Nur zur Erklärung, weil es in Deutschland nicht so bekannt ist: Die Episode spielte auf das sogenannte "Partygate" an.
Dabei hatte sich herausgestellt, dass jene konservativen Politiker, welche die strengen Lockdown-Maßnahmen beschlossen hatten, sich selbst überhaupt nicht daran hielten und während des Lockdowns in der Downing Street Nr. 10 mehrere Partys feierten. Der Skandal trug maßgeblich zum Sturz von Boris Johnson als Premierminister und zu seinem Rücktritt als Abgeordneter bei.
Fraglich ist, ob es wirklich eine gute Idee war, dieses kontroverse Thema in einer Episode wie "Joy to the World" unterzubringen. Aber so ist Moffat. Während eines der schlimmsten Bombenangriffe der Weltgeschichte sitzt ein altes Ehepaar gemütlich in einem Hotelzimmer in London, und aus einer Superwaffe eines Waffenkonzerns wird ein fröhlicher Stern der Hoffnung. Beides würde ich als "Kriegs-Kitsch" bezeichnen.
"Joy to the World" explodiert vor verrückten Ideen und großartigen, farbenfrohen Bildern, bis hin zum "hier kann man gut vom Saurier gefressen werden"-Baumhaus. Das macht Spaß, enthält mir aber zu viel Willkür, auch wenn Moffat es irgendwie für einen erzählerisch genialen "Pay-Off" hält, wenn er am Ende einige zufällig gewählte Schauplätze mit einem Seil verbindet.
Bei "Per Anhalter in die Galaxis" konnten Fahrstühle in die Zukunft blicken, um stets rechtzeitig bereitzustehen, hier tut es die Küche, um schnell das Essen zu servieren. Und dann treffen die Türen aus "Monster AG" halt mal auf eine exzentrische "Hotel Budapest"-Atmosphäre. Das Vermischen bekannter Ideen ist typisch Moffat.
Ebenfalls typisch Moffat sind leider manche Monologe, mit denen er sich in puren Blödsinn hinein schwurbelt. Was sollte die wirre Rede über Hotelzimmer, die angeblich mehr über Personen aussagen als Wohnungen, weil Hotelzimmer ja immer "gewählt" werden.
Ich dachte ja immer, so ein Hotelzimmer sagt in erster Linie etwas über die Dicke der Brieftasche des Hotelgastes aus, als über den Charakter, denn oft nimmt man halt schlicht das, was noch frei ist und was man sich leisten kann, auch wenn es einem gar nicht gefällt. Aber als Hollywood-Millionär sieht man das vermutlich anders.
Moffat wirft immer alles auf einen Haufen und ist offenbar erst dann zufrieden, wenn JEDE nur irgendwie denkbare Emotion in EINER Episode verarbeitet wurde.
Die "Botschaft" der Folge ist mir daher auch ein Rätsel.
Auf der einen Seite wird die Wichtigkeit von persönlichem Kontakt, von echten, leibhaftig vorhandenen Besuchern betont. Dann aber haben wir Trev, dessen telepathisches "Psychograft" (eine Kommunikations-Implantation, die automatisch seine Mutter anruft, wenn er vergisst, die Toilette zu spülen) Trevs Bewusstsein dupliziert und in die Kommunikationssoftware des Koffers hochgeladen hat, wo Trev dann glücklich, obwohl körperlos, weiterlebt.
Ja was denn jetzt? Sind wir Menschen, die persönlichen Kontakt und Berührung brauchen, oder sind wir auch ersatzweise körperlose K.I.s, die glücklich in einem körperlosen Zustand existieren können?
Ich muss gestehen, ich habe am Ende nicht mehr kapiert, wie Joy es geschafft hat, mit dem Sternensamen zu verschmelzen, und weshalb am Ende alle Bewusstseine der ehemaligen Kofferträger im Samen leben, wo sie die Technologie von Villengard überwinden und ins All fliegen, damit der Sternensamen keinen Schaden mehr anzurichten kann und stattdessen zum leuchtenden Weihnachtsstern wird.
Und die Mutter von Joy kann dann auch noch irgendwie Bestandteil der Sonne werden, was mich eher ratlos zurückließ. Ist halt ein bisschen doof, wenn eine Episode eine große Tragodie nachträglich mit Puderzucker ertränkt.