kommt man nicht drum herum, dass es in einem Film, der im Zweiten Weltkrieg, den erhobenen Zeigefinger gibt, der sagt "Nazis sind böse" und "der Krieg ist etwas schlechtes". Die Szenen selbst sind aber nie zu übertrieben und passen in die Atmosphäre des Filmes. Zumeist sind es die Szenen mit Scarlett Johnasson, die als Jojos Mutter brilliert. Die hat hier wirklich die Oscar-Nominierung verdient gehabt.


    Eigentlich waren alle Darsteller großartig, allen voran Roman Griffin Davis (Jojo) und Thomasin McKenzie (Elsa), die den Film wirklich getragen haben. Beide sind definitiv vielversprechende Jungschauspieler, Roman wird man wohl in den nächsten Jahren noch weiterhin in der Rolle von Kindern und dann irgendwann Jugendlichen zu sehen bekommen. Ebenfalls hervorzuheben sind für mich Stephen Merchant als Gestapo Agent Deertz, der eine eindeutige Homage an Major Arnold Toht aus Raiders of the Lost Ark ist, und natürlich Sam Rockwell, als ziemlich eindeutig schwuler und von den Nazis desillusionierter Captain Klenzendorf. Von Rockwell erwarte ich eigentlich schon keine schlechte Performance mehr.


    Die hatte ich eigentlich von Rebel Wilson erwartet, was aber nicht kam. Wilson hat nur etwa zwei Minuten Screen Time und schafft es tatsächlich lustig zu sein. Das Geheimnis: Keine Witze, die sich darauf beziehen, dass sie übergewichtig ist! Wer hätte gedacht, dass die Dame tatsächlich witzig sein kann, wenn man sie nicht als "hi hi, die Frau ist dick, das ist witzig"-Stereotypen schreibt?


    Der Film ist also nur zu empfehlen - wenn möglich sollte man ihn sich glaube ich auch im Original anschauen. Und es gibt eine Szene, ich verrate nicht welche, bei der ich beinahe heulen musste und mir ein Kloss ihm Hals stecken blieb. Die Szene habe ich immer noch vor Augen.


    FAZIT: 10/10 Punkten.

    Und wo ist eigentlich die Tardis? Die blaue Box spielte mal eine echte Rolle? Egal. Da kann man auch Star Trek ohne die Enterprise drehen, funktioniert sicher auch super...

    Gab bereits genügend Folgen, auch bereits in Classic Who, in denen wir die TARDIS nicht gesehen haben.


    Abgesehen davon, stimme ich dir zwar fast komplett zu, aber die eigene, persönliche Meinung ist wenig ausschlaggebend, wenn man eruieren will, warum der AI derzeit so niedrig ist. Klar kann man es sich einfach machen und sagen "alle denken so wie ich und finden die Serie scheiße", aber dann wäre der AI ja noch niedriger. Und wie Pascal es ja schon sagte: Die Fans machen einen absolut kleinen Anteil von den Leuten aus, die irgendwie an der Entstehung des AIs beteiligt sind, das britische Fandom hat also so gut wie gar keinen Einfluss darauf. Von daher ist es auch schwer irgendwie von der Meinung von Fans auf die der Allgemeinheit zu schließen, besonders von der Meinung der nicht-britische Fans hier im Forum. Es gab genügend Folgen, die hier schlecht angekommen sind und im UK einen guten AI bekommen haben.

    Ach Politik, unter RTD lief in jeder Folge ein Nebencharakter durchs Bild und hat "Huhu, ich bin schwul." geschrien. Dazu dann erst eine Schwarze, und danach Donna als "starker" "Frauen"Charakter. Hat alles dem Erfolg nicht geschadet und hat irgendwelche politischen Strömungen auch nicht interessiert.

    Zum einem ist das nicht ganz korrekt, zum anderen hat sich die Gesellschaft in den letzten zehn Jahren, seit RTD den Posten als Showrunner abgab, deutlich polarisiert. Außerdem habe ich auch geschrieben, dass Chibnall eben nicht genügend Rückhalt in der Allgemeinheit hat, einschließlich denen, die seiner linken Politik eher zustimmen würden, um den eigentlich eher geringen Einfluss, den er eher kleine Anteil von rechten Zuschauer haben sollte, auszugleichen. Und ich denken, den Grund dafür benennst du hier auch:

    Doctor Who wird zur Zeit als eine Fernsehserie wahrgenommen. Das ist in der heutigen Medien-Immersions-Kultur zu wenig.

