Beiträge von BluesmanBGM


    Beispiel 2:

    http://www.commodoreusa.net/CUSA_C64.aspx

    Ja, genau, DER C64 im Original-Design aber dafür ordentlich gepimpt.

    Ein "C64 Extreme" mit 8 GB Arbeitsspeicher? Und sowas betrachtet ihr als bejubelnswert oder gar als Respektsbezeugung dem Original gegenüber? Good grief. Sogar das aktuelle Retro-Magazin äußert sich kritisch zu diesem traurigen Produkt in Richtung, daß es mit Authentizität nicht das geringste zu tun hat. Leider finden sich aber solche Aussagen dort mittlerweile relativ versteckt, damit sie den bunt bebilderten Spieletests aktueller Windows- und Konsolengames nicht allzu sehr in die Quere kommen. Wie dem auch sei, dieser sogenannte "C64" ist IMO ein Produkt für "moderne" Leute, die auf Knopfdruck standardisierte Nostalgie wollen und auf den nächsten Knopfdruck ebenso standardisierte HD-Power. Alles sofort verfügbar im selben Gerät, hübsch gestylt und zeitgeistgemäß kalkuliert und ohne eine Spur der Philosophie hinter dem Original. Schauderhaft.

    Auf dem Original haben sich zwingend notwendige Aufrüstereien Marke SuperCPU etc. nie wirklich durchgesetzt und sind Exoten mit einer Handvoll Anwendungen geblieben. Coder sind schnell wieder dazu übergegangen, Spiele, Demos und Anwendungen so zu schreiben, daß sie mit originaler Hardware auf 0,9 Mhz und 64 KB laufen, weil es eben gerade darum ging, aus wenig viel zu machen. Außerdem sollte keine PC-artige Klassengesellschaft entstehen, bei der nur die Aufrüster und Nachkäufer mitmachen dürfen. Solche Gedanken und kritischen Ideen wurden bis Mitte der 90er in CF & Co auch noch häufiger diskutiert, verschwanden aber dann natürlich.

    Ansonsten wird der Thread und das allgemeine Klima jetzt wieder eher häßlich und mir vergeht der Spaß daran. Das hat auch mit Leuten zu tun, die ihr Fähnchen offenbar in den Wind halten und einem Argument an einem Tag zustimmen und am nächsten Tag dann draufknüppeln. Ich verlasse also Thread und Forum. Man kann den Thread gerne weiterführen, weichgespülte Retrothreads gibt es ja auch dutzendweise in diversen Foren, da fällt man nicht negativ auf. Ich empfehle die Standardform mit amüsierten "Guckt mal, mein alter Kram"-Fotos, Filmchen (natürlich nur mit up-to-date-Browser) und nostalgisch-emotionalen "Hach, wisst ihr noch damals..."-Themen. Ab und zu müsste aber jemand deutlich betonen "Lustig, aber dorthin zurück möchte ich ganz bestimmt nicht mehr...". Dies nur als Anregung zum Schwimmen mit dem Strom. Dann könnte auch Utopia wieder diskutieren und müsste sich nicht von irregulären Meinungen belästigen lassen.

    Letztendlich hat mir der Thread zum unschönen Ende hin wieder gezeigt, was ich ja schon vorher bemerkt hatte: warum ich sehr, sehr froh darüber bin, im 20. Jahrhundert zu leben. Ich bin dann weg aus Thread und Forum.

    Chris

    Vielleicht solltest Du einfach aufhören, immer nur Deine Nase in die olle PCGames zu stecken. Ich kauf mir doch auch keine Bild-Zeitung und reg mich dann auf, dass da drin gar keine tiefgründigen, ausgewogenen Analysen der politischen Landschaft stehen...

    Ich denke nicht, daß irgendeines dieser sogenannten "modernen" Magazine mein Gefallen finden würde. Das Problem ist ja, daß all diese Hefte einem Zeitgeist dienen müssen, der mir persönlich zuwider ist. Und dienen müssen sie, um ihre Quote bzw. Auflage erreichen zu können. Das definiert ja die Mentalität solcher Produkte gleich wieder im üblichen (und sehr engen) Rahmen des 21. Jahrhunderts.

    Es sind doch gerade auch diese Hefte, die als Werkzeuge der Indoktrination fungieren und eben Begriffe wie "Brechreizpixel" oder "antiquierte Mottenkiste" als Vokabular verwenden bzw. einen abschätzigen Blick auf die Vergangenheit salonfähig machen. Und selbst "nostalgische" Artikel sind oft durchdrungen von einer herablassenden "Amüsant, aber zum Glück lange vorbei"-Einstellung, sowie gespickt mit Fehlinformationen über ältere Technik etc. Da mag es im Bezug auf das Niveau sicher Unterschiede geben, aber keine Publikation on- oder offline entgeht doch heute dem "Sog", im Jahr 2012 zu existieren. Sie haben die Eigenschaft, die Zahl auf dem Kalender zu ignorieren, verloren - eine Eigenschaft, die Publikationen wie z.B. die GO64 oder der CF durchaus hatten.

    Ein interessantes Beispiel durfte gerade auch das Schicksal der GO64 sein. Ende der 90er als Gegenpol zum Zeitgeist gegründet, trat das Magazin einige Jahre lang dafür ein, daß man für individuelles computing gar nicht mehr braucht, als 8 Bit und 64 KB, und daß ein Stück originaler Hardware von 1982 ausreicht. Das ging eine Weile gut, aber irgendwann war die Dunkelheit des 21. Jahrhunderts halt stärker. Mittlerweile ist die GO64 zum hochglänzenden Retro-Magazin umfirmiert und ein kunterbuntes Spaßheft für Windows-7-Zocker, Casual Gamer und Smartphone-Retrodaddler geworden. Das hat die Auflage und das Heft gerettet, aber der einstige "Aufstand" gegen den Zeitgeist ist einem üblichen Standard des digitalen Lifestyle gewichen. Aus der Anti-Zeitgeist-Guerrila wurde eine Verwendung des Begriffes Retro im heute marketingüblichen Sinne.

    Was mir ansonsten bei den Gegenargumenten auffällt, ist wieder der allgemeine Unterton, daß ich meine persönliche Meinung viel zu wichtig nehme und gerne verbreiteter sehen würde. Natürlich tue ich das, das ist es doch, was den Begriff Individualität ausmacht. Und leider ist es eben genau das, was meiner Meinung nach im 21. Jahrhundert so ungern gesehen ist, weil großflächig verbreitete Meinungen eine viel zu hohe Beliebtheit genießen. Man muß umfassend und jederzeit informiert sein und man muss sich über alles auf zeitgemäßem Weg in zeitgemäßer Informationsdichte ein modernes Bild gemacht haben, um dann letztlich empfehlenswerterweise doch zu der verbreitetsten Schlußfolgerung zu kommen.

    So sollte ich mein Desinteresse an modernen PC-Spielen eigentlich nur dann äußern, wenn ich mir einen modernen PC kaufen, aufrüsten und alles durchprobieren würde. Und letztendlich sollte meine Einsicht dann empfehlenswerterweise sein, daß moderne HD-Spiele bei der richtigen Wahl eigentlich doch super sind. Aber ich hätte für diese Erkenntnis gegen viele meiner Ideale verstoßen müssen. Da nehme ich doch lieber den kürzeren Weg mit den kindischen Scheuklappen und bleibe dabei, daß 16- und 256-Farben-Spiele auf 8-Bit und DOS für mich super genug sind und mir der Boden, auf dem moderne HD-Spiele wachsen, nicht zusagt - zum Teil auch wegen der Diskrepanz zwischen dem "archaischen" Inhalt und den hypermodernen Anforderungen im Mainstream. Daß das eine Meinung ist, die eventuell auf Ignoranz basiert, ist mir durchaus ersichtlich. Was aber nichts daran ändert, daß ich sie wichtig nehme, denn es gibt heute IMO Schlimmeres, als nur ein wenig Ignoranz dem "Fortschritt" gegenüber.

    Chris


    Wird diese Aussage nicht schon alleine widerlegt von der Existenz Deines geliebten Creatures-Spiels ? Und das ist ja bei weitem nicht das einzige nicht-gewalttätige Spiel, das in den letzten 20 Jahren erschienen ist.

    Darum sagte ich ja "nicht viel Besseres". Wenn man irgendein glänzendes Spielemagazin der heutigen Zeit öffnet, dann hat man halt den deutlichen Eindruck, daß der Krieg der Vater (zu)vieler Dinge ist - zumindest im Bezug auf die "Vorlage" für Abenteuer und Unterhaltung im Mainstream-Spielebereich. Seien es nun 3D-Shooter oder Strategiespiel oder Simulation, Krieg in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und Bilder von Waffen und Soldaten sind eine grundsätzliche gern verwendete Illustration, da muß man die diversen Fantasy-Waffen und Krieger etc. nicht mal mitzählen. Und der Autor, der sich im damaligen 64er-Artikel über die Entwicklungsrichtung im Spielebereich Sorgen gemacht hat, würde sich vielleicht durchaus in seinen Befürchtungen bestätigt sehen, wenn er einen Blick in ein modernes Magazin wirft. Auf der anderen Seite würden seine Befürchtungen aber heute vermutlich als altmodisches und realitätsfremdes Gutmenschentum verworfen werfen.

    Wenn mein "geliebtes Creatures" für irgendwas ein Beweis ist, dann IMO eher dafür, das sich wirklich fortschrittliche Konzepte und Ideen nicht durchsetzen. Das ganze Artificial-Life-Konzept ging schnell wieder den Bach runter, zuerst mit verwässertem Konzept und Mainstream-Ideen, dann mit Einstellung des ganzen Genres. Anstatt Leben zu kreieren, schiesst der moderne Spieler halt lieber in HD, anstatt KI für evolutionäre Konzepte zu verwenden, verwendet man sie halt für soldatische Bots in 3D-Spielen.

    Es gibt sicher Alternativen in Nischen, aber wohl kaum im Mainstream und auf den bunten Seiten. Wo sind die kreativen oder poetischen Spiele oder die Spiele mit echtem "sense of wonder" jenseits von Grafikprotz etc.? Warum bekommen Sie keine 10 Hochglanzseiten wie der neueste Shooter oder das neueste Strategiespiel? Okay, vermutlich kenne ich die betreffenden Spiele mal wieder nicht, da ich eigentlich überhaupt keine Spiele nach 1997 aktiv kenne, aber ein Blick in PC-Games & Co erweckt in mir den starken Eindruck, als würde ich auch absolut nichts versäumen. Und wenn die Lauffähigkeit eines Spieles von 32 Bit, Giga-Werten und neuesten Grafikkarten und Betriebssystemen abhängt, dann verhagelt es mir persönlich erst recht jedes Interesse daran.

    Chris


    Ah, danke. Ja, ich wohl auch. Damals hatte ich viel über das Spiel gelesen (oder zumindest über das erste, von der Existenz anderer Teile wusste ich bis jetzt noch nicht mal) und fand es ziemlich faszinierend, aber auf dem 386er den ich damals hatte lief das schon gar nicht mehr. Hüstel. ;)

    Doch, prinzipiell gesehen läuft es. Es ist zumindest nichts im Code, was es daran hindert, auf einem 386er zu laufen, selbst auf SX. Ich hatte es neulich mit Sparmaßnahmen auch stabil auf dem SX25 mit 6 MB laufen. Die Geschwindigkeit war allerdings sehr behäbig, die Auslagerung sehr, sehr aktiv. Als Untergrenze würde ich aber mal sagen ein 386DX40 mit 16 MB RAM sollte guten Gewissens reichen, sofern man es nur auf einzelne Norns und Persönlichkeitsprofile abgesehen hat und nicht auf Massenzucht.

    Die Routinen für das KI-System, die Genetik etc. sind auch sehr elegant und benötigen laut Steve Grand wenig Rechenleistung. Was Leistung und speziell Speicher zieht, ist eher der bunte eye candy.

    Dieser Tage hatte mich das Programm noch mit einem ganz speziellen Nachwuchs überrascht, sowas habe ich in über 13 Jahren im Spiel auch noch nicht gesehen (im Web auch nicht), siehe hier für Kenner:

    Ein normaler Norn mit 9 Lobi, 954 Neuronen und ca. 268 Genen hat eine Speichergröße als Datei von ca. 90 KB, dieses kleine rosa Monstrum hat eine Dateigröße von etwa 750 KB. Das geht natürlich über alle vordefinierten Grenzen und Rahmen hinweg und macht das Programm bei Anwesenheit nicht gerade stabiler. Ich arbeite momentan an einer neuen Speicherorganisation, das wäre nämlich ein interessanter Trait im Genpool. Auch von der Intelligenz her sieht das interessant aus. Ich bleibe dran :).

