Beiträge von The Botch

    „An Unearthly Child“ war die erste Folge der klassichen Serie die ich gesehen habe. Nachdem ich sie mir vor kurzem nochmals angesehen habe, habe ich Folgendes zu ihr zu sagen:


    Das unirdische Kind

    Oft hört man von Fans, die den ersten Teil als Meisterwerk bezeichnen, den Höhlenmenschabschnitt jedoch als langweilig und schleppend abtun. Mit der Aussage, dass es sich bei Teil 1 um ein außergewöhnliches Stück TV handelt stimme ich überein. Sie ist düster, mysteriös, enigmatisch und atmosphärisch; der Zuschauer wird praktisch in die Handlung hineingezogen. Ian und Barbara fungieren hier als Art Identifikationsfiguren. Ich denke, dass die erste Folge in Hinsicht auf ihren Aufbau und die beiden genannten Charaktere auch auf einer metafiktionalen Ebene funktioniert: Ähnlich wie Ian und Barbara wundert man sich über Susans seltsames Verhalten oder fragt sich wer dieser „Doctor“ ist. Man macht sich mit den beiden Lehrern auf, das Geheimnis hinter Susan Foreman aufzudecken – naja, so wird es zumindest für die Zuschauer im Jahre 1963 funktioniert haben.

    Zu Susan kann man nur sagen: Sie wird nie mehr so interessant und mysteriös sein wie hier. Es ist eine Schande, dass man aus solch einem potentiell interessanten Charakter ein Schreikind machen musste.


    Höhlenmenschpolitik

    Das die restlichen drei Folgen nicht mehr ganz so anziehend sind ist wohl war. Allerdings ist die Art und Weise, wie die beiden Abschnitte (also Teil 1 und Teil 2-4) miteinander verbunden sind wichtig für das Verstehen des Subtextes der gesamten Story. Befasst man sich nämlich näher mit „An Unearthly Child“, wird man feststellen wie thematisch reich die Story ist und wie bedachtsam und nachdenklich (für eine Kinderserie) an die einzelnen Themen herangegangen wird. Für Ian und Barbara (sowie für uns, den Zuschauer) sieht der Stamm des Kals wie eine Gesellschaft von rückständigen, primitiven Wilden aus. Der Doctor allerdings sieht auf die beiden Lehrer sowie auf die Gesellschaft in der die beiden leben genauso herab wie Ian und Barbara auf die Höhlenmenschen „herabblicken“. Die Aussage, der Stamm des Kals sei rückständig und primitiv, ist also falsch. Sie sind Kinder ihrer eigenen Zeit und der damaligen Umstände… und das gleiche trifft auch auf Ian und Barbara zu… genauso wie auf den Doctor und Susan. Es geht hier also unter anderem sowohl um Kulturrelativismus als auch um Kontextualismus.

    Kommen wir zu einem Punkt, der etwas schneller ins Auge fallen dürfte. Zitieren wir hierzu Ian: „Remember, Kal is not stronger then the whole tribe“. Bei dem Stamm handelt es sich augenscheinlich um eine autoritäre Gesellschaft. Doctor und Co. stellen im Laufe der Story dieser Gesellschaft eine demokratischere/sozialistischere Denkweise vor. Hierzu passt auch der folgende Dialog:
    Doctor: „Do you understand? We make fire for you.“
    Kal: „I am watching.“
    Ian: „The whole tribe should be watching. Everyone should know how to make fire… But in our tribe, the firemaker is the last important man. “
    Kal: „Ha! I do not believe this.“
    Doctor: „He is the last important man because we can all make fire. “

    Das Feuer – bzw. die Bedeutung des Feuers für den Stamm – ist einer der zentralen Punkte dieser Story. Das Feuer schützt den Stamm vor der kommenden Kälte und wilden Tieren… aber seine Bedeutung liegt noch etwas tiefer… für die Höhlenmenschen bedeutet es Fortschritt, eine Technologie die ihr Überleben sichert, ein Werkzeug, Macht. Ohne das Feuer würde der Stamm langsam aber sicher Zugrunde gehen. Anthony Coburn präsentiert dem Zuschauer hiermit auf vereinfachte Weise das Prinzip der sozialen und technologischen Entropie.

    Man könnte es auch so erklären: Auf gewisse Weise spiegelt der Stamm des Kals unsere eigene Gesellschaft wieder (man beachte hier bitte was ich zu der Verbindung zwischen den beiden Teilen von „An Unearthly Child“ geschrieben habe). Etwas weiter interpretiert könnte man sagen er ist auf der Suche nach einer Energiequelle, nach einer Art Technologie und nach Informationen. Mangelt es einer Gesellschaft an solchen Dingen nimmt der Grad der Entropie zu. Ist der Punkt der maximalen Entropie erreicht ist es einer Gesellschaft nicht mehr möglich sich von selbst zu „regenerieren“; sie zerfällt.


    Der Doctor

    Ich war etwas überrascht, als ich den Hartnell-Doctor zum ersten Mal in Aktion gesehen habe. Oft verhält er sich hier kühl, amoralisch und ruchlos. Aber besonders in seinem Umgang mit Susan kann man seine „menschlichere“ Seite erkennen. Ein wirklich faszinierender Charakter, der im Laufe der ersten zwei Staffeln mit Hilfe von seinen Companions (hauptsächlich Ian und Barbara, später auch Vicki) eine interessante Entwicklung durchmachen wird. Auf das Verhalten des Doctors, seine Interaktionen mit seinen Companions und seine Entwicklung werde ich aber vermutlich noch in späteren Reviews näher eingehen.


    Fazit

    Das war sie also, die allererste Doctor-Who-Folge. Auch wenn der Teil mit den Höhlenmenschen etwas trocken daherkommt, schafft es die Folge durch ihre Hinwendung zu bestimmten Themen immer interessant zu bleiben. Die Entscheidung, aus dem Hauptcharakter einen stellenweise amoralisch handelnden Unsympath zu machen ist mutig (und es war klug, dem Zuschauer mit Ian und Barbara zwei Identifikationsfiguren zu geben). Alles in allem halte ich dann satte 9/10 Punkten (SUPER) für angemessen.