    Genau das ist es, denke ich zumindest. Chibnall schafft es nicht, die Allgemeinheit zu begeistern, wohl auch weil er nicht weiß wie. Ob dies weiterhin überhaupt zu dem gleichen Grad möglich ist wie bei RTD und anfangs unter Moffat, bleibt abzuwarten, aber mit Chibnall wird die Frage ewig offen bleiben, weil er eben kein besonders guter Autor, geschweigedenn Showrunner ist.

    Beim AI haben wir es weder mit Fans, noch mit Anti-Frauen-Doktor Versessenen zu tun. Die Haushalte repräsentieren einen Querschnitt der Gesellschaft, da sind sie alle vertreten. Die woken, die Rassisten, die Intellektuellen, die Arbeiter, die posh people, die Pro-Brexit, die Anti-Brexit Brigade, usw. Alle Bias kommen vor, sind ja sogar bewusst gefordert.

    Um negativ auf Jodi Whittaker als Doctor zu reagieren, muss man kein Fan sein. Da denke ich, liegt ein großer Denkfehler, wenn man meint, die einzigen, die so richtig negativ bewerten, wären Fans, die einfach anti-Jodi sind. Gerade da ein Querschnitt aus fast sämtlichen Milieus der Fernsehzuschauer durch den AI abgebildet werden soll, sollte klar sein, dass es genügend Leute geben wird, die der Serie aufgrund ihrer derzeit offenen politischen Haltung, die die Serie in die gerade gesellschaftspolitische linke Ecke stellt, negativ bewerten. Dazu müssen sie nicht Fans sein.


    Dieses Milieu macht natürlich nur einen kleinen Anteil an Zuschauern aus und auch an den Leuten, die befragt werden, um den AI zu ermitteln. Daher ist ihr Einfluss auf diesen auch relativ gering. Aber wenn ich mich recht entsinne, ging diese spezielle Diskussion hier damit los, dass Pascal davon überrascht war, dass es "nur" einen AI von 80 und nicht 81 oder 82 gab. Das sind ein oder zwei Punkte Unterschied, da fällt so ein ansonsten eher verschwindent geringer Faktor wesentlich mehr ins Gewicht.


    Das weitaus größere Problem von Chibnalls Ära ist aber, und das sollte damit offensichtlich werden, dass er es nicht schafft, den Rest der Gesellschaft so anzusprechen, dass dieser kleine Anteil an Zuschauern nicht nur kaum sondern wirklich gar keinen Einfluss auf den AI mehr hat. Er schafft es weder "die Mitte" wirklich anzusprechen noch das politisch eher linke Lager, was ja anscheinend sein Hauptanliegen ist, wenn man sich mal die politische Message seiner Ära bisher ansieht. Je weniger Rückhalt er in diesen Zuschauermillieus hat, desto mehr Einfluss auf den Erfolg seiner Serie hat das reaktionäre Lager, gegen dass er sich mit der Serie ja offen stellt. Und wenn man verstehen will, warum er es nicht schafft, diese anderen Gruppen, gerade die, die er ja wirklich ansprechen möchte, zu erreichen, verweise ich gerne mal auf meine Reaktion zum Casting von Jodi und warum ich dagegen war:


    Chibnall macht Alibi-Politik. Er geht nicht auf die unterliegenden, strukturellen und systematischen Probleme ein, die all die Probleme, mit der er in der Serie versucht aufmerksam zu machen, hervorrufen oder verschlimmern. Er geht einfach nicht in die Tiefe und bleibt eigentlich immer zu oberflächlich. Whitakers Casting selbst ist da bereits symptomatisch. Wurde sie gecastet, weil er irgendwelche Geschichten erzählen wollte, die nur mit einer Frau als Doctor funktionieren können? Bisher jedenfalls nicht. Sie ist einfach nur da, weil er "woke" erscheinen wollte. Und solange er an dieser Alibipolitik festhängt, schreckt er nicht nur die reaktionäre Rechte ab, sondern auch große Teile der Linken, die bei so etwas inzwischen auch einfach nur noch die Augen verdrehen.