    Chris

    Da am Thema ja doch Interesse zu bestehen scheint, mache ich einfach mal weiter mit ein paar Denkanregungen. Um auf einige der vorherigen Argumente einzugehen, fehlt mir momentan leider etwas die Zeit (die fehlt mir momentan auch für durchdachte Who-Kritiken). Ich habe aber bei mir im Blog noch einen älteren Kurzbeitrag aus dem April 2011 gefunden, der vielleicht auch interessant das Thema Technologie, Fortschritt und Werte aufgreift, zumindest aus meiner Warte. Ich stelle den Beitrag einfach mal hier zur Diskussion:

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    Dieser Tage hatte ich mir mal wieder eine aktuelle PC-Games gekauft. Ich hatte mich zur Mentalität in solchen Hochglanzheften ja schon öfters kritisch geäußert - sei es generell zur abschätzigen Einstellung gegenüber "uralten" Dingen, sei es einfach nur zur Tatsache, daß man bestimmt sehr gut davon einkaufen gehen könnte, wenn man für jede Abbildung einer gezückten Waffe pro Heft nur einen Euro bekommen würde.

    In jener aktuellen Ausgabe stand nun ein Test zu einer Daddelei namens "Homefront". Die bizarren Hardwareanforderungen fand ich amüsant, weniger amüsant fand ich hingegen folgende Aussage des Redakteurs in der Jubelwertung:

    "Selten habe ich die Widersacher in einem Spiel so sehr gehasst wie bei Homefront. Mit vielen verstörenden Szenen baut Kaos Studios ein ebenso abscheuliches wie atmosphärisch großartiges Feindbild auf, angesichts dessen ich keine Skrupel hatte, den Abzug zu betätigen..."

    Muß man nun ein ausgeprägter Gutmensch sein, um diese Aussage höchst bedenklich zu finden? Vermutlich gibt es jetzt das Gegenargument, daß dank des großartigen technischen Fortschritts Spiele nun komplex genug sind, daß sie solch emotionale Wirkungen entfalten können. Aber warum muß sich diese Wirkung in Begriffen wie Hass, Abscheu und dem skrupellosen Betätigen des Abzugs zeigen? Warum ist das ganze Heft gut bestückt mit Bildern von Soldaten und Waffen?

    Das erinnerte mich an einen Spieletest aus einem 64er-Magazin Mitte der 80er, ich weiß leider die genaue Ausgabe nicht mehr. Es ging in dem Test irgendwie um eine Ballerei, über etliche Zeilen stellte sich der Autor aber die Frage, ob man den Fortschritt und die neuen technischen Möglichkeiten der 80er Jahre nicht für etwas Besseres verwenden sollte, als für virtuellen Krieg. So wie es aussieht, hat sich nicht viel Besseres gefunden. Wie geht noch das Sprichwort vom Mensch als des Menschen Wolf...

    Chris


    Und das ist es auch, was mich so an gewissen Beiträgen stört. Entweder - vor allem aber am Anfang - "ihr versteht mich nicht" oder aber "ach, ihr wisst ja nur nicht, was das alles kann", einfach nur, um auf seinen Idealen beruhen zu können, die aber immer mehr von der Realität verdrängt werden. Das ist aber menschlich, denke ich.

    Gut gesagt. Aber wenn Ideale immer zur Realität passen müssten oder sich davon "verdrängen" ließen, dann wäre das Spektrum an Idealen doch ziemlich einseitig. In einem gewissen Rahmen kann man sich seine Realität selbst gestalten und die Frage, in welcher Zeit man in den eigenen vier Wänden leben will, sollte jedem selbst überlassen bleiben. Ich ziehe das 20. Jahrhundert vor (wie gesagt sehr gerne die 70er Jahre) und fühle mich wohl dabei. Und wenn etwas nicht mehr geht, dann öffnet sich vielleicht eine andere "altmodische" Perspektive. Oder auch nicht, das ist ja das Spannende. Ich gebe aber zu, daß es problematisch wird, wenn man sich "missionarisch" zu einseitig im Recht sieht. Mein Fehler in diversen Beiträgen und hier in der Tat der "human factor".

    Mir persönlich erscheint die Welt im 21. Jahrhundert außerhalb meiner temporalen "Blase" halt nicht erstrebenswert, weil mir in einer Zeit von digitaler Wegwerftechnik, Massenspeichern, "Perfektion", Update-Pflicht und beliebiger Verfügbarkeit etc. etc. eben ein sehr wichtiges Faszinosum an der Welt abgehen würde. Und das hat bei weitem nicht nur mit Technik zu tun.

    Das Thema an sich sollte IMO generell mehr diskutiert werden, sprich es sollte durchaus mehr Leute von meiner obskuren Sorte geben (gerne noch obskurer). Ansonsten wird der Alleinvertretungsanspruch der digitalen Moderne schnell zu ausgeprägt und bei jeder Kritik gibt es automatisch eine breite Front, die den Kritiker in die reaktionäre "Ewig Gestrigen"-Ecke stellt, ohne auf die Kritik einzugehen. Gutes Bespiel dafür kürzlich aus der Tageszeitung: zu einem Beitrag über Mängel der Sprachkultur im Internet gab es sofort als ablehnenden Leserkommentar "Na klar, und demnächst sollen wir wieder mit Meissel auf Steinplatten schreiben, oder was?" Was überhaupt nichts mit den Argumenten zu tun hatte, aber der Hinweis auf die "Steinzeit"-Natur einer Kritik scheint mir heutzutage für (zu)viele eine gültige Retourkutsche zu sein. Und deswegen sind gute Diskussionen pro und contra Moderne IMO oft zu schnell am Ende bzw. zu einseitig.

    Chris

    Hier noch ein bißchen plumpe Werbung zu meinem Serienkonzept. Ich habe das Thema in den letzten Monaten ein wenig hängen lassen bzw. auch seit längerem nichts mehr dazu geschrieben. Als guten Vorsatz zum neuen Jahr sollte ich das mal wieder ändern und hole das Thema daher einfach wieder etwas nach vorne.

    Mit dem vierten Comic ist es leider bisher noch nichts geworden. Ich habe zwar noch immer eine Zeichnerin, die Interesse hat, aber leider ist sie bisher aus Zeitmangel und Studium noch nicht dazu gekommen. Ich hoffe, es klappt noch irgendwann demnächst. Hat von den Lesern hier zufällig jemand einen der älteren Comics gekauft oder gar das dicke Buch mit dem Serienguide? Naja, wohl eher nicht ;).

    Wie gesagt, viele Einzelfolgen sind eher Satire und Comedy, in einer übergreifenden Story-Mythologie gibt es in der ganzen Sache aber auch ein ziemliches timey-wimey, einen gewissen Fatalismus und dezent "esoterische" Zusammenhänge. Ich habe sogar selbst ein wenig den Faden verloren, wie sich alle Anspielungen und Zusammenhänge auflösen lassen. Das dürfte auch das Problem zum Ende von Staffel 9 werden, denn in einem epischen Zweiteiler mit den Titeln "Smoke on the Water" und "Fire in The Sky" sollte die übergreifende Handlung zu einem Ende kommen. Den Schluß habe ich sogar schon geschrieben, aber wie komme ich dorthin? Falls jemand im Episodenguide mitgelesen hat: einige Fragen des story arcs sollten im verzwickten Staffel-9-Zweiteiler "Paradise Lost & Found" schon geklärt worden sein. Oder aber außerhalb von meinem Kopf versteht sowieso niemand, was eigentlich vor sich geht ;). In jedem Fall könnte es für Who-Fans, die komplexe Verflechtungen mögen, nicht ohne Reiz sein.

    Hier noch zwei IMO hübsche, ältere Storyideen aus Staffel 8 (aktuell ist Staffel 9, Folge 174):

    146. Flub und Mona fahren Boot

    Beim Warten auf Mike stößt Alex in dessen Zimmer auf einen großen Stapel handbeschriebener Blätter. Darauf angesprochen, gibt Mike etwas widerwillig zu, daß es sich um ein Kinderbuch handelt, daß er selbst geschrieben hat. Nachdem er sich vor ein paar Monaten von all seinen Kinderbüchern getrennt hat, wollte er deren Abwesenheit durch eigenes Schreiben einer Geschichte kompensieren - und die Blätter sind das Resultat. Alex nimmt die Blätter mit nach Hause und liest sie durch. Zu ihrem Erstaunen entfaltet sich eine sehr komplexe Geschichte. Das Buch handelt von zwei pelzigen Fabelwesen namens Flub und Mona, die auf einem Floß zu einer großen Reise einen Fluß hinab aufbrechen. Dabei erleben sie allerlei Abenteuer mit fiktiven Wesen - alles beschrieben in vielen Details, eigenen Begriffen und Sprachen, erfundenen Völkern und Ländern, sogar handgemalten Karten.

    Wir sehen einen kurzen Abschnitt der fantastischen Abenteuer von Flub und Mona in einer kunstvoll animierten Fantasieszene. Alex überredet Mike am nächsten Tag, dieses Buch unbedingt einem Verleger zu zeigen und drucken zu lassen - worauf dieser noch widerwilliger zustimmt. Das Buch wird aber tatsächlich ein Erfolg und anfangs scheint alles gut zu gehen. Mike erfreut sich unter den Kindern der Stadt einer neuen Beliebtheit und beantwortet gerne alle Fragen zur großen Flußwelt von Flub und Mona. Probleme ziehen auf, als der Neffe des Bürgermeisters im Auftrag des Verlages die Vermarktung der Story übernimmt. Speziell das bisher letzte Kapitel des Buches bereitet seiner Ansicht nach Probleme, da es ohne wirklichen Schlußstrich endet.

    In der Tat schließt das Buch damit, daß Flub und Mona mit ihrem Floß an eine Flußbiegung kommen (wir sehen die Szene wieder animiert.) Dahinter erwartet sie laut letztem Satz ein neuer Ort voller Wunder, an dem sie viele Abenteuer erleben werden. Mike ist der Meinung, daß seine Geschichte eben so endet und sich jeder Leser eigene Gedanken machen oder selbst weiterschreiben sollte. Dies widerspricht jedoch jedem Copyright-Konzept: Geschichten brauchen entweder sichere Fortsetzungen oder aber einen definitiven Schlußstrich, um erfolgreich vermarktet werden zu können. Mike entgegnet, daß er nur ein "unschuldiges Kinderbuch" für sich schreiben wollte, aber der Neffe meint, daß jedes Kinderbuch seine Unschuld verliert, wenn es um die Markthoheit geht.

    Da Mike zu seinem letzten Kapitel aber definitiv nichts einfällt, wendet er sich mit der Bitte um Ideen an Alex und Rick. Alex hat auch gleich eine ganze Menge Vorschläge: die Zeiten des Eskapismus sollten auch für Kinder vorbei sein, daher sollte das Kapitel reale Bezüge zu den Problemen der Welt haben. Anhand ihrer Vorschläge sehen wir eine Fantasieszene: Flub und Mona kommen hinter der Flußbiegung in einen Wald, der von ruchlosen Tieren und "Finanzwieseln" bewohnt wird, die durch ihr Treiben die kleine, beschauliche Welt in eine "Waldwirtschaftskrise" stürzen. Die Geschichte wird nach ihren Ideen jedoch immer theoretischer und trockener und bricht schließlich ziellos ab. Mike wendet sich fragend an Rick.

    Dieser meint wiederum, daß die Geschichte unbedingt viele Popkultur-Referenzen und etliche Filmzitate auf Blockbuster braucht, sowie Charaktere, die problemlos in einer Verfilmung von Comedians und MTV-Moderatoren gesprochen werden können. In der neuen Fantasieszene erreichen Flub und Mona daher ein popkulturelles "Wunderland" voll mit Wald-Pepsi und transformierenden Baum-O-Bots - in der Tat mit den Stimmen diverser deutscher Comedians. Auch davon ist Mike nur wenig begeistert. Inzwischen haben sich neue Probleme ergeben: ein Anwalt der Rudmann Animation Factory erklärt, daß Mikes Buch ein eindeutiges Plagiat von Teilen eines nie verwendeten Skriptes für einen Toffy-Toob-Bären-Film sei - und verlangt die Konfiszierung aller Exemplare.

    Genervt ergreift Mike die Flucht vor allen - und läßt sich spontan in einem alten Kahn den Fluß Bruch hinuntertreiben. Am Morgen hat er beim Sonnenaufgang über dem Fluß plötzlich eine Inspiration - und beginnt, auf Blätter zu kritzeln. Zurück bei den besorgten Alex und Rick erklärt er, daß er das letzte Kapitel nun selbst geschrieben habe - nur für sich. Das Kapitel wurde von ihm bei einer Bank in einem Schließfach hinterlegt. Wir sehen, wie ein Mann im Anzug einen Stoß zerknittertes Papier mit der Aufschrift "Von der neuen Welt hinter der Flußbiegung" in eine kleine Metallbox legt und diese verplompt. Rick fragt achselzuckend, was denn der Sinn einer Geschichte ist, wenn sie nicht von den Menschen gelesen wird. Mike meint, daß er vielleicht irgendwann eine Antwort darauf haben wird. Dann würde das Kapitel auf ihn warten. Bis dahin werden Flub und Mona einfach weiter auf dem Fluß leben.