    Fängt doch schon mal gut an, dieses „Doctor Who“. Mal sehen, wie es weiter geht…

    Ich muss zugeben, dass ich „Vincent and the Doctor“, bevor ich es das erste Mal sah, etwas skeptisch gegenüber stand. Auf der einen Seite ist es so, dass Vincent van Gogh einer meiner Lieblingsmaler ist. Die vorherigen New-Who-Celebrity-Historicals waren bisher jedoch aus verschiedenen Gründen nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Auf der anderen Seite wurde die Folge von Richard Curtis geschrieben, von dem ich nicht wirklich ein Fan bin. Ich sollte jedoch positiv überrascht werden…


    Vincent van Gogh

    Gehen wir zunächst mal auf den Krafayis ein (auch wenn hier schon ein paar Sachen dazu gesagt wurden): Damit, dass das Monster nur für Vincent sichtbar war, wollte man natürlich zeigen, dass er in der Lage war Dinge zu sehen, die andere nicht sehen konnten. Gleichzeitig wollte man damit vermutlich seine „Andersartigkeit“ und seine Abgegrenztheit von den anderen Menschen zeigen. Der Krafayis in dieser Story wird als eine einsame, blinde Kreatur bezeichnet, die von ihren brutalen Artgenossen verstoßen wurde weil sie selbst zu schwach war. Ich denke, die Parallelen die hier gezogen werden sind eindeutig: Vincent selber wurde aufgrund seiner Andersartigkeit von den Menschen verstoßen und wird in seinem Schmerz und Kummer allein gelassen. Der Krafayis symbolisiert einen von Vincents inneren Dämonen (genauer gesagt seine Einsamkeit), der ihn immer wieder befällt. Wenn später der Doctor und Amy gemeinsam mit Vincent gegen den Krafayis antreten, könnte man sagen, dass sie buchstäblich Vincents Einsamkeit bekämpfen wollen.

    Der Star der Folge ist natürlich Vincent. Die Art und Weise wie er hier dargestellt wird ist zwar noch nicht perfekt, jedoch schon nahe daran dran. Während die historischen Personen aus den vorherigen Historicals oftmals als fehlerlos dargestellt wurden und eher wie lasche Parodien wirkten - geschrieben von Leuten, die entweder keine Ahnung oder kein wirkliches Interesse an der jeweiligen Person hatten - wird Vincent als ein „echter“ Charakter präsentiert, ein Charakter der auch Fehler hat und Dämonen, die ihn verfolgen. Wir lernen ihn als eine Person kennen die einsam ist, die weint, trinkt, eindeutig sexuelles Interesse an Amy zeigt (womit ich persönlich jetzt keine Probleme habe; ich erwähne das weil einige Leute sich darüber aufgeregt haben), die leidenschaftlich ist, die Gemütsschwankungen hat, die – kurz gesagt – einfach menschlich ist. Und gerade dadurch kann man Sympathie und Mitleid für ihn empfinden und gerade dadurch wird die Person auch interessant. Für mich bisher die einzige gute Darstellung einer historischen Person in der neuen Serie.

    Man kann sich natürlich darüber streiten, ob van Gogh der beste Maler aller Zeiten ist (für mich ist er jedenfalls einer der Besten). Auf jeden Fall erkennt man, dass der Autor tatsächliches Interesse an dieser Person und ihrer Darstellung hat, was wie gesagt ein Unikum in New-Who ist. Es gehört m. M. nach auch etwas Mut dazu, eine doch recht beliebte Person so offen mit ihren Schwächen und Fehlern zu zeigen. Vincent wird als schwache Person dargestellt, deren größte Stärke in der Malerei liegt. Und auch das ist bisher einzigartig in New-Who: das tatsächlich mal darauf eingegangen wird, was die jeweilige historische Person auf ihre Art besonders gemacht hat. Man bekommt es nicht nur gesagt, sondern auch gezeigt.

    Die Szene am Anfang mit dem Café; Amy und die Sonnenblumen; Vincents Zuhause; der Trauermarsch und die Kirche; Vincents Sternennacht - „Vincent and the Doctor“ ist eine optisch wunderschöne Folge. Und warum sollte man das nicht erwähnen, gehören doch die Bildästhetik und – vor allem – die Bildsemiotik ebenfalls zu einer Folge mit dazu. Es wurde schon erwähnt, aber es kann ja nichts schaden, wenn es nochmals gesagt wird: Man hat sich viel Mühe gegeben die Vorlagen für Vincents Gemälde so nachzubilden, dass man weiß welches entsprechende Bild dazu gehört, hat es dabei aber glücklicherweise vermieden Eins-zu-Eins-Kopien anzufertigen. Eine subtile Art und Weise um auf das interpretative Genie van Goghs hinzuweisen.

    Wenn der Doctor Vincent am Ende das Museum zeigt, wird damit auf direkte Art auf den Kontrast zwischen Vincents Umständen zu seinen Lebzeiten und seiner Stellung in der heutigen Zeit hingewiesen. Zu Lebzeiten soll er kaum mehr als zehn Gemälde verkauft haben*, heute aber kennt ihn jeder und er gilt als der berühmteste und beliebteste Maler aller Zeiten.

    Die Schlussszene, in der wir das an Amy gewidmete Bild von Vincent sehen, zeigt uns, um was es in dieser Folge noch ging: Darum, dass Menschen, auch wenn sie sich nur kurz getroffen haben, einen bleibenden Eindruck hinterlassen können. (Man beachte: Der Krafayis auf dem Gemälde „Die Kirche von Auvers“ verschwindet, und auf dem Gemälde „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ erscheint ein „for Amy“). Natürlich war es dem Doctor klar, dass sie durch ihren kurzen Besuch Vincents Selbstmord nicht verhindern konnten, da seine tieferliegenden Probleme nicht gelöst wurden. Aber durch ihren kurzen Besuch bzw. dadurch, dass sie sich mit Vincent angefreundet haben, haben sie schon etwas Kleines erreicht. Vincent drückt seine Dankbarkeit dafür durch dieses Bild an Amy aus.


    Was noch?

    Ich habe zwar sonst ernsthafte Probleme mit Amy, aber in dieser Folge ist sie wirklich wunderbar. Ich finde es toll, dass sie sich als ein Van Gogh-Fan outet, soll damit doch gezeigt werden, dass sich auch „normale“ Personen für Kunst interessieren können. Sehr schön auch, wie sie mit Vincent umgeht. Sie flirtet mit ihm, scherzt mit ihm, tröstet ihn; sie behandelt ihn wie einen vollwertigen Menschen.

    Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten war hervorragend. Herausragend war natürlich Tony Curran. Man kann seine Performance wirklich nicht oft genug loben.

    Die Musik von Gold war wirklich gut. Und ich bin ehrlich gesagt sonst kein großer Fan von seinem Schaffen.

    Ein paar Kritikpunkte hätte ich allerdings auch noch: Zwar wird auch auf den künstlerischen Wert der Gemälde van Goghs eingegangen (was natürlich gut ist), aber leider musste auch ständig betont werden, wie hoch ihr Wert aus monetärer Sicht ist, was mich persönlich sehr gestört hat. Das ist es einfach nicht, was die Bilder van Goghs so einzigartig macht. Stellenweise war die Folge etwas übersentimental, aber wenn man bedenkt, dass es unter anderem darum ging, Leute für van Gogh zu begeistern, kann ich damit leben. Leider war auch nicht alles historisch korrekt, wie z. B. die chronologische Reihenfolge der Bilder. Und der elende Athlete-Song während der Museumsszene hätte wirklich nicht sein müssen.


