Mir gefällt an der neuen Serie die offensichtliche Rückbesinnung auf den optimistischen Blick auf die Zukunft. Hier geht es um den Wiederaufbau der alten Föderation und der alten Sternenflotte nach dem Brand, und das ist ja im Grunde das, was "Starfleet Academy" nun ebenfalls tun will: Die Rückbesinnung auf alte Tugenden und den Wiederaufbau von "Star Trek".
Besonders schön: Es passieren dramatische Dinge, aber es gibt nie diese überzogene Sentimentalität, unter der leider ja vor allem "Star Trek: Discovery" öfter mal gelitten hat. So wie hier Holly Hunter eine Figur spielt, die zwar von einem schlechten Gewissen geplagt wird, die aber deswegen nicht rumjammert und sich selbst bemitleidet, sondern die einfach nur versucht, ihre Fehler wieder gutzumachen, das gefällt mir ausgesprochen gut und es zeigt mir, dass Kurtzman hier offenbar begriffen hat, wie man Emotionalität ohne Weinerlichkeit präsentiert.
Der Pilotfilm hatte alles, was von einem Serienauftakt zu erwarten ist. Die wichtigsten Figuren mit ihren Hintergründen und das Setting wurden eingeführt, die Action war gelungen, aber nicht übertrieben, und dass man erst im Finale die Sternenflottenbasis in San Francisco zu sehen bekam, war eine durchaus clevere Idee.
Und vor allem: Jede der Figuren durfte zeigen, was in ihr steckt.
Genesis übernimmt in der Krise sofort die Rolle des Anführerin, und das macht sie so selbstsicher und unauffällig, dass es sich völlig organisch anfühlt.
Caleb darf noch einmal glänzen, weil er die Art der programmierbaren Materie wiedererkennt, Sam dient als Energiequelle, Darem wird zu einem fast unzerstörbarem Wesen, das sogar kurze Zeit im Vakuum überleben kann, und Jay-Den erkennt, dass auch das Retten von Leben oft Mut erfordert.
Das macht das Drehbuch sehr schön und klassisch, und es macht einfach Spaß dabei zuzusehen, wie diese Figuren gleich in der ersten Folge zeigen, dass sie sich im Notfall aufeinander verlassen können.
Gleichzeitig kann Captain Ake mit einem witzigen Bluff den Schurken in die Flucht schlagen, in dem sie ein Simulationsprogramm zu Trainingszwecken nutzt, um einen Warpkernbruch vorzutäuschen.
Folge 2 war deutlich ambitionierter, denn es ging um Betazoid, welches seit dem teilweise Kollabieren der Föderation hinter einer Barriere lebt.
Caleb steht hier erneut im Zentrum, und er freundet sich mit einer jungen Betazoidin an, was zu einer kleinen Romanze führt. Was ja sehr typisch ist für "Star Trek", die Annäherung zweier Kulturen über eine Romanze hatten wir bei Kirk ja unentwegt.
Das Neue wagen, um das Alte zu bewahren, das ist Thema dieser Episode und das ist es ja auch, was die Serie mit "Star Trek" anstrebt. Insofern glaube ich nicht, dass es ein Zufall ist, dass der Holodoc bei dem Empfang Szenen aus der Oper "Die Zauberflöte" singt.
Die Oper "Die Zauberflöte" hat ja zum einen mit festgefahrenen, elitären Traditionen der Wiener Oper gebrochen. Sie sollte volkstümlicher und zugänglicher sein, weshalb sie die Sprache des Volkes verwendete, nämlich nicht italienisch sondern deutsch.
Zugleich hat sie sehr komische Figuren wie Papageno und Papagena mit sehr ernsten, symbolischen Inhalten verbunden. Es war also eine Mischung aus Märchen und Komik, und das ganze mit moralisch-philosophischem Anspruch.
"Die Zauberflöte" hat zum einen sehr einfache Melodien, dann aber wieder mit die schwierigsten und anspruchsvollsten Arien der gesamten Opernwelt.
Und eine weitere Parallele scheint es auch zu geben: Die Oper "Die Zauberflöte" war zunächst gar kein Erfolg und stieß auf große Ablehnung. Heute ist sie eine der meist gespielten Opern weltweit.