    Die Szene wechselt zum letzten Mal in eine Fantasie. Flub und Mona stehen mit dem Rücken zu uns Hand in Hand auf dem Floß, während dieses auf die Flußbiegung zutreibt. Helles Licht strahlt um die Biegung herum und Lachen und Musik sind zu hören. Als die Sonne aufgeht, wird die Szene blasser und blendet aus. Wir sehen Rick, der achselzuckend meint, daß er seine Version mit den Blockbuster-Filmzitaten auch gerne gesehen hätte. Andererseits sind solche Filmzitate wohl ein Zeichen einfallsloser Autoren. Die Szene wechselt zu der Metallbox mit dem letzten Buchkapitel. Diese wird in eine Holzkiste gelegt und die Holzkiste dann verstaut. Als die Kamera mit düsterer Musik nach oben fährt, sehen wir eine riesige Lagerhalle, die labyrinthisch mit Holzkisten gefüllt ist.

    => Charakterfolge, philosophische Folge, Sozialsatire

    150. Time in A Bottle

    Ein (zu) versucht lockerer Nachmittag im Park endet zwischen Alex, Rick und Mike mit einem Streit. Erschrocken stellt Alex fest, daß sich die drei in letzter Zeit immer mehr auseinanderleben und kaum noch sehen. Rick kontert, daß er eben viel zu tun hat und langsam auch an die Karriere denken muß - so plant er gerade, die Arbeit im Reisebüro aufzugeben und einen lukrativen Sales-Manager-Job in einem Spieleladen für "strategische Taktikspiele" in der neuen Bruchbach Arcade Mall anzunehmen. Wie Mike hinzufügt, hat aber auch Alex kaum noch Zeit, seit sie ständig irgendwelche Treffen in einem obskuren "Club" besucht. Darüber möchte nun wiederum Alex nicht mit ihnen sprechen und die drei trennen sich in einvernehmlicher Einsilbigkeit.

    Einige Tage später hat Alex eine Idee, die die drei Freunde wieder näher zusammenbringen soll: simple und plumpe Nostalgie beim Durchsuchen der alten "Relikte" aus der gemeinsamen Schulzeit. Tatsächlich entwickelt sich eine gute Stimmung mit zahlreichen Anekdoten. Schließlich fällt Alex aus einem Schrank ein Klassenfoto vom Abschlußjahr in die Hände. Seltsamerweise entdeckt sie erst jetzt zwei unscheinbare Jugendliche auf dem Foto, die ihr völlig unbekannt sind: ein blasser, blonder Junge und ein recht kleines schwarzhaariges Mädchen mit Brille, die beide eng zusammen am Bildrand stehen und lächeln. Als Alex Rick nach der Identität der beiden fragt, erfindet dieser zuerst ein paar obskure Namen und fiktiven Klatsch, muß dann aber zugeben, daß er die Leute auch nicht kennt. Wie er sagt, gehen in eine Schulklasse halt immer irgendwelche unscheinbaren Personen, die man nicht kennt, obwohl man für Jahre zusammen im gleichen Raum gesessen hat.

    Amüsiert fügt er hinzu, daß es Dreiviertel der alten Klasse so mit Mike gegangen ist (Mike ist weniger amüsiert). Alex will sich mit der Erklärung jedoch nicht zufrieden geben und beharrt darauf, daß sie doch niemals jemanden übersehen würde. Sie möchte aber wissen, was diese beiden völlig Fremden auf ihrem Klassenfoto zu suchen haben. Der Nachmittag endet weniger fröhlich, da Rick ihre "fixe Idee" schnell auf die Nerven geht. Am nächsten Tag besucht Alex ehemalige Klassenkameraden, aber jeder verneint, die beiden Personen auf dem Foto zu erkennen. Alex geht zum alten Stadtfotografen, der das Bild damals gemacht hat. Dieser meint mit einem amüsierten Lächeln kryptisch "Da sind sie ja wieder..." und holt dann von hinten zwei ältere Fotos aus dem Lager: eines ist ein vergilbtes, schwarz-weißes Klassenfoto von 1956 und eines in Farbe von 1974 - zwei Abschlußjahrgänge und in beiden Fällen sind zwei Personen zu sehen, die frapante Ähnlichkeit mit den Gesuchten haben.

    Alex ist verwirrt und der Fotograf erklärt achselzuckend, daß es sich wohl um eine Art vom "kosmischem Scherz" auf Kosten der Fotografen-Innung handelt. Er schenkt Alex zwei Abzüge der Fotos. Am Abend sitzt Alex grübelnd und mit sich selbst über die Logik diskutierend vor den Fotos. Auf dem Plattenspieler läuft "Time in a bottle". Als sie nach draußen geht, um noch frische Luft zu schnappen, fällt ihr in einer bisher unbekannten Seitenstraße ein pittoreskes Haus auf. Aus einem Buntglasfenster schaut das unbekannte Mädchen vom Foto und winkt ihr zu. Irritiert betritt Alex das Haus, in dem surreale Gesetze und Koinzidenzen zu gelten scheinen. Sie trifft in der Tat auf die beiden Personen auf dem Foto, die sich als Edgar und Zoe vorstellen und behaupten, Zwillingsgeschwister zu sein, obwohl sie sich nicht ähnlich sehen, und mit jeweils entweder stark französischem oder englischem Akzept sprechen - und dies häufig untereinander abwechselnd.

    Wie Alex aus den seltsamen Aussagen herauszuhören meint, sind die beiden "Reisende", die immer nur einmal pro Jahrzehnt auftauchen, um am letzten Schultag einer Generation teilzunehmen, da sie diesem Ereignis zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort offenbar immense Bedeutung für die Menschheit beimessen. Und was könnte man mit der begrenzten Zeit eines Individuums Besseres tun, als sie auf wichtige Momente zu verteilen? Bei einer Führung durch das Haus entdeckt Alex eine Tür, die sie nach Durchschreiten zurück in ihre alte Schule führt - zum Zeitpunkt, an dem die Handlung von Folge 60 spielt. Beinahe läuft sich Alex selbst über den Weg und kann sich nur durch das Werfen eines Regenschirms in eine andere Ecke und davonlaufen "retten" - und muß erkennen, daß die Person, die damals einen Schirm nach ihr geworfen hat, scheinbar sie selbst war.

    Als sie den Physikraum betreten will (hellblaues Licht tritt heraus) findet sie sich stattdessen in ihrer alten Klasse wieder und wird gerade von allen ausgelacht. Auf der Tafel stehen mit Kreide die Worte "Speculum Mundi" neben einer cartoonigen Karikatur von Alex, die alle zu amüsieren scheint. Lehrer und Mitschüler bombardieren sie mit trivialen und/oder bedeutsamen Fragen, aber Alex weigert sich, Antworten zu geben. Der Hausmeister repariert einen Lichtschalter und philosophiert über Zufälle und die kleinen Zeichen, mit denen die Zukunft in der Gegenwart zu uns spricht. Plötzlich sind nur noch Edgar und Zoe anwesend und erklären Alex, daß sie gerade sehr viel gelernt hätten, und es der Tag wert gewesen war, benutzt zu werden. Zoe fügt mysteriös hinzu, daß der "Andere" recht hatte. Der Raum zerfällt zu Asche und metallene Finger wachsen aus der Landschaft nach oben.

    Alex fragt die beiden, ob sie wissen, was mit Bruchbach geschehen wird. Wir sehen eine Nahaufnahme von Edgars bisher stets lächelndem Gesicht. Eine Träne läuft seine Wange hinunter und er erklärt kryptisch seine Traurigkeit. Zoe fügt aber lächelnd hinzu, daß nichts geschrieben steht. In einem Slow-Motion-Wimpernschlag von Alex verschwinden die beiden. Für einen kurzen Moment sehen wir ein Bild von zwei bunt schillernden Kugeln wie große Seifenblasen im Raum. Dann steht Alex auf der Straße vor ihrem Haus und holt nach einem irritierten Achselzucken die Post aus dem Briefkasten. Es ist Werbung für Handytarife.

    Wir sehen Rick und Mike im Zimmer von Alex. Sie hat beiden gerade das Erlebte erzählt. Rick winkt kopfschüttelnd ab und meint, daß sie den Unfug geträumt hat, als sie neben dem Plattenspieler eingeschlafen war - und führt sogar ein paar Indizien an, die dies zu untermauern scheinen. Es wäre doch völlig bizarr, wenn irgendwelche "Wesen" nur auftauchen würden, um Blech zu reden und unsere Schulfotos zu verhunzen. Alex meint, daß die Motivationen von "Bewußtsein von ganz woanders" für uns unverständlicher sein müssten, als alles, was wir (oder Gene Roddenberry) sich vorstellen könnten. Vielleicht waren die beiden aber auch mal wie wir und haben schlicht eine Tür gefunden und bleiben für die Ewigkeit zusammen - in einem immerwährenden, letzten Schultag.

    Alex sieht die achselzuckenden Rick und Mike traurig an. Mike will deutlich etwas sagen, aber er zögert und auf einen kritischen Blick von Rick hin sagt er nichts. Als Alex wortlos gegangen ist, erklärt Rick, daß das doch nur wieder "wirres Gerede" aus Alex aufgeblähtem Verstand ist, daß angeblich für alle irgendetwas bedeuten soll, aber letztlich für nichts und niemanden (außer Alex) Bedeutung hat. Und Rick hat sich vorgenommen, in Zukunft etwas konkreter zu leben - außerdem muß er jetzt zum Probearbeiten zurück in den Shop in der Arcade Mall. Als ihn Mike auf die unerklärlichen Fotos anspricht, wirft Rick nochmal einen schnellen Blick darauf und meint dann, daß es doch offensichtlich schlicht "photoshopped" ist - man könne ja sogar die Schnittlinien um die Figuren sehen.

    Er wirft die 3 Fotos zurück auf den Schreibtisch und beide gehen. In der letzten Szene sehen wir, daß Edgar und Zoe auf dem neuesten Klassenfoto (anders als bei früheren Blicken auf das Bild) nun beide Hände wie winkend zum Gruß erhoben haben.

    => Mysteryfolge

    Und hier noch etwas eher Ungewöhnliches aus Staffel 9:

    167. Der kleine Tod

    Die Folge beginnt im Keller der Dahls. Wir sehen Alex, die in einer Szenenmontage mit verschiedenen Werkzeugen (u.A. einem Schweißbrenner) an einem seltsamen Objekt herumbastelt. Vor ihr liegt die Skizze der geometrischen Antenne, die sie in Folge 166 gezeichnet hatte. Zwischen der filigranen Zeichnung und dem seltsam verwinkelten Objekt aus Metallstreben und Zahnrädern vor ihr besteht allerdings noch keine große Ähnlichkeit. Nach einer Überprüfung der Skizze beginnt Alex in verschiedenen Kisten und Schränken nach etwas zu suchen, allerdings ohne Erfolg. Als sie Martin danach fragt, wo ein großer Pappkarton mit elektrischen Bauteilen hin verschwunden ist, meint dieser etwas ratlos, daß er das Zeug vermutlich beim Aufräumen weggeworfen oder einem Elektrogeschäft in der Stadt gespendet hat. Alex ist verärgert, denn in der Kiste hatten sich Teile aus einem alten Metallbaukasten befunden, inklusive des "Zylinders mit Motor", der in die Zahnräder der Hauptachse ihres "Kunstwerkes" gesteckt werden muß.

    Martin versucht herauszufinden, was dieses ganze Konstrukt überhaupt bedeuten soll, aber Alex bleibt einsilbig und fährt in die Stadt, um das Originalteil oder Ersatz zu finden. Dort fragt sie in verschiedenen Geschäften herum und benutzt dabei die Worte, daß sie dringend auf der Suche nach einem zylindrischen Objekt mit Elektromotor ist, daß man an passender Stelle reinschieben kann. Dies führt schnell zu allgemeiner Belustigung unter Verkäufern und anwesenden Kunden und Klatsch macht die Runde in der Stadt. Mittels Hitradio, Presse und sozialer Netzwerke verbreitet sich so die Meldung, daß ein "heißes Babe" ihren Vibrator verloren hat und dem glücklichen Finder bestimmt so dankbar wäre, daß sich das Finden erübrigen würde. Schnell sind Hunderte von Jungs (und einige Mädchen) hilfreich zur Stelle und kippen Mülltonnen um etc. Als sich das Mißverständnis aufklärt, ist Alex sauer darüber, daß man mit solchen Gerüchten und "sexy" Stories unter der Gürtellinie offenbar mühelos die Massen mobilisieren kann, während für wirklich wichtige Dinge kaum jemand Zeit hat.