    * Die landläufige Ansicht ist, dass van Gogh zu Lebzeiten nur ein einziges Bild verkauft hätte, und das auch noch „nur“ an seinen Bruder. Tatsächlich aber kann heute nicht mehr genau nachvollzogen werden, wie viele er wirklich verkauft hat. Man schätzt, dass es ca. zehn Stück waren. Ein Verkauf ist dokumentiert: In einer Ausstellung in Brüssel 1890 wurde das Gemälde „Roter Weinberg“ für 400 Francs an die belgische Malerin Anna Boch verkauft. Kann man auch auf Wikipedia nachlesen.


    Fazit

    Zusammen mit den beiden Cornell-Stories das beste Irgendwie-Historical. Wahrhaft eine visuell ansprechende, bewegende und anspruchsvolle Geschichte. Das vielleicht Wichtigste aber ist: Dadurch, dass Amy sich als van Gogh-Fan herausstellt, dass man aus Vincent eine „greifbare“ Person gemacht hat, dass man die Folge zu etwas so visuell Ansprechendem gemacht hat (mit Verweisen auf Gemälde van Goghs) hat man es tatsächlich geschafft, dass einige Dr. Who-Fans nach dem Sehen der Folge den Drang hatten, sich mit van Gogh zu beschäftigen (gemäß Kommentaren in dem ein oder anderen Forum). Und wenn es eine Folge geschafft hat, dass sich zumindest ein paar Leute danach näher mit Kunst auseinandergesetzt haben, muss sie schon einiges richtig gemacht haben.

    8/10 (GUT)

    Der Cliffhanger am Ende der fünften Episode von 'Evil of the Daleks': Ich finde, dass die Idee eine Episode mit einem Comic Relief enden zu lassen bei dem der Doctor eine Reittour auf einem freundlichen Dalek macht was für sich hat. Ist einfach mal eine Abwechslung von den Cliffhangern, bei denen der Doctor oder ein Companion einem vermeintlichen Tod gegenüberstehen.

    Meine Interpretation habe ich nicht als der Weisheit letzter Schluss präsentiert. Ich habe es erst mal so interpretiert, wie ich es gesehen habe. Und wie ich erwähnt habe: Ich bin auch nicht der Einzige, der es so interpretiert hat. Ich versuche dir hier auch nicht irgendetwas aufzudrängen. (Noch ein kleiner Hinweis für den UE: einmal erinnert sich Elton daran, dass die LINDAs unbeholfen mit ihren Instrumenten umgehen, ein anderes mal sieht man wie sie sie perfekt beherrschen. Und wie ich die Abzorbaloff-Szene interpretiert habe, habe ich ja bereits erwähnt. Meiner Meinung nach lässt die Folge halt viel Raum für Interpretationen).

    Man sollte hierbei bedenken, dass Elton uns die ganze Story aus seiner Erinnerung (und womöglich seiner Fantasie) heraus erzählt. Was wir sehen stammt also alles aus Eltons Kopf. Wenn der Abzorbaloff sagt „Yes, I like that“, dann ist dass eigentlich Elton, der für sich entschieden hat, dass das Monster halt eben Abzorbaloff heißt. Vielleicht sind Eltons Erinnerungen unvollständig? Oder der Absorbaloff hat in nie existiert, und Elton erfindet etwas um die Geschichte aufzupeppen. Vielleicht war Kennedy einfach nur ein Arsch, der LINDA dazu gebracht hat, sich aufzulösen, und wird deshalb jetzt zum Monster gemacht (das passt gut zu dem, was ein weiterer User auf GB gesagt hat: das er diese Art von Fan, die Kennedy repräsentieren soll, nur allzu gut kennt).

    Elton erzählt die Geschichte, die wir in L&M sehen, aus seinen Erinnerungen heraus. Es ist möglich, dass diese Erinnerungen unvollständig sind (und/oder von Elton mit etwas anderem aufgepeppt werden). Die Dialoge, die die Charaktere in L&M führen, sind auch nur das, an was sich Elton erinnert und dem Zuschauer (also uns) erzählt.

    Der unzuverlässige Erzähler wird bewusst dazu verwendet, um gewisse Fragen offen zu lassen und den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen. Der Zuschauer (oder Leser) muss manchmal Lücken füllen oder eine Szene anders interpretieren als das, was man gesehen/gelesen hat. Er darf sich nicht nur auf das Gesagte verlassen. Wie schon gesagt: dass, was man in L&M sieht, wurde auch schon vorher in anderen Medien als Doctor Who getan. Der Fantasy- und Science Fiction Autor Gene Wolfe z. B. bedient sich oft des Stilmittels des unzuverlässigen Erzählers (in dem Buch "The Book of the New Sun" haben wir sogar einen UE, der nicht immer die Wahrheit erzählt). Die Idee an sich ist also nicht neu. Ich gebe zu: Man kann die Szene auch so interpretieren wie du es tust. Man muss es aber nicht.

    Ich habe das Gefühl, wir drehen uns ein wenig im Kreis. Meine Sicht der Dinge habe ich bereits ausführlich niedergeschrieben. In diesem Fall sehe ich halt gewisse Dinge anders als du. Ich hatte außerdem noch andere Beispiele für Erinnerungslücken niedergeschrieben. Warum baut man solche Szenen dann ein?

    Er hat ihn ja nicht erraten, nur irgendwann sagte das Vieh eben: Oh, der gefällt mir, um seine Wortkreationen zu veralbern.

    Das hier sehe ich halt z. B. anders als du. Es sieht für mich nicht so aus, als ob er Elton in dem Fall veralbern will. Hierzu hatte ich ja auch schon was geschrieben.

    Er hat ihn ja nicht erraten, nur irgendwann sagte das Vieh eben: Oh, der gefällt mir, um seine Wortkreationen zu veralbern.

    Oh, ich hab mich falsch ausgedrückt. Er errät den Namen nicht, er erfindet ihn. Aber ich sehe schon, du hast das für dich anders interpretiert. Ich kann noch ein letztes mal einwerfen, dass der größte Teil der Folge in Eltons Kopf spielt.

    Ansonsten halte ich mich an dein Schlusswort.