    Und um dann mal weg von der Politik zu kommen, hat er mit einem Problem zu kämpfen, dass Moffat bereits hatte: Die allgemeine Bevölkerung scheint von der Serie langsam genug zu haben. Seit Staffel 7 sinkt der AI. Will heißen, die Serie trifft nicht mehr wirklich den Zeitgeist. Wobei auch hier gefragt werden sollte, ob dies überhaupt noch möglich ist. Doctor Who will nämlich eine Familienserie sein, die alle anspricht. In einer Zeit, in der der Unterhaltungsmarkt so zersplittert ist und sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen kann, weiß ich nicht, ob so ein Vorsatz noch zeitgemäß ist. Vielleicht ist er das ja, dann muss man nur einen Showrunner finden, der es schafft, diesen allgemeinen Zeitgeist wieder zu treffen und der AI dürfte wieder steigen. Oder es ist nicht mehr möglich, dann müsste die BBC und die Serienproduzenten die Hoffnung aufgeben, alle ansprechen zu können, und die Serie weg vom Konzept der allgemeinen Familienserie zu bewegen, sowohl inhaltlich, aber noch viel wichtiger im Marketing.

    Aber da werden so viele Faktoren mit reinspielen, dass man immer nur mühsame Diskussionen führen wird, wenn man es wegen einem Faktor festmachen will.

    Genau darum geht es mir ja. Der Versuch einen einzigen Grund zu finden, ist witzlos, da es diesen einen Grund nicht gibt. Aber genauso dämlich ist es, Faktoren, so marginal sie auch seien mögen, einfach von vornherein auszuschließen, weil sie einem selbst nicht zu sagen, warum auch immer.

    Die Wahrheit ist wahrscheinlich, dass es mehrere Gründe gibt. Ich denke, sowohl Pascal als auch dr.olds recht haben. Die AIs werden definitiv dadurch gedrückt, dass es drum herum eben wesentlich bessere Sendungen gibt, dass aber selbst Folgen, die im allgemeinen gut anzukommen scheinen, es kaum schaffen, über die 80er Grenze zu kommen, wird auch mit daran liegen, dass es Leute gibt, die einfach weil sie anti-Jodi sind, eine schlechte Wertung abgeben oder zumindest eine schlechtere als wenn die Folge mit einem der vorherigen Doctoren gewesen wäre. Und so zu tun, als ob dem nicht so wäre und dass es eben keinerlei sexistisch-motivierte Opposition zu Whittaker als Doctor gäbe, ist lächerlich und als eigentlich intelligter Erwachsener nach einer eindeutigen Antwort zu suchen, als ob es so einfach schwarz und weiß wäre, ist fast schon peinlich.

    Wir wollen aber trotzdem festhalten, dass Sozialismus sehr schlecht ist.

    Gehört eigentlich eher in einen eigenen Thread im Politik-Forum, aber: Sozialismus ist nicht schlecht an sich. Sozialismus ist, neben Liberalismus und Konservatismus, eine der drei großen politischen Ideologien und hat, genauso wie die anderen beiden, verschiedene Ausprägungen, die vom extremen bis ins moderate hereinreichen. Sozialdemokratie ist ebenfalls nichts weiter als eine sozialistische Ideologie und der neoliberal geprägte "dritte Weg" in der Sozialdemokratie, wie er hierzulande seit den 90ern von der SPD vertreten wird oder zumindest lange vertreten wurde, ist eigentlich schon so verwässert und "moderat", dass man ihn kaum noch als sozialistisch ansehen kann. Einfach nur zu sagen "Sozialismus ist sehr schlecht" ist daher zu oberflächlich und entweder ignorant und naiv, weil man es eben nicht besser weiß, oder gewollt irreführend, weil man es eben doch besser weiß. Der einzige Grund, es besser zu wissen und trotzdem "Sozialismus" immer nur gleich zu stellen mit dem "Realsozialismus" (wie es die DDR nannte) bzw. "Kommunismus" (und hier könnte ich jetzt auch Absätze darüber schreiben, dass Kommunismus, genauso wie Sozialdemokratie, noch einmal mehrere Strömungen in sich zusammenfasst, und warum das, was leider häufig als Kommunismus bezeichnet wird, also der Stalinismus, eigentlich gar nichts mit den ursprünglichen Ideen von Marx und Engels gemein hat), wäre der, dass man selber Anhänger einer extremeren Interpretation der anderen beiden großen Ideologiebewegungen ist und daher den Sozialismus von sich aus bereits aus der Diskussion ausschließen will - was zumeist eher aus der Ecke der Liberalen als der Konservativen kommt, zumindest meiner eigenen Erfahrung nach.