    Die Menschen sind aber eher amüsiert darüber, daß Alex trotz ihres Alters von 21 Jahren offenbar (vor einer umständlichen Erklärung) gar nicht aufgefallen ist, was sie da ständig Zweideutiges gesagt hatte und das kopschüttelnde Tuscheln geht weiter. Zurück daheim beschwert sich Alex über die Natur der Menschen, aber Martin ist nicht so ganz auf ihrer Seite. Wie er sagt, haben er und Alex´ Mutter damals doch auch für die sexuelle Befreiung aller jungen Menschen gekämpft und es hat ihn immer gewundert, daß seine den Idealen sonst so verbundene Tochter diese Freiheit nicht lebt. Alex entgegnet, daß auch der Verzicht ein Teil der gewonnenen Freiheit ist. Als sie gerade persönlicher auf das Thema eingehen will, platzt Rick herein und läßt einige schräge Kommentare über den Vorfall ab. Er erklärt, daß Alex, wenn sie die Leute dieser Stadt vor irgendetwas "erretten" will, doch auch aus Erfahrung wissen sollte, was die Menschen zum Ticken bringt und ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Wir sehen einige Rückblenden zu vorherigen Folgen mit dem Thema, aus denen ersichtlich wird, daß sie sich stets mehr oder weniger vor Entscheidungen und Aussagen gedrückt hat.

    Alex erklärt, daß sie nicht versteht, wie soviele Menschen glauben konnten, sie würde öffentlich über etwas so Persönliches auf diese Weise sprechen. Als Beispiel für die Offenheit, mit der die heutige Welt das Thema Sex behandelt, klickt sich Rick durch einige Webseiten, auf denen etliche Mitbürger ihre seltsamen Vorlieben offen darlegen. Wir sehen beim schnellen Durchklicken auch bekannte Gesichter, u.A. Colonel Henchman in einem violetten Fellkostüm. Auf die Frage, was denn so anders wäre, wenn sich Alex ihrer menschlichen Natur als sexuelles Wesen auch konkret stellen würde, entgegnet sie, daß die beiden dann vielleicht nicht hier sitzen und darüber sprechen würden. Wir sehen eine Was-wäre-wenn-Fantasieszene, in der sich Rick und Mike darüber streiten, wer Alex zu einem romantischen Mondschein-Date begleiten darf. Der Streit schaukelt sich kurios auf und beide treffen sich schließlich im gepuderten Rokoko-Outfit und bewaffnet mit Musketen zum Duell - wobei sie sich gegenseitig erschießen.

    Alex erklärt, daß Sex letztlich das ultimative Werkzeug ist, daß Werbung und Marketing für sich instrumentalisieren können - ein Verhalten, bei dem der Konsument bei der Wahl der richtigen Werbereize vom eigenen Körper belohnt wird. Und Alex hat sich noch nie etwas von außerhalb ihres Verstandes sagen lassen oder die Kontrolle freiwillig an irgendwelche chemischen Reaktionen im Körper übergeben. Es klingt subtil an, daß der Kontrollverlust etwas ist, daß sie immer gefürchtet hat. In einer schraffierten und expressionistischen Zeichentricksequenz sehen wir eine Parabel: eine Gruppe von weißen Labormäusen wird für ein Experiment mit Schaltern verkabelt. Jedesmal, wenn eine Maus einen grünen Druckschalter mit der Nummer 4 drückt, werden belohnende Endorphine in ihren Körper geleitet. In einer Zeitraffersequenz entwickeln sich die Mäuse zu aufrecht gehenden und denkenden Wesen weiter (mit kurzen Hosen für die Männchen und Schleifen am Kopf für die Weibchen) und gründen eine Zivilisation.

    Obwohl jetzt Philosophie und Geisteswelten Einzug halten, bleibt die alte Konditionierung aus dem Labor aber bestehen: wir sehen auf den Werbeplakaten, Zeitschriftencovern und TV-Spots der Mäuse ständig Bilder von grünen Schaltern und der Ziffer 4. Ein Cover eines Magazins mit einem großen Schalter verrät uns "44 heiße Wege, den Schalter zu drücken". In den Grünlichtvierteln der Mäuse prangt überall die blinkende Ziffer 4 und kichernde Mäuse-Teenager zeichnen Schalterdiagramme auf die Wand und werden vom ärgerlichen Lehrer verjagt. Die experimentelle Zeichentricksequenz endet damit, daß große Gruppen von Mäusen damit beschäftigt sind, weiterhin Schalter zu drücken, während sich am Horizont die Schatten gigantischer Katzen abzeichnen. Rick ist wenig überzeugt von dieser Story und meint, daß die Parabel hinkt. Die Verbundenheit zwischen zwei Menschen kann soviel reicher und vielschichtiger sein und trotzdem "den Schalter" beinhalten. Auf die sarkastische Rückfrage hin, woher genau Rick sein Expertentum zu dem Thema zu beziehen glaubt, rauscht dieser verärgert und ohne weiteren Satz ab.

    Rick hat den Computer laufen lassen und ein Werbebanner erregt die Aufmerksamkeit von Alex. Dort wird über einen Verein in Bruchbach berichtet, der sich vorgenommen hat, körperliche Liebe wieder zu etwas Wunderbarem und Privatem zwischen den Seelen der Menschen zu machen, anstatt zu einem kontrollierten Kommerzprodukt. Der poetisch formulierte Text spricht Alex irgendwie an und sie macht sich am nächsten Tag zu einem Besuch des Vereins auf. "Sexual Healing" von Marvin Gaye spielt über Lautsprecher leise im Gang und wir sehen Kunstwerke mit deutlich sexuellem Unterton. Der Leiter des Instituts ist ein freundlicher älterer Herr, der in großen und weise klingenden Worten betont, daß es nur darum geht, zu befreien und zu helfen. Die Freiheit zur Entscheidung ist das größte Gut, daß der Mensch habe. Er gibt Alex einen Tablet-PC, auf dem sie eine (im Anime-Stil) animierte Cupid-Figur durch das Gebäude und die Philosophien des völlig selbstlosen Helfens dort führen soll. Als Alex gegangen ist, meint er aber zu seinem Assistenten, daß der doch für einen so schwierigen Fall wie Alex gleich den Vertrag für die Premium-Mitgliedschaft vorbereiten soll - für 49,99 Euro im Monat mit mindestens 3-jähriger Laufzeit.

    Das interaktive Programm der animierten Figur scheint ziemlich mißlungen zu sein, da es von den Antworten her oftmals nicht auf unkonforme Aussagen vorbereitet ist und ein kurioses Zwiegespräch entsteht. Wie die Figur aber betont, muß der Mensch ab und zu durch den "kleinen Tod" gehen, um intensiver leben zu können. Das Ende der Tour ist ein plüschig-kitschiger Raum mit zwei bunten Türen. Die Cupid-Figur erklärt, daß dies der Ort der Entscheidung für Neumitglieder sei (und fügt kryptisch hinzu, daß anhand vorhandener Daten bereits ein Programm für Alex zusammengestellt wurde). Aus der rechten Tür tritt ein junger Mann im intellektuellen Outfit und gibt der perplexen Alex einen kurzen Handkuss. Aus der linken Tür jedoch tritt ein junges Mädchen mit Brille in einem recht ähnlichem Outfit und gibt Alex einen langen und leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. Der Junge und das Mädchen erklären, daß sie heute um Punkt vier Uhr für Alex hier sein werden. Diese muß dann nur noch den Klingelschalter an einer der beiden Türen drücken, um ihren Austritt aus der selbstverschuldeten sexuellen Unmündigkeit zu beginnen.

    Die Szene wechselt zu einer Ansicht der Stadt von oben. Die Kirchturmuhr schlägt gerade vier. Die Kamera schwenkt langsam über die Szene und endet bei der Parkbank vor dem Observatorium. Alex sitzt auf der Parkbank und betrachtet einen Käfer auf einem Grashalm. Mike kommt mit dem Fahrrad vorbei und fragt erstaunt, was sie hier oben macht - worauf Alex entgegnet, daß sie gerade eine Entscheidung getroffen hat. Der Käfer fliegt davon. Mike setzt sich dazu und sie nehmen das Gespräch aus Folge 134 vom selben Ort wieder auf. Alex erklärt, daß sie sich vermutlich geirrt hat, als sie Mike sagte, daß sich an einem besonderen Verhältnis zweier Personen zueinander niemals etwas ändern kann und muss. Dieses Privileg haben vielleicht nur die Kinder. Sie schweigen eine ganze Weile, bis Mike anfängt, in seiner Hosentasche zu wühlen. Er erklärt, daß ihm gerade noch eingefallen ist, daß er Alex doch genau das geben kann, wonach sie schon die ganze Zeit gesucht hat. Alex springt erschrocken kopfschüttelnd auf, aber Mike zieht nur einen kleinen Metallzylinder aus der Hosentasche und gibt ihn Alex.

    Es ist in der Tat genau das Objekt, daß sie die ganze Zeit gesucht hatte - der kleine Motor aus dem Metallbaukasten, den sie für ihr seltsames Antennenprojekt unbedingt benötigt. Wie drei kleine Kerben zeigen, ist es auch genau das originale Stück, daß früher im Keller in der Pappkiste lag. Als sie Mike nebenbei fragt, wo er es gefunden habe, meint dieser mit einem Achselzucken, daß er es in einem Wald im fernen Rumänien gefunden hat, wo es jemand aus den Büschen in seine Richtung geworfen hatte (siehe Folge 140). Alex meint irritiert, daß das doch völlig unmöglich sei. Als sie aufbricht, um endlich weiter an ihrem Projekt zu arbeiten, ruft ihr Mike hinterher, daß er an sie glaubt. Schließlich ist es auch in den schönen Geschichten so, daß bei der Rettung einer Welt immer die Jungfrauen mit dabei sind. "Aber nur als Preis für den siegreichen Helden, Mikey. Nur als Preis für den Helden..." entgegnet Alex kritisch und geht. Mike zuckt mit den Achseln und blickt durch das Besucherteleskop.

    Die Szene wechselt zum Zimmer von Alex später am Abend. Sie kritzelt auf dem Bett liegend an einer ihrer vielen Skizzen mit Zahnrädern und Antennen und ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Sie zerknüllt das Papier und wirft es frustriert in den Eimer. Ihr Blick wandert nach drüben zu ihrem Nachtkästchen. Sie blickt lange auf die Schublade und das Bild blendet langsam aus.

    => Charakterfolge

    Kommentare und Storyideen sind jederzeit willkommen.

    Chris

    Ich wollte ja noch eine kleine Kritik zu "Deadly Assassin" schreiben. Hier ist sie.

    Ehrlich gesagt war ich nach dem ersten Ansehen der Story sogar ein wenig enttäuscht. Speziell als Fan der frühen Jahre und damit des Mysteriums über die Macht und Ursprung der geheimnisvollen Timelords ist die Folge durchaus als Dämpfer zu sehen. In gewisser Weise schließe ich mich also durchaus der Kritik an, die sehr schön formuliert auf der BBC-Webseite zur Episode steht: "Once, Time Lords were all-powerful, awe-inspiring beings, capable of imprisoning planets forever in force fields, defenders of truth and good (when called in). Now, they are petty, squabbling, feeble-minded, doddering old fools. WHAT HAS HAPPENED TO THE MAGIC OF DOCTOR WHO?"

    Die Folge bringt die Timelords doch auf einen eher nüchternen und allzu menschlichen Boden zurück. Wir haben zwar schon in Folgen wie den "Three Doctors" bereits gesehen, daß auch die Zeitfürsten zu menschlicheren Kabbeleien und Schwächen neigen können, aber anderseits hat der Bergman-esque Auftritt in "Genesis of the Daleks" doch wieder die mystische Natur von weltenlenkenden Timelords betont. Mit "Assassin" hat sich dieses Image nun merklich gewandelt, und das durchaus mit etwas rabiater Robert-Holmes-Machart. So müssen sich Spandrell und Engin gleich mal vom Doktor anhören, daß Timelord-Technologie auf anderen Planeten nur als antiquierter Schrott gelten würde. Autsch.

    Auch ansonsten fallen einige Faktoren der Folge zumindest anfangs eher störend auf. So wirkt etwa Castellan Spandrell mit seinem osteuropäischen Akzent und seiner generell dezent unenthusiastischen Schauspielweise doch leicht irritierend. Aufgrund des fehlenden Companions verfällt Tom Baker anfangs in häufige Selbstgespräche bzw. eine recht konstruierte Erzählerrolle für den Zuschauer, was aber irgendwie noch zu seinem Charakter passt. Nebenbei bemerkt ist es wohl die einzige Who-Folge, in der überhaupt kein weiblicher Charakter vorkommt, von einer Stimme vom Band mal abgesehen. Aber das unterstreicht wohl nur die verknöcherte, patriarchalische Natur der Timelords. Irgendwelche gutaussehenden Timeladies mit modischen Klamotten, die nur zum Spaß regenerieren? Davor möge uns Rassilon beschützen. ;)

    Was auch auffällt, ist schon wieder Who-Dauergast Bernard Horsfall als Kanzler Goth. Soll er eigentlich der gleiche Timelord sein, wie jener im Tribunal aus den "Wargames"? Falls ja, wirkt die Charakterisierung hier völlig anders. Das Problem ist, daß er halt sehr deutlich als immer wieder derselbe Darsteller in verschiedenen Folgen auffällt. Bei Leuten wie Phillip Madoc muß man schon genauer hinsehen, um zu bemerken, das etwa der Warlord aus den Wargames und Solon aus "Brain of Morbius" der gleiche Schauspieler sind. Auch der dritte Who-Dauergast John Woodnutt darf sich in seinen häufigen Auftritten gerne mal hinter diversen Masken und falschen Bärten verstecken. Aber Bernard Horsfall hat das "Pech", sofort als großer, blonder, sonorer Leuchtturm aufzufallen. Auch stimmlich ist er bei der Verfolgungsjagd in der Matrix schnell zu erkennen, also auch hier keine große Überraschung.