    Utopia: Um mich mal selbst zu zitieren:

    Kommen wir noch einmal kurz zum unzuverlässigen Erzähler zurück. „You’ve absorbed them. You’re some sort of absorbathon! An absorbaling. An Abzorbaloff.” „Yes, I like that.“Warum sucht Elton einen Namen für das Monster heraus? Warum weiß der Abzorbaloff nicht wie er heißt? Man sollte hierbei bedenken, dass Elton uns die ganze Story aus seiner Erinnerung (und womöglich seiner Fantasie) heraus erzählt. Was wir sehen stammt also alles aus Eltons Kopf. Wenn der Abzorbaloff sagt „Yes, I like that“, dann ist dass eigentlich Elton, der für sich entschieden hat, dass das Monster halt eben Abzorbaloff heißt. Vielleicht sind Eltons Erinnerungen unvollständig? Oder der Absorbaloff hat in nie existiert, und Elton erfindet etwas um die Geschichte aufzupeppen. Vielleicht war Kennedy einfach nur ein Arsch, der LINDA dazu gebracht hat, sich aufzulösen, und wird deshalb jetzt zum Monster gemacht (das passt gut zu dem, was ein weiterer User auf GB gesagt hat: das er diese Art von Fan, die Kennedy repräsentieren soll, nur allzu gut kennt). Außerdem erinnert sich Elton einmal daran, dass die LINDAs relativ unbeholfen mit ihren Instrumenten umgehen, ein anderes Mal sieht man, wie sie sie nahezu perfekt beherrschen. Ich liebe es einfach wie hier mit dem Mittel des UE gespielt wird und wie man dadurch zum Nachdenken angeregt wird.

    (tardis.wikia bezeichnet das hier als „script error“: „When Ursula first reveals Victor Kennedy Elton asks who he is but when Ursula first meets Victor, Elton is there with her.“ Tja, wer weiß…)

    Ich denke, dass man hier sehr bewusst mit dem "unzuverlässigem Erzähler" umgegangen ist. Vorallem die Szene, in der Elton den Namen des Abzorbaloffs errät, scheint ein eindeutiges Indiz dafür zu sein. Und persönlich denke ich auch, dass man bewusst einiges offen gelassen hat.

    Ansonsten kann ich nur noch "agree to disagree" vorschlagen, wenn wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen sollten.

    PS: Den Humor der Folge habe ich natürlich geliebt. "Doctor... What!" - ein ewiger Klassiker... ;)

    Vor allem das Ende. Hier wird dann immer beschrieben, was für ein schreckliches Ende Ursula doch getroffen etc. etc. Ganz genau. Und das ist für mcih eben der Beweis, dass diese Folge einfach ohne Sinn und Verstand gedreht wurde. In der folge ist es ein einziges Happy End. Hätte man sich wirklich Gedanken über die Story gemacht oder hätte der Autor wirklich einen künstlerischen Anspruch verfolgt, wäre das Ende vollkommen anders gewesen. Hier ist es ein kritikloses Friede Freude Eierkuchen.

    Man sollte nicht vergessen, dass die ganze Folge aus der Sicht von Elton gezeigt wird. Ich finde es interessant, dass er Steinplatten-Ursula nie in die Kamera hält. Das könnte bedeuten, dass
    a) Elton einfach etwas dazu erfindet um seine Geschichte spannender und/oder skurriler zu machen.
    b) Er ist durch die wirklichen Ereignisse schlicht und ergreifend verrückt geworden und spricht jetzt mit einer Steinplatte.
    Bedenke: Wir wissen nicht so genau, was wirklich abgelaufen ist, da ein großer Teil der Folge einfach in Eltons Kopf abspielt. An manches erinnert er sich vielleicht nicht mehr richtig, anderes erfindet er vielleicht dazu.

    Wie gesagt, die Idee mit dem "halten wir dem Fandom einen Spiegel vor" ist brilliant, aber die Folge selbst katastrophal schlecht.

    Das sehe ich anders. Es ist wie Kaoru es sagt: Die "Fans" werden zwar etwas skurril, jedoch nicht negativ dargestellt.

    Versteh das jetzt nicht falsch, ich habe keine Probleme damit wenn du die Folge für Müll hälst. "Love and Monsters" scheint wirklich eine Folge zu sein, die jeder etwas anders sieht... und ich kann auch nachvollziehen, wenn jemand sie nicht mag. (ich find's auch interessant, dass die Leute die Folge entweder lieben oder hassen, und dass es so wenig Meinungen zwischen diesen beiden Positionen gibt).

    Wenn du dir das Recht rausnimmst, eine andere Meinung zu haben, musst du ihm auch seine zugestehen. Er hat ellenlang erklärt, warum er die Folge schlecht findet, nicht mit einer wissenschaftlichen Analyse, aber wozu auch??
    immer nur einzelne Sätze zu nehmen und diese für sich passend zu kommentieren, ist ja einfach.

    Natürlich gestehe ich auch Balko seine Meinung zu, und natürlich muss er mit keiner wissenschaftlichen Analyse kommen. Ich bewerte eine Folge allerdings erst nach dem Sehen

    Eigentlich nicht (Gegenargumente wären, dass ich "Cobra 11" als eine gute Folge empfinde, "Vicent and the Doctor" nicht verehre, "Victory of the Daleks" mag und Schalke 04-Fan bin.), aber von diesen Folgen habe ich bisher nie irgendetwas positives gehört, selbst in Sekundärliteratur wurden diese Folgen von Beteiligten im Produktionsteam von damals wird über "Twin Dilemma" und "Timelash" gelästert. Ich plane mir eines der beiden demnächst anzutun, um den Hass darauf nachzuvollziehen.

    ...na gut, wenn du meinst.

    Also ganz ehrlich, ich gehöre ja nun auch zu den Leuten, die mit dieser Folge nicht großartig etwas anfangen können. Aber The Botch hat hier meines Erachtens sehr ausführlich und vor allen Dingen auch sehr plausibel dargelegt warum man die Folge gut finden kann. Man muß sich natürlich auch auf seine Argumentation einlassen und in der Lage sein eine Folge auch mal aus einer anderen Sicht zu betrachten.
    Ich persönlich fand diese Auslegung der Folge sehr interessant, da ich so einen Denkansatz bisher noch nicht hatte und genau das ist es, was ich an The Botch Ausführungen gut fand, sie hat zumindest mich dazu verleitet die Folge mal aus dieser Sicht zu betrachten und da muß ich sagen, ist sie auch in meiner Wertung ein paar Prozentpunkte gestiegen.
    Nichtdestotrotz wird sie trotzdem nie zu meinen Lieblingsfolgen gehören .

