Schlecht Englisch verstehen kann ich immer noch gut, deshalb 
Vor den 1980er-Jahren hatten unsere Fernsehsender die unschöne Angewohnheit, ihre eigenen Aufnahmen zu vernichten, um Speicherplatz zu sparen. Videobänder wurden einfach gelöscht und wiederverwendet.
Jede einzelne Folge von Doctor Who aus den 1960er-Jahren ereilte dieses Schicksal. Da die BBC die Serie jedoch weltweit auf Filmkopien verkaufte, sind etwa zwei Drittel erhalten geblieben. Nun wurden zwei weitere verschollene Folgen aus dem November 1965 – „Der Albtraum beginnt“ und „Der Teufelsplanet“ aus einer epischen Geschichte mit den Daleks – in einer privaten Filmsammlung wiederentdeckt, restauriert und sind 60 Jahre später auf iPlayer verfügbar.
Autor Terry Nation und Regisseur Douglas Camfield waren beide für die damalige BBC ungewöhnlich politisch konservativ.
Da nichts im luftleeren Raum existiert, birgt selbst diese harmlose Kinderunterhaltung zur Teestunde interessante Schattenseiten. Autor Terry Nation und Regisseur Douglas Camfield waren beide für die damalige BBC ungewöhnlich politisch konservativ.
Nation, der Schöpfer der Daleks, hatte eine unkonventionelle Einstellung zu Krieg und Frieden. Seine Geschichten sind oft packende, kriegerische Erzählungen, die – wie auch hier – verzweifelte Kommandoeinsätze im Dschungel beinhalten. Moralischer oder kultureller Relativismus sucht man in seinen Werken vergebens. Das ist einer der Gründe, warum sie bei Kindern so gut ankamen, die ein unbedarftes Verständnis von Gerechtigkeit und Fairness haben, weil sie diese Regeln erst kürzlich gelernt haben und empört reagieren, wenn Erwachsene sie brechen. Doch Nations Schreibstil ist nie übertrieben enthusiastisch oder ermüdend machohaft.
Die interessanteste Szene dieser Episoden spielt nicht im Weltraumdschungel auf dem Planeten Kembel, sondern zurück auf der Erde im Jahr 4000. Nation zeigt uns eine selbstzufriedene, wohlhabende Gesellschaft, in der die Verantwortlichen des Sicherheitsapparats von Belanglosigkeiten in Belanglosigkeiten verstrickt sind. Im futuristischen Pentagon blinkt unaufhörlich eine Warnleuchte – vermutlich rot, aber da das Bild schwarz-weiß ist, lässt sich das nicht mit Sicherheit sagen – und verkündet eine wichtige Nachricht über eine bevorstehende Dalek-Invasion. Doch die beiden diensthabenden Verwaltungsangestellten Lizan und Roald bemerken nichts davon; stattdessen diskutieren sie, welchen der Hunderte von Fernsehsendern sie auf ihrem Überwachungsbildschirm einschalten sollen, und streiten sich freundschaftlich darüber, welches das coolste Modell einer Luxus-Weltraumyacht ist. Lizan ist völlig hingerissen von Mavic Chen, dem charmanten Politiker, der ihnen Frieden und Wohlstand gebracht hat; ihre Begeisterung erinnert mich an die Schwärmerei für Obama.
Chen ist eine kuriose Figur – er ist fast schon komisch gemischtrassig und weist Merkmale jeder menschlichen Ethnie auf. Dies soll wohl die ferne Zukunft symbolisieren, doch das „orientalische“ Augen-Make-up und die gestutzte, weiße Lockenperücke des kaukasischen Schauspielers Kevin Stoney haben im Jahr 2026 seltsamerweise weniger Aufsehen erregt, als man vielleicht erwartet hätte. Auf dem großen Fernseher im Kommandozentrum des Kriegsraums sehen wir das Ende von Chens Medientour, als er zu einem Weltraumurlaub aufbricht – „Ich hoffe, ich kann allen Interviewern entkommen“, neckt er den Laura-Kuenssberg-Verschnitt des 41. Jahrhunderts. Er ist ganz offensichtlich ein galaktischer Schurke. Es dürfte selbst den jüngsten Zuschauer kaum überraschen, dass er sich in Wirklichkeit dem Kampf der Daleks gegen die Menschheit anschließt.
Die gefährliche Selbstzufriedenheit in Frieden und Wohlstand wurde von den älteren Generationen in den 60er-Jahren schmerzlich empfunden. Nation’s Bedenken spiegeln hier jene in Tolkiens unvollendeter Fortsetzung von „Der Herr der Ringe: The New Shadow“ wider, die sich ähnlich besorgt darüber äußert, dass junge Menschen die ständige Wachsamkeit als Preis der Freiheit vergessen könnten.
Auch der Regisseur dieser Episoden, Douglas Camfield, empfand dies offenbar sehr deutlich.
Camfield war für eine militärische Karriere vorgesehen, konnte aber aufgrund eines angeborenen Herzfehlers, an dem er 1984 viel zu jung verstarb, nicht in der Armee bleiben. Seine Fernseharbeit hingegen plante er mit unglaublicher Präzision und geradezu militärisch. In ihrer Autobiografie erinnerte sich Elisabeth Sladen, die spätere Assistentin von „Doctor Who“,: „Er war durch und durch ein Militär. Er hatte einen Luftschutzbunker in seinem Garten, vollgestopft mit Corned Beef. Alles war für den Fall der Fälle vorbereitet.“ Er pflegte zu sagen: „Die Invasion kommt, und ich bin bereit.“ Camfield war außerdem ein Freund und Bewunderer von George Shipway, dem Autor des 1971 erschienenen Thrillers „The Chilian Club“ – der Geschichte eines rechtsgerichteten Putsches, dessen Klappentext mit der schockierenden Frage beginnt: „Haben SIE nicht auch manchmal Lust, einen Gewerkschaftsführer zu erschießen?“
Camfields unverhohlener Konservatismus war damals im Fernsehen ungewöhnlich und ist heute undenkbar. Doch er war kein Hitzkopf; er verstand alle Qualitäten eines Drehbuchs und holte jedes noch so kleine dramatische Potenzial heraus. In „Devil’s Planet“ unterstreicht er die Tragik einer unschuldigen Figur mit einer tiefen Sensibilität, die sehr berührend ist.
Terry Nation griff das Thema des … wieder auf.