    Zum Thema Matrix stellt sich wohl die Frage, warum diese allzu menschlich geprägt ist. Sollte sie als Schöpfung von Timelords für Timelords nicht auch den entsprechenden Kulturkreis widerspiegeln? Warum geht die Jagd nicht durch mystische Gefilde und Schlachtfelder der Timelord-Geschichte? Warum wird der Doktor nicht von Monstern aus der eigenen Mythologie angegriffen? Warum verwendet Goth keine Timelord-Waffen und Fallen? Warum sind überhaupt die Naturgesetze in der der Matrix gegen ihn und er muß sich soviel Mühe machen, wenn es doch seine eigene Welt ist? Was wir sehen, sind menschliche Dinge: Samurai, Clowns, Ärzte, Weltkriegssoldaten, Bimmelbahnen, Doppeldecker, Gewehre. Hier spielt sicher auch das Budget mit rein, aber ein wenig "unirdischer" Einfallsreichtum wäre nett gewesen, denn gerade die verstörenden Bilder und die fehlende Rücksichtnahme auf das Kinderprogramm sind sehr gelungen. Okay, Philip Hinchliffe hat es dann eine Versetzung gebracht, nicht unbedingt zum Vorteil der Serie.

    Wie gesagt, beim ersten Ansehen gefiel mir die Handlung gar nicht mal so überragend, auch der recht eindimensionale Knochenkopp als Master hat eher wenig Stil. Die Story wird aber IMO beim mehrmaligen Ansehen ständig besser, weil einem immer mehr Details und kleine Holmes-Ideen auffallen, die ein sehr ungewöhnliches Who-Erlebnis aus der ganzen Sache machen. So erscheint einem der etwas zu desinteressiert wirkende Castellan Spandrell später als eigentlich genau passend und pragmatisch-ruhig dargestellt bzw. als interessanter Gegenpol zu den Ränkespielen im Hintergrund. Typisch für Robert Holmes sind sicher auch einige satirische Anspielungen zum Thema Wahrheiten und Geschichtsfälschung. Hier fällt auch die ambivalente Darstellung von Cardinal Borusa auf, der einerseits eher die negative "Elite" vertritt, zum Ende hin aber fast sympathisch wirkt, als er dem Doktor lächelnd als Lehrer eine positive Bewertung gibt.

    Es wird zumindest wieder sehr deutlich, warum der Doktor nicht in diese elitäre Gesellschaft passt und sehr gerne und unbehelligt wieder auf Reisen geht. Und das ist vielleicht auch der Vorteil, den eine nun eher nüchterne Darstellung der Timelords mit sich bringt: sie bieten dem Doktor als Gesellschaft mit Schwächen und Intrigen mehr Reibungsfläche, als es mit zu mächtigen und passiven Wesen möglich gewesen wäre. Ob dieses Potential in späteren Jahren dann ordentlich genutzt wird, ist aber eine andere Frage.

    Chris

    Es geht bei dieser Diskussion um Technik. Um Werkzeuge. Nicht um Werte. Wenn du deine Werte und dein Weltbild aus deiner Hardware ziehst, gut. Anderen ist es eben schlicht egal und die, da zähle ich mich auch dazu, werden es auch nie begreifen, dass du so darauf bestehst, mit einem unterlegeneren PC die Welt verbessern zu können.

    Sorry für die verspätete Antwort, ich war seit letzter Woche nicht mehr online.

    Du ziehst eine deutliche Trennlinie zwischen "Werkzeugen", "Technik" und "Werten". Die Frage, die sich mir stellt, ist aber, ob man diese Trennlinie so radikal ziehen sollte. Sagt es nicht etwas über eine Gesellschaft und deren Zukunft aus, wie sie mit ihrer Technologie, den Wurzeln ihrer Technologie, ihren Medien etc. umgeht? Sagt es nicht etwas über das Verhältnis zum einzelnen Medium aus, ob dieses auf einem Datenträger mit 1,44 MB liegt oder zu Abertausenden auf einer Terabyte-Platte? Es sind alles Facetten eines größeren Themas. Ich zitiere mich mal selbst von anderer Stelle:

    "Wir haben mittlerweile von der Mentalität her irgendwie einen Stand erreicht, an dem z.B. Computer nicht mehr als Inspirations- und Kreativitätsquellen (und nette kleine Wunderwerke) betrachtet werden, sondern nur noch banal mit Gebrauchs- und Wegwerfartikeln wie einer Rolle Klopapier gleichgesetzt werden. Das selbe gilt zunehmend für Filme, Musik, persönliche und greifbare Medien aller Art..."

    Etwas weiter ausholend: wenn ein Künstler z.B. seit Jahren das gleiche Musikinstrument benutzt oder die gleiche "uralte" Staffelei oder Töpferscheibe oder als Autor gar eine mechanische Schreibmaschine, dann gilt das als akzeptiert. Es gehört zum Umfeld und der Künstler bezieht einen Teil seiner Inspiration und seiner "Werte" aus seinem Werkzeug. Wenn man hingegen seit 15 oder 20 Jahren oder mehr den gleichen Rechner oder den gleichen Videorekorder etc. benutzt, dann gilt das als weit weniger akzeptiert. Dann wird die Frage gestellt, warum man sich denn freiwillig "einschränkt", warum man denn auf den "Bonus" all der modernen Hochleistung und all der etablierten Standards für Bequemlichkeit und Unterhaltung verzichtet etc. Warum? Wo ist der Unterschied eines technischen Gerätes als Inspirations- und Kreativitätsmedium zu einem hochgeschätzten alten Musikinstrument? Warum darf eines alt und wertgeschätzt sein, das andere aber muß per definition neu und up-to-date sein?

    Ein Wert, den ich persönlich aus alter Technik ziehe, ist z.B. die Freude an der Imperfektion und den Ansporn, etwas daraus zu machen. Oder auch die Bescheidenheit, mit Anforderungen auszukommen, die sich nicht im Giga- und Terabereich bewegen. Dich beeindrucken die nichtssagenden Screenshots nicht, mich beeindrucken keine Dinge, die in Gigabyte und Gigahertz herumrotzen müssen, um ein visuelles und akustisches Resultat zu bringen. Dann lieber ein "antiquiertes" Betriebssystem wie DOS, das im Prinzip über 30 Jahre alt ist und nicht mehr als 640 KB Arbeitsspeicher "versteht" und trotzdem das stabile Fundament für eine hübsche (und Bildästhetik ist Geschmackssache) Oberfläche wie auf den Screenshots darstellt.

    Und das installieren ist hier eben keine Sache, bei der man nebenher sein "Werkzeug" up-to-date bringt, sondern ein Aspekt eines Hobbies Computerei, die sich IMO individueller (und ja, umständlicher und langwieriger) gestaltet, weil einem DOS und 16-Bit-Windows noch diverse Freiheiten geben, wie z.B. seine Konfiguration und seine ini-Dateien von Hand selbst zu schreiben oder das System soweit zu kürzen, wie es möglich ist (das Windows zu den obigen Screenshots selbst ist etwa 8 MB groß). Hat man diese Freiheiten und diesen Bonus noch bei Black-Box-Systemen wie Windows 7? Oder anders gesagt: interessiert es noch jemanden, ob man diese Freiheiten noch hat oder reicht es aus, wenn das Werkzeug nach außen hin funktioniert? Aus dem Hobby Computerei ist ein reines und kaum individuelles Anwenden an der bunten Oberfläche geworden, aus dem Wunderwerk ein 08/15-Gebrauchsgegenstand, das Medium jederzeit beliebig verfügbar. Und das erscheint mir persönlich nicht als Fortschritt.

    Meinungsmäßig werden wir zu dem Thema nie zusammenkommen, denn du siehst halt unterlegene Hardware, zuviel Aufwand und fehlenden "Bonus", wo ich interessante Imperfektion und Herausforderung sehe, denn auch in 20 Jahre alten Rechnern oder in 640 KB Arbeitsspeicher kann ein ganzes Universum stecken. Dennoch ist die Diskussion hier im Forum eine der Interessantesten, die ich seit langem gelesen habe. Wahrscheinlich fange ich deswegen immer wieder davon an, obwohl ich versprochen hatte, damit aufzuhören.

    Chris

    Jetzt muß ich entgegen meines Versprechens den alten Thread doch noch kurz nach vorne ziehen. Bitte nicht hauen. Es sind gegenüber älteren Rechnern und 16-Bit-Betriebssystemen einfach einige Aussagen über Häßlichkeit, Nutzlosigkeit etc. aufgestellt worden, die ich so nicht stehen lassen mag. Dieser Tage habe ich nach einigen Monaten 386er auch mal wieder den Pentium 166 angesteckt und ihm ein hübsches DOS 6.20 und Windows 3.11 spendiert - das IMO letzte sympathische Betriebssystem aus dem Hause Microsoft. Hier mal ein paar Bilder zur 16-Bit-Installation bzw. ein Link zu mehr Bildern. Das würde jetzt auch keinen Pentium brauchen, auch jeder etwas besser ausgestattete 486er kann das:

    Diese und weitere Bilder gibt es unter dem folgenden Link:

    http://www.bruchbach.de/wfwneu.htm

    Das wird hier vermutlich nur irritiertes Kopfschütteln auslösen, aber ich wollte es nur noch gesagt haben.

    Chris, demnächst auch wieder Who-Zeugs schreibend

    Mein Muppet-Thema im anderen Thread hat mich darauf gebracht, doch mal ein Skript zu schreiben, wie es hätte aussehen können, wenn der Doktor 1977 tatsächlich als Gaststar bei der Muppet Show gewesen wäre.

    Das Folgende ist nur auf die Schnelle zusammengetippt, aber es sind IMO ein paar nette Ideen drin. Es ist jetzt nur ein Gerüst für Doktor-Szenen, das unvollständig ist und Musiknummern etc. ausläßt. Die Dialoge habe ich auf Englisch geschrieben, auf Deutsch wäre mir da wohl nichts eingefallen. Das ist wohl eher etwas schräges für Fans beider Serien, aber davon scheint es ja hier doch ein paar zu geben. Also enjoy...The Muppet Show Season 2 starring Tom Baker as The Doctor:

    [Szenen vor dem Vorspann]

    Szene im Umkleideraum für Gaststars, der Raum ist leer. Kermit und Scooter kommen zur Tür herein.

    Scooter: "See, boss, I told you. The famous Bernie Shishkowicz, celebrity fishbowl juggler, will not appear on the show for 2 bucks a night. He just walked out on us..."

    Kermit: [panisch] "But that´s terrible. We have no guest star for tonights show. What are we gonna do?"

    Scooter: [theatralisch] "We sure are in peril. Who will help us? Who? Who?"

    Für einige Sekunde ist Stille, ein paar Grillen zirpen.

    Kermit: [achselzuckend] "Apparently nobody..."

    Das Geräusch der landenden Tardis ist zu hören. Die Tardis erscheint in der rechten Ecke des Umkleideraumes. Die Tür öffnet sich und der Doktor und Leela tauchen auf und sehen sich vorsichtig um.

    Leela: [skeptisch] "Doctor, are you sure this is the Golden Citadel on the Holy Mountain of the planet Zebulax 4?"

    Doktor: "No. I might have slightly miscalculated the coordinates. This seems to be some..."

    Leela unterbricht den Doktor, als sie Kermit und Scooter bemerkt. Sie zieht ihren Dolch und stellt sich vor den Doktor.

    Leela: [deutet] "Look. They are strange creatures on this world..."

    Doktor: "Well, in the infinite variety of an infinite universe one can expect to meet all sorts of sentient beings. And I taught you never to judge a book by its cover..." [winkt freundlich zu Kermit und Scooter] "Hello there. I am the Doctor and this is Leela. We just dropped in..."

    Kermit: [nachdenklich] "Say. Are you weird folk maybe some sort of famous celebrities from somewhere?"

    Doktor: "Hmmmmm? Well, you might say that some people from one end of the universe to the other may have heard about me..."

    Scooter: "Are you famous? I mean, do people run to you when they see you?"

    Doktor: "I see a lot of people running, but actually..."

    Kermit: [unterbricht] "That´s good enough for me. You two are hired. You are the guest stars on tonights show..."