    Danke Ashara, vielen Dank. Das ist es ja, was ich mit meinen Reviews erreichen will: eben eine andere Sicht der Dinge zu präsentieren. Ich sehe mich nicht als der Weisheit letzter Schluss, und es ist möglich dass ich mal etwas überinterpretiere, aber trotz allem hoffe ich eine neue Sicht auf Doctor Who zeigen zu können. Und wenn die Folge bei dir (oder auch bei jemand anderem) dadurch schon ein wenig in der Wertung gestiegen ist, freut mich das riesig.

    Ich mochte die Folge auch schon immer, habe allerdings viele von Botch's Ansätzen dabei gar nicht in Betracht gezogen.
    Nach seinem Beitrag muss ich nun sagen, dass sie sogar noch interessanter ist und ich mich auf ein baldiges nochmaliges Ansehen freue.

    Vielen Dank, Botch!

    Gern geschehen! :) Viel Spaß beim nochmaligen Ansehen!

    Es ist immer wieder traurig, dass manche Leute anderen keine eigene Meinung zugestehen. Ist doch immer dasselbe.
    "Geschmäcker sind nun mal verschieden!" sagte der Mistkäfer und wälzte sich im Dreck.
    Ich mag die Folge. Also bin ich gerne der Mistkäfer.

    :thumbup: Volle Zustimmung!

    Für mich nicht die einzige gute Folge der zweiten Staffel, aber auf jeden Fall eine der besten.

    "Love and Monsters" ist für mich die einzige Folge der zweiten Staffel, die nicht von diesem fürchterlichen Cult-TV-Vibe durchdrungen ist. Dies ist auch einer der Gründe warum ich mit Staffel 6 der neuen Serie nichts anfangen kann (bisher zumindest). Die nächstbeste Folge von S2 würde von mir nur noch 5 Punkte kriegen. Ich kann mit allen Staffeln etwas anfangen, außer eben halt der zweiten und der sechsten (und den Specials, wenn man die mithinzunimmt).

    ungesehen nehme ich gerne auch noch "The Twin Dilemma" und "Timelash" in die Reihe auf.

    Na, das ist mal 'ne interessante Aussage. Das klingt für mich so als würdest du einfach nur die Meinung der großen Masse übernehmen.

    ja ich kann es nicht leiden, wenn Geeks einfach nur als Geeks dargestellt werden

    Wurden sie aber nicht. Wie ich im Übrigen lang und breit erklärt habe. Und nur nebenbei gesagt: Ich hasse "The Big Bang Theory". Wegen der einseitigen Darstellung, versteht sich (aber auch weil die Witze grauenhaft sind).


    diesen Haufen Dreck als gut geschweigedenn super bezeichnen könnte

    Und auch das habe ich zumindest versucht verständlich zu machen. Versteh mich nicht falsch, ich hab gar kein Problem damit wenn du die Folge schlecht findest, aber ich bin jetzt mal so vermessen zu behaupten das ich doch ganz gut erklärt habe warum man die Folge mögen könnte.

    Vieles, was in meinem Review steht, wurde schon vor mir aufgegriffen und niedergeschrieben. Einiges davon war mir von Anfang an klar, einiges hatte ich auf andere Weise interpretiert und über einiges hatte ich mir noch nicht einmal Gedanken gemacht. Ich habe mir die Folge also nochmals angeschaut (mit offenen Augen und ohne Vorurteile) und komme nun zu folgendem Ergebnis:


    Der unzuverlässige Erzähler

    Die wohl auffälligste Besonderheit an L&M ist der unzuverlässige Erzähler (Elton). Können wir uns wirklich auf das verlassen, was er uns hier gesagt hat? Vielleicht ist alles ganz anders passiert. Vielleicht hat Elton einiges weggelassen und /oder Neues hinzu gedichtet. Vielleicht hat er auch einfach alles erfunden. Oder er ist schlicht und ergreifend verrückt. Wir werden es nie erfahren. Alles was wir haben sind Eltons Worte. (Interessant ist übrigens, dass Elton seine „sprechende“ Bodenplatte nie in die Kamera hält.) Der unzuverlässige Erzähler gibt einem Autor natürlich ein gehöriges Maß an „Bewegungsfreiheit“ (was die Sache ja so interessant macht). (Das bedeutet zudem, dass die Story keine narrativen Logikfehler im eigentlichen Sinne haben kann. Alles was keinen Sinn ergibt bzw. ergeben würde kann/könnte man auf den unzuverlässigen Erzähler schieben, der halt nicht nachgedacht hat. Das nur nebenbei.)


    Geeks?

    Viel besonderer an der Folge ist allerdings, dass sie fast komplett auf einer metafiktionalen Ebene abläuft. Das heißt in diesem Falle, dass der Doctor und vor allem das Doctor-Who-Fandom bewusst thematisiert werden. Das ist etwas, was fürchterlich schief gehen kann – und nicht wenige werden behaupten, dass dies der Fall bei „Love and Monsters“ ist – aber Davies schafft es meiner Meinung nach das Ganze mit der richtigen Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit zu präsentieren. Er vermeidet es, dass sich die Folge im eigenen Mythos der Show suhlt (wie z. B. in „The Five Doctors“) oder dass der Doctor fetischisiert wird (wie es später öfters mal der Fall ist). Das Wichtigste aber ist: Das Fandom wird sehr positiv dargestellt, und es wird nicht gönnerhaft oder verspottend auf es herabgeschaut.

    LINDA (vor allem Elton) werden oft als ein Haufen typischer Klischee-Geeks bezeichnet/beschimpft. Schaut man sich die Folge jedoch näher an, anstatt sie einfach instinktiv anzugreifen, wird man erkennen, dass diese Aussage schlichtweg falsch ist. Aber der Reihe nach.

    LINDA ist auf eine quergedachte Art so etwas wie ein Doctor(-Who)-Fanclub. Man beachte hier die Szene, in der Elton uns die einzelnen Mitglieder vorstellt: sie diskutieren über die Natur des Doktors und jeder von ihnen hat andere Theorien, Vorstellungen und Fakten über ihn vorzuweisen. Wichtig dabei ist, dass jeder den Doctor anders sieht und dass jeder aus individuellem Interesse in diesem Fanclub ist. Für Skinner und Bliss scheint er eine Art Inspirationsquelle zu sein, für Bridget ist er eine Ablenkung von ihren Sorgen und Elton will mehr über ihn wissen, weil er ihn als Kind getroffen hat. Noch wichtiger aber ist, dass die Meinungen aller Mitglieder akzeptiert werden, dass jeder in diesem Club willkommen ist (egal welches Alter, Hobby oder Geschlecht er auch haben mag) und dass alle zwar Spaß an diesen Diskussionen haben, sie den Doctor jedoch nicht zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht haben. Bald schon geht es auch gar nicht mehr um den Doctor, sondern darum, dass alle einfach eine schöne Zeit miteinander verbringen. Sie fangen an über andere Themen zu reden, sie essen zusammen, Skinner liest aus seinem Roman vor, sie musizieren gemeinsam etc. Und wenn Bridget anfängt zu erzählen, dass sie ursprünglich nur in diesen Club eingetreten ist, weil sie in London nach ihrer entlaufenen Tochter sucht oder wenn Ursula und Elton mit Skinner über sein Interesse an Bridget reden oder wenn Elton der Zeit nachhängt, als er noch ein Kind war und seine Mutter noch gelebt hat… dann merkt man endgültig dass man es hier nicht mit Klischeefiguren, sondern mit richtigen Menschen zu tun hat, mit all ihren Wünschen und Hoffnungen und Nöten und Sorgen, mit all ihrem Kummer und Glück.