    Star Trek


    Star Trek: Discovery ist keine Netflix Serie und Star Trek: Picard keine Amazon Serie. Die werden von diesen Platformen nur international vermarket, sind aber beides immer noch CBS Serie, die im Online Format CBS All Access in den USA laufen und dort als Zugpferd der Platform dienen sollen. Bei Picard scheint dies zu funktionieren, bei Discovery eher weniger.

    Sicherlich. Für drei, vier Jahre. Denn die meisten Serien bei Netflix z.B. gehen selten länger als das. Das liegt daran, dass Schauspieler danach teurer werden (das umgeht Netflix z.B. dadurch, dass sie oft zwei Staffeln als eine lange Staffel drehen) und das neue Serien oft den Anreiz für neue Abonnenten bringen. Und das ist das Nr 1 Ziel von Netflix. Neue Abonnenten. Daher schaffen sie lieber viele neue Serien, die nur wenig Staffeln gehen als eine langlebige Serie.

    Stimmt schon, nur wären bei Doctor Who die Schauspieler ja weniger das Problem. Die werden eh alle paar Jahre ausgetauscht.

    OK, verstanden :-) War auch eher auf die "Jetzt ist zum Glück eh bald Schluss mit der Serie"-Kommentare hier im Forum bezogen ...

    Die werden weitergehen und dann heißt es jetzt halt, dass nach Staffel 13 Schluss sein wird. ;) Kenne ich inzwischen von Star Trek zu genüge. "Picard wird scheitern! Das will eh keiner sehen!" und bricht dann Rekorde für CBS All Access. "Discovery hat so schlechte Quoten, nach Staffel 3 ist Schluss!" Auf einmal gibt es Gerüchte, dass die Serie um eine vierte und fünfte Staffel verlängert werden soll. "Paramount will Star Trek verkaufen!" Die Nachricht bingen die gleichen Leute seit Jahren, ist aber bisher nicht passiert. Daher sollte man diese Schwarzseher eh erst einmal ignorieren, weil sie eh das Ende ihres Franchises vorhersehen solange es nicht in die Richtung geht, die sie selbst wollen. Und das hat erst einmal gar nichts damit zu tun, ob ich jetzt persönlich die Richtung der Serie gut oder schlecht finde (es ist letzteres), aber so etwas sollte man unabhängig vom eigenen Geschmack versuchen zu beurteilen.

    Torian Der Film soll eindeutig eher melancholisch werden und kein spaßiger Bond wie wir es von Roger Moore Zeiten kennen, Von daher passt Billie Eilish Song sehr gut. Außerdem finde ich es verdammt herablassend, sie als Göre zu bezeichnen. :thumbdown:

    Der Titelsong ist draußen. Gesungen von Billie Eilish - und auch von ihr geschrieben, zusammen mit ihrem Bruder Finneas, wie eigentlich alle ihre Songs. Der Song ist ein wenig anders als der typische Bond-Song, aber mir gefällt es. Und nachdem, was wir aus den Trailern wissen, glaube ich, passt die Atmosphäre des Songs.

    Wieso sollte heute "die Messlatte höher" hängen als damals? Und was erwartet man denn "mehr"? Ich finde die Messlatte absolut in Ordnung.

    Die Messlatte liegt heute aber höher. Auch weil es eben nicht mehr nur drei oder vier Sender gibt, sondern hunderte und dazu noch mehrere Streamingdienste und dann noch independent content auf Seiten wie YouTube. Der Unterhaltungsmarkt ist inzwischen so groß, dass, wenn man herausstechen möchte, man mehr machen muss als einfach nur unterhaltbarer sein als die anderen Serien, die zur gleichen Zeit laufen.