    Scooter: [deutet auf Leela] "And maybe your friend could wear some decent clothes before Sam sees her..."

    Kermit und Scooter gehen. Leela steckt den Dolch wieder weg.

    Leela: "This is indeed a strange tribe. I think the Little Green One is their High Priest..." [verschwörerisch] "Shall we overthrow their society?"

    Doktor: [tadelnd] "No. That would be impolite..." [grinst] "Let´s just enjoy the show. Whatever that means..."

    Er rückt sich seinen Schal zurecht und sie verlassen den Umkleideraum.

    [Vorspann läuft]

    --------

    Nach der ersten Musiknummer: der Doktor und Leela sehen sich hinter der Bühne um. Leela ist immer noch nervös und betrachtet alarmiert die Umgebung. Hinter ihr laufen Sweetums und Gorgon Heap durch das Bild und winken freundlich.

    Leela: [unsicher] "Why are the beasts not attacking? Doctor, do you think this might be some sort of...Carnival of Monsters?"

    Doktor: "No. Well. At least it looks different from the last one I saw..."

    --------

    Ansager: "And now it is once again time for Pigs in Space. Starring the daring Captain Link Hogthrob. The fabulously First Mate Piggy. And the describable Doctor Julius Strangepork...Last time we met the Swine Trek, the crew was in terrible danger from an unseen enemy out of time..."

    Die Szene wechselt auf die Brücke. Rote Alarmlichter blinken. Piggy und Dr. Strangepork sind in Panik, nur Captain Link stochert desinteressiert in einem grauen Klumpen Essen auf einem Teller herum.

    Piggy: [panisch] "They are horrible..."

    Strangepork: [panisch] "We are doooooomed..."

    Link: [stochert in Essen] "My chopped liver tastes bland..."

    Zwei Schatten zeichnen sich an der Wand ab. Sie sehen aus wie Dalek-Schatten und kommen bedrohlich näher. Piggy und Strangepork rufen um Hilfe.

    Strangepork: "Quick. We must flee..."

    Piggy: [laut] "No. I can´t. I just...twisted my ankle." [dramatische Musik]

    Der Doktor kommt heroisch mit wehendem Schal zur Tür herein. Große Runde Applaus.

    Piggy: "Oh. Thank you. Oh, save me, mighty Doctor, save me..."

    Strangepork: [mutig] "Really? Well. I will try my best..."

    Piggy: [sauer] "No. Not you, snoutface..." [himmelt den Doktor an] "I mean this cuddly and handsome Doctor here. The definite article, you might say..."

    Strangepork: [beleidigt] "College-Boy, eh?"

    Der Doktor zieht den Sonic Screwdriver, während die Dalek-Schatten näher kommen. Er sieht nicht sehr zuversichtlich aus.

    Doktor: "Thank you for your trust. But I think just this once I might lose..."

    Link blinkt endlich von seinem Teller auf und entdeckt, wonach er gesucht hat. Er geht mutig nach vorne auf die Dalekschatten zu. Diese stellen sich nur als Schatten von einem Salz- und einem Pfefferstreuer heraus, die jemand nah vor einen Scheinwerfer gehalten hat. Link kommt mit den Streuern zurück ins Bild und salzt und pfeffert sein Essen.

    Link: "So that´s what my chopped liver needed. Some salt and pepper..."

    Alle atmen erleichtert auf und Piggy knuddelt den Doktor.

    ------

    [Szene hinter der Bühne, Sam the Eagle begegnet dem Doktor. Dieser ist gerade dabei, sein Ohr an ein Glas Wasser zu halten, bevor er daraus trinkt. Sam mustert den Doktor abschätzig von oben bis unten und schüttelt den Kopf.]

    Sam: [verärgert] "Sir. Let me say that I have seen a lot of weirdos on this sick program. But you are certainly a new low. I mean...just what are you supposed to be? Some left-wing bohemian raggamuffin beatnick I say. You are the most oddly dressed person I have ever seen..."

    Doktor: "How very nice of you. Don´t you think it´s nice, Leela?"

    Sam bemerkt erst jetzt Leela in ihrem eher dürftigen Outfit.

    Sam: [hält sich gehend Augen zu] "Good Lord. I am shocked and appalled."

    Leela: [achselzuckend] "What was all that about? Was the Beaked Sky God not pleased by my appearance?"

    Doktor: "No. I wonder why. Must have something to do with your hair..."

    ------

    Ein Zeittunnel öffnet sich hinter der Bühne neben Kermits Schreibtisch. Zwei Daleks rollen aus dem Tunnel und sehen sich um.

    Dalek 1: "The Doctor must be here. Our time scanner has traced his Tardis. We will find him. He will be exterminated. Go and search..."

    Dalek 2: "I obey..."

    Dalek 1: "We will search everywhere. Every room. Every place. Every..."

    Er dreht sich um und bemerkt die Treppe nach oben.

    Dalek 1: "We will wait until he comes downstairs..."

    ------

    Der Doktor und Leela haben eine Unterhaltung mit dem Swedish Chef. Das heißt, der Swedish Chef redet unverständliches Zeug (irgendwas über "time pudding") und gestikuliert mit seinem Rührbesen. Der Doktor und Leela nicken nur mit einem bemühten Lächeln, bis der Chef endlich geht.

    Leela: "Doctor, what did he say?"

    Doktor: "I haven´t the faintest idea..."

    Leela: [nachdenklich] "But Doctor, didn´t you say the magic...I mean...the science of the Tardis will translate every existing language for us?"

    Doktor: "Yes. Makes you think. Even a Tardis has its limits..."

    ------

    [Fozzie hat Trouble auf der Bühne. Er hat seinen Zettel mit Gags für die heutige Show verlegt und improvisiert lahm. Ein Dalek rollt auf die Bühne.]

    Fozzie: "Hey. This must be the new gag machine I ordered. It will give me automatically a cue for the next joke..." [leise zu Dalek] "Okay, help me out of this, gag machine. What´s my cue?"

    Dalek 2: [drohend] "You will obey. Where is the Doctor? Answer me..."

    Fozzie: [zu Publikum] "That´s right. You will laugh so hard about my next jokes, you will certainly need a Doctor..." [denkt kurz nach] "And now my new joke machine will give me some lines. Anything. And I will turn them into a funny joke." [zu Dalek] "Go on. Give me something funny. Anything..."

    Dalek 2: [drohend, hysterisch] "Impudent hairy creature. You will not stand in the way of the Daleks. You will be exterminated. All of you will die now in horrible agony. Extermination and doom is imminent..."

    Fozzie: [denkt kurz nach] "Funnneeeeeee. Great stuff. Okay. Here we go. This impudent hairy horse comes into a bar. The barkeeper says..."

    Die Szene wechselt zu Waldorf und Statler.

    Waldorf: "Poor Daleks. No sense of humor, eh?"

    Statler: "Well, then Fozzie is just the right man for them..."

    Beide lachen, während die Szene zurück zu Fozzie wechselt.

    Fozzie: "...and then the rabbit says: sure, but all my carrots just got exterminated. Eh? Eh? Carrots. Exterminated. Funny. Eh?"

    Kein Lacher aus dem Publikum, jemand hustet, jemand jammert leise. Der Dalek betrachtet die Szene mit Interesse.

    Dalek 2: "So bad bear humor is harmful to humans. This will serve us. You will come with the Daleks. We need your bad jokes to harvest..." [dramatische Musik] "...the bear factor. Now move. Moooooove..."

    Der Dalek scheucht den protestierenden Fozzie von der Bühne. Allgemeiner Applaus brandet auf.

    Die Szene wechselt zu Waldorf und Statler.

    Waldorf: "I think these Daleks are not so bad..."

    Statler: [schockiert] "How can you say that with all their threats? How can you possibly think that out of all their evil something good may come?"

    Waldorf: [achselzuckend] "At least they shooed Fozzie from the stage..."

    Beide klatschen und applaudieren ("Hooray...")

    -----

    [Szene hinter der Bühne. Piggy wirft sich dem Doktor an den Schal. Dieser wirkt wenig glücklich darüber.]

    Piggy: "So. You are a travelling man I hear. A man of culture and dignity. What do you think about my singing voice in the last number?"

    Doktor: "Well. Errrr. As a travelled man who has seen many things in time and space I can say with all sincerity and truth that...errrr...your voice as cabaret singer might be even better than the singing voice of a Cyberman."

    Piggy: "Is that so?" [denkt kurz nach] "Ooooh, thank you, Sweetheart. Now... Kissy Kissy..."

    Doktor: [leise] "Let´s hope the Cybermen never hear about that..."

    Piggy wirft sich dem Doktor noch mehr an den Schal, sehr zum Mißfallen von Leela, die im Hintergrund auftaucht und dazwischen geht.

    Leela: [laut] "Leave the Doctor in peace, Porked One, or I shall slay you and roast your ribs..."

    Piggy: [mürrisch] "Jelaous girlfriend, eh? Well let me say two things to you. First: get some clothes. Second: hiiiiiiii-aaaa..."

    Piggy holt zum Karateschlag aus und sie und Leela beginnen off-screen eine wüste Prügelei. Der Doktor versucht zu schlichten, aber ohne Erfolg. Leela wankt ziemlich zerzaust und belämmert zurück ins Bild.

    Doktor: [tadelnd] "I told you not to harm any creature here, savage..."

    Leela: [atemlos] "Told me? You should have told her. She must be a mighty warrior in her tribe..." [Sie kippt nach hinten um].

    Der Doktor sieht sich kurz um und schleicht dann aus dem Bild.

    ------

    Kermit: "Say Fozzie, how did you get rid of that Dalek thing?"

    Fozzie: "Well, he ordered me to tell him all my jokes. So I did."

    Kermit: "And?"

    Fozzie: [beleidigt] "He started to smoke and exploded..."

    Doktor: [beruhigt] "That accounts for one Dalek. But what happened to the second one? They are terrible foes and you must be careful..."

    Kermit: "Don´t worry. I have a feeling we Muppets will find a way to deal with him..."

    Die Szene wechselt zum anderen Dalek, der hinter der Bühne herumsteht. Floyd und Zoot kommen vorbei.

    Floyd: [bemerkt Dalek]: "Now this is one funky musicbox, man. Finally the frog starts to decorate this shack with some style..."

    Sie gehen weiter und Animal kommt vorbei.

    Animal: "New drums. New drums..."

    Er springt auf den Dalek und bricht das Auge ab und benutzt es als Stock auf die Oberseite des Dalek. Von einer drohenden Exterminierung kaum beeindruckt, haut Animal den Dalek zu qualmendem Klump.

    [wir sehen Teile des Daleks in der finalen Musiknummer als Teil von Animals Schlagzeug]

    -----

    Kermit: "We have come to the end of yet another show. But before we go, let´s all thank tonights guest star. Doctor Who...ever you are..."

    Der Doktor kommt unter Applaus auf die Bühne und verneigt sich.

    Kermit: "But before you go, I think some of our Muppet monsters grew so fond of you, they want to say goodbye personally. Come on stage, guys..."

    Anstelle von Muppets kommen ein Cyberman, ein Draconian, ein Zygon, ein Wirrn, ein Yeti, ein Sea Devil und ein Auton auf die Bühne.

    Kermit: "Hey. Wait a minute. These aren´t our monsters..."

    Doktor: [grinst] "I know. They are mine..."

    Kermit: "Anyway, see you all next time on the Muppet Show."

    [Abspann läuft]

    Kommentare sind jederzeit willkommen.

    Chris

    Tja, wenn Pouet auch nur 1 Ergebnis findet, dann scheint das Thema Doctor Who in der Demoscene bisher wirklich kaum umgesetzt worden zu sein. Schade, die Vorlage würde bestimmt viele Ideen für Effekte, Tunneleffekte, handgepixelte Bilder etc. liefern, die man alle irgendwie in einen Who-Kontext setzen könnte. Das könnte ich mir jetzt auch gut auf dem C64 vorstellen.

    Hier ist übrigens ein Beispiel für eine themen- bzw. charakterbezogene Demo, die wirklich professionell an die Grenzen des Systems geht: die "Batman Forever"-Demo für den 8-Bit-Rechner Amstrad/Schneider CPC mit 128 KB RAM. Sehr beeindruckend, muß ich auch als Commodore-Fan zugeben. Sowas müssten Profis mal mit einem Who-Thema umsetzen.

    http://www.youtube.com/watch?v=dqjZNnjNu3Y

    Chris

    Ich habe mir die deutsche Synchro nur stichprobenweise angesehen, gerade auch an Stellen, bei denen ich den Eindruck hatte, daß sich der Witz nicht adäquat übersetzen lässt. Und das war dann leider auch meistens so. Als typische ZDF-Synchro wurde bemüht, aber auch sehr frontal übersetzt - inklusive vieler Songs, die im Original viel gewitzter klingen würden.