    „I should say this isn’t, you know, my whole life. It’s not spaceships and stuff. ‘Cause I’m into all sorts of things. I like football. I like a drink. I like Spain.“Elton wird als jemand beschrieben, der zwar etwas „geeky“ ist, der aber auch durchaus in der Lage ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Er hat zudem seine eigenen Hobbies, er ist in der Lage, Jackies Spüle zu reparieren und er hat keine Komplexe Frauen gegenüber (ein äußerst beliebtes Geek-Klischee). Ursula wird als mitfühlende Person gezeigt, die sich für ihre Freunde einsetzt (z.B. in der Szene in der sie Kennedy anbrüllt weil er sie (also die LINDA-Leute) herumkommandiert und ungerecht behandelt).

    Fassen wir zusammen wie das Fandom hier beschrieben wird: als Menschen, die tolerant und neugierig sind, bei denen jeder willkommen ist, die ihr Fanobjekt nicht zum Mittelpunkt ihres Lebens machen sondern auch andere Hobbys haben, die Gefühle haben und aus ganz eigenen Gründen „Fans“ geworden sind (und nicht weil sie irgendwelche Uber-Geeks oder Verschwörungsfanatiker sind). Das ist eine extrem positive Sichtweise auf das Fandom.

    Ist man an diesem Punkt angelangt, wird einem auch Victor Kennedys Funktion klar. Auf eine quergedachte Art ist er die Sorte Fan, für die nur ihre eigene Meinung und ihre eigene Herangehensweise zählen und die keine anderen Meinungen und Herangehensweisen akzeptieren. Und er ist die Sorte Fan, die anderen Fans sagt, wie man sich als Fan zu verhalten hat und wie nicht, was man zu mögen hat und was nicht, wie man gewisse Dinge zu sehen und zu interpretieren hat und wie nicht. Richtige Diskussionen (und Interpretationen irgendeiner Art) werden unterbunden, es wird nach seiner Pfeife getanzt. Er präsentiert sich LINDA als „Erlösung“ und behauptet, sie hätten ihren „Lebenszweck“ vergessen. Früher war der Doctor für Linda ein Grund zusammenzukommen um Spaß zu haben, jetzt wird er zum Mittelpunkt ihres Lebens. „Better get to work. Lots to do. I never thought of it as work.“, wie es von Elton kommentiert wird.

    Der Abzorbaloff ist ein Wesen ohne Imagination, es lässt andere für sich schuften um dann die gesammelten Informationen für sich zu beanspruchen. Für mich ist der Anzorbaloff kein „Spaßmonster“, sondern eine abstoßende Kreatur die sich von den Erinnerungen, Vorstellungen und Träumen anderer Menschen ernährt.


    Und was hat Marx mit der ganzen Sache zu tun?

    Einige User auf Gallifrey-Base haben eine weitere interessante Interpretation für den Abzorbaloff und sein Verhalten: einen Ausbeutung-der-Klassen-Subtext. Ich gebe mal vom Sinn her wieder, was ein User namens „Jack Graham“ dazu meint: Kennedy ist der aufgeblasene, herausgeputzte "Posho" im Nadelstreifenanzug der seine Arbeiter in seinem Ausbeuterbetrieb überwacht. Das Privatleben der Arbeiter wird degradiert, ihre Fantasie und Vorstellungskraft unterliegt dem Diktat des Ausbeuters. In seiner waren Form stellt sich der Ausbeuter als unmenschliches, aufgedunsenes Monster heraus, dass die Leben seiner Arbeiter quasi einsaugt um sich selbst satt zu fressen.

    Die Folge scheint auch etwas über Entfremdung auszusagen: Die natürliche Beziehung zwischen den LINDA-Leuten untereinander und ihrer „Arbeit“ wird durch Kennedy gestört und aufgehoben. Kennedy ist nur am „Profit“ der LINDA-„Produktion“ interessiert. Die LINDA-Leute werden dadurch von ihrem ursprünglichen Ziel und Zweck entfremdet. Sicherlich, das geschieht auf einer lateralen Ebene… aber es passt irgendwie. Man denke auch an die anderen Davies-Kreaturen: Cassandra wollte durch den Tod der Gäste auf Platform One finanziell profitieren; die Slitheen „verkleiden“ sich als Politiker um einen Atomkrieg auszulösen, aus dem sie dann schlussendlich ebenfalls finanziellen Profit schlagen wollen, indem sie die radioaktive Schlacke verkaufen würden; der Master wird zum Prime Minister, der dem Universum den Krieg erklärt usw. Davies verbindet oftmals seine Antagonisten mit ungezügelter (Profit)-Gier, Kriegstreiberei und Machtwahn um sie zu einem verzerrten Ausdruck eben dieser Dinge werden zu lassen. Sie werden sozusagen zu einer Art Science-Fiction-Spitting-Image.


    Was noch?

    Kommen wir noch einmal kurz zum unzuverlässigen Erzähler zurück. „You’ve absorbed them. You’re some sort of absorbathon! An absorbaling. An Abzorbaloff.” „Yes, I like that.“Warum sucht Elton einen Namen für das Monster heraus? Warum weiß der Abzorbaloff nicht wie er heißt? Man sollte hierbei bedenken, dass Elton uns die ganze Story aus seiner Erinnerung (und womöglich seiner Fantasie) heraus erzählt. Was wir sehen stammt also alles aus Eltons Kopf. Wenn der Abzorbaloff sagt „Yes, I like that“, dann ist dass eigentlich Elton, der für sich entschieden hat, dass das Monster halt eben Abzorbaloff heißt. Vielleicht sind Eltons Erinnerungen unvollständig? Oder der Absorbaloff hat in nie existiert, und Elton erfindet etwas um die Geschichte aufzupeppen. Vielleicht war Kennedy einfach nur ein Arsch, der LINDA dazu gebracht hat, sich aufzulösen, und wird deshalb jetzt zum Monster gemacht (das passt gut zu dem, was ein weiterer User auf GB gesagt hat: das er diese Art von Fan, die Kennedy repräsentieren soll, nur allzu gut kennt). Außerdem erinnert sich Elton einmal daran, dass die LINDAs relativ unbeholfen mit ihren Instrumenten umgehen, ein anderes Mal sieht man, wie sie sie nahezu perfekt beherrschen. Ich liebe es einfach wie hier mit dem Mittel des UE gespielt wird und wie man dadurch zum Nachdenken angeregt wird.