    Und gerade das Aufkommen von Home Video, die Fähigkeit nachzuholen, was man verpasst hat, hat ja dazu geführt, dass Storylines nicht nach einer Episode abgeschlossen werden müssen, sondern über Wochen hinweg erzählt werden konnten. Das kulminiert dann in Streamingserien, die im Endeffekt eine große Geschichte innerhalb mehrerer Episoden erzählen, die aber so konstruiert sind, dass man sie sich am Stück angucken sollte.


    In anderen Worten: Das Story-Telling ist komplexer geworden als noch vor dreißig, geschweige denn vierzig Jahren. Zumindest teilweise. Es gibt noch viele Serien, wie eben auch Doctor Who, die immer noch dieses alte "eine Geschichte pro Woche" Format verfolgen. Interessanterweise schadet gerade das Doctor Who, weil die Serie früher eine Geschichte über mehrere Wochen hinweg erzählt hat und sich daher mehr Zeit für das Storytelling lassen konnte.


    Wobei man auch hier sagen muss: Es muss nicht schlecht sein, wenn viel innerhalb kurzer Zeit passiert. Die Umsetzung ist wichtig - und da versagen leider einige, einschließlich Chibnall.

    als sich an Kontinuität und Kanon zu halten

    Das sind aber auch Dinge, die nur Fans interessieren.

    Als ob es in der Vergangenheit der Serie nicht interessante Frauenfiguren gegeben hätte wie Romana, die dem Doktor ja intellektuell überlegen war, nur noch etwas grün hinter den Ohren. Warum nicht die Rückkehr einer nicht ganz so nervigen Rani als Gegenspielerin?

    Das war ja auch immer eines meiner Argumente dagegen, den Doctor in eine Frau zu verwandeln. Wenn man diesen Schritt macht, muss es dafür einen Grund geben, der über das symbolische hinausgeht, sich also auf die erzählten Geschichten auswirkt. Nur hätte man jede Geschichte, in der es um Unterdrückung usw. geht auch über den Companion erzählen müssen. Besonders wenn man bedenkt, dass der Companion eigentlich die Figur sein soll, über die wir als Zuschauer die Geschichten verfolgen und nicht der Doctor, wäre das sogar besser gewesen. Nun haben wir aber einen weiblichen Doctor, ich finde es immer noch dämlich, was mich aber inzwischen noch mehr aufregt als dieses faule "guckt mal wie progressiv wir sind"-Getue durch das Casting, ist, dass die Umsetzung einfach schlecht ist - und daran ist einfach Chibnall schuld. Der Typ ist einfach ein schlechter Doctor Who Autor und, wenn man Gerüchten von hinter den Kulissen Glauben schenken will, ein inkompetenter Showrunner.


    Was ich aber nicht ganz stehen lassen will, ist die Idee, dass Romana intelligenter sein soll als der Doctor. Diese Annahme basiert komplett darauf, dass sie den besseren Abschluss geschafft hat. Da würde ich aber mal dagegen halten: Na und? Nicht jeder schneidet bei standardiserten Tests gut ab. Der Doctor ist jemand, der außerhalb von gewohnten Normen, seien sie nun menschliche oder gallifreyanische, denkt und handelt. Da ist eigentlich schon vorprogrammiert, dass er bei standardisierten Tests schlechter abschneidet als jemand wie Romana, die besonders in ihrer ersten Inkarnation noch sehr stark in eben diesen vorgebenen Bahnen denkt bzw. gedacht hat.

    Ich habe Game of THrones noch nciht gesehen, aber das scheint auch da wieder genau das Problem zu sein.