    Und es sind einfach Stellen drin, die sind bei aller Mühe völlig unübersetzbar. Aus der ersten Staffel fallen mir da spontan der "telephone pole"-Sketch mit Scooter und Fozzie ein oder der Running Gag mit "letter/note/flour/flower for Kermit the Frog..." etc. Ein anderes Beispiel für eine eindeutschende ZDF-Synchro sieht man in der Folge mit Stimmenimitator Rich Little aus Staffel 2. Da wurden seine parodierten "Stars" in der Synchro auch getauscht, anstelle von Richard Nixon hört man dann z.B. Theo Lingen und Hans Moser. Für deutsche Zuschauer nett gedacht, aber es passt dann häufig auch nicht zur Mimik und zur Gestik.

    Außerdem sind die Stimmen im Original irgendwie viel genialer und Leute wie Jim Henson, Frank Oz und Dave Goelz gehören irgendwie zu den Figuren. Und wenn man den Swedish Chef im genialen Original gehört hat, findet man das deutsche "Smörebröd röm pöm pöm pöm" irgendwie nicht mehr so kultig wie früher. Das ist einfach wieder so ein Fall, wo man die deutsche Fassung vielleicht sogar lange zufrieden geguckt hat, aber nachdem man einmal das Original gesehen und gehört hat, möchte man einfach nicht mehr zur Synchronfassung zurück. Was eigentlich unfair gegenüber den deutschen Sprechern und Übersetzern ist.

    Die Zielgruppe war IMO eigentlich immer die erwachsenere Zielgruppe bzw. quer durch alle Altersschichten. Der deutsche Zuschauer ist halt schnell zur Stelle mit dem "Kinderprogramm"-Rufen, wenn in einer Serie irgendwelche Trickfiguren oder Puppen vorkommen. Viele Bezüge in der Muppet Show waren schon immer obskur, siehe z.B. Sams "I have here a list..." im obigen Film, was sich direkt auf Senator McCarthy und seine Kommunistenliste bezieht.

    Was den neuen Film betrifft: ich bin ein bißchen skeptisch, daß der zu sehr aus einem Mischmasch aus kalkulierter Nostalgie und zeitgemäßem Stil "for a modern audience" mit tonnenweise Popkulturgags, Disney-"Stars" und digital animierten Muppets in Ganzkörperansichten besteht. Aber ich werde ihm bei Gelegenheit eine Chance geben.

    Hier noch zwei meiner Lieblingsszenen: Sam the Eagle und "a William Shakespeare" und Sam, der Rudolf Nurejew als vermeintlichen Hippie rausschmeißt :) .

    http://www.youtube.com/watch?v=wYUBnHuYm5U

    http://www.youtube.com/watch?v=zQVoBa…C9EE62660A1B913

    Chris

    P.S. Die Serie hatte ja auch recht viele britische Stargäste. Wäre doch irgendwie cool gewesen, wenn auch Tom Baker als Gast dabeigewesen wäre, vielleicht gleich als Doktor. Oder hätte es seiner Rolle geschadet, wenn er Puppenspaß macht?

    EDIT: ich habe im Fanfiktion-Bereich mal ein kleines Skript dazu gepostet.

    Mein seltsamer Seriengeschmack betrifft ja nicht nur obskure britische Kinderserien aus den 60ern/70ern über irgendwelche Zeitreisen ;). Eine andere meiner (wiederentdeckten) Lieblingsserien ist die klassische Muppet Show vom leider viel zu früh verstorbenen Jim Henson. Durch Vermarktung im Disney-Stil und neuen Film sind die Muppets ja gerade wieder in aller Munde. Hier zwei Beiträge, die ich vor einigen Monaten zur Serie geschrieben habe, inklusive einiger Filmschnipsel-Links. Als ich die unteren Beiträge geschrieben habe, hatte ich noch einen digitalen Scheibendreher. Mittlerweile habe ich meine Lieblingsfolgen aber auch analog im Originalton, da muß ich also nicht auf einen gepflegten Muppet-Abend verzichten. Die deutsche Frontalsynchro ist bemüht, kann aber leider nicht an das Original heranreichen.

    Hier die zwei Beiträge. Vielleicht interessiert es ja jemanden hier. Sind zufällig klassische Muppet-Fans da oder bin ich der einzige mit einem Seriengeschmack, der Who und Muppets an vorderster Stelle beinhaltet? ;)

    Beitrag 1:

    Nun muß ich ausgerechnet eine gepflegte Schnickschnackscheiberei loben, die ich zu Weihnachten bekommen habe. Sie kam auffallend spät auf den deutschen Markt, aber sie kam doch noch: The Muppet Show, komplette Staffel 1 von 1976 mit allen 24 Folgen.

    Ich hatte nicht mehr allzu detaillierte Erinnerungen an die Sendung, die seinerzeit immer nachmittags im ZDF in der deutschen Version lief. Um so positiver war ich nun überrascht, gerade schon in der ersten Staffel soviele wirklich gelungene Szenen, Gags und kreative Ideen zu finden. Und so bemüht die deutsche Übersetzung war, an Originalton und die stimmlichen Talente und Charakterisierungen von Sprechern wie Jim Henson und Frank Oz kommt sie nicht im geringsten heran. Wo das Original etliche Wortspiele, Dialekte, Akzente und stimmliche Charakterfacetten aufweist, bleibt die Synchro bei einigen Stichproben doch recht bieder hochdeutsch und bisweilen arg kalauernd.

    Besonders lobenswert sind natürlich die Gaststars, die bereits in der ersten Staffel dabei waren. In späteren Jahren, als die Show ein Quotenhit wurde, haben sich die Promis natürlich um Auftritte für Eigenwerbung gerissen, aber 1976 waren die Chancen dieser in England produzierten Serie noch sehr unklar, gerade was die US-Quote betrifft. So wurden viele Szenen tatsächlich nur für den britischen Markt produziert und waren nie im US-Fernsehen zu sehen. Trotzdem fanden sich auch am Anfang schon einige Berühmtheiten wie Vincent Price oder Sir Peter Ustinov als Gäste ein. Bei anderen der frühen Gäste mußte ich auch als Kenner der Medienlandschaft der 70er ein wenig überlegen, bis mir zum Namen mehr eingefallen ist. Aber auch da sind interessante Leute dabei, wie z.B. Allroundtalent Candice Bergen, die Tochter von Edgar Bergen, die als Schauspielerin, Fotografin, Malerin, Autorin, Frauenrechtlerin, Model und wasweißich tätig war bzw. ist.

    Ein brillanter Aspekt der Serie sind aber natürlich die Charaktere wie Kermit, Miss Piggy, Fozzie Bear, Gonzo, Rowlf, Scooter, Sweetums, Dr. Teeth, Animal, Janice, Sergeant Floyd Pepper, Zoot (die letzten Fünf auch bekannt als Band "Electric Mayhem"), Sam the Eagle, Uncle Deadly, Gorgon Heap, Swedish Chef, Statler und Waldorf und manch andere. Einige der sympathischen Charaktere aus Staffel 1 wie etwa Hilda, die Garderobenlady mit rumänischem Akzent, oder George der muffige Hausmeister kommen in späteren Staffeln leider nicht mehr vor. Als mein Lieblingscharakter stellt sich aber wieder der grottensympathische Fozzie Bear heraus, vielleicht der einzige Bär, dem ich vertrauen würde ;-). Hier sehen wir ihn auch noch in seinem alten Modell mit beweglichen Mundwinkeln und wackelnden Ohren, gefällt mir irgendwie besser als der spätere Entwurf.

    Was natürlich auffällt, ist der stark klassische Aspekt von Variete und Vaudeville in der Show. Viele Szenen von Kermit und Fozzie wirken, als könnten sie auch von Groucho und Chico Marx vorgeführt werden - was nicht bedeutet, daß ihnen die Muppets keinen sehr eigenen Stempel aufdrücken. Eine frühe Folge zeigt Kermit sogar beim Singen einer alten Groucho-Nummer, "Lydia the Tattooed Lady" mit einem rothaarigen, leicht bekleideten Schwein. Was hinter der Bühne natürlich Dresche aus der üblichen Richtung für ihn bedeutete. Pig Power!!!

    Die Inspirationen für Songs und Gedichte gehen natürlich quer durch die größten Talente: Irving Berlin, Cole Porter, Rodgers und Hammerstein, Arthur Freed, A.A. Milne und so weiter. Dabei ist auch gar nicht jedes Stück nur auf reinen Humor aus, auch so manch leisere Nummer überrascht, wie z.B. der Frosch Robin und sein "Halfway Down the Stairs" von A.A. Milne, "Mister Cellophane" gesungen von Gaststar Ben Vereen oder ein Sketch mit Sandy Duncan und dem traurigen Sweetums. Wobei auch viele schrägere Gags wunderbar sind, siehe z.B. das surreale "Hugga Wugga" oder der "Willow Tit Willow"-Sketch mit Rowlf am Klavier und einem sehr angesäuerten Sam the Eagle.

    Auf jedem Fall ein sehr schönes Geschenk, daß mir nun einige Tage Freude bereitet hat und für das ich sogar den Scheibendreher aus dem Schrank geholt habe. Das Interessante an der Show ist eben auch, daß man mit schauspielerischem Können auch aus simplen Puppen und Handfiguren lebende und atmende Charaktere mit Facetten machen kann. Das wird heutzutage gerne vergessen, da man die Erschaffung empathischer Charaktere nun gerne dem CGI-Film mit dicker Renderfarm zuweist.

    Das Herz der Show und der Charaktere ging vermutlich verloren, als Jim Henson 1990 starb (sehr traurige Geschichte, siehe hier) bzw. spätestens durch den Aufkauf der Rechte durch Disney. Wo die Figuren heute stehen, zeigt wohl ein kleiner Trailer am Anfang von DVD 1, der Werbung für irgendeine Popshow mit den Muppets und den "Stars" des Disney Channels macht. Meh. Ich warte auf jeden Fall gerne auf das Staffelset zu Staffel 2 und weiteren Staffeln. Irgendwann kommt ja auch noch der bekannte (und irgendwie doch sehr traurige) Auftritt von Peter Sellers als Gast. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Und weil ich gerade in Schnickschnacklaune bin, hier ein paar Filmchen mit online und so, alles Material aus der oben genannten Staffel 1:

    http://www.youtube.com/watch?v=ueuA-9pqRok

    http://www.youtube.com/watch?v=JN5Mqr6tRlw

    http://www.youtube.com/watch?v=qGFR3zz12p0

    http://www.youtube.com/watch?v=JEilPR1PXko

    Man beachte das osbkure McCarthy-Zitat im folgenden Segment:

    http://www.youtube.com/watch?v=iCVmKN5At_o

    Es sei aber natürlich die komplette Staffel in greifbarer Form empfohlen.

    Beitrag 2:

    Ich habe nun mittlerweile die 3. Staffel der Muppet Show auf Schnickschnackscheiberei da. Und obwohl allgemein gesagt wird, daß die Serie damals nach 5 Staffeln genau rechtzeitig von Jim Henson beendet wurde, habe ich persönlich doch ein wenig den Eindruck, als würde schon die 3. Staffel 1978 qualitativ nicht mehr so ganz an Staffel 1 und Teile von Staffel 2 rankommen.

    Schwierig zu sagen, woran der Eindruck liegt. Es fehlt ein wenig der kreative und anarchische Funke, den es gerade im ersten Jahr gab, alles wirkt etwas zu sehr nach Routine. Vielleicht liegt es daran, daß sich die glorreichen 70er dem Ende zuneigen, aber auch viele der Musiknummern sind nicht mehr ganz so funky wie am Anfang. Hatten z.B. in den frühen Folgen Electric Mayhem oft spontan wirkende jam sessions auf der Bühne, so treten sie jetzt fast nur noch als Begleitband für den jeweiligen Gaststar auf. Kaum noch Doctor Teeth und Floyd Pepper ist meist nur noch als Aushilfs-Fozzie hinter der Bühne und läßt eher laue Scherze ab. Meh. Auch Waldorf und Statler scheint ein wenig die scharfe Munition auszugehen, was kein gutes Zeichen ist.

    Die Gaststars wirken oft allzu ironiebefreit und spulen ihre Routine ab, inklusive dem obligatorischen "I had a great time here"-Spruch am Ende. Von einer Lebendigkeit und Freude an der Show wie z.B. bei Sandy Duncan und anderen aus Staffel 1 ist oft wenig zu merken. Konkrete Tiefpunkte dürften der trübe dreinblickende Sylvester Stallone und der selbstverliebte Grinsekuchen Liberace sein, letzterer in der vielleicht langweiligsten Folge der dritten Staffel. Nichtsdestotrotz gibt es auch ein paar richtig gute und sympathische Folgen und Nummern, z.B. jene mit Harry Belafonte und Danny Kaye. Man kann also auch noch auf Staffeln 4 und 5 hoffen.