    (tardis.wikia bezeichnet das hier als „script error“: „When Ursula first reveals Victor Kennedy Elton asks who he is but when Ursula first meets Victor, Elton is there with her.“ Tja, wer weiß…)

    Ich mag außerdem, wie der Name „Love and Monsters“ auf gewisse Weise das „Licht-und-Schatten“-Thema der Folge widerspiegelt. In einem Moment sieht man die LINDAs noch fröhlich musizieren… und im nächsten erfährt man von Bridgets entlaufener, drogenabhängiger Tochter; in einem Moment albern Elton und Ursula mit Skinner wegen seiner Liebelei mit Bridget herum… und im nächsten sieht man Ursula angsterfühlt schreien, weil der Abzorbaloff sieh am Einsaugen ist; in einem Moment sieht man wie der Doctor den Tag rettet… und im nächsten erfährt man von Eltons toter Mutter… „Love and Monsters“ ist für mich keine reine Spaßfolge, sondern etwas, dass auch „Stacheln“ und „Kanten“ hat, etwas, in dem es auch dunklere Ecken gibt die durch den „Spaß“ drum herum besonders in Erscheinung treten und dadurch eine besondere Wirkung entfalten. Für mich ist „L&M“ keine hundertprozentige Wohlfühlfolge.


    Fazit

    „Love and Monsters“ ist nicht nur die einzige gute Folge in der zweiten Staffel, sondern auch eine der besten der neuen Serie. Lässt man sich auf sie ein, wird man merken, dass man es hier mit einer anspruchsvollen, fordernden, bewegenden und wundervoll „menschlichen“ Folge zu tun hat. Das Skript ist einfach hervorragend: Die Dialoge und ihr Einsatz sind clever, die Charaktere gut ausgearbeitet, die eingeworfenen Ideen und Konzepte werden voll und ganz ausgeschöpft und es wird viel Spielraum zum selber Denken gelassen. Sicherlich, dass was wir hier gesehen haben wurde in anderen Serien und Büchern schon auf ähnliche Weise gemacht, aber für Doctor Who ist es frisch und neu. Und Doctor Who sollte sich durchaus auch an Neues wagen, selbst wenn es damit polarisieren könnte. „Love and Monsters“ mag keine traditionelle Folge sein… aber gerade dadurch wird sie - zumindest für mich - zu 100% Doctor Who.

    10/10 Punkte (SUPER)

    Da ja jetzt erst mal Pause bei Doctor Who angesagt ist, starte ich einfach meinen persönlichen Random-Marathon. Und warum sollte ich nicht mit dem vollkommen unterbewerteten „The Long Game“ starten?

    Unterdessen decken der Doctor und Rose das Geheimnis auf, das hinter allem steckt. Diese „Invasion“ oder „Unterwanderung“ scheint auf den ersten Blick ein Schema F-Plot zu sein, aber er führt die Serie nicht nur zu ClassicWho-zeiten zurück, sondern zu den Anfängen der SF (auch wenn sie damal noch gar nicht so hieß): Die Möglichket, gesellschaftskritik zu üben, indem man diese in eine fiktive Umgebung überträgt. Und dass die heutige Gesellschaft eine mediengesellschaft ist, dass die menschheit ihr „Bild der Wirklichkeit“ aus den Medien bezieht und dass diese ihre subtilen Manipulationsmöglichkeiten durchaus zu nutzen wissen, ist ja wohl klar.

    Sehr gut erkannt.
    „The Long Game“ mag nicht die beste Dr. Who-Folge sein (obgleich sie sehr, sehr stark ist), aber man kann wunderbar an ihr aufzeigen wie traditionelle Sciene-Fiction im Idealfall funktioniert. Wir haben hier SF als Aufbereitung tatsächlicher Mythen, als Gesellschaftskritik, und die Interaktion zwischen Menschen und Technik. Bei diesem letzten Punkt sollte man beachten, dass hier der Mensch, nicht die „Science“ im Vordergrund steht. H. G. Wells hätte „The Long Game“ sicherlich gemocht.

    Wie ich bereits an anderer Stelle erklärt habe, lassen viele SF-Autoren mythische Themen in ihre Werke mit einfließen, um somit auf umcodierte Art und Weise ihre Aussage(n) unterzubringen. Nicht anders sieht es mit „The Long Game“ aus, welches viele Themen der gnostischen Lehre in sich birgt, um damit eine Geschichte über Medienmanipulation zu erzählen (die gnostische Mystik ist in der SF und Fantasy besonders beliebt, da es bei ihr um „falsche“ Welten und das Erlangen von Wissen und einer „Erkenntnis“ geht. Doctor Who-Stories, die von ihr Gebrauch machen sind u. a. „Castrovalva“, „Turn Left“ und „Amy’s Choice. Das nur als kleine Nebeninfo). Das führt uns zuerst einmal zum Editor und zum Jagrafess.

    Kurze Erläuterung: Die Gnosis ist eine christliche Lehre. Nach dieser Lehre wurden das Universum und alles Materielle (inklusive Menschen) von einem falschen bzw. unvollständigen Gott (dem Schöpfergott, auch Demiurg genannt) erschaffen. Die materielle Welt wird dabei als etwas Negatives angesehen, von dem es sich zu lösen gilt. Es kann sich jedoch nur der von der materiellen Welt lösen und den Demiurg überwinden, der sich des innewohnenden geistigen Prinzips eben dieser Welt bewusst wird (er erlangt damit also „Gnosis“=Erkenntnis).