    Das Problem bei Game of Thrones war nicht, dass die Erwartungen zu hoch waren. Sondern, dass ab Staffel 6 keine Vorlage mehr existierte und die Autoren sich die Dinge selbst ausdenken mussten bzw. durften. Nur war ab Staffel 7 klar, dass die beiden Showrunner von der Serie weg wollten um andere Projekte in Angriff zu nehmen. Daher reichen die beiden letzten Staffel nicht an die ersten sechs heran - und die Staffeln 5 und 6 waren schon nicht mehr ganz auf dem qualitativen Niveau der ersten vier Staffeln, weil eben die Vorlagen ausgingen. Und Staffel 8 war dann auch produktionstechnisch teilweise einfach nur noch dahingerotzt. Wenn Benioff und Weiss offen zugegeben hätten, dass sie weg wollten und dazu bereit gewesen wären, das Ende der Serie in die Hände anderer Showrunner zu geben, hätten wir vermutlich nicht nur ein anderes Ende sondern auch ein besseres bekommen. Die Serie würde vielleicht sogar noch laufen, weil HBO ja angeboten hatte, dass die Serie so lange laufen könnte, bis man ein passendes Ende hat - genügend Geld hat sie dem Sender ja in die Kassen gespült. Aber da Benioff und Weiss wegwollten, war nach Staffel 8 Schluss.

    Geht euch das auch so auf den Sack, dass sowohl bei DW, als auch bei Star Wars und jetzt Trek sich ein Haufen Vollpfosten melden und sich beschweren, die SJWs hätten ihre Kindheit zerstört?

    Ja.

    Wäre ja auch gar nicht so schlimm, wenn es wenigstens wahr wäre. Aber bei Picard regen sich die Leute doch tatsächlich darüber auf, dass die Föderation nicht perfekt ist und dadurch Roddenberrys Vision mit Füßen getreten würde. Ist ja nicht so als gäbe es dutzendweise Beispiele im "alten" Star Trek, wo die Föderation bzw. die Sternenflotte diesem Ideal schon nicht entsprochen hat...

    Ich habe die Serie noch nicht selbst geschaut - warte bis die Staffel durch ist, um es dann mal an einem langen Wochenende durchzugucken (so viel zu veränderten Sehgewohnheiten ;)) - aber ich finde das auch nicht gut. Das liegt bei mir gerade daran, dass ich Star Trek als Utopie sehen - und zwar nicht als eine rein technokratische, in der durch technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt alleine eine humanistische Gesellschaft entstanden ist. Der hat ja zunächst einmal zu den Eugenischen Kriegen und den dritten Weltkrieg geführt, und dann wären da noch die Borg, die eindeutig eine Warnung darstellen, sich einfach nur auf den technischen Fortschritt zu verlassen. Selbst in der Originalserie gab es Episoden wie The Ultimate Computer, die vor den Gefahren des blinden Technikeifers gewarnt haben.

    Diese Utopie jetzt zu entfernen, um eine Geschichte zu erzählen, die einzig und allein dazu dienen soll, ein politisches Statement abzugeben, finde ich erst einmal auch nicht gut. Genauso wenig wie ich das Casting eines weiblichen Doctors aus reinen politischen PR-Gründen abgelehnt habe und bis heute ablehne. Und Whittaker hat sich ja durchaus als die falsche Wahl herausgestellt, zumindest hat sie es in ihrer ersten Staffel nicht geschaft, mich wirklich davon zu überzeugen, dass sie der Doctor ist. Die Umsetzung ist also gescheitert. Bei Picard scheint diese ja durchaus gelungen zu sein, zumindest laut dem, was ich darüber bisher gehört habe. Und bei DS9 hat es ja auch funktioniert.

    Und über diese Idioten, die sich darüber aufregen, dass die Macher nun Picard (und Star Trek an sich) dafür verwenden würden, um ihre Politik durchzudrücken - als ob Star Trek noch nie dazu benutzt wurde, um ein politisches Statement abzugeben - habe ich mich bereits auf vorherigen Seiten hier im Thread ausgelassen.

    Ein eindeutiger Trend nach unten. Nur die Judoon-Folge hat in den finalen Quoten noch einmal zugelegt, wahrscheinlich weil sich sehr schnell rumgesprochen hatte, dass Captain Jack wieder da ist und es den Twist mit Ruth gab. Wenn ich bei der BBC etwas zu sagen hätte, würde ich Chibnall jetzt langsam mal die Pistole auf die Brust drücken und ihn entweder dazu zwingen, seine Art die Serie zu führen zu ändern und vielleicht mal wieder Autoren, die sich zuvor bewiesen haben, zurückzuholen, oder er wird gefeuert. Wenn es dann keinen Nachfolger gibt, hat die Serie Pech gehabt, aber diese Entwicklung würde ich mir nicht mehr lange angucken.