    Einer meiner Lieblingsauftritte aus Staffel 1 ist die Fozzie/Ustinov-Szene hier am Anfang des Films. Nicht so sehr wegen des seichten Gags, sondern weil die Puppenspielerei bei Fozzie so genial ist:

    http://www.youtube.com/watch?v=8R8i-mN8mVM

    Eine Szene mit Fozzie und Harry Belafonte aus Staffel 3. Auch hier ist The Fozz in Bestform, man beachte aber, daß es die neue Puppe ist. Die alte Version aus Staffel 1 (siehe Film oben) erschien mir irgendwie lebendiger.

    http://www.youtube.com/watch?v=6AjovHGK-TA

    Und hier die berühmte und ich glaube preisgekrönte "Turn the World Around"-Nummer aus der selben Folge. Der Sonderabspann fehlt auf der Schickschnackscheiberei übrigens (mal wieder), hier ist nur der deutsche Standardabspann zu sehen. Der eher laue Muppet-Sports-Slapstick davor zeigt aber IMO auch wieder die dezenten S3-Probleme.

    http://www.youtube.com/watch?v=sNbByNaMhok

    Das sollte aber jetzt mal alles zum Thema sein.

    Chris

    Werfen wir einen kurzen Blick auf die Auftaktfolge der JNT-Ära. Ich hatte ja schon an anderer Stelle geschrieben, daß mir die Ära von Anfang an nicht mehr wirklich zugesagt hat. Hier ein paar konkretere Argumente:

    Das generelle Problem von "Leisure Hive" ist IMO, daß zuviele Elemente der Story nicht zusammenpassen oder sich nicht zusammenfinden. Das fängt bereits beim Auftakt mit dem langen und Tarkowski-artigen Kameraschwenk über den trüben britischen Strand an. Das wäre sicherlich ein guter Auftakt, um Atmosphäre für eine Folge zu etablieren, die in genau dieser Szenerie spielt. Hier aber passt die Szene kaum zum restlichen Ton der Folge und wirkt eher als Füllszene, die nur zu einem plumpen Herausschreiben von K9 aus der Story und zu einem müde schnarchenden Tom Baker führt. Und wie wohl bei keinem anderen Doktor ist es in Tom Bakers Endstaffel leider ersichtlich, wie überdrüssig er der Rolle doch geworden ist.

    Nach mehreren Minuten treffen wir auf Argolis ein, wo eine sterbende Rasse auf einem toten Planeten eine fröhliche Ferienanlage betreibt, in der ganz nebenher noch eine recht schwammig definierte Superphysik betrieben wird. Die hat irgendetwas mit einer Maschine zu tun, die Feriengäste unterhalten, Leute als Geisterbilder duplizieren, Leute in Einzelteile zerlegen, Leute altern und verjüngen, Rassen retten und Klone erzeugen kann. Eine eierlegende Wollmilchsau tachyonischer Proportionen. Und man wird nie so ganz den Eindruck los, als finden sich die Ideen wieder nicht zusammen - auf der einen Seite wird mit großen SciFi-Konzepten herumgeworfen, auf der anderen Seite ergibt vieles kaum Sinn. Sicher, das gab es schon immer bei Who, aber es fühlt sich hier subjektiv doch allzu steril und humorlos an. Der Eindruck ist ähnlich wie bei "Logopolis": wissenschaftliche Wunder von galaktischen Proportionen frisch aus dem Videomischpult und ohne "sense of wonder" für den Zuschauer.

    Die Folge hat auch noch eine andere spezifische Eigenschaft, die sie als Kind der 80er zeigt: die Nebenschurken sind Wirtschaftskriminelle, Agenten einer Foamasi-Corporation, es geht um Geld und Macht und Grundbesitz. Und hier käme auch der große Pluspunkt der Story zum tragen, denn sie spielt teilweise durchaus gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer: die "Monster" sind zum Teil die Guten, die Geschäftemacher sind kostümierte "Monster" und der noble Argolianer ist ein machtgieriger Oberschurke. Die Mentalität der "Außerirdischen" bleibt dabei stets recht menschlich und erdgebunden. Und die beste Herangehensweise an die Sache wäre wohl sprücheklopfende Satire und schräger Witz Marke Douglas Adams gewesen. So aber nimmt sich die Story IMO meist zu ernst, ohne zu den echten Fragen (wie der Gleichgültigkeit der Argolianer gegenüber dem Tod, dem Minuten dauernden High-Tech-Krieg oder dem Hive als Ort der Völkerbegegnung) je wirklich in die Tiefe zu gehen.

    Wo sich die Uneinheitlichkeit der Umsetzung auch noch deutlicher zeigt, ist beim seltsam farblosen Happy End. Die Argolians sind gerettet. Der Frieden ist gesichert. Die Liebenden finden zusammen. Sogar der Schurke bekommt eine neue Chance und ein neues Leben. Und das gerade abgeschossene Raumschiff der Foamasi? Mit einem fröhlichen "Did someone mention the Foamasi?" dackelt der Botschafter ins Bild und erklärt, daß doch nur sein von Schurken gekapertes Schiff abgeschossen wurde. Haben die Argolians nicht gewusst, als sie ein diplomatisches Schiff abgeschossen haben? Macht ja nix. Alles in bester Ordnung. Friede, Freude, Familienprogramm. Und dieser seltsam konstruierte happy Schluss passt auch wieder nicht recht zum Rest der Folge und erst recht nicht zum düsteren Stil der Mitte der 70er den vierten Doktor definiert hatte.

    Was gibt es Positives zu sagen: wie erwähnt spielt die Folge eine Weile recht gut mit den Erwartungen der Zuschauer und streift am Rand ein paar interessante Themen. Die Kostüme sind recht gelungen und die Tatsache, daß sich die dicken Foamasi so glaubwürdig als Menschen verkleiden können, nennen wir halt einfach mal den Scaroth-Effekt. Gelungen ist sicher auch Tom Bakers Alters-Make-Up, das ein wenig an seine Filmrolle als Rasputin erinnert. All das sind aber eher optische Aspekte. Im Bereich Charme und Who-Atmosphäre schneidet "Leisure Hive" zumindest bei mir weit weniger positiv ab. Und das ist es ja, was letztlich zählt. Wie man es auch dreht und wendet - die JNT-Ära hatte begonnen.

    Chris

    Liegt vielleicht daran, dass das überhaupt keine Bedeutung hat.

    Die Freude sollte vielleicht eher aus der symbolischen Bedeutung des Fundes kommen. Die Serials sind sicher nicht die besten und beliebtesten und auch nach wie vor nicht komplett, aber der Fund setzt ein positives Zeichen dafür, daß dort draußen vielleicht noch mehr ist, daß der Entdeckung harrt. In einer Welt, in der sich 2 Folgen so lange verstecken können, können es auch weitere.

    Ich persönlich hätte nicht mal gedacht, daß überhaupt noch komplette Folgen kommen, nachdem man annehmen könnte, daß jedes Archiv und jedes erdenkliche "Who-Versteck" inzwischen schon mehrfach durchsucht wurde. Man kann also hoffen.

    Chris

    Nicht hauen, aber wenn ich diesen Thread hier lese, dann komme ich mir wieder richtig glücklich vor, wenn mich mein Spiele-PC daheim mit Turbomode 25 Mhz und den berühmten drei kleinen Worten "MS-DOS wird gestartet" begrüßt :).

    Irgendwas Brauchbares habe ich zu der Diskussion aber nicht beizutragen, da mir Begriffe und Spieletitel eigentlich nichts sagen. Ich halte also besser mal die Klappe ;).

    Chris

    Wenn ich so darüber nachdenke, dürfte Creatures mein erstes Fandom gewesen sein. Good times! :D )

    Hehe, schön zu hören. Wobei mir halt wirklich schon mehrere Leute aus dem Entwicklerumfeld bestätigt haben, daß es beim zweiten und dritten Teil deutlich stärker in Richtung Spiel und "eye candy" entwickelt wurde. Experten für neuronale Netze im Team etc. hatten kaum mehr Mitspracherecht und es ging nur noch um Design. Ein Großteil der immensen Datenmengen neuer Teile sind denn auch Grafikdaten. Das künstliche Leben und vor allem die künstliche Intelligenz wurden mehr zur Mogelpackung mit vorgeskriptetem Verhalten etc. Überhaupt war es eine sehr unfaire Sache, da Steve Grand eigentlich der ursprüngliche Entwickler ist, auf dessen genialen Ideen alles aufbaut, der aber schon beim zweiten Teil nicht mal mehr in den Credits genannt wurde.

    Eine bezeichnende Geschichte, die ich noch aus Entwicklerkreisen hörte: es war für Teil 2 eigentlich ursprünglich eine komplexere Instinktroutine geschrieben worden, die das Verhalten hätte intelligenter machen können. Diese Routine hätte aber den simulierten Brutvorgang vor dem Schlüpfen verlängert, worauf von "oben" gesagt wurde, daß moderne Spieler nicht so lange warten wollen und man eine einfachere, vorgeskriptete Routine verwenden soll. So wurde es dann auch gemacht.

    Auch im ersten Teil findet man übrigens beim Suchen in der Technik etliche inaktive Funktionen und freie "Slots", die eigentlich ursprünglich mit in das Programm sollten, z.B. individuelle Erkennungsinstinkte, die z.B. aussagen "This my parent", "This is my child" und "This is my sibling". Die hatten aber im fertigen Programm keinen bzw. kaum Einfluss, um das Spielen einfacher zu gestalten. Ein paar davon lassen sich aber reaktivieren oder mit bestimmten Nornarten nutzen.

    Ich habe das Spiel vielleicht auch stets "falsch" gespielt und immer mehr auf den einzelnen Norn als Individuum geachtet, anstatt auf größtmögliche Zuchtzahlen. Da kamen dann mit den Jahren sehr interessante Entwicklungen und Ergebnisse heraus und die Genzahlen, Lobi und Neuronen wurden immer höher. Was aber nicht nur irgendwelche Zahlen im Spiel sind, sondern sich IMO auch tatsächlich auf KI, unerwartetes Verhalten und Auffassungsgabe niederschlägt. Wie gesagt, faszinierend. Der "uralte" Teil 1 hat da Qualitäten, die allen späteren Nachfolgeversionen einfach fehlen.

    Das gesamte Genre gibt es aber heute irgendwie kaum noch in der ganzen Komplexität mit KI, Genetik, Biochemie etc. dahinter. Simulierte Lebewesen sind heutzutage wohl nur noch kalkuliert niedliche Nintendogs und Co. Schade. Dabei hätte sogar ich eine Entwicklung dieses ganzen Artificial-Life-Themas als wirklichen Fortschritt gesehen.

    Hier habe ich noch einen interessanten Screenshot von Norn Seli, die immer eine ungewöhnliche und von anderen Norns abweichende Reaktion auf das Streicheln gezeigt hat:

    Aber ich babble wieder zuviel threadthemenfremdes Zeug, sorry.

    Chris

    Jetzt bin ich doch mit meinen Lieblingsdoktor in die Who-Hörspiele eingestiegen und habe mir den Soundtrack von "Evil of the Daleks" gekauft. Da kannte ich die zweite Folge ja schon und wollte wissen, wie die Story anfängt bzw. weitergeht.

    Und das war in jedem Fall eine gute Entscheidung. Hier nur in Kürze ein paar Anmerkungen: sehr schöne Handlung, gute Darsteller, viele Ideen. Ich habe zwar erst vier Folgen davon gehört, aber an dem positiven Eindruck dürfte sich wohl nichts mehr ändern. Interessante Mixtur von Epochen und Themen (Swinging Sixties komplett mit Beatles-Musik, viktorianisches England mit kammerspielartigem Szenario, sogar alchemistische Themen, später dann SciFi auf Skaro) und bisher kaum eine Sekunde Füllmaterial oder Durchhänger. Okay, der Cliffhanger der zweiten Folge mit Jamies auffallend kurzer Entführung wirkt aufgrund der schnellen Auflösung in Folge 3 wohl ein wenig konstruiert. Und das Ende von Schurke Toby ist eine deutliche Wiederholung des Endes von Schurke Kennedy. Aber sei es drum.

    Interessant ist auch der Charakter von Karl-Marx-Verschnitt Theodore Maxtible. Wirkt dieser in der erhaltenen Folge eher wie ein positiver Charakter und "Opfer" der Dalek-Bedrohung, stellt er sich im Lauf der weiteren Hörspielepisoden doch als alchemistisch geprägter Schurke heraus, der für das Geheimnis von Gold und Macht die Menschheit verraten würde. Ich gehe mal nicht davon aus, daß er die Story überleben wird. Hier sehen wir erneut die klassische Who-Frage von Wissen/Macht vs Moral, die gerade in der Pertwee-Ära noch häufiger gestellt werden sollte.

    Was noch? Ach ja, obwohl er sich im Hörspiel natürlich kaum ausdrücken kann, ist mir Kemel als freundlicher "strong man" gleich weit sympathischer, als z.B. der grobe Lümmel Toberman. Was vielleicht auch daran liegt, daß Kemel mit seinem Klischee bricht und eigentlich eine der ehrenwertesten Figuren der Story ist. Jetzt freue ich mich noch auf die restlichen Episoden.

    Chris