    Die Editoren

    Es ist interessant zu hören, wie der Editor über seinen Chef (Jagrafess, der Editor-in-chief) redet. Zu Suki sagt er: „He oversees everything. Literally everything.” Als er ihr den Jagrafess zeigt, kommentiert er das mit: „This has always been your boss – since the day you were born.” Außerdem sind der Editor und Jagrafess…na ja, “Editors”, also Redakteure. In einer Welt wie Satellit 5, in der die Journalisten Chips in den Köpfen haben, in der die Journalisten quasi das sind, was sie verbreiten („We ARE the news“), in der Informationen und Nachrichten das Wichtigste überhaupt sind, zu was wird man dann als Redakteur? Muss ich es wirklich aussprechen? Ahem… Setzen wir doch einfach mal die gnostischen Themen in die Story ein: Der Jagrafess übernimmt dabei die Rolle des Demiurg, des falschen Gottes, der hier durch Manipulation der Medien eine falsche, korrupte Welt kreiert. Die Menschen werden u. a. dadurch kontrolliert, dass man sie mit gewissen Informationen füttert und ihnen andere vorenthält. Der Editor ist der Archont des Jagrafess, der Übermittler der „göttlichen Botschaft“. Die Menschen auf Satellit 5 werden in diese falsche Welt hineingeboren, werden durch die Chips im Kopf voll und ganz ein Teil ihrer Welt. Nur jene, die die Falschheit bzw. das Prinzip ihrer Welt erkennen, werden auf Plattform 500 heraufgerufen und sind in der Lage, dem „Demiurg“ entgegenzutreten (wie Suki und der Doctor). Für die, die nicht in der Lage sind zu hinterfragen, wird dieser Raum für immer der Raum mit den goldenen Wänden sein, sie werden allerdings auch nie „promoted“ werden. (Kleine Ergänzung: In der gnostischen Lehre ist der Demiurg auch jemand, der den Menschen wichtiges Wissen vorenthält. Niemand wird wohl bezweifeln wie gut hier alles zusammenpasst).

    Der Editor stellt sich als ein Repräsentant eines Bankenkonsortiums vor. Satellit 5 ist eine Welt der Arbeit, des Karrieremachens und des Konsums. Wir befinden uns also eindeutig in einer kapitalistischen Welt. Schauen wir uns die Bewohner dieser Welt etwas näher an.


    Kathica

    Durch Kathica lernen wir mehr über das Verhalten der Menschen im Jahr 200.000 auf Satellit 5 kennen. Ich denke, es wäre falsch, die Menschen hier direkt als dumm zu bezeichnen… es ist eher so, dass sie durch das sie umgebende System einfach nie gelernt haben wirklich nachzudenken und zu hinterfragen.

    Wir merken schnell, dass die Menschen hier vor allem eines im Sinn haben: ihre Karriere. Ich finde es interessant, wie Kathica über ihren Beförderungswunsch redet. Sie erzählt von einer Etage, deren Wände aus Gold gemacht sind, und dass niemals ein Beförderter von dieser Etage je zurückgekommen ist. Dass man die Bewohner des Satelliten mit einem Raum mit Goldwänden locken kann, zeigt, wie materialistisch diese Menschen eingestellt sind. Man hat die Menschen auch so weit gebracht, dass sie diesen Mist glauben, sich nicht wundern dass niemand von Etage 500 zurückkommt und eine Beförderung als einziges Lebensziel ansehen. Für die Menschen auf S5 ist ihr Job fast schon so etwas wie eine Religion geworden (die Art und Weise, wie die Journalisten die News verbreiten, hat zudem etwas leicht Zeremonielles, wie ich finde). Die Beförderung wird zur Entrückung des kapitalistisch orientierten Menschen.

    Fassen wir mal zusammen: Die Menschen hier hinterfragen nicht, sie denken kaum nach, sie sind total selbstbezogen und karriergeil, ja sie behandeln ihren Job fast schon als eine Art Religion. Satellit 5 muss der feuchte Traum eines jeden Neoliberalen sein.


    Adam

    Der Bursche scheint hier nicht besonders beliebt zu sein (nicht, dass ich es irgendwem verübeln könnte). Ich halte in allerdings wichtig für diese Story. Im realen Leben würde ich ihn zwar auch verabscheuungswürdig finden, den Adam-Subplot hier finde ich allerdings sehr interessant. In diesem sehen wir Adams waren Charakter. Er hat keine Probleme zu lügen, weder zu Rose, zum Doctor noch zur Ärztin. Ohne dass es ihn interessieren würde, welchen Schaden er damit anrichten könnte, ladet er sich Daten aus dem Jahr 200.000 herunter und sendet diese in sein Jahrhundert zurück. Er ist ein skrupelloser, profitsüchtiger Widerling, der bereit ist mit der korrupten, kapitalistischen Welt von S5 zu „verschmelzen“ (so wie er vorher kein Problem mit van Stattens „Regime“ hatte). Er ist am Ende nicht einmal in der Lage, sich für sein Verhalten zu entschuldigen, weil er überhaupt nicht erkennt, was er falsch gemacht hat. Sein Verhalten hat schon etwas leicht soziopathisches. Er… verhält sich wie z. B. die Banker die für die Bank-und Finanzkrise zuständig waren und die jetzt weiter machen wie zuvor (mir ist schon klar, dass TLG vor der Finanzkrise gelaufen ist, ich finde jedoch, dass dies ein passender Vergleich ist). Was der Doctor von diesem Verhalten hält, sehen wir am Ende der Folge.


    Der Doctor

    “This society’s the wrong shape. Even the technology”.
    Der Doctor ist hier einfach großartig. Er kommentiert das korrupte System auf Satellit 5 und die Leute, die auf diesem leben, mit bissigen Kommentaren. ER ist es, der direkt erkennt, dass etwas nicht stimmt, der nach- und hinterfragt. Und (und ich denke, dass dies das Wichtigste ist): Er bringt Kathica dazu, selbst zu hinterfragen und nachzudenken. Er verändert die Leute um ihn herum zum Besseren.


    Wie hat man „The Long Game“ jetzt zu betrachten: Als Dystopie, als politische Fabel oder als eine satirische Übertreibung der Zustände unserer Zeit? Ich würde sagen, dass die Folge von all diesen Erzählformen etwas in sich birgt. Mit Gewissheit kann ich allerdings sagen, dass „The Long Game“ Science Fiction ist, wie sie im Großen und Ganzen für mich sein sollte. Ich könnte jetzt noch ein bisschen mehr zur Folge schreiben, aber ich denke das reicht fürs Erste.


    Fazit

    Hey, die Folge wird besser und besser, je öfter ich sie mir ansehe. Unter anderem deshalb, weil man jedes Mal etwas Neues entdeckt. „The Long Game“ hat für mich viel zu bieten: eine intelligente Handlung, einen Doctor in Höchstform (naja, bei Eccleston Normalzustand), interessante Charaktere (die sehr gut eingesetzt werden) und als Kirsche auf dem Eis gibt es tolle Gaststars und eine stellenweise recht stylsche Optik. „The Long Game“ mag konzeptuell nicht so fordernd sein wie z. B. „The Ark in Space“, „Kinda“, oder „Gridlock“, jedoch verbinden sich hier alle eingeworfenen Themen zu einem mehr als befriedigenden Ganzem, weshalb ich mich nicht scheue der Folge 9/10 Punkte (SUPER) zu geben.